Die Schleicher K 7 Rhönadler ist ein doppelsitziges Segelflugzeug der 1950er Jahre. Das Flugzeug ist als Schulterdecker in Gemischtbauweise ausgeführt. Es wurde, trotz der Auslegung als robustes Hochleistungssegelflugzeug, vorrangig zur Anfängerschulung eingesetzt. Die K 7 absolvierte ihren Jungfernflug am 27. September 1956 und wurde bis 1966 bei Schleicher gefertigt. Möglicherweise entstanden bis 1977 noch Lizenzbauten. Insgesamt wurden 511 Flugzeuge produziert, davon 21 in Lizenz. Nach dem Produktionsende wurde die K 7 als Schulungsflugzeug weitgehend von den Nachfolgern ASK 13 und ASK 21 verdrängt. Heute erfreut sich das Muster, unter anderem wegen des geringen Anschaffungspreises und der einfachen Reparierbarkeit, größer werdender Beliebtheit bei Freunden der historischen Segelfliegerei.
Geschichte miniatur|Zeitgenössisches Bild einer niederländischen K 7 vom 4. März 1967 miniatur|Tschechisch registrierte K 7 OK-8010 im Jahre 2013 im Windenstart, ehemals D-6010. Nachdem der Konstrukteur Rudolf Kaiser bei Schleicher bereits die doppelsitzigen Muster Ka 2 und Ka 4 Rhönlerche II entwickelt hatte, wurde mit der K 7 eine robustere Version der Ka 2 geschaffen. Die K 7 hatte mehr Leistungspotential als die Ka 4, ohne dabei Einbußen in der Robustheit hinnehmen zu müssen. Der effizientere, aber beschädigungsanfälligere Sperrholzrumpf der Ka 2 wurde durch eine Stahlrohrkonstruktion ersetzt. Dies verminderte die Flugleistungen gegenüber dem Vorgängermodell geringfügig, machte das Flugzeug aber widerstandsfähiger gegen harte und Außenlandungen.Peter F. Selinger: Rhön-Adler – 75 Jahre Alexander Schleicher Segelflugzeugbau 2. berichtigte und ergänzte Auflage 2003, ISBN 3-8301-0554-1, S. 76 Bei Beschädigung der Bespannung oder des Stahlrohrgitterrumpfes musste lediglich die Bespannung repariert oder Stahlrohre ersetzt werden. Aufwändige Holzarbeiten wie das Schäften entfielen. Dieser Vorteil schlug sich im kommerziellen Erfolg der K 7 nieder. Die K 7 verkaufte sich etwa um den Faktor fünf häufiger als die Ka 2.
In den Anfangsjahren der Motorseglerentwicklung wurde die K 7 als Erprobungsflugzeug für einfache Motorseglerkonstruktionen verwendet.
Die meisten der K 7 wurden nach dem Bau in Poppenhausen in Deutschland zugelassen. Einige Flugzeuge wurden auch direkt im Ausland registriert, dabei gingen die meisten Flugzeuge in die USA und die Niederlande mit jeweils 23 abgenommenen Flugzeugen. Vereine und Privatpersonen aus der Schweiz und Belgien nahmen direkt nach dem Bau jeweils 15 Flugzeuge aus Poppenhausen ab. Auch nach Neuseeland und Finnland wurden je 10 Flugzeuge geliefert und in Südafrika konnten insgesamt 9 Flugzeuge abgesetzt werden. Einige Flugzeuge wurden zudem nach Großbritannien und nach Australien geliefert.
Nachdem die K 7 bei Alexander Schleicher 490 Mal und in Lizenz weitere 21 Mal gebaut worden war, wurde die Produktion eingestellt. Es gilt als gesichert, dass die Produktion bei Alexander Schleicher im Jahre 1966 endete. Möglicherweise wurden bis 1977 noch Flugzeuge in Lizenz produziert.
Von den zunächst in Deutschland zugelassenen Flugzeugen wurden in den folgenden Jahrzehnten die überwiegende Mehrheit ins Ausland verkauft. Dabei wurden Flugzeuge zum Beispiel nach Tschechien, Israel, Italien, Ungarn und viele weitere Länder verkauft. Der genaue Zulassungsverlauf ist heute nicht mehr für jedes Flugzeug nachvollziehbar.
Konstruktion miniatur|Tragfläche einer K 7 im unbespannten Zustand miniatur|Nach seitlichem Öffnen der vorderen Haube kann die hintere nach oben geklappt werden miniatur|Blick auf den hinteren Teil des Stahlrohrgitterrumpfes einer abgerüsteten K 7 Die K 7 ist ein Segelflugzeug in Gemischtbauweise. Der Rumpf besteht aus einer Stahlrohrgitterkonstruktion in Fachwerkbauweise und ist bespannt. Teilweise ist er mit Formleisten aus Holz versehen. Die Tragflächen sind aus Holz gefertigt, größtenteils bespannt und verfügen über eine negative Pfeilung von 6° in 25 % Flügeltiefe. An der Torsionsnase, in der Nähe der Wurzelrippe, am Flügelende und rund um die Bremsklappen finden sich sperrholzbeplankte Flächen. Der Holm der Tragfläche ist wie bei der Ka 2 aus Kiefernholz gefertigt.Zeitschrift Flugwelt, Flugwelt Verlag GmbH Wiesbaden, Ausgabe Dezember 1957, S. 932, 933 Das Profil der Tragflächen ist vorwiegend Göttingen 533, was sich zum Flügelende hin zu Göttingen 532 verändert.
Die Höhenflosse und die Seitenflosse sind beplankt, wobei die Ruder bespannte Holzkonstruktionen sind. Die Trimmung des Höhenruders erfolgt über ein Flettner-Ruder. Für den Antrieb der Quer- und Höhenruder werden Stoßstangen verwendet, das Seitenruder ist über Steuerseile mit den Pedalen verbunden. Der Steuerknüppel auf dem hinteren Sitzplatz ist für Passagierflüge durch Lösen einer Schraube herausnehmbar.
Frühe Modelle verfügten über eine steckbare bzw. bereits klappbare Haube, die einen Metallrahmen besaß. Die Haubenteile wurden aus Astralon und Plexiglas gefertigt. Diese Haube bot für den vorderen Sitz allerdings wenig Bewegungsfreiheit für den Kopf des Piloten. Spätere Modelle wurden mit einer gezogenen Plexiglashaube ausgeliefert, was die Sichtverhältnisse verbesserte. Zum Öffnen der klappbaren Hauben wird die vordere Haube zur Seite, die hintere Haube nach oben geklappt. Die gezogene Haube wird oft als „Schweizer-Haube“ bezeichnet. Auf dem hinteren Sitzplatz sitzt der Passagier bzw. der Fluglehrer mit dem Kopf zwischen den Wurzelrippen der Torsionsnase der beiden Tragflächen, wodurch das Blickfeld nach den Seiten eingeschränkt ist. Dies wird heute, neben dem ungefederten Fahrwerk, als Nachteil der Konstruktion angesehen. Als die K 7 in den 1950er Jahren auf dem Markt erschien, wurde die „vollverglaste Kabine“ noch für die gute Sicht nach allen Seiten gelobt. Dies erklärt sich dadurch, dass die Sicht aus zuvor verwendeten Schulungssegelflugzeugen wie dem Raab Doppelraab wohl noch schlechter war. Aus heutiger Perspektive ist die Rundumsicht aus der K 7, im Vergleich mit der häufig verwendeten ASK 21, schlecht. Der Rumpf war in der vorderen Sektion anfangs sperrholzbeplankt, was später durch glasfaserverstärkten Kunststoff ersetzt wurde.
Das Fahrwerk ist in der Nähe des unbeladenen Schwerpunkts, was das Rangieren am Boden vereinfacht. Ursprünglich waren die K 7 mit Kufen und Schleifsporn ausgestattet, was später gelegentlich durch ein Bug- und/oder Spornrad ersetzt wurde. Vor dem Höhenleitwerk befindet sich auf jeder Rumpfseite ein Griff aus Stahlrohr. Diese dienen dem Anheben des Rumpfes beim Rangieren am Boden und ersetzen den heute oft üblichen Spornkuller.
Standardmäßig wurden eine Bug- und eine Schwerpunktkupplung verbaut. Die Schwerpunktkupplung befindet sich links außermittig des Rumpfes, weshalb beim Anschleppen im Windenstart das Seitenruder voll links ausgeschlagen werden muss, um ein Ausbrechen des Flugzeugs zu verhindern.
Die Schempp-Hirth-Sturzflugbremsen fahren sowohl auf der Ober- als auch auf der Unterseite der Tragflächen aus und ermöglichen schnelles Sinken in allen Geschwindigkeitsbereichen. Während der Erprobung des Flugzeugs wurde es im Sturzflug bis 250 km/h geflogen.
Wie die meisten anderen Segelflugzeuge lässt sich die K 7 zum leichteren Transport auf einem Anhänger abrüsten. Dabei werden die Tragflächen links und rechts einzeln, das Höhenleitwerk im Ganzen abgenommen. Zum Abnehmen der Tragflächen sind die Ruderanschlüsse, zwei Hauptbolzen und vier Verbindungsbolzen zum Rumpf zu entfernen. Beim Höhenleitwerk ist die Flettner-Trimmung und eine Halteschraube zu entfernen, danach das Höhenleitwerk als Ganzes abzunehmen.
Versionen miniatur|Typische K 7 mit Kufe, Schleifsporn, Rumpfboot und Schweizer Haube im Jahre 1985 in Israel. Die ehemalige D-5587 wurde bei einer Kollision zerstört. miniatur|K 7 mit Bug- und Spornradfahrwerk Die K 7 wurde während ihres Produktionszeitraums stetig mit geringfügigen Änderungen weiterentwickelt. So wurden die ersten Versionen mit rein stoffbespannten Rümpfen ausgeliefert, die späteren Versionen erhielten zunächst ein Rumpfboot aus Sperrholz, später aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Neben der Erprobung von zwei Einsteckmotoren im hinteren Drittel der Tragflächen, sind die englischen Umbauten „K 7/13“ bzw. „K 7-lookalike-ASK 13“ hervorzuheben. Bei diesen Umbauten setzten einige Enthusiasten des Derbyshire and Lancashire Gliding Club die Tragflächen der K 7 nach unten, um das Flugzeug ähnlich der ASK 13 wirken zu lassen, ohne dabei eine ASK 13 kaufen zu müssen. Dabei wurden die Holmverbindungen der Tragflächen, die Haube und die Rumpfabdeckung geändert. So verbesserte sich der Rundumblick des Fluglehrers auf dem hinteren Sitzplatz erheblich. Die K 7/13 ist auf den ersten Blick kaum von einer ASK 13 zu unterscheiden. Im Sommer 2002 flogen in Großbritannien noch sechs K 7/13.
In Eigenbau wurden K 7 gelegentlich mit Bugrad anstelle einer Kufe und mit Spornrad anstelle eines Schleifsporns versehen. Auch der Einbau eines gefederten Hauptfahrwerkes war möglich. Diese Änderungen hatten in Übereinstimmung mit den technischen Mitteilungen von Alexander Schleicher stattzufinden.
Die K 7 wurde in zwei unterschiedlichen Bremsklappenversionen gebaut. Die kleinere Version der Bremsklappen erlaubte Wolkenflug nur einsitzig. Mit den großen Bremsklappen war Wolkenflug auch zweisitzig erlaubt. Der Wolkenflug erfordert gemäß Flughandbuch jedoch zusätzliche Instrumente. Siehe dazu Mindestausrüstung und Wolkenflug.
Mindestens eine K 7 wurde hinter den Hauptholmen der Tragflächen mit je einem Einstecktriebwerk versehen. Die Motoren waren mit Druckpropellern versehen, die sich zwischen den Holmen und der Endleiste befanden. Ähnlich wie bei den Motorisierungsoptionen der K 8 verschwanden diese Entwicklungen mit der Einführung leistungsfähiger Motorsegler wie dem Scheibe SF 25 oder der ASK 16.Peter F. Selinger: Rhön-Adler – 75 Jahre Alexander Schleicher Segelflugzeugbau 2. berichtigte und ergänzte Auflage 2003, ISBN 3-8301-0554-1, S. 77
Mindestausrüstung und Wolkenflug miniatur|Nicht wolkenflugfähige Instrumentierung einer K 7 Das Flughandbuch aus dem Jahre 1961 schreibt als Mindestausrüstung der Instrumente einen Fahrtmesser im Messbereich von 50 bis 200 km/h und einen Höhenmesser vor. Ansonsten wird nur ein vierteiliger Anschnallgurt, ein Rückenkissen (sofern ohne Fallschirm geflogen wird), der Trimmplan, ein Datenschild, sowie das Flug- und Betriebshandbuch als Mindestausrüstung vorgeschrieben.
In Segelfliegerkreisen kursiert die Aussage, dass mit der K 7 in der Version mit den großen Bremsklappen (siehe Abschnitt Versionen) Wolkenflug durchgeführt werden darf. Diese Aussage ist prinzipiell nicht falsch, jedoch erhöht sich auch die Mindestausrüstung des Flugzeugs erheblich, wenn ein- oder zweisitzig Wolkenflug durchgeführt werden soll. Dieser Umstand wird in der Aussage oft unterschlagen. Das Flughandbuch fordert für die Instrumente eine Düse und ein Staurohr mit Vereisungsschutz. Zusätzlich zum bereits genannten Fahrtmesser ist ein Feinhöhenmesser erforderlich. Ebenso wird ein Variometer, ein Kompass, ein Wendezeiger mit Scheinlot gefordert, dessen Antrieb ebenfalls gegen Vereisung zu schützen ist. Auch eine Borduhr wird zur Mindestinstrumentierung und der Einbau eines künstlichen Horizontes wird empfohlen. Zusätzlich wird darauf hingewiesen, dass die Bestimmungen der Bundesanstalt für Flugsicherung einzuhalten sind.
Zwar ist die genannte Mindestausrüstung bis heute gültig, jedoch werden Segelflugzeuge in der Gegenwart in aller Regel mit weit mehr Instrumenten betrieben, wozu neben dem Variometer und dem Kompass meist ein Funkgerät und das Kollisionswarnsystem FLARM gehören.
Namensgebung