mini|Truppenfallschirm MC-6Der steuerbare Rundkappenfallschirm des MC-6 basiert auf der Hauptkappe des FS-14 der Smokejumper der USA, der um die Jahrtausendwende leicht modifiziert auch von einigen Spezialeinheiten der Vereinigten Staaten als SF-10A eingeführt wurde. Mittlerweile ist der gleiche Hauptfallschirm als neuer steuerbarer Truppenfallschirm MC-6 für alle spezialisierten Kräfte der USA beschafft worden. Er nutzt den gleichen Reservefallschirm T-11R und Gurtzeug wie der Truppenfallschirm T-11. Seine Steuer- und Flugeigenschaften machen den MC-6 deutlich überlegen gegenüber den Vorgängerfallschirmen der MC1-1-Reihe.

FS-14 der Smokejumper mini|Fallschirm FS-14Bereits seit den 1940er-Jahren erprobte das United States Forest Service (USFS) das Absetzen ihrer Feuerwehrmänner mit Fallschirmen in Brandnähe. Um auch an steilen Berghängen, in kleinen Lichtungen und in großen Höhen mit ihrer gesamten Ausrüstung landen zu können, nutzten sie von Anfang an steuerbare Rundkappenschirme. Lediglich das kleinere Bureau of Land Management des Innenministeriums nutzt derzeit auch Flächenfallschirme für ihre eigenen Smokejumper. Anfang der 1990er-Jahre suchte das USFS nach einem neuen steuerbaren Rundkappenfallschirm mit automatischer Öffnung und entschied sich für modifizierte Fallschirme der Quantum Series, die ursprünglich als Rettungsfallschirme für Gleitfallschirmpiloten entwickelt worden sind.Geschichte der Quantum Serie Fallschirme. Abgerufen am 4. Januar 2013. Als FS-14 (FS = Forest Service) bezeichnet, wurden diese Fallschirme 1995 in drei Größen für die Smokejumper eingeführt. Abhängig von dem Springergewicht, der mitgeführten Ausrüstung, der Höhe des Landeplatzes und des Wetters wird mit einem der Schirme gesprungen. Das Ziel ist, dass der Feuerwehrmann mit einer sicheren Sinkgeschwindigkeit aber trotzdem zügig seinen Landeplatz erreicht. Eine möglichst geringe Sinkgeschwindigkeit ist nicht zweckmäßig, weil ein leichter Springer unter einer zu großen Fallschirmkappe leicht vom Wind abgetrieben werden kann. Als Richtwert für die Verwendung der nur in der Größe unterschiedlichen Fallschirmvarianten geltenNational Wildfire Coordinating Group: Interagency Smokejumper Operations Guide , Boise, Idaho (2011):

Kappengröße Kappenfläche Lastbereich Landehöhe und Umgebungstemperatur 8,53 m 55,8 m² 81 bis 102 kg 1500 m bei 29 °C9,14 m 63,9 m² 102 bis 115 kg1500 m bei 29 °C9,75 m 72,5 m² 115 bis 129 kg1500 m bei 29 °C

Das Gurtzeug für die unterschiedlichen Größen ist farblich kodiert, wobei blau für die kleinste, oliv für die mittlere und gold für die große Fallschirmkappe steht.

Mit diesem fortschrittlichen Rundkappenfallschirm können die Smokejumper selbst in den Höhenlagen der Rocky Mountains mit großer Zielgenauigkeit in nur häusergroßen Lichtungen oder Schneisen mitsamt ihrer Ausrüstung landen. Der FS-14-Hauptfallschirm wird zusammen mit dem H-5 Gurtzeug und dem vor der Brust getragenen steuerbaren Reservefallschirm FS-14R genutzt. Das USFS hat den Hauptfallschirm in einer blauen Farbe mit weißen Bahnen an der Rückseite und den Reserveschirm in einer roten Farbgebung beschafft.Fallschirmentwicklung für die Smokejumper. Abgerufen am 20. Dezember 2012. Als möglicher Nachfolger erproben die Smokejumper die robustere Weiterentwicklung FS-14Plus mit verbesserten Sink- und Gleiteigenschaften, von denen bis 2011 bereits 50 Stück beschafft wurden.

SF-10A der Special Forces

Im Dezember 1998 entschied sich das United States Army Special Operations Command, welches alle Spezialeinheiten der U.S. Army führt, eigenständig einen Nachfolger für ihre steuerbaren Rundkappenfallschirme zu beschaffen. Sie nutzten noch immer die mittlerweile veraltete MC1-1-Serie, die auf dem Truppenfallschirm T-10 aus den 1950er-Jahren basierte. Gerade bei Sprüngen mit voller Ausrüstung, für deren Gewicht der Fallschirm nicht ausgelegt ist, und über hoch gelegenen Absetzplätzen kam es regelmäßig zu Beschädigungen des Fallschirms. Außerdem wurde die Sinkgeschwindigkeit unter diesen Bedingungen so hoch, dass die Verletzungsgefahr für die Soldaten immer weiter anstieg. Als Gelände für das Auswahlverfahren wurde der 1800 m hoch gelegene Absetzplatz bei Fort Carson, Colorado ausgewählt, wo im Juli 1999 die Erprobung von sechs verschiedenen Fallschirmmustern stattfand.

Weil der mittlerweile bewährte FS-14 der Smokejumper für diese hochgelegenen Einsatzszenarien speziell entwickelt wurde und darüber hinaus noch eine überlegene Steuerbarkeit besaß, entschloss man sich diesen Fallschirm in der 9,75 m großen Variante einzuführen. Nach einer Anpassung, um den Schirm unter militärischen Bedingungen mit dem Gurtzeug des MC1-1 und dem bisherigen Reserveschirm verwenden zu können, wurde die Erprobung erfolgreich abgeschlossen. Inzwischen hatte Irvin Aerospace die Rechte an diesem Produkt aufgekauft und vertrieben den jetzt als SF-10A bezeichneten Fallschirm an die amerikanischen Streitkräfte und weltweit.

Im Rahmen einer dezentralen Beschaffung dieses nicht standardisierten Produkts wurde der SF-10A bei Spezialeinheiten eingeführt. Die 10. Special Forces Group übernahm 2002 als erster militärischer Nutzer diesen Fallschirm, wodurch sich auch die Namensgebung des Fallschirms (SF-10 = Special Forces-10) erklärt. Auch andere Einheiten des USASOC setzten diesen Fallschirm als zwischenzeitlichen Ersatz für die MC1-1-Fallschirme erfolgreich ein. Der Vorteil des USASOC-Alleingangs war die schnelle Verfügbarkeit eines geeigneten Fallschirms, der explizit auf ihre Anforderungen zugeschnitten war. Allerdings war das USASOC jetzt auch alleinverantwortlich für Beschaffung und Bewirtschaftung des SF-10A, den es auf dem offiziellen Dienstweg der U.S. Army nicht gab.MC-6 Fallschirmentwicklung auf Globalsecurity.com. Abgerufen am 20. Dezember 2012.

Truppenfallschirm MC-6 mini|MC-6 HauptkappeNeben dem USASOC hatten auch die anderen Spezialeinheiten, streitkräfteübergreifend geführt durch das US Special Operations Command (USSOCOM), ihren dringenden Wunsch nach einem Ersatz für den MC1-1 bekundet. Um diesem Bedürfnis gerecht zu werden und einen standardisierten Fallschirm einzuführen, wurde vom USSOCOM, das wie die Teilstreitkräfte über einen eigenen Haushalt verfügt, unter dem Namen Special Operations Forces Tactical Advanced Parachute System (SOFTAPS) nach einem geeigneten Nachfolger gesucht.

Zur gleichen Zeit unternahm auch die U.S. Army große Anstrengungen ihre veralteten MC1-1- und T-10-Fallschirme sowie Gurtzeuge und Reservefallschirme zu ersetzen. Im September 2002 beschlossen daher das USSOCOM und die U.S. Army ihre Bemühungen in der Beschaffung eines steuerbaren Rundkappenfallschirms mit automatischer Öffnung zu bündeln. Um Entwicklungskosten und Zeit zu sparen, einigte man sich auch auf die Integration des neuen Reserveschirms und Gurtzeugs aus dem ATPS-Programms, woraus später der Truppenfallschirm T-11 hervorging, für das SOFTAPS zu verwenden. Zu dem Zeitpunkt waren schon mehr als 40.000 Sprünge durch das USFS und USASOC mit dem FS-14 bzw. SF-10A erfolgreich durchgeführt worden. Die Erprobung erfolgte ab 2003 auf dem Yuma Proving Ground und wurde ohne große Schwierigkeiten beendet. Mit neuen Haupttragegurten konnte der Hauptfallschirm SF-10A leicht in das Gurtzeug des T-11 integriert werden und zusammen mit dem neuen Reserveschirm T-11R verwendet werden. Für beide Komponenten war die Entwicklung schon abgeschlossen und von Problemen bei der Erprobung des T-11 nur kurz betroffen. Deswegen konnte die erste Einheit mit dem jetzt als MC-6 (Maneuverable Canopy 6) bezeichneten Fallschirm schon im Jahr 2006 ausgestattet werden.

Der Hauptfallschirm wird von Irvin Aerospace gefertigt und das Gurtzeug und der Reserveschirm von Para-Flite – beide sind Tochterunternehmen von Airborne Systems. Mittlerweile sind alle MC1-1-Fallschirme in den US-Streitkräften durch den MC-6 ersetzt worden. Im April 2011 waren insgesamt 18.831 MC-6 eingeführt worden. Davon 15.780 bei der U.S. Army, 675 bei der U.S. Navy, 107 bei der U.S. Air Force und 2.269 beim USSOCOM.. Abgerufen am 20. Dezember 2012. Alle Nutzer sind bisher von den überlegenen Fähigkeiten des MC-6 überzeugt und die Sprungverletzungen mit ihm sind deutlich zurückgegangen. Allerdings kommt es regelmäßig zum Reißen einer Steuerleine während der Hauptfallschirm öffnet.Aerial Delivery And Field Services Training Facility Auditorium: 133nd Triannual Airdrop Review And Malfunction Safety Analysis, Fort Bragg (2010) S. 3ff Grund dafür ist ein mangelhafter Packvorgang, bei dem sich eine Steuerleine während des Packens mit Fangleinen oder der Hauptkappe verheddert. Beim Entfaltungsstoß wirkt dadurch zu viel Kraft auf einer einzelnen Steuerleine, die dann reißt. Dadurch ist zwar nicht die Tragfähigkeit aber die Einsatzfähigkeit des MC-6 stark eingeschränkt.Irvin Aerospace Inc: Users Manual For The Irvin SF-10A Parachute Assembly, Santa Ana, CA (2007) S. 18 Um dieses Problem zu lösen, ist nach einer Erprobungsphase im Jahr 2013 die Einführung eines verbesserten Hauptfallschirms mit verstärkten Steuerleinen geplant.

Im Jahr 2011 hat sich auch Australien dazu entschlossen neben dem Truppenfallschirm T-11 auch den MC-6 für seine Fallschirmjäger und Spezialeinheiten zu beschaffen.Australien beschafft MC-6. Abgerufen am 3. Januar 2013. Weitere Bestellungen aus dem Ausland werden höchstwahrscheinlich folgen. Weil die USA als Hauptnutzer der auf der ganzen Welt weit verbreiteten MC1-1-Fallschirmfamilie weggefallen sind, werden sich viele Armeen der Welt nach einem Nachfolgemuster umsehen.

Konstruktion des Hauptfallschirms mini|Truppenfallschirm MC-6 SkizzeDie bisher vorgestellten Fallschirmmuster FS-14, SF-10A und MC-6 nutzen alle den gleichen Hauptfallschirm. Sie unterscheiden sich lediglich in kleineren Bereichen, wie den Haupttragegurten, um mit verschiedenen Gurtzeugen verwendet werden zu können. In allen drei Fällen wurde der Fallschirm als steuerbarer Rundkappenfallschirm mit zwangsweiser Öffnungseinleitung durch eine Aufziehleine eingeführt. Er löste durch seine überlegenen Steuer- und Gleiteigenschaften ältere Fallschirme ab, die insbesondere in großen Höhenlagen und mit viel Last an ihre Grenzen geraten waren. Der verringerte Entfaltungsstoß, die geringe Sinkgeschwindigkeit bei größerer Gleitrate und die Lenk- und Bremseigenschaften bis hin zum langsamen Rückwärtsfahren sind nur wegen der durchdachten Konstruktion der Fallschirmkappe möglich. Somit kann der Fallschirmspringer nach dem Absetzen mit einer hohen Toleranz gegenüber Windstärke und Richtung selbst kleine Lichtungen ansteuern und vertikal darauf landen. Diese Eigenschaft besitzt kein Flächenschirm.