Der Karakorum ist ein bis zu hohes Gebirge in Südasien beziehungsweise Hochasien. Er trägt mit dem K2 den zweithöchsten Berg der Erde sowie mit Broad Peak (), Gasherbrum I („Hidden Peak“, ) und Gasherbrum II () drei weitere Achttausender. Außerdem befinden sich hier 63 eigenständige Siebentausender und etliche Nebengipfel. Der Karakorum erstreckt sich über den Norden Pakistans, Indiens und den Westen Chinas, Teile des Grenzverlaufs sind umstritten. Der Indus und dessen Zufluss Shyok wird häufig als Abgrenzung des Karakorum von der Himalaya-Hauptkette im Südosten genannt.
Das Gebirge hat eine Ausdehnung von etwa 700 Kilometern Länge und eine Breite von 100 bis 150 Kilometern und erstreckt sich in einem leichten Bogen von Nordwest nach Südost.
Der Karakorum wird als höchstes Gebirge der Welt bezeichnet. Der höchste Berg der Erde, der Mount Everest, liegt zwar nicht im Karakorum, aber mehr als die Hälfte der Gebirgsfläche liegt oberhalb von 5000 Metern. Das Hochland von Tibet liegt zwar ebenfalls auf einer Höhe von 4500 bis 5000 Metern, ist aber relativ flach oder gewellt, wohingegen der Karakorum mit seinen steilen Bergen und tiefen Tälern die größte Fläche an topografischem Relief über 6000 Meter aufweist.
Name Der Name Karakorúm kommt aus den Turksprachen und bedeutet „schwarzes Geröll“. Er leitet sich vom Karakorum-Pass ab, der selbst südöstlich außerhalb des Gebirges liegt. Dort finden sich die namensgebenden schwarzen Schutthalden. Eine weitere mögliche Erklärung liegt darin, dass die Turkvölker Farben mit Himmelsrichtungen assoziieren. Kara („schwarz“) steht dabei für „Norden“ oder „nördlich“. Kara-korum könnte daher auch „nördlich des Gerölls“ oder „nördliches Geröll“ bedeuten.
Der Engländer William Moorcraft (1767–1825) gilt als der erste europäische Geograf, der den Namen Karakorúm für das Gebirge zwischen Industal und Tarim-Becken verwendete. Der Name setzte sich zunächst durch, erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen Zweifel an seiner Eignung. Treffender schien ein Name der einheimischen Bevölkerung: Muztagh bedeutet „Eisberg“ und beschreibt damit das stark vergletscherte Hochgebirge angemessen.
Von verschiedenen Seiten wurden Anstrengungen unternommen, den Namen Karakorum durch Muztagh zu ersetzen. Diese Bemühungen brachten jedoch mehr Verwirrung als Nutzen, denn die Bezeichnung Muztagh ist vieldeutig und findet sich auch außerhalb des Karakorum, beispielsweise im Pamir beim Berg Muztagata. Günter Dyhrenfurth wies darauf hin, dass der Begriff Muztagh nur in zusammengesetzten Namen zu verwenden ist. Darüber hinaus wurde Muztagh eher als eine Beschreibung denn als eine Bezeichnung empfunden, die Beibehaltung des Namens Karakorum wurde empfohlen.
Dem folgte die Karakorum-Konferenz 1937, indem sie das Gebirge in Großen Karakorum und Kleinen Karakorum unterteilte. Der Ausdruck Muztagh wurde für die Gebirgszüge innerhalb des Großen Karakorum verwendet, z. B. Baltoro Muztagh oder Hispar Muztagh.
Geografie mini|hochkant=1.5|Das Karakorum (Nr. 3) als Teil Hochasiens mini|Der Karakorum und seine Nachbargebirge (sowie deren höchste Gipfel). Korrektur zum Bild: Der Hinduraj liegt unter dem „sh“ von „Hindu Kush“. Dieser geht eigentlich bis über das erste „a“ von „Karakorum“ auf Höhe des „K“ von „Kunlun Shan“. mini|Der zweithöchste Berg der Erde: K2 (8.611 m) im Zentral-Karakorum mini|Gasherbrum II (8.035 m),Hochlager auf 5.900 m Höhe mini|Auf der Nordseite des Baltoro-Gletschers liegen die Granittürme der Trango-Gruppe
Geografische Grenzen
Die Karakoram-Conference 1936/37 bestand aus Teilnehmern des Survey of India, der Royal Geographic Society, des Alpine Club und des Himalayan Club. Sie schlug die heute überwiegend gültige Einteilung des Gebirges vor, nach der die Grenzen des Karakorum festgelegt wurden.
Der Fluss Shyok wird von den Gletschern auf der Ostseite des südöstlichen Teils der Karakorum-Hauptkette gespeist. Er fließt zunächst nach Süden und biegt dann nach Nordwesten ab und strömt dem Indus zu. Der Oberlauf des Shyok stellt die östliche Grenze des Karakorum dar. Die Südgrenze des Karakorum zur Ladakh Range ist definiert durch den Shyok von dessen Biegung im Osten () bis zur Mündung in den Indus (). Dort beginnt die kurze Grenze des Karakorum zum Himalaja, die dem Indus flussabwärts bis zur Einmündung des Gilgit-Flusses () folgt, wo die Grenze zum Hinduraj anfängt. Weiter den Gilgit flussaufwärts bis zur Einmündung des Ishkoman im Westen (). Der Ishkoman, dessen nördlicher Oberlauf als Karambar bezeichnet wird, stellt die westliche Grenze dar. An der Stelle, wo die Grenze das Tal Richtung Nordosten hinauf zum Chillinji-Pass () verlässt, stoßen Karakorum, Hinduraj und Hindukusch aufeinander. Der Pass bildet die Nordwest-Ecke des Gebirges. Die Nordgrenze zum Hindukusch verläuft vom Chillinji-Pass durch das Tal des Flusses Chapursan nach Osten, bis sie kurz vor dessen Mündung in das Tal des Hunza nach Norden über den Kermin-Pass () in das nördliche Nachbartal wechselt. Hier folgt sie dem Kilik nach Osten bis zu dessen Zusammenfluss mit dem Fluss Kunjirap (). Die Karakorumgrenze verläuft weiter das Kunjirab-Tal hinauf bis zum Kunjirap-Pass (), der die Grenze zu China darstellt. Von dort geht es weiter zum Oprang-Pass und dann nach Osten das Oprang-Tal hinab bis zu dessen Einmündung ins Shaksgam-Tal (). Das Shaksgam-Tal aufwärts führt die Karakorum-Nordgrenze in südöstliche Richtung weiter bis zur Quelle des Shaksgam am gleichnamigen Pass (). Von dort geht die Ostgrenze auf der Ostseite des Rimogletschers () weiter und verläuft durch das Tal des am Rimogletscher entspringenden Shyok nach Süden.
Nachbargebirge Das Hochgebirge befindet sich zwischen dem Pamir im Norden, den Aghil-Bergen und dem Kunlun Shan im Osten, der Ladakh Range im Südosten und dem Himalaya im Süden und dem Hindukusch im Westen. Als etwa 500 km langes Gebirge breitet es sich im westlichen China, im nördlichen Indien und im nordöstlichen Pakistan in Nordwest-Südost-Richtung aus.
Karakorum und Himalaya Die Frage nach der Zugehörigkeit des Karakorum zum Himalaya wird unterschiedlich beantwortet: Als nördliche und westliche Grenze des eigentlichen Himalayas gilt der Indus, der den Himalaya im Nordwesten und Norden von Hindukusch und Karakorum abgrenzt und im Nordosten von der Ladakh Range und deren südöstlichen Verlängerung, die als Transhimalaya bezeichnet wird. Der Schweizer Himalayaforscher Günter Oskar Dyhrenfurth empfahl bereits 1935 als korrekte Bezeichnung („wenn auch etwas langatmig“) Karakorum-Himalaya. In seinem Buch „Der dritte Pol“, einem Standardwerk über den Himalaya, begründet er dies so:
Die Bezeichnung Karakorum-Himalaya hat sich jedoch nicht durchgesetzt (auch Dyhrenfurth verwendete sie nicht) und eine Trennung zwischen Karakorum und Himalaya findet ebenso Befürworter. Dennoch liegt Dyhrenfurth richtig in seiner Einschätzung, dass die geologischen Gemeinsamkeiten zwischen Himalaya und Karakorum größer sind als die zwischen Zentral- und Südlichen Kalkalpen. So bilden zum Beispiel der zum eigentlichen Himalaya zählende Nanga Parbat mit dem nördlich (jenseits des Industals) gelegenen Haramosh eine geologische Einheit, man spricht hier vom Nanga Parbat-Haramosh massif. Dyhrenfurth verwendete schließlich den Begriff „Himalaya-System“, in dem der Karakorum enthalten war.
Die Plattentektonik liefert ein weiteres Indiz, das für eine Trennung von Himalaya und Karakorum spricht: Die Gebirgsbildung begann vor 40 Millionen Jahren, als die indische Platte mit der eurasischen Platte kollidierte. Während der Karakorum aus dem Teil der Erdkruste entstanden ist, der am Rand des asiatischen Kontinents lag, ist die Masse des Himalaya aus den Rändern des gegen Asien driftenden indischen Subkontinents aufgefaltet worden. Der Indus stellt einen Teil der Nahtlinie (Indus-Sutur) dar.
Gebirgszüge innerhalb des Karakorum: Großer und Kleiner Karakorum Großer Karakorum Die Hauptkette des Karakorum wird als Großer Karakorum (englisch: Greater Karakoram) bezeichnet. Sie lässt sich vom Saser Muztagh im äußersten Südosten des Gebirges bis zum Hispar Muztagh im Nordwesten östlich des Hunzatals als ein langer Bergkamm darstellen, der niemals tiefer als fällt. Im Westen des Hunzatals setzt sich die Hauptkette im Batura Muztagh als westlichsten Gebirgszug des Karakorum fort. Der Bergkamm ist aber hier durch das Hunzatal unterbrochen, die höchste Verbindung vom Batura Muztagh zum östlichen Teil der Hauptkette führt über den Mingteke-Pass, der nach Definition durch die Karakorum-Konferenz bereits außerhalb des Karakorums liegt.
Die einzelnen Gebirgszüge des Großen Karakorum und ihre Anfangs- und Endpunkte wurden im Bericht der Karakorum-Konferenz 1937 von Nordwesten nach Südosten so definiert:
Hinweis: Für eine Auflistung der höchsten Berge jedes Gebirgszugs lässt sich die Liste am Ende des Artikels nach Gebirgszügen sortieren.
Das Batura Muztagh liegt südlich des Baturagletschers verläuft vom Berg Koz Sar im Westen bis zur Hunzaschlucht. Zum Batura Muztagh zählen unter anderem die Berge Batura Sar (, höchster Berg des Gebirgszugs), Shispare und Ultar Sar, der Karimabad, die ehemalige Hauptstadt des Hunzareichs überragt.
Von der Hunzaschlucht bis zum sogenannten Snow Lake, einem Gletscherbasin nördlich des Biafogletschers liegt nördlich des Hispar-Gletschers das Hispar Muztagh. Der höchste Berg des Hispar Muztagh ist der hohe Distaghil Sar, er ist zugleich der höchste Berg des Karakorum außerhalb des Baltoro Muztagh. Weitere hohe Berge sind Kunyang Chhish, Kanjut Sar I und Momhil Sar.
Das Panmah Muztagh wird beschrieben als der Gebirgszug, der vom Panmah-Gletscher und seinen Hauptzuströmen entwässert wird. Er liegt östlich des Biafogletschers und verläuft vom Snow Lake bis zum Westlichen Muztagh-Pass. Die Hauptkette des Panmah Muztagh verläuft nördlich und östlich des Panmah-Gletschers, während die höchsten Berge des Panmah Muztagh – die Ogre- () und Latok-Gruppen – westlich des Panmahgletschers zwischen diesem und dem Biafo liegen.
Auf der Südostseite des westlichen Muztagh-Passes beginnt das Baltoro Muztagh. Es liegt auf der Nord- und Ostseite des Baltorogletschers und enthält mit dem K2 (), dem Broad Peak und den Bergen Gasherbrum I, II und IV die fünf höchsten Berge des Karakorum. Weitere bekannte Berge sind Muztagh Tower und Skil Brum, an dem 1957 der Alpinstil „erfunden“ wurde, sowie die schroffen Granitkliffs der Trango-Türme. Das andere Ende des Baltoro Muztagh liegt im Südosten der Gasherbrum-Gruppe.
Die Kette des Siachen Muztagh folgt von dort auf der Nordostseite des Siachengletschers bis zum Pass zwischen dem Teram-Shehr-Gletscher und dem Rimogletscher. Der Teram-Shehr strömt nach Westen zum Siachen, der Rimogletscher nach Osten, die östlichen Ausläufer des Siachen Muztagh setzen sich an seiner Nordseite fort bis zum Oberlauf des Shaksgam. Der höchste Berg des Siachen Muztagh ist der Teram Kangri (). Nicht eindeutig ist die Zugehörigkeit des Sia Kangri. Dieser Berg steht am Kopfende des Siachengletschers. Der Bericht der Karakorum-Konferenz zählt ihn zum Siachen Muztagh. Günter Dyhrenfurth, Leiter der Erstbesteigungsexpedition zum Sia Kangri 1934, gibt beide Möglichkeiten, Siachen und Baltoro Muztagh, an Tatsache ist, dass die Scharte, die den Sia Kangri mit dem Gasherbrum I, seinem nächsten Nachbarn im Baltoro Muztagh, wesentlich höher liegt () als die Scharte östlich des Berges, die das Sia-Kangri-Massiv mit den weiteren Bergen des Siachen Muztagh verbindet: der hohe Indira Col.
Das Rimo Muztagh liegt südlich des Passes zwischen Teram-Shehr- und Rimogletscher und nördlich des Sasser-Passes. Höchster Berg ist der hohe Mamostong Kangri, der den Rimo I um etwa 130 Meter überragt.
Das Saser Muztagh reicht vom Sasser-Pass im Norden bis zum Bogen des Shyok-Flusses. Der Saser Kangri I ist mit der höchste Berg des Großen Karakorum südlich des Gasherbrum I.
Kleiner Karakorum mini|Der Rakaposhi über dem Hunzatal