Die Opération Serval war eine Operation der französischen Streitkräfte in Mali auf Bitte der dortigen RegierungMali – la France a mené une série de raids contre les islamistes, Le Monde.fr, 12. Januar 2013, Stand 12. Januar 2013. und unter Billigung der Vereinten Nationen (Resolution 2085 des UN-Sicherheitsrates vom 20. Dezember 2012). Das offizielle Ziel der Operation war es, die malische Armee beim Aufhalten, Zurückdrängen und Ausschalten militanter Islamisten aus dem Azawad, welche einen Vorstoß in das Zentrum von Mali begonnen hatten, zu unterstützen. Außerdem sollte durch die Operation die Sicherheit von ca. 6.000 französischen Zivilisten, die sich im Land aufhielten, gewährleistet werden.Mali and France 'push back Islamists’, the BBC, News Africa, 12. Januar 2013, aktualisiert gegen 01:04 GMT, Stand 12. Januar 2013France Battling Islamists in Mali NYT, veröffentlicht am 11. Januar 2013, Stand 12. Januar 2013. Von der unsicheren Lage in Mali waren zudem die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs betroffen, da Mali und das Nachbarland Niger über wichtige Bodenschätze verfügen.Frank Doll: Der Rohstoffkrieg in Mali In: Wirtschaftswoche-Online. 14. Januar 2013, abgerufen am 10. Januar 2014.Matthias Gebauer, Björn Hengs: Militäreinsatz in Westafrika: Was Frankreich in Mali wirklich will. Spiegel Online, 16. Januar 2013; abgerufen am 10. Januar 2014. Die Operation wurde nach dem Serval benannt, einer Spezies mittelgroßer, wilder, afrikanischer Kleinkatzen. Der Opération Serval folgte die Opération Barkhane, ein ebenfalls französisch geführter Militäreinsatz seit dem 1. August 2014.Dominic Johnson:Auf gut Glück nach Gao. taz am 12. Januar 2017.

Hintergrund

Nachdem es im Januar 2012 infolge des Bürgerkrieges in Libyen zu einem Zustrom von Waffen nach Mali gekommen war, begannen Stammesangehörige der Tuareg von der Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) eine Rebellion gegen die malische Regierung. Im April 2012 verkündete die MNLA ihre Zielrealisierung, beendete die Offensive gegen die Regierung und erklärte die Unabhängigkeit von Azawad. Im Juni 2012 jedoch geriet die MNLA in Konflikt mit den islamistischen Gruppierungen Ansar Dine und Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO), nachdem die Islamisten mit der zwangsweisen Einführung der Scharia in Azawad begonnen hatten. Bis zum 17. Juli 2012 hatten MUJAO und Ansar Dine die MNLA gewaltsam aus allen bedeutenden Städten verdrängt. Am 1. September 2012 wurde Douentza, eine Stadt in der Region Mopti unter der Kontrolle der Ganda-Iso-Miliz, von der MUJAO eingenommen. Am 28. November 2012 vertrieb die Ansar Dine die MNLA aus Léré, einer Kleinstadt im Kreis Niafunké in der Region Timbuktu.

In seiner Sitzung am 20. Dezember 2012 befasste sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit der Situation in Mali.UN News Center: News Focus: Mali Er beschloss die Resolution 2085, die eine afrikanisch geführte internationale Unterstützungsmission in Mali legitimierte.Security Council Authorizes Deployment of African-led International Support Mission in Mali for Initial Year-Long Period (Volltext der Resolution)

Auslöser Bis zum 10. Januar 2013 verschlechterte sich die Situation der malischen Armee nach mehreren Monaten militärischer Auseinandersetzungen zusehends. Den Rebellen gelang es an diesem Tag, die Kleinstadt Konna einzunehmen; sie bewegten sich anschließend in Richtung der strategisch wichtigen Großstadt Mopti, die den Zugang zur Hauptstadt Bamako ermöglicht. Daraufhin richtete der Präsident der malischen Übergangsregierung, Dioncounda Traoré, ein offizielles Gesuch um militärische Unterstützung zur Verhinderung der jihadistischen Offensive an Frankreich. Als Folge der französischen Kolonialpolitik in Westafrika, die bis in die 1960er Jahre andauerte, ist Mali, nicht zuletzt durch die gemeinsame Sprache, stark von der ehemaligen Kolonialmacht und den ebenfalls französischsprachigen Nachbarländern geprägt.

Der französische Staatspräsident François Hollande kam diesem Gesuch umgehend nach, wie er einen Tag später bekannt gab. Die französische Armee intervenierte in Mali seit dem Nachmittag des 11. Januar 2013. Das französische Parlament befasste sich am 14. Januar mit dem Militäreinsatz. Es war der erste Auslandseinsatz französischer Truppen seit der Amtseinführung Hollandes im Mai 2012.

Operationsziele Am Abend des 11. Januar 2013 gab Hollande bekannt, dass französische Soldaten seit dem Nachmittag aktiv an den Kämpfen im westafrikanischen Mali beteiligt seien. Ziel sei es, die Regierungstruppen von Mali im Kampf gegen „terroristische Elemente“ zu unterstützen. Er merkte an, dass dieser Einsatz so lange dauern werde wie nötig.

Am 13. Januar merkte der französische Außenminister, Laurent Fabius, gegenüber der Presse an, dass die Intervention „eine Frage von Wochen“ sein werde.

Am 15. Januar erklärte Hollande auf einer Pressekonferenz in Dubai, dass die französischen Truppen Mali erst verlassen und die Operation beenden würden, wenn Mali sicher sei sowie eine legitime Ordnung und einen Wahlprozess habe. Außerdem dürften die Terroristen die territoriale Integrität von Mali nicht mehr gefährden. Auf die Frage, was mit Rebellen geschehe, die in eine Konfrontation mit französischen Truppen geraten würden, antwortete er: „Sie fragen, was wir unternehmen werden, wenn wir die Terroristen finden? Sie zerstören. Gefangen nehmen, falls möglich. Und dafür sorgen, dass sie keine Gefahr in der Zukunft darstellen.“

Hollande nannte drei Hauptziele der Operation: Stopp des terroristischen Angriffs, Sicherung von Bamako und der dort lebenden mehreren tausend französischen Staatsbürger, Mali mit Hilfe der von den Franzosen unterstützten AFISMA in die Lage zu versetzen, seine territoriale Integrität wiederherzustellen.

Am 20. Januar erklärte der französische Verteidigungsminister, Jean-Yves Le Drian, dass das Ziel der Opération Serval das vollständige Ende jeglicher islamistischen Kontrolle über Teile des Landes sei.

Über die offiziell benannten Ziele der Militärintervention hinaus sollen nach Ansicht von Journalisten, Umweltschützern und Friedensaktivisten auch wirtschaftliche Interessen Frankreichs eine wesentliche Rolle für das Eingreifen gespielt haben. Der französische Energiekonzern Areva fördert im Nachbarland Niger Uran, das für den Betrieb französischer Atomkraftwerke benötigt wird. Auch in Mali selbst werden Uranvorkommen vermutet. Mali soll aber auch über die ebenfalls für Frankreich wichtigen Bodenschätze Erdöl, Gold, Diamanten und Phosphor verfügen.Andreas Buro, Clemens Ronnefeldt: Dossier VI: Der Mali Konflikt oder: Der Kampf um die Kontrolle von Nord- und Westafrika. Kooperation für den Frieden, Bonn 2013 versoehnungsbund.de (PDF)Matthias Gebauer, Björn Hengs: Militäreinsatz in Westafrika: Was Frankreich in Mali wirklich will. Spiegel Online, 16. Januar 2013; abgerufen am 19. Dezember 2013.Rachel Baig: Frankreichs Interessen in Mali. Deutsche Welle, 17. Januar 2013; abgerufen am 19. Dezember 2013.Blog-Artikel von Dirk Seifert, Energiereferent der Umweltorganisation Robin Wood, abgerufen am 19. Dezember 2013.Mali? Uran aus Niger und Erdgas aus Algerien. N24.de, 2. Februar 2013; abgerufen am 19. Dezember 2013.

Kräftedispositiv Die französischen Streitkräfte profitierten bei der Aufstellung und Entsendung einer Eingreiftruppe für Mali von ihren in Westafrika im Rahmen von anderen Operationen unterhaltenen Militärbasen.

Am 14. Januar wurde bekannt, dass die französischen Streitkräfte in Mali in den folgenden Tagen auf 2.500 Soldaten aufgestockt werden sollen.

Datum Truppenstärke in Mali15. Januar80017. Januar140018. Januar180019. Januar200021. Januar215022. Januar230024. Januar2400

Luftwaffe Die Französische Luftwaffe nutzte zwei Aufklärungsflugzeuge des Typs Mirage F1 CR des Aufklärungsgeschwaders 2/33 Savoie aus Mont-de-Marsan sowie sechs Kampfflugzeuge des Typs Mirage 2000D, welche Teil der französischen militärischen Operation Épervier im Tschad und im militärischen Teil des Flughafens von N’Djamena stationiert waren. Um aus der planmäßigen Rotation der Mirage 2000D Vorteile zu ziehen, wurden die Verschiebung der Rückkehr der Düsenjäger nach Frankreich und der weitere Verbleib in N’Djamena beschlossen. Zusätzlich setzte die Luftwaffe von diesem Stützpunkt aus drei Tankflugzeuge des Typs C-135FR sowie je ein Transportflugzeug des Typs C-130 Hercules und Transall C-160 zur logistischen Unterstützung ein.Mali: lancement de l’opération Serval, Ministère de la Défense

Am 13. Januar flogen vier Kampfflugzeuge des Typs Rafale der Jagdstaffeln 1/7 Provence und 2/30 Normandie-Niémen (davon drei der Version B und eines der Version C) vom Militärflugplatz Saint-Dizier-Robinson aus über den vorher freigegebenen Luftraum von Algerien, um in Mali Ziele nahe der Stadt Gao anzugreifen. Die Rafale setzten dann den Flug nach N’Djamena mit den sie begleitenden zwei Tankflugzeugen vom Typ C-135FR fort und sollten für die Dauer des Konfliktes dort stationiert bleiben.

Für die Versorgung charterte Frankreich neben anderen Transportmaschinen der russischen Volga-Dnepr Airlines auch zwei Frachtflugzeuge vom Typ Antonow An-124-100, welche der russischen Luftwaffe angehören. Sie trafen am 14. Januar auf der Luftwaffenbasis Évreux (Évreux-Fauville Air Base) ein und transportierten seitdem Container, Versorgungsgüter und militärische Ausrüstung.

Die französische Luftwaffe verlegte bis zum 17. Januar 2013 zwei der vier zur Verfügung stehenden Aufklärungsdrohnen des Typs Harfang des Escadron de reconnaissance 1/33 Belfort in die Sahelzone. Die Einheit wurde in der Hauptstadt von Niger, Niamey, etwa 700 Kilometer entfernt vom umkämpften Gebiet stationiert. Zusätzlich standen seit Ende 2013 bewaffnete Drohnen vom Typ MQ-9 zur Verfügung.

Das größte Flugzeug der Welt, die Antonow An-225, wurde für die Logistik eingesetzt. Ende Dezember 2013 führte auch der erste operative Einsatz der A400M Atlas nach Mali.

Marine Bei Dakar im Senegal stationierte Patrouillenflugzeuge des Typs Breguet Atlantic 2 der französischen Marine wurden zur Aufklärung und Nachrichtengewinnung eingesetzt. Laut Medienberichten wurden dabei seit dem 18. Januar fünf Flugzeuge dieses Typs verwendet.

Die Dixmude, ein Hubschrauberträger der Mistral-Klasse, wurde am 21. Januar im Militärhafen Toulon mit 130 gepanzerten Fahrzeugen und zwei Kompanien des 92e RI beladen und legte noch am selben Tag ab. Am 28. Januar legte das Schiff in Dakar im Senegal an. Der aus 500 Soldaten bestehende Gefechtsverband wurde in Dakar abgesetzt und sammelte sich im Camp Bel Air. Am 1. Februar setzte dieser Gefechtsverband seine Reise nach Bamako auf dem Landweg fort und traf dort am 5. Februar ein.

Bodentruppen mini|Französische Truppen in Bamako (18. Januar 2013) Folgende französische Bodentruppen wurden unmittelbar eingesetzt:Mali: lancement de l’opération Serval, Ministère de la Défense ein gepanzerter Zug des 1er régiment étranger de cavalerie (1er REC) aus Orange eine Kompanie des 21e régiment d’infanterie de marine (21e RIMa) aus Fréjus eine Kompanie des 2e régiment d’infanterie de marine (2e RIMa) aus Auvours

Der gepanzerte Zug des 1er REC sowie die Kompanie des 21e RIMa waren ebenfalls Teil der Operation Épervier im Tschad und wurden am 11. und 12. Januar mittels der in N'djamena stationierten Transportflugzeuge nach Bamako verlegt.

Die Kompanie des 2e RIMa war Teil der im Heimatland ständig bereitgehaltenen Reserve Guépard und wurde am 12. Januar von Roissy nach Bamako mittels Transportflugzeugen des Typs Airbus A310 und A340 der Escadron de transport 3/60 Estérel verlegt.