Die Waldbahn Lillafüred, ungarisch Lillafüredi Állami Erdei Vasút (LÁEV), ist eine Schmalspurbahn bei Miskolc in Ungarn. Die Gleise sind in bosnischer Spurweite von 760 mm verlegt. Sie wurde ursprünglich zum Holz- und Kohletransport als Waldbahn gebaut, Personenverkehr gibt es seit 1924. Heute wird sie von der Forstwirtschaftsgesellschaft Északerdő Zrt. betrieben und dient nur touristischen Zwecken; nach der Kindereisenbahn Budapest ist sie die zweitmeistfrequentierte Schmalspurbahn in Ungarn.
Strecken mini|Einer der beiden Tunnel bei Lillafüred (2011) Die LÁEV verfügt heute über zwei Bahnstrecken, davon wird aber nur eine regelmäßig befahren.
Die Hauptstrecke (Nummer: 330) beginnt in einer Wohnsiedlung in der Dorottya utca im Westen von Miskolc, dem Sitz des Komitats Borsod-Abaúj-Zemplén. Von dort aus führt die Strecke drei Kilometer lang durch den Stadtteil Diósgyőr, danach erreicht sie den Wald, durch den sie zum Ferienort Lillafüred und weiter entlang des Garadna-Bachs zum gleichnamigen Bahnhof Garadna am westlichen Streckenende verläuft. Die Strecke besitzt zwei Tunnel mit einer Länge von 112 und 118 Metern, mehrere Brücken und führt am Hámori-See sowie dem über 200 Jahre alten Hochofen von Újmassa vorbei. Die Zweigstrecke (Nummer: 331) hat ihren Ausgangspunkt an der Station Papírgyár (Papierfabrik) und endet in Mahóca. Auf der derzeit 10,6 Kilometer langen Strecke gibt es keinen regelmäßigen Bahnverkehr, sie wird nur von Sonderzügen befahren.
Der Betriebsbahnhof der Bahn ist Diósgyőr-Majláth.
Miskolc–Lillafüred–Garadna (330) Fahrzeit(min) Station Anschlussmöglichkeit 0 Miskolc-Dorottya utca Straßenbahn: 1Bus: 1, 54 4 Diósgyőr (Bedarfshalt) 8 Majláth (Bedarfshalt) Straßenbahn: 1Bus: 1, 5, 15 und 69 15 Papírgyár (Bedarfshalt) 30 Puskaporos 35 Lillafüred Bus: 5, 15 45 Fazola-kohó (Bedarfshalt) Bus: 15 66 Közép-Garadna (Bedarfshalt) 70 Garadna Bus: 15 Papírgyár–Mahóca (331) 0 Papírgyár 7 Chinoin Bus: 5, 15 10 Csanyik-Erdei iskola 34 Ortástető 46 Andókút 55 Mahóca
Geschichte Vorgeschichte und Bau mini|300px|Die Bahn wurde anfangs für den Güterverkehr gebaut Die Geschichte der Schmalspurbahn begann nach dem Ersten Weltkrieg. Nachdem Ungarn mit dem Vertrag von Trianon 1920 seine großen Gebirge verloren hatte, war es notwendig, möglichst viel Holz aus dem Bükk zu gewinnen. Schon 1919 fiel die Entscheidung, dass im Tal von Szinva eine neue Eisenbahn errichtet werden soll; die erste, 17,7 Kilometer lange Strecke war von Miskolc-Fáskert über Lillafüred bis Garadna vorgesehen.
Ein großes Hindernis stellte dabei das Tal Mély-völgy dar, welches schließlich durch eine von Ferenc Modrovich geplante Brücke überwunden werden konnte. Diese ist bis heute mit einer Höhe von 25 Metern und einer Länge von 64 Metern die größte Schmalspurbahnbrücke Ungarns. Im Februar 1920 begannen die Bauarbeiten für die Eisenbahn. Der erste Streckenabschnitt wurde binnen eines Jahres fertiggestellt, der Fahrbetrieb konnte schon im November 1920 aufgenommen werden. Die Eisenbahn hieß zur Eröffnung noch Szinvavölgyi Erdei Vasút und beförderte ausschließlich Dolomit, Kohle und Holz.
Bau der Zweigstrecken Nach der Fertigstellung der Hauptstrecke wurden noch weitere Bahnlinien ausgebaut. Die vier Kilometer lange Linie nach Ládi wurde 1921 errichtet und führte von der heutigen Endstation Dorottya utca zum Holzlager Ládi, wobei die Gleise der Straßenbahn gequert wurden. Diese Strecke stellte auch die einzige Verbindung zwischen Schmalspur- und Normalspurbahn dar. Von Ládi wurde im selben Jahr noch eine weitere 4,4 Kilometer lange Bahnstrecke bis zur Ladestelle Vásárhelyi rakodó gebaut. Zwischen 1920 und 1922 wurde das Netz um elf Kilometer mit einer Zweigstrecke von der Papierfabrik nach Mahóca erweitert. Von Lillafüred aus wurde zwischen 1921 und 1922 eine Zweigstrecke bis zur zwei Kilometer entfernten Ladestelle Kerekhegyi rakodó angelegt, welche in Lillafüred an das heute noch vorhandene Gleisdreieck anschloss.
Einführung des Personenverkehrs mini|250px|links|Das Palasthotel im Jahr 1930 Das Bahnnetz war zwar ursprünglich nur für Güterverkehr vorgesehen, der öffentliche Personenverkehr begann aber im Verhältnis zu den anderen Schmalspurbahnbetrieben in Ungarn sehr früh. Schon 1924 wurde die schriftliche Genehmigung für den Fahrgastbetrieb erteilt. Die Waldeisenbahn von Miskolc war zu dieser Zeit vom Tourismus jedoch weit entfernt, die wenigen Passagiere wurden in mit Sitzplätzen ausgestatteten Güterwagen transportiert. Um günstigere Bedingungen für den Tourismus zu schaffen, wurde die Strecke 1927 innerhalb von Miskolc zum zentralen Platz Szent Anna tér verlängert. Außerdem wurden 1928 die ersten vier Personenwagen beschafft, welche bis heute im Einsatz sind. 250px|mini|Einer der zwei Ganz-Triebwagen in Lillafüred Erst die Eröffnung des Palasthotels im Jahr 1929 gab dem Tourismus einen wesentlichen Aufschwung. Nachdem das neue Hotel immer mehr Touristen anlockte und dem Tal von Szinva und der Siedlung Lillafüred einen Bekanntheitsgrad verschaffte, konnte die Bahn steigende Fahrgastzahlen verzeichnen. Schon im Sommer 1929 wurden die zwei zur Eröffnung des Hotels von der ungarischen Firma Ganz hergestellten Dieseltriebwagen in Betrieb genommen, die eine zu ihrer Zeit hohe technische Ausstattung besaßen. Der Name der Bahn wurde nach der Inbetriebnahme der Ganz-Triebwagen von Szinvavölgyi Erdei Vasút auf den besser klingenden Namen Lillafüredi Állami Erdei Vasút („Lillafüreder Staatliche Waldbahn“, abgekürzt: LÁEV) geändert. Nach dem Erfolg der Hauptstrecke begann 1933 auch der Personenverkehr auf der Zweigstrecke nach Mahóca. In den 1930er Jahren wurde die Bahn jährlich von 300.000 Fahrgästen in Anspruch genommen, parallel dazu wurden im Durchschnitt täglich 82 beladene Güterwagen abtransportiert.
Zwischen 1930 und 1970 mini|250px|Dampflok im Jahr 1932
Die zum Váráshelyi rakodó führende Zweigstrecke wurde 1934 wegen eines Unfalls stillgelegt, aber später erfolgten an anderen Orten Erweiterungen. Die Zweigstrecke nach Mahóca wurde bis 1940 nach Taksalápa ausgebaut.
Zum Zweiten Weltkrieg konnte nur die LÁEV die Großstadt Miskolc mit Holz versorgen. Der Betrieb musste im Zweiten Weltkrieg 1944 wegen großen Schäden eingestellt werden, die jedoch bis zum Folgejahr beseitigt werden konnten. Die schon bis Taksalápa ausgebaute Bahnstrecke wurde über Tízesbérc nach Farkasgödör-Örvénykő verlängert, womit sie eine Länge von 17 Kilometern erreichte.
Die von Ganz hergestellten Dieseltriebwagen wurden 1948 und 1949 zur Pioniereisenbahn Budapest gebracht, sie kamen erst 1951 und 1963 zurück. Die ersten Diesellokomotiven wurden 1954 in Betrieb genommen – dabei handelte es sich um den Typ C–50 –, denen einige Jahre später die größeren Mk48 folgten. Die letzte Dampflokomotive wurde 1972 aus dem Regelbetrieb genommen.
Übergang vom Güter- zum Tourismusverkehr mini|250px|links|Das renovierte Empfangsgebäude in Lillafüred (2013) Mit der zunehmenden Motorisierung konnte das Holz per Lastkraftwagen abtransportiert werden, die Bahn verlor an Bedeutung. Mit Ausnahme der Hauptstrecke und der Zweigstrecke nach Mahóca wurde der Betrieb auf allen anderen Linien eingestellt und diese einige Jahre später abgebaut. Die Siedlung Lillafüred und das Palasthotel behielten ihre touristische Bedeutung jedoch, weshalb weiterhin ein touristischer Verkehr angeboten werden kann. mini|250px|Die 2010 beschaffte dieselelektrische Hybridlok in der Endstation Garadna
Die einzige verbliebene Zweigstrecke hatte aber schon mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Auf der nicht für Tourismus vorgesehenen Strecke gab es nur über kürzere Zeitspannen planmäßigen Fahrgastbetrieb, der im Laufe der Zeit mehrmals eingestellt und wieder aufgenommen wurde, bis 1993 wegen des schlechten Zustandes der Gleise die Strecke zwangsweise stillgelegt werden musste. Die Restaurierungsarbeiten konnten erst 2008 auf dem ersten Streckenabschnitt bis Csanyik-Erdei iskola abgeschlossen werden, die weitere Strecke bis Mahóca blieb bis 2014 unpassierbar. Da am westlichen Ende der Zweigstrecke aber auch der Diebstahl von Schienen ein Problem darstellte, wurden die Gleise zwischen Mahóca und Taksalápa 2001 durch den Betreiber selbst abgebaut. Das Reststück bis Farkasgödör-Örvénykő wurde 2006 ebenfalls endgültig von der Északerdő Zrt. abgebaut.
Das verbliebene Netz wurde jedoch instand gehalten. Im Jahr 2003 wurde die Endstation Miskolc-Dorottya utca modernisiert, der Fuhrpark wurde bis 2006 mit Druckluftbremsen ausgestattet. Mit Unterstützung der Europäischen Union wurden 2010 die Bahnhöfe Lillafüred und Garadna ebenfalls modernisiert und eine dieselelektrische Hybrid-Lokomotive beschafft, welche die erste ihrer Art in Ungarn ist. Die nur als touristische Attraktion dienende Waldeisenbahn hat jährlich etwa 200.000 Fahrgäste und ist damit die zweitbeliebteste Schmalspurbahn des Landes geworden. 2017 wurde bekannt gegeben, dass der Waldeisenbahn staatliche Unterstützung für eine umfassende Fahrzeug- und Streckenrekonstruktion zusteht.
Streckeneröffnungen und Stilllegungen im Überblick Der Name der eröffneten Strecke ist grün, der stillgelegten rot dargestellt. 500px|mini|Ursprüngliches Gesamtnetz der LÁEV
+ Jahr Linie Betroffene Streckenabschnitt 1920 Hauptstrecke Fáskert – Dorottya utca – Papírgyár – Lillafüred – Garadna 1921 Zweigstrecke „Ládi“Dorottya utca – Ládi rakodó 1921 Zweigstrecke „Tatárárok“Ládi rakodó – Vásárhelyi rakodó 1922 Zweigstrecke „Mahóca“Papírgyár – Mahóca 1922 Zweigstrecke „Kerekhegy“Lillafüred – Kerekhegyi rakodó1927 HauptstreckeFáskert – Szent Anna tér 1934 Zweigstrecke „Tatárárok“Ládi rakodó – Vásárhelyi rakodó 1940 Zweigstrecke „Mahóca“Mahóca – Taksalápa 1947 Zweigstrecke „Mahóca“Taksalápa – Farkasgödör-Örvénykő 1973 HauptstreckeFáskert – Szent Anna tér 1978 HauptstreckeDorottya utca – Fáskert 1990 Zweigstrecke „Kerekhegy“Lillafüred – Kerekhegyi rakodó 1994 Zweigstrecke „Ládi“Dorottya utca – Ládi rakodó 2001 Zweigstrecke „Mahóca“Mahóca – Taksalápa 2006 Zweigstrecke „Mahóca“Taksalápa – Farkasgödör-Örvénykő
Fuhrpark Triebfahrzeuge Bild Typ Anzahl (ursprünglich) Anzahl (derzeit) Betriebsnummer Baujahr in Betrieb Anmerkung Betriebsfähige Fahrzeuge 175x175px Mk48 9 4 D02-501D02-506D02-508D02-510 1960–1961 seit 1961 175x175px Mk48 Hybrid 1 Mk48 2021 2010 seit 2010 erste Hybridlok in Ungarn 175x175px C–50 7 2 C02-407C02-408 1956, 1964 seit 1964 175x175px B–26 1 C02-203 1952 seit 2006 letztes erhaltenes Exemplar dieser Reihe Ehemalige Fahrzeuge (Auswahl) 175x175px Kv-4 1 (ausgestellt) 447,401 1954 1954-19722000- 2008 Name: Lilla 175x175px ABamot 2 0 ABamot-1ABamot-2 1929 1929 – 19491951-1982 ein Triebwagen verkehrt bei der Kindereisenbahn Budapest, der andere wurde verschrottet
Personenwagen Bild Bezeichnung Anzahl (ursprünglich) Anzahl (derzeit) Betriebsnummer Baujahr in Betrieb Anmerkung Betriebsfähige Fahrzeuge 175x175px Diamond 4 351, 352, 353, 354 1928 Seit 1928 Sommerwagen mit je 32 Sitzplätzen 175x175px Kis MÁV 4 301, 302, 303, 304 1928 Seit 1928 Sommerwagen mit je 32 Sitzplätzen 175x175px Nagy MÁV 4 305, 306, 307, 308 1979 Seit 1979 Sommerwagen mit je 44 Sitzplätzen 175x175px Bax40px|Auch für Fahrradtransport vorgesehen 4 11, 12, 14, 15 1959 Seit 1991 geschlossene Wagen mit je 50 Sitzplätzenkönnen nur auf der Hauptstrecke fahren 175x175px Nr. 31 1 311930er Jahre geschlossener Wagen mit 32 Sitzplätzen 175x175px Nr. 32.30px|Barrierefrei 40px|Auch für Fahrradtransport vorgesehen 1 32 1960er JahreUmgebaut: 2007 geschlossener Wagen mit 20 Sitzplätzen 175x175px Nr. 33 und Nr. 34 2 33, 34 2002 2002 geschlossene Wagen mit je 24 Sitzplätzen Ehemalige Fahrzeuge Beiwagen des ABamot 5 0 Aax 11, Aax 12Bax 21, Bax 22BDax 41 1929 1929–1990 alle verkehren bei der Kindereisenbahn Budapest
Fahrzeug der Wiener Straßenbahnen 250px|mini|Die beiden im Umbau befindlichen Straßenbahnen (2016)