Die Kirche in Kumehnen war bis 1945 das evangelisch-lutherische Gotteshaus des heute Kumatschowo genannten Ortes in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Es handelt sich um einen gotischen Ziegelbau aus dem Ende des 14. Jahrhunderts, der heute nur noch als Ruine erhalten ist.
mini|Die Kirchenruine in Kumehnen im Jahre 2011 Geographische Lage Der Kirchort liegt im mittleren Teil des ostpreußischen Samlandes und ist 22 Kilometer von der heutigen Oblasthauptstadt Kaliningrad (Königsberg) entfernt. Bis 1945 gehörte das Dorf zum Landkreis Fischhausen im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen im Deutschen Reich. Unter russischer Verwaltung ist der Ort heute dem Rajon Selenogradsk (Kreis Cranz) zugeordnet. Durch die Ortschaft verläuft eine Hauptstraße in Ost-West-Richtung, die Cholmogorowka (Fuchsberg) an der Fernstraße Kaliningrad–Selenogradsk mit Kruglowo (Polennen) an der russischen Fernstraße A 192 verbindet. Die nächste Bahnstation ist der Ostanowotschny punkt „O.p. 20 km“ in Pereslawskoje (Drugehnen) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Swetlogorsk (Königsberg–Rauschen), der einstigen Samlandbahn.
Kirchengebäude mini|Blick in Richtung Altar, vor 1930 mini|Gleiche Blickrichtung im Jahr 2011 Die Kumehner OrdenskircheWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band II: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen, 1968, S. 33 bis 34, Abbildungen 37 und 38. stammt aus der Gründungszeit des Dorfes während der Amtszeit des Bischofs Heinrich II. Kuwal von SamlandKumatschowo – Kumehnen bei ostpreussen.net. (1387–1395). Das etwas niedrige Kirchenschiff auf Feldsteinsockel entstand etwa im Jahr 1390. Der schmale rechteckig geschlossene Chor bestand wohl schon früher als Kapelle und ist somit der älteste Teil der Kirche. Die Sakristei mit Tonnengewölbe wurde im Laufe des 15. Jahrhunderts errichtet. Die Nordwand der Kirche hat keine Fenster, die Südfassade und die Chorwände wurden durch eine Reihe spitzbogiger Blenden gegliedert.
Der Unterbau des Turms entstand, zusammen mit dem Langhaus, aus Feldstein mit Backstein gemischt. Noch vor Ende des 15. Jahrhunderts erhielt der Turm durch Backsteine eine Erhöhung um ein Stockwerk.
Das ursprünglich aus fünf Jochen bestehende eingewölbte Kirchenschiff wurde nach Einsturz des Sterngewölbes 1640 mit einer flachen, elliptisch gebogenen Holzdecke abgeschlossen. Im Rahmen der Aufbauarbeiten wurde 1643 eine Empore an der Nordwand eingezogen. Im Jahre 1704 erfolgte die Bemalung der Holzdecke mit biblischen Motiven.
Die reichhaltige Innenausstattung der Kirche beinhaltete wertvolle Stücke aus dem Mittelalter, so ein aus Granit gearbeitetes Taufbecken der Ordenszeit mit einer Taufschale aus dem 15. Jahrhundert, sowie gotisches Gestühl. Aus derselben Zeit stammten die kunstvoll geschnitzten und mit markanten Schlössern versehenen Türen. Reste mittelalterlicher Wandmalereien konnten unter der Tünche ausgemacht werden.
Der Wandaltar wurde 1676 von dem Königsberger Bildhauer Johann Pfeffer entworfen und ist mit Säulen, Ohrmuschelwerk und anderem geschnitzten Zierwerk versehen. Die Kanzel und eine hölzerne Taufkammer entstanden ebenso Ende des 17. Jahrhunderts. Johann Josua Mosengel baute 1695/97 eine Orgel mit einem Manual ohne Pedal, welches 1715 ergänzt wurde. Die Orgel wurde durch ein Werk des Max Terletzki aus Königsberg (Preußen) von 1884 im vorhandenen Gehäuse ersetzt. Zwei der drei Glocken wurden um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Königsberg gegossen, die älteste stammte aus der Ordenszeit.
Trotz heftiger Kämpfe um den nahegelegenen Galtgarben blieb die Kirche im Zweiten Weltkrieg nahezu unversehrt.Patrick Plew: Lediglich der Turm wurde 1945 beschädigt. In den 1950er Jahren wurde er abgetragen. Nach 1945 wurde die Kirche zweckentfremdet als Lagerhalle genutzt und verfiel zunehmend. Vom Unterbau war 1989 die Westseite eingestürzt, vom Oberbau steht noch die Ostseite. Vom Chor ist das Dach eingestürzt, ebenso ein Joch. Das Dach des Kirchenschiffs zeigt starke Verfallsspuren. Die Ausstattung des Gotteshauses ist vernichtet.
Seit 2009 besteht die Möglichkeit zur Restaurierung des Bauwerks, das als Projekt des Denkmalamtes in ein Programm der Restaurierungen in großem Rahmen aufgenommen wurde. Auch finanzielle Mittel wurden in Aussicht gestellt. Der Architekt Manfred Thon hat bereits im Februar 2005 ein Sicherungskonzept für die Kumehner Kirche erstellt, an einem Nutzungskonzept wird noch gearbeitet. Im Jahr 2000 gründete sich ein Förderverein Kumehnen/Kumatschjowo e. V., der das Gotteshaus vor dem völligen Verfall bewahren wollte. Der Verein hat seine Tätigkeit mittlerweile eingestellt, nachdem mit der Russisch-Orthodoxen Kirche als dem neuen Eigner des Gebäudes und den örtlichen Behörden keine Einigung über den Fortgang der Restaurierungsarbeiten erzielt werden konnte.
Kirchengemeinde Kumehnen war bereits in der Zeit vor der Reformation ein Kirchdorf,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band III: Dokumente. Göttingen, 1968, S. 454. das genau in der Mitte des Samlandes liegt und dessen Pfarrei durch das Alkgebirge in einen Ost- und einen Westbereich geteilt wurde. Im 14. Jahrhundert wurde das Kirchspiel vom Pfarrer in Medenau (heute russisch: Logwino) betreut. Die Reformation hielt hier bereits relativ früh Einzug. Bis 1945 gehörte das Kirchspiel zum Kirchenkreis Fischhausen (heute russisch: Primorsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahre 1925 waren im Kirchspiel Kumehnen 2328 Gemeindeglieder registriert.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel Kumehnen gehörten vor 1945 mehr als zwanzig Ortschaften (* = Schulorte): Name Russischer Name Name Russischer Name Dallwehnen Kamyschinka *Kumehnen Kumatschowo Drebnau Seljony Gai Marienhof Nowo-Pereslawskoje Drugehnen Pereslawskoje Nastrehnen Kamyschinka Galtgarben Pentekinnen Groß Drebnau Seljony Gai *Pojerstieten Kolodzy *Groß Ladtkeim Jasnowka Prilacken Bratskoje Hortlauken Reessen Kalk *Seefeld Prostornoje Klaukinnen Siegesdicken Klein Drebnau Molotschnoje Spallwitten Klein Ladtkeim Taplacken Talpaki Kobjeiten Wernershof Kotzlauken Tumanowka *Wiekau Chrustalnoje, jetzt: Kolossowka
Pfarrer mini|Ordination Gottfried Willamowius Von der Reformation bis 1945 amtierten als evangelische Geistliche 24 Pfarrer:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg, 1968, S. 29. NN. Nicolaus Jagenteufel, 1552 Michael Möller, ab 1553 Michael Beer, bis 1564 Johann Gebhard, 1564–1602 N. Berger, 1602 Hieronymus Mörlin, 1602–1620 Georg Martini, 1620–1626 Nicolaus Cuderus, 1626–1656 Joachim Settegast, 1656–1665 Heinrich Settegast, 1665–1687 Gottfried Willamowius, 1687–1726 Johann Christian Maraun, 1726–1747 Johann Gottfried Kirschkopf, 1747–1748 Michael Theodor Nagel, 1748–1780 Johann Christian Emmerich, 1780–1782 Coelestin Casper Richter, 1782–1815 Carl Sigismund Kepper, 1815–1820 Gottfried Laudien, 1820–1824 Hans Karl Eduard Raebel, 1825–1843 Carl Friedrich E. Landmann, 1844–1871 Carl Eduard Lade, 1871–1911 Alfred Paetzel, 1911–1938 Herbert Knoblauch, 1938–1945
Kirchenbücher Folgende Kirchenbücher des Kirchspiels Kumehnen haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin. Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. Berlin, 1992³, S. 74. Taufen: 1895 bis 1940 Trauungen: 1807 bis 1944 Begräbnisse: 1865 bis 1885.
Literatur Kumehnen, Dorf, Landkreis Fischhausen, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Kumehnen (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 1: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Samlandes. Königsberg 1898, S. 33–40 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 65–66 (Google Books). Rudolf Bergau: Die Kirche zu Kumehnen im Samland. In: Altpreußische Monatsschrift. Band 3, Königsberg i. Pr. 1866, S. 558–563 (Google Books).
Einzelnachweise
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