Virtuelle Rehabilitation bezeichnet die Verwendung von Virtueller Realität für die Therapie von psychologischen, neurologischen, physiologischen oder kognitiven Erkrankungen. Die Therapie wird zum Teil oder vollständig durch den Einsatz der Technologie unterstützt.
Der Begriff Virtuelle Rehabilitation (engl. virtual rehabilitation, manchmal auch cybertherapy) wurde im Jahr 2002 auf dem ersten Workshop zum Thema „Virtual Reality Rehabilitation (Mental Health, Neurological, Physical, Vocational) VRMHR 2002“ in Lausanne, Schweiz geprägt. Seither wird entsprechende Forschung aus den beteiligten Fachgebieten (Informatik, Medizin, Therapie, Psychologie, Robotik, Neurologie) unter diesem Stichwort zusammengefasst. Im Jahr 2008 wurde die International Society for Virtual Rehabilitation gegründetInternational Society on Virtual Rehabilitation website: isvr.org..
Virtuelle Rehabilitation ermöglicht eine Reihe von Mehrwerten gegenüber herkömmlicher TherapieThomas Schüler, Marion Pälmke: PT@PC: Innovation Virtuelle Rehabilitation. In physiopraxis. 1/10, Georg Thieme Verlag, 2010, S. 22–25.: Gesteigerte Motivation der Patienten zur Mitarbeit Automatische Aufzeichnung und Auswertung der Therapiedaten Möglichkeit zum Angebot der Heimtherapie bzw. Teletherapie, bei der ein Teil der Therapie bei räumlicher und/oder zeitlicher Trennung von Patienten und Therapeuten stattfindet. Potential der Entwicklung neuartiger Therapieformen, die ohne den Einsatz der Technik nicht denkbar wären.
Der physio- und ergotherapeutische Nutzen der Technologie ist bislang vorwiegend in Form von Fallstudien dokumentiertKate Laver, Stacey George, Susie Thomas, Judith E. Deutsch, Maria Crotty: Virtual Reality for Stroke Rehabilitation. In: Stroke. 43, 2012, S. e20-e21.Maureen K. Holden: Virtual environments for motor rehabilitation: review. In: Cyberpsychology & Behavior: the Impact of the Internet, Multimedia and Virtual Reality on Behavior and Society. 8(3), 2005, S. 187–211.. Es gibt aber auch bereits auch Übersichtsarbeiten, die den konkreten Nutzen von VR hervorheben, etwa bei der Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten. So konnte durch den Einsatz von VR ein besseres Gangbild, größere Mobilität in den Gliedmaßen sowie ein besseres Gleichgewicht erreicht werden. VR bietet in diesem Zusammenhang das Potenzial, die Behandlungsdauer in der Rehabilitation zu verkürzen, therapeutische Ressourcen neu zuzuteilen und Kosten einzusparen.
Für den Einsatz in der Psychotherapie kann ein besseres Evidenzniveau attestiert werdenGiuseppe Riva: Virtual reality in psychotherapy: review. In: Cyberpsychology & Behavior: the Impact of the Internet, Multimedia and Virtual Reality on Behavior and Society. 8(3), 2005, S. 220–230.. Die Behandlung von Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung wird in den USA heute mit Hilfe virtueller Realität durchgeführtAlbert Rizzo, Thomas D. Parsons, Belinda Lange, Patrick Kenny, John G. Buckwalter, Barbara Rothbaum et al.: Virtual Reality Goes to War: A Brief Review of the Future of Military Behavioral Healthcare. In: Journal of Clinical Psychology in Medical Settings. 18(2), 2011, S. 176–187..
Seitdem der Einsatz von Head-Mounted Displays Einzug in die Darstellung von virtuellen Realitäten gefunden hat, gibt es zahlreiche Projekte aus der Psychologie und Psychotherapie, die sich mit dem Bereich der Expositionstherapie beschäftigen. Weitere Anwendung findet Virtuelle Realität unter anderem in der Behandlung von Störungen im Autismusspektrum, Schizophrenie, Suchterkrankungen, Demenz, Essstörungen und ADHS. Es gibt auch Hinweise, dass sich die Stresslevel von Krankenhauspatienten durch den Einsatz von Virtueller Realität reduzieren lassen und 360-Grad Videos zur Entspannung beitragen können. Inzwischen gibt es auch geführte Meditationen auf Deutsch, bei denen Achtsamkeitsübungen als 360-Grad Videos präsentiert werden.
Einzelnachweise
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