Satansbraten ist eine Filmgroteske des deutschen Regisseurs, Autors und Darstellers Rainer Werner Fassbinder. Innerhalb von acht Jahren war es sein 26. Spielfilm. Er erzählt von der Schaffenskrise eines ehemals erfolgreichen linken Autors, der sich plötzlich für Stefan George hält und Gefallen an rechtsradikalen Ansichten hat. Die Dreharbeiten in München erfolgten in zwei Teilen: 14 Tage im Oktober 1975 und 15 Tage im Januar/Februar 1976. Die Kosten beliefen sich auf ca. 600.000 DM. Die Uraufführung des Films fand am 7. Oktober 1976 auf der Filmwoche Mannheim statt; der Kinostart war im November 1976.Rainer Werner Fassbinder Werkschau – Programm, Rainer Werner Fassbinder Foundation (Hrsg.), Berlin, 1992.

Handlung Der Poet Walter Kranz und seine pragmatische Frau Luise leben mit Walters geisteskrankem Bruder Ernst zusammen. Sie haben Geldprobleme, weil der ehemals erfolgreiche „Dichter der Revolution“ seit zwei Jahren nichts mehr geschrieben hat. Sein Konto ist weit überzogen, sein Verleger gibt ihm keinen Vorschuss mehr und auch bei seinen Freunden Lisa und Rolf hat er bereits zu viele Schulden angehäuft. Nur Walters Geliebte Irmgard von Witzleben, die gern seine Sklavin spielt, stellt ihm noch einen Scheck aus – doch beim Sklavenspiel erschießt er sie.

Walter kommt auf die Idee, über eine Prostituierte zu schreiben, und empfängt Lana von Meyerbeer zum Interview. Aber es fällt ihm leichter, mit ihr zu schlafen als gute Fragen zu stellen. Seine Frau schaut zu und beschwert sich, weil er mit ihr schon länger nicht mehr schläft. Sein Bruder Ernst ist vorwiegend damit beschäftigt, seine Sammlung toter Fliegen zu vergrößern. Als die Polizei von Walter ein Alibi verlangt, werden gerade die gepfändeten Möbel aus der Wohnung abgeholt. Weil es zu Hause so ungemütlich geworden ist, übernachtet Walter lieber bei seiner Freundin Lisa – mit vorheriger Genehmigung ihres Mannes. Lisa stimmt auch zu, sein Alibi zu bezeugen.

Zur Geldbeschaffung lässt er seine Verehrerin Andrée anreisen, die ihm jahrelang Briefe geschrieben hat. Glücklich darf sie bei Walter, Luise und Ernst einziehen. Andrée stellt ihre Ersparnisse zur Verfügung, ist Walter völlig ergeben und lässt sich immer wieder demütigen. Sie nimmt es sogar hin, dass sie von Ernst auf Anregung seines Bruders Walter im Kohlenkeller vergewaltigt wird.

Als Walter ein schönes Gedicht schreibt, entlarvt es seine Frau schnell als Werk von Stefan George. Daraufhin lässt sich Walter von Andrées Geld einen Anzug der Jahrhundertwende schneidern, setzt sich eine Perücke auf und liest – wie George – vor einem kleinen Kreis dessen Texte vor. Immer mehr identifiziert er sich mit George, nur sein Äußeres macht ihm zu schaffen: Luise hat ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er für Stefan George reichlich dick ist.

Als Andrées Ersparnisse zu Ende gehen, kommen Walters Zuhörer nicht wieder, denn er hatte sie dafür bezahlt, seinen Vorträgen beizuwohnen. Als echter Zuhörer bleibt ihm – neben Andrée – nur noch Urs, ein Jünger, der immerhin Walters Bruder Ernst dazu holt. Als Luise ihm sagt, dass er nicht George sein könne, da dieser schwul war, probiert Walter den Kontakt mit einem Stricher. Als der sexuelle Kontakt nicht klappt und der Stricher sich auch noch unfähig zeigt, bei seinen Lesungen zu assistieren, erklärt Walter Stefan George für tot. Er hat aber so viel Gefallen am faschistoiden Weltbild von Starken und Schwachen gefunden, dass er sich einen Spaß daraus macht, Lisa und Rolf Andrées Unterwürfigkeit vor Augen zu führen.

Die Geldnot treibt Walter dazu, nach Jahren mal wieder seine ärmlich lebenden Eltern zu besuchen. Er schafft es, ihnen mit einer Geschichte die Beerdigungsersparnisse abzunehmen. Andrée, die Walter auf Schritt und Tritt folgt, ist beim Anblick des Elternhauses fassungslos und beginnt, an ihm zu zweifeln. Er hatte ihr von vermögenden, gebildeten Eltern erzählt.

Bald hängt sie wieder an seinen Lippen, denn Walters Schaffenskrise ist zu Ende: Er schreibt wieder und kann nun Andreé und den beiden Jüngern eigene Texte vorlesen. Geld fehlt ihm jedoch weiterhin. Deshalb überrascht er die Prostituierte Lana in ihrer Privatwohnung. Als er merkt, dass sie verheiratet ist, erpresst er ihre Ersparnisse. Aber er hat nicht mit Lanas Beschützern gerechnet und wird vor den Augen von Andrée zusammengeschlagen. Als Walter, noch am Boden liegend, lächelt, hält Andrée ihn für schwach und fällt völlig vom Glauben an ihn ab.

Walter kann das egal sein, denn er hat es geschafft: Sein Buch „Keine Feier für den toten Hund des Führers“ ist fertig und der Verleger zufrieden: Das sei nun „kein verkrampfter linker Kitsch“ mehr, sondern habe „Power“ und „Größe“. Er schlägt als Werbeslogan vor: „Ein Epos aus den Niederungen und Kloaken des Menschseins“. Alles könnte gut werden, aber als Walter nach Hause kommt, ist seine Frau ins Krankenhaus eingeliefert worden. Luises Aussehen und die Bemerkungen über ihren Gesundheitszustand hatte Walter zuvor nie beachtet. Als er mit seinen zwei verbliebenen Jüngern im Krankenhaus eintrifft, ist Luise bereits verstorben. Theatralisch bricht er zusammen und enttäuscht damit seine beiden Jünger, die er stets auf das Starke eingeschworen hatte.

Dem Arzt gegenüber erklärt er alles für Schauspiel. Als der Arzt von seinem neuen Werk erfährt, nennt er Walter einen Glücklichen und lässt ihn strahlen. Walter will sich nun seines Bruders entledigen und dazu Ernst bei der Polizei des Mordes an Irmgard bezichtigen. Er lässt Ernst die Pistole aus dem Versteck holen – und wird von ihm beim Telefonat mit der Polizei erschossen. Als es klingelt, stehen Polizisten zusammen mit Irmgard vor der Tür. Mit einem Eimer kalten Wassers lassen sie Walter wieder auf(er)stehen, der sie irritiert fragt: „Ist das das Paradies?“

Motto des Films Der Film beginnt mit einem Zitat von Antonin Artaud, dem Fassbinder anderthalb Jahre später auch seinen Film Despair – Eine Reise ins Licht widmete:

„Ce qui différence / le païens de nous / c’est qu’à l’origine / de toutes leurs croyances / il y a un terrible effort / pour ne pas penser en hommes, / pour garder le contact / avec la création entière / c´est-à-dire la divinité.“ (Was die Heiden von uns unterscheidet, ist jene am Ursprung all ihrer Glaubensformen unternommene Anstrengung, nicht vom Menschen aus zu denken, um die Verbindung mit der ganzen Schöpfung, das heißt mit der Gottheit, zu erhalten.)

Fassbinder über seinen Film

Kritiken

Theateradaptionen Genie und Kopie Christine Dössel, Süddeutsche Zeitung, 16. März 2012.

Literatur

Nicolas Detering: "Satansbraten. Rainer Werner Fassbinders Komödie über Stefan George (1976)". In: George-Jahrbuch. Hg. von Wolfgang Braungart und Ute Oelmann im Auftrag der Stefan-George-Gesellschaft. Band 12 (2018/2019). Berlin, Boston: De Gruyter, S. 181–214.

Weblinks

Satansbraten, Film- und Hintergrundinformationen, Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin

Satansbraten bei Kino.de

Sex, Mord, Kunst und viele tote Fliegen Filmkritik von Maurice Lahde auf Critic.de, 2012 Satansbraten-Trailer bei New-Video.de

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1976 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Rainer Werner Fassbinder