mini|Fibrosarkom an einem Amputationsstumpf bei einer Katze mit beginnender geschwüriger Veränderung Das feline Fibrosarkom ist ein bösartiger, zu den Weichteilsarkomen gehörender Tumor bei Hauskatzen (felin von ), der vor allem in der Unterhaut auftritt und vom Bindegewebe ausgeht. Der häufigste Auslöser sind chronische Entzündungsreaktionen an Impf- und Injektionsstellen. Hier sind alle Altersklassen und Hauskatzenrassen betroffen, am häufigsten tritt dieser Tumor bei 6 bis 11 Jahre alten Katzen auf. Es gibt aber auch Weichteilsarkome die durch das feline Sarkomvirus (FeSV) verursacht werden und vor allem bei jungen Katzen auftreten. Eine dritte Gruppe sind solche, bei denen weder ein Zusammenhang mit einer Injektion noch mit dem FeSV besteht. Jeder Unterhautknoten der länger als 3 Monate bestehen bleibt, größer als 2 cm ist und innerhalb eines Monats gewachsen ist, sollte bei Katzen als Verdachtsfall für ein Fibrosarkom eingestuft werden („3-2-1-Regel“). Insbesondere die injektionsbedingten Fibrosarkome verhalten sich sehr aggressiv und wachsen in das umliegende Gewebe ein. Sie bedürfen bei der Katze einer radikalen chirurgischen Entfernung mit begleitender Strahlen- und eventuell auch Immuntherapie, andere Behandlungsformen sind bislang nicht zielführend.
Definition Ein Fibrosarkom ist eine zu den mesenchymalen Tumoren gehörende bösartige Neubildung, es geht also von Zellen aus, die ursprünglich aus dem embryonalen Bindegewebe (Mesenchym) hervorgehen. Das Fibrosarkom gehört zu den Weichteilsarkomen, nach der spindelförmigen Gestalt der Tumorzellen zu den Spindelzelltumoren. Es ist ein aggressiver, infiltrativ wachsender Tumor mit hoher Rezidivrate und einer Metastasierungsrate zwischen 10 und 24 %.
Ursachen Injektionsassoziierte Sarkome mini|Injektionen sind die häufigste Ursache für die Entstehung von Fibrosarkomen bei Katzen Injektionsassoziierte Sarkome (, FISS) sind meist Fibrosarkome und entstehen durch eine chronische Entzündungsreaktion an einer Injektionsstelle, die zu einer Entartung (maligne Transformation) des Gewebes führt. Die Entzündung löst eine vermehrte Bildung von Wachstumsfaktoren aus und aktiviert Onkogene. Freie Radikale und Stoffwechselprodukte können zu Erbgutschäden und Mutationen führen. In einer Studie wurde auch das Enzym Cyclooxygenase-2 in FISS nachgewiesen, welches die Bildung von Arachidonsäure-Abkömmlingen wie Prostaglandin E2 induziert. Auch der NF-κB-Signalweg und/oder der JAK-STAT-Signalweg 3 könnten an der Tumorgenese beteiligt sein. Der genaue Entstehungsmechanismus ist jedoch, trotz intensiver Forschung, bislang nicht entschlüsselt. Da nur wenige Katzen ein FISS entwickeln, wird eine genetische Prädisposition vermutet. Auch Fremdkörper oder Traumen können zu solchen entzündlich bedingten Tumoren führen, beispielsweise die Verwendung von nichtresorbierbarem Nahtmaterial oder die Implantation eines Transponders zur Kennzeichnung.
Besonders häufig entstehen injektionsassoziierte Fibrosarkome an Impfstellen, seltener an Injektionstellen, an denen langwirksame Glucocorticoide, Insulin oder Antibiotika appliziert wurden. Bei Verwendung von Impfstoffen mit Impfverstärkern (Adjuvanzien) wurden in den Makrophagen der Tumorumgebung häufig diese Adjunvanzien nachgewiesen, ein direkter Zusammenhang mit der Tumorentstehung konnte experimentell aber nicht bestätigt werden. Injektionsassoziierte Tumoren treten vor allem in der Unterhaut (alle Katzenimpfstoffe werden dorthin verabreicht) und an den bevorzugten Impflokalisationen (zwischen den Schulterblättern, seitliche Rumpfwand, Oberschenkel) auf. Sie sind durch ein exzessives Wachstum von Fibroblasten und Myofibroblasten gekennzeichnet und verhalten sich aggressiver als andere Fibrosarkome. An Injektionsstellen können aber auch andere Sarkome wie Osteosarkome, Chondrosarkome und Rhabdomyosarkome auftreten, die ebenfalls zu den FISS gehören, aber deutlich seltener als Fibrosarkome sind. Injektionsassoziierte Sarkome kommen nahezu exklusiv bei Katzen vor, für andere Tierarten wie Frettchen oder Haushunde gibt es nur vereinzelte Fallberichte.
Die injektionsassoziierten Fibrosarkome sind histologisch durch spindelförmige Zellen mit unterschiedlicher Zellgestalt (Pleomorphie), mehrkernige Riesenzellen und eine knöcherne oder knorpelige Metaplasie gekennzeichnet. Die Zellteilungsrate (Mitoserate) ist meist hoch und Zelluntergangsgebiete (Nekrosen) sind häufig. Dabei neigt der Tumor weniger zur Ausbildung von Fernmetastasen, die dann meist in die Lunge, seltener in die regionären Lymphknoten oder Bauchorgane absiedeln. In der Mehrzahl der Fälle wächst der Tumor lokal infiltrativ in das umgebende Gewebe hinein. Die Ausbildung einer Pseudokapsel gibt ihm dabei häufig den Anschein einer guten Abgrenzung zum umliegenden Gewebe, Ausläufer des Tumorgewebes reichen aber entlang der Faszien weit über die Pseudokapsel hinaus.
Nicht-Injektionsbedingte Sarkome Bei nicht-Injektionsbedingten Sarkomen (, FNISS) ist eine vorherige Injektion unwahrscheinlich oder zumindest nicht ermittelbar. Sie treten an allen Körperstellen auf. Man nimmt an, dass sie durch spontane genetische Veränderungen entstehen. Auch die FNISS wachsen infiltrativ, die Pleomorphie ist pathohistologisch aber weniger ausgeprägt und Entzündungsinfiltrate und Nekrosen sind seltener.
Neben der Lokalisation an Rumpf und Gliedmaßen kommen Fibrosarkome auch in der Maulhöhle vor. Der Entstehungsmechanismus ist dort ebenfalls unklar, eine Beteiligung von Viren kann aber ausgeschlossen werden.
Virusbedingte Sarkome Weichteilsarkome können auch durch das zur den Retroviren gehörende feline Sarkomvirus (FeSV) ausgelöst werden. Typischerweise treten die virusbedingten Fibrosarkome an mehreren Körperstellen gleichzeitig auf und es sind vor allem junge und jugendliche Katzen betroffen. FeSV-induzierte Sarkome sind meist wenig differenziert und neigen früh zu Metastasen in die Lunge und andere Organe. Sie wachsen noch schneller und invasiver als die anderen Fbrosarkome. Sie können sich aber auch als große Solitärtumoren darstellen, die sich spontan wieder zurückbilden.
Häufigkeit Sarkome sind bei Katzen die häufigsten Tumoren mit einem Anteil von 42 %. Das Fibrosarkom ist bei Katzen mit 15 bis 17 % der vierthäufigste Hauttumor und stellt mit etwa 40 % aller Fälle die zweithäufigste bösartige Tumorform der Haut bei Hauskatzen dar. Das erste als Impfreaktion entstandene Fibrosarkom bei Katzen wurde 1991 in den Vereinigten Staaten beschrieben, dies fällt zeitlich mit dem verstärkten Einsatz von Tollwut- und FeLV-Impfstoffen in den Vereinigten Staaten zusammen. Eine Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 2026 ermittelte eine Häufigkeit von 8,8 Fälle auf 100.000 Impfungen. 2011 wurde erstmals ein solcher Tumor an der Implantationsstelle eines Mikrochips zur Tierkennzeichnung beobachtet. Es gibt keine Rasse- oder Geschlechtsdisposition.
Daten aus der Schweiz und eines großen Diagnostiklabors in Deutschland zeigen in den letzten Jahren eine Abnahme der Häufigkeit der Erkrankung, was mit dem zunehmenden Einsatz von Impfstoffen ohne Adjuvanzien zusammenhängen könnte. Die Häufigkeit von FeSV-bedingten Sarkomen hat mit dem Rückgang der Häufigkeit von das Immunsystem schädigenden FeLV-Infektionen in den letzten Jahren ebenfalls abgenommen.
Fibrosarkome der Maulhöhle sind bei Katzen wesentlich seltener als Plattenepithelkarzinome und auch deutlich seltener als beispielsweise beim Hund, sie machen bei Katzen etwa 6 bis 17 % der oralen Tumoren aus. Betroffene Tiere sind im Mittel 10 Jahre alt.
Beim Menschen sind Weichteilsarkome selten, sie machen nur etwa 1 % der bösartigen Tumorerkrankungen aus. Das Fibrosarkom speziell hat dabei eine Inzidenz von 0,2 von 100,000 Fällen. Diese Seltenheit macht es schwer, geeignete Behandlungsstrategien für den Menschen zu entwickeln, weshalb Katzen hier als Modelltier dienen könnten. Während beim Menschen mittlerweile über 100 Arten von Weichteilsarkomen unterschieden werden, untergliedert man diese bei Katzen nach wie vor vor allem nach dem histologischen Bild. Neuere genetische Untersuchungen zeigten bei Katzen drei Untertypen von Fibrosarkomen.
Klinisches Bild und Diagnostik Klinisch zeigt sich ein Fibrosarkom als fester, nicht schmerzhafter Knoten in der Unterhaut, selten in der darunterliegenden Muskulatur. Er ist scheinbar gut abgegrenzt und meist schlecht verschieblich. Zur klinischen Einschätzung kann die sogenannte „3-2-1-Regel“ angewendet werden. Jede Umfangsvermehrung die länger als 3 Monate bestehen bleibt, die größer als 2 cm ist und innerhalb eines Monats gewachsen ist, sollte als Verdachtsfall eingestuft werden. In der Computertomografie stellt sich der Tumor als örtlich begrenzte Umfangsvermehrung dar, die invasiv in die angrenzende Skelettmuskulatur einwächst und von heterogenem Gewebe umgeben ist. mini|Histologisches Bild eines humanen Fibrosarkoms mit zahlreichen spindelförmigen Zellen
Die Feinnadelbiopsie ist eine potenzielle Möglichkeit, den Tumor vor der chirurgischen Entfernung von anderen Unterhauttumoren oder Granulationsgewebe abzugrenzen. Allerdings lassen sich aus Fibrosarkomen mit einer Nadel häufig wenig oder gar keine Zellen gewinnen, so dass es kaum möglich ist, eine repräsentative und damit diagnostisch verwertbare Probe zu gewinnen. Zudem können Fibrosarkome zytologisch nicht sicher von anderen mesenchymalen Tumoren unterschieden werden. Zytologisch stellt sich das Fibrosarkom mit großen, plumpen Zellen dar, die in ein kollagenes Bindegewebe eingebettet sind. Dabei können mehrkernige Riesenzellen vorhanden sein. Von den gutartigen Fibromen unterscheiden sie sich häufig durch eine ausgeprägte Pleomorphie und ein hohes Verhältnis zwischen Zellkern und Zellplasma.
Differentialdiagnostisch kommen neben Granulationsgewebe auch bösartige Nervenscheidentumoren, das anaplastische Sarkom mit Riesenzellen, bösartige Gefäßwandtumoren (malignes Hämangioperizytom) und Myxosarkome in Betracht. Eine definitive Diagnose ist nur durch eine histopathologische Untersuchung eines Gewebeschnitts möglich, wobei eine Immunhistochemie zur Klärung des Ursprungs der Zellen hilfreich ist. Alle Fibrosarkome sind positiv für Vimentin, über 95 % zeigen eine positive Reaktion auf S-100-Proteine und 80 % sind negativ für Desmin.
Grading Für die Einteilung (Grading) anhand histopathologischer Merkmale zur Einschätzung der Prognose gibt es für den Menschen ein Klassifikationsschema, welches auch bei Hunden eingesetzt wird. Die Übertragung dieses Systems auf Katzen zeigte jedoch nur eine schlechte Übereinstimmung zwischen dem Grading und dem Ausgang der Erkrankung (Outcome).
2020 stellten Melanie J. Dobromylskyj und Mitarbeiter ein neues Einteilungssystem für Katzen vor. Hierbei wird anhand der Zahl der Mitosen in 10 Hauptgesichtsfeldern (HPF), des Größenanteils nekrotischer Gebiete und der subjektiv eingeschätzten begleitenden Entzündungsreaktion eine Einteilung in drei Grade vorgenommen, die signifikant mit den Überlebenszeiten korrelierte. Diese bedarf aber der weiteren Evaluierung in größeren Studien.
+ Einteilung des felinen Fibrosarkoms nach Dobromylskyj et al. (2020) Mitose-Score Anzahl der Mitosen in 10 HPF 1 0–9 2 10–19 3 >18 Nekrose-Score prozentuale Nekrosefläche 1 keine 2 < 50 % 3 > 50 % Entzündungsscore periphere Entzündungsreaktion 1 gering 2 mild bis moderat 3 ausgeprägt Histologischer Grad Summe der Scorepunkte I (low grade) ≤ 3 II (intermediate grade) 4 oder 5 III (high grade) > 5 mini|Vollständige Amputation des linken Hinterbeins wegen eines Fibrosarkoms mini|Katze nach Entfernung eines 860 g-Fibrosarkoms
Behandlung Die einzige Möglichkeit der Therapie stellt bisher die chirurgische Entfernung des Tumors dar. Die alleinige Entfernung entlang der Pseudokapsel ergibt keine zufriedenstellenden Ergebnisse, da in ca. 70 % aller Fälle der Tumor wieder nachwächst.