Die 82. Infanterie-Division war ein Großverband des Heeres der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.
Geschichte
Aufstellung Die Division wurde am 1. Dezember 1939 in der 6. AufstellungswelleGeorg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 6: Landstreitkräfte 71–130. Biblio-Verlag, Osnabrück, 2. verb. Auflage 1979, S. 62. mit Reservisten aus dem Wehrkreis IX in Kassel mit Abstellungen aus den Wehrkreisen V und VI gemäß Befehl des OKH vom 11. November 1939 aufgestellt. Die Aufstellung der Stäbe erfolgte in Bad Hersfeld (Divisionsstab), Eschwege (Infanterie-Regiment 166) und Hanau (Artillerie). Im Januar 1940 verlegte die Division auf den Truppenübungsplatz Wildflecken zum Manöver und Ausbildung (Gefecht verbundener Waffen) auf Divisionsebene. Dort wurde die Division mit tschechoslowakischem Gerät ausgestattet und ausgerüstet.
Westfeldzug Am 5. Mai 1940 verlegte die Division mit dem Zug in den Bereitstellungsraum bei Bitburg. Sie marschierte über Vianden, Hompre, Wiltz und Neufchâteau nach Charleville. Ab dem 31. Mai beteiligte sie sich an offensiven Operationen im „Fall Gelb“ (Luxemburg) und „Fall Rot“ (Frankreich). Der Weg führte von Charleville über Rethel, Châlons-sur-Marne, Tours und Langres. Im Juli 1940 kehrte die Division nach Wildflecken zurück.
Beurlaubung Ab August 1940 wurde die Division beurlaubt und am 15. Februar 1941 wieder einbestellt.
Besatzungstruppe Niederlande Die Division verlegte Mitte Februar in die Niederlande in den Raum Breda, Rotterdam, Dordrecht, Utrecht und Haarlem, um die 197. Infanterie-Division abzulösen. Im März übernahm sie die Funktionen des „Befehlshabers der Truppen des Heeres in den Niederlanden“ vom Höheren Kommando z. b. V. XXXVII, das nach Belgien und Nordfrankreich überführt wurde.NARA Film T315 Nr. 65 Teil V, Divisionen 58–96, ItemNo:11462/11 Roll:1123 1stFrame:13, S. 727, 1970. Am 14. März 1941 wurden von der 197. Infanterie-Division, die nach Polen verlegt werden sollte, Unterlagen zur Wahrnehmung der Aufgaben in Verbindung mit der Verwaltung der besetzen Niederlande übernommen.NARA Film T315 Nr. 65 Teil V, Divisionen 58–96, ItemNo:11462/3 Roll:1122 1stFrame:706, S. 726, 1970.Bundesarchiv Findbuch RH 26-82 82. Infanterie-Division. Am 25. August 1941 wurde der Division das Gebiet um die Städte Alkmaar, Groningen, Velsen, Leiden und Den Helder zugeordnet. Hier lautete der Auftrag: Ausbildung und Küstenschutz.
Am 7. Februar 1942 wurde befohlen, die Division zur vollständigen Kampfdivision auszubauen. Anfang März erhielten die Infanterieregimenter eine 13. (Infanteriegeschütz-)Kompanie. Die Division blieb als „Befehlshaber der Truppen des Heeres in den Niederlanden“ bis zum 30. April 1942. Dann gab sie diese Aufgabe an die 167. Infanterie-Division ab.
Ostfront Im Mai 1942 wurde die Division per Eisenbahntransport an die Ostfront, über Wolkowysk via Sluzk und Rogatschew in den zugewiesenen Bereitstellungsraum im Raum ostwärts Kursk, verlegt. Bis Juli 1942 unterstand die Division dem XXXXVIII. Panzerkorps, anschließend dem XIII. Armeekorps der 4. Panzerarmee (ab August 2. Armee) und nahm am Fall Blau (Angriff auf Woronesch) teil. Sie nahm im Bereich des Flusses Schtschigor zunächst an defensiven, dann im Bereich des Flusses Tim im Raum Wolowtschik bis Ende Juni an offensiven Kampfhandlungen teil.NARA Film T315 Nr. 65 Teil V, Divisionen 58–96, ItemNo:23803/1 Roll:1124 1stFrame:759, S. 728, 1970.
Anschließend wurde sie nördlich von Kastornoje eingesetzt, ging dort in die Verteidigung über und wurde während der Woronesch-Charkower Operation der Roten Armee eingekesselt. Dabei wurde der Divisionskommandeur Bäntsch am 27. Januar 1943 verwundet und erlag seinen Verletzungen im Lazarett am 31. Januar 1943. Von Januar bis Februar 1943 lagen Teile der Division im frontnahen Bereich bei Kursk und wurden aufgefrischt (Wiederherstellung der Personal- und Materialsollstärke). Die 82. Infanterie-Division bezog in der zweiten Hälfte des März 1943 Stellung im Gebiet nördlich von Rylsk (südlich Sewsk) und verteidigte diesen Bereich bis Juni 1943. In dieser Zeit war die 2. Armee (Generaloberst Walter Weiß) der Heeresgruppe Mitte (Generalfeldmarschall Günther von Kluge) unterstellt und nahm an Operationen im nördlichen Teil des Kursker Frontbogens (Unternehmen Zitadelle) im Raum Sumy teil.
Nach Abbruch des Unternehmens „Zitadelle“ begannen Rückzugsgefechte durch die von der Roten Armee durchgeführten Gegenoffensiven Operation „Kutusow“ und Operation „Rumjanzew“. Nachdem der rechte Flügel der 2. Panzerarmee (XIII. Armeekorps) Anfang September 1943 nach Süden abgedrängt wurde, wurde die Division mit dem XIII. Armeekorps am 3. September 1943 der 4. Panzerarmee unterstellt.Karl-Heinz Frieser: Die Rückzugsoperationen der Heeresgruppe Süd. In: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg – Band 8: Die Ostfront 1943/44 – Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten. Vierter Teil: Der Rückschlag des Pendels. Das zurückweichen der Ostfront von Sommer 1943 bis Sommer 1944. Deutsche Verlagsanstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 359. Obwohl keine Aufzeichnungen ab August über die Lage, Gefechte und Einsätze der 82. Infanterie-Division zur Verfügung stehen, zeigen die Lagekarten der Heeresgruppe Süd, der 4. Panzerarmee und des XIII. Armeekorps, dass die Division in der Verteidigung, von spätestens Juni bis August 1943, im Bereich nördlich Rylsk lag. Rylsk fiel am 31. August 1943 an die Truppen der sowjetischen Zentralfront (Armeegeneral Konstantin Rokossowski). Sie lag in Verteidigung von August bis September 1943 östlich von Gluchow. Mit der „Panther-Bewegung“ setzt sich die Division, wie die gesamte Heeresgruppe SÜD, kämpfend über die Linie Gluchow–Konotop–Priluki–Jagotin vom 16. bis 27. September 1943 Richtung Kiew ab.Karl-Heinz Frieser: Die Rückzugsoperationen der Heeresgruppe Süd. In: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg – Band 8: Die Ostfront 1943/44 – Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten. Vierter Teil: Der Rückschlag des Pendels. Das zurückweichen der Ostfront von Sommer 1943 bis Sommer 1944. Deutsche Verlagsanstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 362 ff. u. Lagekarte S. 350. Von OktoberErich von Manstein: Verlorene Siege, Bernard und Graefe, 1991 12. Auflage, Bonn, ISBN 3-7637-5253-6, S. 545–548 Beschreibung Dnjeprübergang durch sowj. Kräfte und die Krise an der Nordflanke der Heeresgruppe. bis Dezember 1943 im Raum KiewKarl-Heinz Frieser: Die Rückzugsoperationen der Heeresgruppe Süd. In: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg – Band 8: Die Ostfront 1943/44 – Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten. Vierter Teil: Der Rückschlag des Pendels. Das zurückweichen der Ostfront von Sommer 1943 bis Sommer 1944. Deutsche Verlagsanstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 352 Lagekarte. bei Nowo PetrowzyKurt Mehner: Die Geheimen Tagesberichte der deutschen Wehrmachtführung im Zweiten Weltkrieg, 1939–1945. Seiten 155–231, 238, 355–361. und wurde zwischen dem 9. und 15. Oktober zu Angriffen auf den sowjetischen Brückenkopf im Raum Stari Petrivtsi – Lyutizh (dt. Schreibweise: Lyutesch) – Demydiv (dt. Schreibweise Demidowo) eingesetzt. Der breite Dnepr war eine ideale Sperre im Verteidigungskonzept der Wehrmacht, die der Roten Armee 1943 hohe Verluste beibrachte. Bei Wyschhorod, nahe der Desna-Mündung, kam es zu heftigen Kämpfen, weil sowjetische Truppen dort ihre Kräfte konzentrierten. Die Kämpfe hatten zur Folge, dass die Grabeskirche der Märtyrer-Heiligen Boris und Gleb, der Schutzheiligen des Kiewer Reiches, zerstört wurde. Diese wurde bis 2010 wieder aufgebaut.Info zum Wiederaufbau abgerufen auf vyshgorod.osp-ua.info, Internetpräsenz der Stadt Wyschhorod. (ukrainisch) Am 3. NovemberErich von Manstein: Verlorene Siege, Bernard und Graefe, 1991 12. Auflage, Bonn, ISBN 3-7637-5253-6, S. 553–558 beschreibt den Kampf um Kiew, Ausbruch aus dem Brückenkopf und Erweiterung der sowj. Offensive zur Befreiung Kiews. verlegte die Division südlich Kiew und wird im Lagebericht am 6. und 7. November am Stugna-Abschnitt (Stugna-Stellung), im allgemeinen Raum Plessezkoje-Kopatschiw-Trostinka, kämpfend rückgehend genannt. Von Januar bis März 1944 zog sich die Division kämpfend in den Raum Kamenets-Podolsk (ukr. Kamjanez-Podilskyj) zurück. Dort wurde die Division im April 1944 im Bereich Bershchew-Tschortkow eingekesselt (Hube-Kessel).
Auflösung Teile der Division gingen in Gefangenschaft und die im wandernden Kessel verbliebenen Restteile wurden im Raum Buczacz, nach Auflösung der 82. Infanterie-Division am 10. Mai 1944.
Verwendung der Reste der Division Als Divisionsgruppe 82 wurde die Reste des Verband von der 254. Infanterie-Division aufgenommen. Am 4. Juli 1944 wurde die verbliebene Divisionsgruppe 82 zum Grenadier-Regiment 474 umgegliedert. Das Regiment wurde im April 1945 aufgelöst und durch das Grenadier-(Fahnenjunker) Regiment 1238 ersetzt.
Kriegstagebücher, Tätigkeitsberichte, Gerichtsakten Die Aufzeichnungen der Kriegstagebücher (KTB) der 82. Infanterie-Division enden im Juni 1943, sie sind vermutlich bei den Absetzbewegungen nach Westen und der Einkesselung bei Kamenez-Podolski verloren gegangen oder vernichtet worden. Die vorhandenen Aufzeichnungen wurden nach dem Krieg von den Alliierten sichergestellt, dokumentiert und auf Microfiches archiviert. Die Ablichtungen befinden sich bei der NARA (National Archives and Records Administration).
Dass zumindest für Anfang 1944 noch Gerichtsakten der Division existieren, zeigt das Beispiel eines Verfahrens des Divisionsgerichts im Januar 1944 gegen einen Obergefreiten, der laut dem Gericht vorliegenden Tatbericht im Monat zuvor zusammen mit einem Kameraden eine 25-jährige verheiratete russische Frau vergewaltigt hatte. Obwohl das Gericht gemäß der Aussage der Frau das entsprechende Verbrechen bestätigte, wurden beiden Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt und auf eine Zuchthausstrafe verzichtet.Birgit Beck: Wehrmacht und sexuelle Gewalt: Sexualverbrechen vor deutschen Militärgerichten 1939–1945. Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-71726-X, S. 274. Als Grund dafür wurde in der Urteilsbegründung vom 30. Januar 1944 angegeben,
Gliederung Stand: 15. Januar 1940
Langtext Abkürzung Ergänzungen Infanterieregiment Inf.Reg. 158 I.–III. Btl. Infanterieregiment Inf.Reg. 166 I.–III. Btl. Infanterieregiment Inf.Reg. 168 I.–III. Btl. Artillerieregiment Art.Reg. 182 I.–IV. Abt. Divisionseinheiten 182* Feldersatzbataillon FErsBtl 182 Panzerabwehr-Abteilung PzAbwAbt 182 Aufklärungsabteilung AufklAbt 182 Pionierbataillon PiBtl 182 Infanterie-Divisions Nachrichtenabteilung InfDivNachrAbt 182 Infanterie-Divisions Nachschubführer 182 InfDivNschbFhr 182 * Zu den Divisionseinheiten gehörten: Ordnungs- (Feldgendarmerie), Feldpost-, Veterinär-, Sanitäts-, Verwaltungsdienste sowie Truppenseelsorger
Änderungen in der Gliederung 1942:Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945, Band 7: Landstreitkräfte 131–200, Biblio Verlag Osnabrück, 1973, ISBN 3-7648-0872-1, S. 110, 149, 158, 215, 216. Umbenennung der Infanterieregimenter (InfRgt) in Grenadieregimenter (GrenRgt) am 15. Oktober 1942 Umbenennung der Panzerabwehr-Abteilung (PzAbwAbt 182) in Panzerjägerabteilung (PzJgAbt), Ergänzt durch RadfSchw 182 und AufklAbt 182 Umbenennung Infanterie-Divisions Nachschubführer 182 (InfDivNschFhr) in Kommandeur der Infanterie-Divisions Nachschubtruppen am 15. Oktober 1942 Verschmelzung der Panzerabwehr-Abteilung 182 (PzAbwAbt 182) und Radfahrschwadron 182 (RadfSchw 182) zur „Schnelle Abteilung 182“ im Oktober 1942
Änderungen in der Gliederung 1943: Aufstellung Feldersatzbataillon 182 (FErsBtl 182) am 15. Juni 1943 Neuaufstellung Panzerjägerabteilung 182 (PzJgAbt 182) im April 1943 (nach Verlusten Kessel Kastornoje) Neuaufstellung Schnelle Abteilung 182 im April 1943 (nach Verlusten Kessel Kastornoje)