Der Ostwall ist eine nord-südlich verlaufende Prachtstraße in der Innenstadt Krefelds. Er endet am Hauptbahnhof und grenzt gemeinsam mit drei anderen Wällen (Nord-, Süd- und Westwall) in etwa die Altstadt ein. Im 19. Jahrhundert wurde er vom Architekten Adolph von Vagedes als gehobene Wohnallee angelegt. Nach den Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges wandelte er sich in eine wichtige Einkaufsstraße und Verkehrsader der Stadt, in der alle Linien des öffentlichen Verkehrs zusammenlaufen. Charakteristisch sind sein Mittelstreifen, auf dem Grünanlagen, kleine Parks und Kunstinstallationen zu finden sind sowie sein über 150 Jahre alter Baumbestand. Heute versuchen Interessensgemeinschaften, Firmen, Privatpersonen und die Stadtverwaltung, dem Ostwall wieder zu seiner einstigen Pracht zu verhelfen.
Der Ostwall als Wahrzeichen Krefelds Im August 1951 stellte die Rheinische Post fest: „Trifft man draußen irgendwo in der Welt – im Zug, im Bad oder auf der Fahrt durch Berge und Wälder – einen Mitmenschen an, der einmal in unserer Heimatstadt war, so mag er manches vergessen haben von unserer schönen Stadt - an eines erinnert er sich bestimmt: an den Ostwall!“.Der Ostwall, Rheinische Post, 22. August 1951 Der Ostwall ist nicht nur eine wichtige Einkaufsstraße Krefelds, sondern auch ein bedeutender sozialer Treffpunkt für die Einwohner und ein Wahrzeichen der Stadt. Die zahlreichen Veranstaltungen auf dem Mittelstreifen werden nicht nur von Einwohnern besucht, sondern ziehen auch Gäste von außerhalb an. Unter der Uhr (UdU) an der Ecke zur Rheinstraße treffen sich alljährlich Schüler, um den Beginn der Ferien zu feiern. Der Ostwall ist die Lieblingsstraße der Krefelder, die grüne Visitenkarte der Stadt, ihr Champs-Élysées und Klein-Paris, für das sie bekannt sind.
Anwohner der Innenstadt, das dortige Gewerbe und die Stadtverwaltung bemühen sich daher, ihr Wahrzeichen zu verschönern und attraktiver zu gestalten, insbesondere in der Hoffnung Besucher aus dem Umland sowie neue Anwohner anzulocken, um dem Wohnungsleerstand und der relativ hohen Arbeitslosenquote in Krefeld entgegenzuwirken. Während die Anwohner jedoch mehr am Ausbau der Grünanlagen für die Lebensqualität interessiert sind, wird dem Gewerbe vorgeworfen, seine Aktionen auf dem Ostwall seien lediglich Werbemaßnahmen.
Lage und Umgebung mini|Blick auf den Ostwall in Krefeld
Der Ostwall liegt am östlichen Rand der Krefelder Innenstadt, die er zusammen mit dem Nord-, Süd- und Westwall umschließt. Dadurch erhält die Stadt ihre charakteristische, in Deutschland einzigartige rechteckige Form. Im Norden grenzt er an den Nordwall und im Süden führt er zum Hauptbahnhof, wo die Zählung der Hausnummern beginnt. Der Ostwall ist die Hauptstraße der Innenstadt und die direkte Anfahrt zum Hauptbahnhof und daher stark befahren. Ferner ist der Mittelstreifen des Ostwalls charakteristisch. Auf dem im nördlichen Teil zwischen Nordwall und Neue Linner Straße verläuft eine Straßenbahnstrecke, auf dem südlichen Teil bis zum Hauptbahnhof befinden sich Grünanlagen mit kleinen Parks, Blumenbeeten, Kunstinstallationen und Brunnen. Als Einkaufsstraße ist das Bild des Ostwalls stark durch Geschäfte, Kaufhäuser und Einkaufspassagen aus der Nachkriegszeit geprägt, die sich auch bis in die Nebenstraßen hineinziehen. Es sind aber auch noch alte Patrizierhäuser aus dem 19. Jahrhundert erhalten, welche den Zweiten Weltkrieg überstanden haben.
Die Fahrbahnen neben dem Mittelstreifen dominieren den Ostwall, aber es gibt verschiedene Pläne der Stadt, die Straße sicherer und attraktiver für Fußgänger zu gestalten. Viele geplante Straßenübergänge und Fußgängerbrücken konnten jedoch nicht realisiert werden, großzügige Fahrbahnmarkierungen für Fahrradfahrer hingegen schon.
Verkehrsanbindung und Parken Fast alle Krefelder Nahverkehrslinien (Stadtbahn, Straßenbahn und Bus) führen über den Ostwall zum Hauptbahnhof. Krefeld gehört zum Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Die Endhaltestelle der Stadtbahn-Linien liegt an der Rheinstraße. Überlegungen, die Endhaltestellen an den Hauptbahnhof vorzuverlegen, scheiterten an Protesten der Anlieger. Um parkende Autos auf der ohnehin engen Straße zu verhindern, gibt es in den Nebenstraßen zahlreiche Parkhäuser und ein gut ausgebautes Parkleitsystem. Parken direkt an der Straße ist teilweise möglich. Zur Verkehrsberuhigung gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h.
Geschichte Entstehung und Gestaltung Der Ostwall entstand zusammen mit den drei anderen Wällen (Nord-, Süd- und Westwall) im Zuge einer Stadterweiterung zwischen 1817 und 1850. Die Verwaltung Krefelds beschloss die Errichtung neuer Wohnquartiere außerhalb ihrer Mauern, da die Stadt schnell wuchs und Neubesiedlungen bis dahin planlos und ohne Ordnung stattfanden. Im Dezember 1815 beschloss der Gemeinderat offiziell die Erweiterung und beauftragte Wilhelm Goldammer mit der topographischen Erfassung des derzeitigen Stadtbildes. Goldammer zeichnete aus diesen Daten eine „Carte der Stadt Crefeld“, die der Gemeinderat am 19. März 1817 mit einem Bauplan an die landrätliche Behörde in Düsseldorf sandteKordt, Walter: Adolph von Vagedes, Ratingen 1961, Seite 58. Zudem bat der Rat den Regierungsbaurat Adolph von Vagedes, auf Grundlage dieser Ideen einen Erweiterungsplan zu entwerfen.
Adolph von Vagedes (1777–1842) gehörte zu den bekanntesten klassizistischen Architekten und Stadtplanern der Region und arbeitete unter anderem für Karl Friedrich Schinkel. Daneben dichtete und komponierte er. Bei der Neuregelung der rheinischen Verwaltung wurde er 1818 zum Regierungsbaurat ernannt. Er beteiligte sich ebenfalls am Umbau von Düsseldorf, Solingen, Mülheim an der Ruhr oder Elberfeld. Krefeld jedoch war sein größtes städtebauliches Projekt.
Im lang gezogenen Stadtbild Krefelds sah von Vagedes eine Möglichkeit, seine Ideen zu verwirklichen. Als Architekt des Klassizismus arbeitete er mit typisch griechischen Elementen und metrische Harmonie war ihm wichtig. Die bereits in einer früheren Stadterweiterung 1692 unter Wilhelm III. von Oranien angelegte Königstraße bot die perfekte Voraussetzung für einen Prachtboulevard. Auf der Grundlage der Karte Goldammers entwarf von Vagedes einen „Plan von Crefeld“, wobei er sich am holländischen Prinzip orientierte. Dieses basiert auf einer geradlinigen Straßenführung, um das Stadtbild übersichtlich zu gestalten. Mannheim und New York beispielsweise verdanken den Holländern ihr heutiges Stadtbild.
Auf dieser Grundlage plante Adolph von Vagedes, Krefeld mit einem rechteckigen Kastrum bestehend aus vier Wällen zu umschließen, deren Verlauf sich an der geraden Führung der Stadtmauer orientierte. Die Gradlinigkeit und Geschlossenheit des Kastrums ist in Deutschland noch immer einzigartig. Die Form erinnert an die Kaiserstadt Pekings, weshalb der Autor Otto Brües in seinem Roman "der Silberkelch", der die Stadterweiterung durch von Vagedes behandelt, Krefeld wegen seiner Seidenproduktion und der baulichen Ähnlichkeit mit Chinas Hauptstadt vergleicht.Kordt, Walter: Adolph von Vagedes, Ratingen 1961, Seite 61 Dass von Vagedes sich an Peking orientierte, ist jedoch nicht belegt.
Am 5. November 1817 sandte Adolph von Vagedes seinen Entwurf an den Krefelder Landrat Georg Cappe. Sein Plan verdreifachte den Umfang der Stadt und schien im Not- und Hungerjahr 1817 nach den Napoleonischen Kriegen unvorstellbar. Trotzdem entschied sich die Stadtverwaltung unter großem Einfluss des Landrats Cappe für den Ausbau Krefelds. Der Ostwall sollte als Prachtboulevard angelegt und mit Bäumen, Blumenbeeten und Denkmälern geschmückt werden, so dass er zum Flanieren und Betrachten einlud. Ein konkreter Bauplan entstand am 11. Mai 1819 und nach ihm wurde der zukünftige Ostwall erstmals 1826 aufgezeichnet.
Die Umsetzung des neuen Stadtplans brachte einige Schwierigkeiten mit sich. So standen beispielsweise der Park des Stadtschlosses von der Leyen sowie der Heydweillersche Garten einer symmetrischen Form entgegen. Zudem konnten einige bereits bestehende Etablissements nicht abgerissen werden und der heutige Nordwall berührte Fabriken und Windmühlen.
Die Bepflanzung der vier Wälle folgte wohl zwischen 1838 und 1840 durch Gartenbaumeister Maximilian Friedrich Weyhe und seinem jüngeren Sohn Wilhelm August. Später beteiligte sich auch sein älterer Sohn Joseph Clemens Weyhe an der Gestaltung der Wälle. Der Ostwall wurde zunächst mit vier Reihen holländischen Linden bepflanzt, aber bald kamen Platanen, Rot- und Weißkastanien, verschiedene Ahornarten und amerikanische Eichen hinzu. Noch heute sind diese alten Bäume ein bedeutender Bestandteil des Ostwalls. Die Flächen zwischen den Bäumen wurden in den 1850er Jahren durch den Stadtgärtner Haack mit Blumenbeeten geschmückt, auf denen Pflanzen wie Canna, Riesenhanf, Riesenmais oder schwarzer Perilla wuchsen. Diese Beete fassten Brunnen und Denkmäler ein (z. B. die De-Greiff-Säule, das Moltkedenkmal, die Carl-Wilhelm-Büste oder das Ludwig-Friedrich-Seyffardt Denkmal), die als auffällige Blickpunkte im Stadtbild an Straßenkreuzungen standen. Fast alle Denkmäler wurden während des Zweiten Weltkriegs zerstört oder bei Straßenausbaumaßnahmen in den 1950er Jahren abgerissen.
Bauliche Vollendung im 19. Jahrhundert 1890 erzählte C. W. Crous von seiner Jugend in Krefeld: „Die Westseite des Ostwalls war ausgebaut von der Rheinstraße bis zur Gartenstraße … Weiter nach Norden standen noch einige Häuser, Fabrikgebäude und Färbereien. Im nördlichen Teil des Ostwalls, zwischen dem heutigen Nordwall und der Nordstraße, breitete sich neben der „Freiheit“, einem Park der von der Leyen, der Heydweillersche Garten aus, an dessen Pracht noch heute hinter dem Seyffardt-Denkmal die alten Bäume erinnern.“Zur Geschichte der 6. Krefelder Stadterweiterung und der Stadtwälle 1817–1850, Seite 168
Der Ausbau des Ostwalls ging schleppend voran. Es gab unzählige Entwürfe, Berichte, Kabinettsorder, Verhandlungen, Baugesuche und Reklamationen. Da die Wälle außerhalb der Stadt lagen, hielt die Bürgerschaft das Gebiet für zu gefährlich, um dort zu bauen. Die bereits vorhandene Alte Linner Straße war die erste und lange die einzige befahrbare Straße am Ostwall. Die östliche Seite des Boulevards war kaum bebaut. Zu den wenigen Gebäude gehörte das bekannte „Wirtshaus zum Trabener Weinberg“ an der Ecke Alte Linner Straße. Noch in den 1830er Jahren befanden sich auf den zahlreichen Feldern (z. B. das Gelände des späteren Hauptbahnhofs) kaum Baustellen.
Erst mit dem Bau des Hauptbahnhofs 1849 wurde der Ostwall zu einem beliebten Wohngebiet. Der Anbruch des Maschinenzeitalters machte Krefeld zu einer Großstadt seiner Region, die eine Eisenbahnanbindung in die umliegenden Städte benötigte. Die Stadtverwaltung beschloss, den Ostwall zum Bahnhof hin zu verlängern und setzte sich dabei gegen zahlreiche Kritiker durch. Gegner des Projekts wollten den Bahnhof weiter westlich anlegen, da sie richtig befürchteten, der Ostwall würde sich zu einer Hauptverkehrsachse wandeln. Dies benachteilige die Gegend und die Straße sei nicht dafür ausgebaut, denn sie war nicht einmal gepflastert. Die Eröffnung des Bahnhofs machte den Ostwall jedoch zu einer attraktiven Gegend. Schnell wurde der Wall bebaut und wandelte sich zu einer stillen und schattigen Allee, in der hauptsächlich wohlhabende Familien lebten, an die noch heute einige Patrizierhäuser erinnern. Das Adressbuch von 1868 verzeichnet als Bewohner des Ostwalls Seiden- und Samtfabrikanten, Seidenwarenhändler, kaufmännische Angestellte, Ärzte, Apotheker, Chemiker, Beamte, ein paar Handwerker und Rentner. Auch der damalige Oberbürgermeister Heinrich Ondereyck besaß ein Haus auf der Allee. Zudem standen dort Lager verschiedener Fabriken und Wirtshäuser, aber kaum Geschäfte.