Frielendorf ist eine Gemeinde im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Sie ist staatlich anerkannter Luftkurort und trägt seit dem 1. September 2019 die amtliche Zusatzbezeichnung Marktflecken.

Geographie Geographische Lage Frielendorf liegt am Nordwestrand des Knüllgebirges etwa 8,5 km südwestlich von Homberg. Nordwestlich des Dorfs liegt der Sendberg (), auf dem bis zu seiner Verlegung nach Frielendorf gegen Ende des 13. Jahrhunderts das Gericht auf dem Sendberg tagte, nordöstlich der Silbersee und südöstlich erhebt sich die Mark (). Durchflossen wird es vom Efze-Zufluss Ohebach.

Nachbargemeinden Frielendorf grenzt im Nordosten und Osten an die Stadt Homberg, im Südosten an die Stadt Schwarzenborn, im Süden an die Stadt Neukirchen und an die Gemeinde Willingshausen, im Südwesten und Westen an die Stadt Schwalmstadt, im Westen an die Gemeinde Neuental und im Nordwesten an die Stadt Borken; sie gehören alle auch zum Schwalm-Eder-Kreis.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Frielendorf gehören neben dem Kernort die fünfzehn Ortsteile: Allendorf Gebersdorf Großropperhausen Lanertshausen Leimsfeld Lenderscheid Leuderode Linsingen Obergrenzebach Schönborn Siebertshausen Spieskappel Todenhausen Verna Welcherod

Geschichte Ersterwähnung Der namensgebende Ortsteil Frielendorf wurde als Frilingendorf im Jahre 1197 in einem Einkommensverzeichnis des Klosters Spieskappel, soweit bekannt, erstmals urkundlich erwähnt. Als weitere historische Namensformen sind Frilingestorf (um 1220), Vrilingedorph (1247), Frilendorf (1333) und Frielndorff (1585) belegt.

Hessische Gebietsreform Im Zuge der hessische Verwaltungs- und Gebietsreform schlossen sich die Gemeinden Frielendorf, Gebersdorf, Lenderscheid (seit 15. September 1968 mit der Gemeinde Lanertshausen und seit 1. Juli 1970 mit der Gemeinde Siebertshausen vereinigt), Linsingen und Todenhausen zur neuen Großgemeinde Frielendorf zusammen. Am 1. Januar 1974 wurden kraft Landesgesetz die beiden Großgemeinden Frielendorf und Grenzebach (das sich am 31. Januar 1971 aus den Gemeinden Leimsfeld, Obergrenzebach und Schönborn gebildet hatte) mit den bisher selbständig gebliebenen Gemeinden Allendorf, Großropperhausen, Leuderode, Spieskappel und Verna zu einer wiederum neuen Großgemeinde Frielendorf zusammengeschlossen. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Frielendorf. Für die ehemals eigenständigen Gemeinden wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet. Für die Orte Siebertshausen und Lanertshausen wurde ein gemeinsamer Ortsbezirk errichtet.

Übersichtstabelle Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Allendorf Gebersdorf Grenzebach Großropperhausen Lanertshausen Eingemeindung nach Lenderscheid Leimsfeld Zusammenschluss mit Obergrenzebach und Schönborn zu Grenzebach Lenderscheid Leuderode Linsingen Obergrenzebach Zusammenschluss mit Leimsfeld und Schönborn zu Grenzebach Schönborn Zusammenschluss mit Leimsfeld und Obergrenzebach zu Grenzebach Siebertshausen Eingemeindung nach Lenderscheid Spieskappel Todenhausen Verna

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Frielendorf 7621 Einwohner. Darunter waren 102 (1,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 1305 Einwohner unter 18 Jahren, 3078 zwischen 18 und 49, 1671 zwischen 50 und 64 und 1569 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 3195 Haushalten. Davon waren 822 Singlehaushalte, 891 Paare ohne Kinder und 1143 Paare mit Kindern, sowie 291 Alleinerziehende und 48 Wohngemeinschaften. In 654 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2076 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1585: 51 Hausgesesse • 1639: 22 hausgesessene Männer, 15 Witwen • 1681: 42 Hausgesesse, 8 Ausschuss, zwei Junggesellen • 1750: 63 Wohnhäuser

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 648 evangelisch-reformierte, 128 jüdische Einwohner. • 1885: 776 evangelische (= 84,52 %), 4 katholische (= 0,44 %), jüdische 137 (= 14,94 %) Einwohner • 1961: 643 evangelische (= 92,25 %), 44 katholische (= 6,31 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1750: zwei Müller, ein Krämer, ein Schreiner, 11 Leineweber, drei Schuhmacher, drei Bäcker, drei Handelsjuden, zwei Metzger, drei Schmiede, ein Schlosser, ein Wagner, sieben Schneider, ein Zimmermann, zwei Färber, 10 Branntweinbrenner, zwei Wirte, ein Essigbrauer, 13 Weibspersonen • 1838 Familien: 26 Ackerbau, 70 Gewerbe, 45 Tagelöhner • 1961 Erwerbspersonen: 62 Land- und Forstwirtschaft, 434 produzierendes Gewerbe, 160 Handel und Verkehr, 119 Dienstleistungen und Sonstiges

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung des Marktfleckens Frielendorf erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Frielendorf 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021

Gemeindevertretung – Kommunalwahlen 2026

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 44,41149,71251,71653,91751,31656,718 33,1830,2828,6922,1722,2714,14 22,5620,1519,7624,0726,6825,58 Gesamt 100,0 25 100,0 25 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 64,0 53,7 58,0 55,4 58,7 68,0

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Frielendorf neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und elf weitere Beigeordnete angehören.Politische Gremien, Stand 26. Dezember 2023: „Diese Rubrik befindet sich im Aufbau. Wir bitten um Ihre Geduld.“ - (Zusammensetzung des Gemeindevorstands laut Hauptsatzung ermittelt) Bürgermeister ist seit dem 21. Mai 2022 Jens Nöll (SPD). Er wurde als Nachfolger von Thorsten Vaupel (SPD), der nach einer Amtszeit nicht mehr zur Wiederwahl angetreten war, am 26. September 2021 ohne Gegenkandidaten bei 74,3 Prozent Wahlbeteiligung mit 74,8 Prozent der Stimmen gewählt.Votemanager: Bürgermeisterwahl Marktflecken Frielendorf 2021

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2022–2028 Jens Nöll (SPD) 2016–2022 Thorsten Vaupel (SPD)Thorsten Vaupel im Internet zu seiner Amtseinführung, abgerufen am 28. Juli 2016. 1998–2016 Birger Fey (SPD)

Ortsbeiräte Für die Ortsteile Allendorf, Frielendorf, Gebersdorf, Großropperhausen, Leimsfeld, Lenderscheid, Leuderode, Linsingen, Obergrenzebach, Schönborn, Siebertshausen/Lanertshausen, Spieskappel, Todenhausen, Verna und Welcherod bestehen Ortsbezirke nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung. Die Ortsbeiräte bestehen aus drei bis neun Mitgliedern. Der Ortsbeirat des Ortsbezirks wird im Rahmen der Kommunalwahlen gewählt und bestimmt aus seiner Mitte den/die Ortsvorsteher/in. Die Ortsbezirksgrenzen entsprechen den Gemarkungen der eingegliederten ehemaligen Gemeinden.

Wappen

mini|hochkant|Der Spießturm (2008)

Gemeindepartnerschaft Die Gemeinde Frielendorf unterhält eine Partnerschaft mit dem thüringischen Kleinschmalkalden sowie seit dem 30. Mai 2009 mit der westflandrischen Stadt Poperinge.Artikel auf Nordhessennews nh24

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Im Museumsladen mit der Ausstellung Die Zeche Frielendorf wird über Frielendorfer Geschichte und den einstigen Braunkohlenbergbau in und um das Dorf informiert.

Das Dorfmuseum Verna informiert über dörfliche Wohnkultur, Mobiliar und Handwerkzeug.

Bauwerke mini|hochkant|Kirche St. Johannes in Spieskappel Im Ortsteil Spieskappel steht die 1255 geweihte Kirche St. Johannes des ehemaligen Klosters Spieskappel, die ursprünglich zum 1143 gegründeten Prämonstratenser-Chorherrenstift Cappel gehörte. Die Kirche wird meist nur als Klosterkirche bezeichnet. Die Orgel wurde in der Werkstatt des Orgelbauers Johannes Schlottmann aus Hersfeld gebaut.

Der Spießturm (auch „Spieskappeler Warte“ genannt) ist ein mittelalterlicher Wartturm, an der Straße zwischen Spieskappel und Obergrenzebach. Er steht an einem Punkt, an dem sich wichtige mittelalterliche Handelsstraßen schnitten, sowie an der einstigen Grenze zwischen Oberhessen und Niederhessen. Im 15. und 16. Jahrhundert fanden am Spieß die Landtage der hessischen Landstände statt. Der Spießturm ist Teil des Frielendorfer Wappens.

Parks Der Ferienwohnpark Silbersee liegt östlich von Frielendorf am Silbersee. Der Klosterpark in Spieskappel ist auch ein beliebtes Ausflugsziel.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft mini|links|Kuxschein der Gewerkschaft Frielendorf vom 1. Juli 1907 mini|Der Silbersee bei Frielendorf

Etwa 150 Jahre lang, bis in die 1960er Jahre, waren Braunkohlebergbau und Brikettherstellung die wirtschaftliche Basis des Kernorts und der umliegenden Dörfer. Frielendorf gehörte zu den bedeutendsten Braunkohlerevieren Hessens, und Tagebaugruben prägten das Landschaftsbild. Das Dorfbild selbst wurde von der Brikettfabrik der Gewerkschaft Frielendorf dominiert. In den 1920er Jahren arbeiteten zeitweise rund 1400 Menschen im Frielendorfer Bergbau. Insgesamt wurden ca. 26,5 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert und ca. 6,5 Millionen Tonnen Briketts hergestellt. Die Briketts der Marke „Hassia“ waren weit über die Region hinaus bekannt.

Mit dem Ende des Kohleabbaus in Frielendorf begann ein drastischer Strukturwandel, von Bergbau und Industrie zum Fremdenverkehr. Kernstück dieses Strukturwandels wurde die Umwandlung eines großen Tagebaurestlochs in einen Bade- und Angelsee, den Silbersee, dessen Umgebung inzwischen längst renaturiert ist und um den ein Feriendorf entstand.

Verkehr Frielendorf liegt an der Bundesstraße 254 (Homberg–Fulda). Zur Bundesautobahn 49 (Kassel–Fritzlar-Marburg) Anschlussstelle Neuental sind es etwa 11 km. Die Gemeinde gehört dem Nordhessischen Verkehrsverbund an. Die nächsten Bahnstationen sind Wabern, Schwalmstadt-Treysa, Borken (Hessen) und Kassel-Wilhelmshöhe. Früher hatte Frielendorf einen Bahnhof an der Bahnstrecke Leinefelde–Treysa.

Persönlichkeiten

Curt Beil (1879–1945), Bergbauingenieur, ehemaliger Inhaber der Farbwerke Wilhelm Urban in Spieskappel Klaus Ganz (* 1955), Fußballspieler Karl Bönisch (* 1960), Fußballspieler Margot Käßmann (* 1958), Theologin, ehemalige Pfarrerin in Spieskappel (1985–1990) Kurt Lotz (1912–2005), ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG Carl David Mäckel (1844–1911), Abgeordneter des Kurhessischen Kommunallandtages Stefan Marx (* 1979), Künstler Regine Müller (* 1959), MdL, ehemalige Leiterin des Kindergartens in Obergrenzebach Adolf Schmidt (1925–2013), Politiker und Gewerkschafter, Ausbildung als Grubenschlosser in Frielendorf absolviert Evelin Schönhut-Keil (* 1960 in Homberg/Efze), Abgeordnete des hess. Landtages 1990–2005; ehemalige Erste Beigeordnete des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen Georg Völker (1887–1970), in Verna geborener Politiker, Abgeordneter des Hessischen Landtags

Literatur Fritz Gerich: Chronik von Frielendorf. Frielendorf 1956, . Hans Mittendorf: Gebersdorf. Ein Dorfbuch. Frielendorf 1997, . Karl Schmidt: Das Dorf Spieskappel. Frielendorf 1995, . Gerd Kanke: Frielendorf und seine Ortsteile. Literatur und Dokumente zur Ortsgeschichte in Bibliotheken und Archiven. Eine Übersicht. Im Auftrage der Hessischen Akademie der Forschung und Planung im ländlichen Raum und der Gemeinde Frielendorf. (III. Arbeitsbericht der Hessischen Akademie der Forschung und Planung im ländlichen Raum.) Bad Karlshafen 1996, ISBN 3-928069-17-9. Horst Schönhut: Die Gewerkschaft Frielendorf: Geschichte der Frielendorfer Braunkohlenzeche. Geschichtsverein Borken e. V., Borken 1998, ISBN 3-932739-03-5.