St. Severin ist die römisch-katholische Pfarrkirche im Stadtteil Hermülheim von Hürth. mini|St. Severin, alter Teil, rechts der neue Band-Anbau

Geschichte mini|hochkant|Alte Pfarrkirche um 1762 – Zeichnung Matthias Ehmanns Hermülheim ist altes Siedlungsland. Da man hier ein römisches Gräberfeld und Tempelüberreste gefunden hat, wird auch eine Villa rustica vermutet. Der -heim-Name deutet auf eine Siedlung hin, die schon zur Zeit der fränkischen Landnahme bestand oder neu begründet wurde. Die zugehörige (ehemalige) Burg Hermülheim, an der Stelle der Zusammenführung der ehemaligen Eifelwasserleitung beziehungsweise ihrer Vorgängerleitungen hatte bereits eine nahe dem Burgtor situierte Eigenkirche, die nach germanischem Recht vor 800 üblich war, deren Pfarrer erstmals in einer Urkunde von 1214 erwähnt wird. Auch das zwar erst für 1540 erwähnte Patrozinium dieser Kirche, das des heiligen Severin, kam bereits nach dem 9. Jahrhundert auf oder wurde dann der Kirche übertragen. Dies alles lässt auf eine Gründung der Kirche vor dem 10. Jh. schließen.Elmar Brohl: Hermülheim und der Deutsche Orden. Hürth o. J. (1975) S. 11–14. Wahrscheinlich wurde die kleine Kirche in fränkischer Zeit um 900 errichtet.St. Severin | Hermülheim katholisch-in-huerth.de 1256 wird die Kirche im Tauschvertrag des Dietrich von Richemulenheim mit dem Deutschen Ritterorden für seine Güter in Hermülheim gegen entsprechende Güter in Erp ausdrücklich aufgeführt.Brohl, S. 21. Der letzte Pfründen-Inhaber, Heinrich von Bachem, wurde 1269 vom Orden zur Resignation bewogen. Seitdem hat der Orden die Seelsorge in Hermülheim besorgt bis zur Auflösung des Ordens 1802/1809. Anfangs durch eigene Ordensleute, die sich natürlich meist durch Vikare vertreten ließen. Später übte der Orden nur noch das Bestallungsrecht aus. Elmar Brohl führt dreißig namentlich bekannte Pfarrer aus dieser Zeit an.

Ordenskirche Die Kirche war anfangs eine einfache Fachwerk-Saalkirche, bis zwischen 1264 und 1292, der Zeit des Edmund von Werth, Bischof von Kurland, dessen Siegelabdruck man beim Abbruch der Kirche fand, ein Steinbau errichtet wurde. Dieser war einschiffig, aber zweiteilig, der Chor war in spätgotischer Zeit abgerissen und so das Schiff verlängert worden. Der westliche Teil mit dem Eingang und einem Dachreiter, bestand zum Teil noch aus romanischen Bauteilen. Die Decke war eingewölbt. Rings um die Kirche lag der Friedhof. Der Zustand der Kirche wurde schon im 17. Jahrhundert als mit Mängeln behaftet angesehen, wie Visitationsberichte belegen.Franz Josef Lausberg: Herzlich Willkommen in St. Severin, Hermülheim, kleiner Kirchenführer Im Jahr 1834 wurde die Pfarre St. Severin wiederbegründet. Damit wuchs auch der Wunsch nach einer größeren und ortsnäheren Kirche.Franz Josef Lausberg: Herzlich Willkommen in St. Severin, Hermülheim, kleiner Kirchenführer Die alte Kirche diente noch bis 1888 als Pfarrkirche und wurde ein Jahr später abgerissen.Brohl, S. 97 f.

Überlieferte Ausstattung An Ausstattung dieser Kirche sind im Kircheninneren eine Pietà, die dem Künstler Meister Tilman zugeschrieben wird und die gotische Kreuzigungsgruppe, die an der Außenseite angebracht war, überliefert. Beide wurden sowohl in den gotischen Neubau als auch in den späteren Band-Bau übernommen.Britta Havlicek: Herrmüllemer Dom St. Severin erinnert an vier Kirchen, Kölner Stadt-Anzeiger 3. Januar 2014 ksta.de

Neugotische Kirche mini|Modell der neugotischen Kirche von Nikolaus Steinbach 1860 plante man einen Neubau, der durch großzügige Spenden zu den Baukosten von 85.000 Reichsmark mit ermöglicht wurde. So setzte der Müller der Herrenmühle, Josef Reifferscheidt, die Kirchengemeinde zu seiner Alleinerbin ein – nach ihm ist hinter dem Krankenhaus eine Straße benannt –, und das Ehepaar Peter Klemmer spendete allein 14.000 Taler. Als Architekt gewann man den Diözesanbaumeister des Erzbistums Köln, Franz Schmitz, den späteren Straßburger Dombaumeister, der dann von 1886 bis 1888 den Bau im „frühgotischen Stil des Historismus“ näher an den Ort herangerückt hat. Die Kirche steht an der Ecke der heute so genannten Severinusstraße und Krankenhausstraße.

Der 33,50 m lange Bau hatte zwei niedrige kurze Seitenschiffe mit Eckeingängen neben dem Turm und einen vorgesetzten ursprünglich 51 m hohen sechseckigen spitzen Turm mit einer Turmuhr und dem Haupteingang. Das prägendste Bauteil war aber der sechseckige Mittelteil mit zeltdachartiger Kuppel, die von einem hohen überspitzten Dachreiter über einer offenen Laterne gekrönt war. In dem Turm war auch die Orgelbühne eingezogen, die die damalige Orgel trug. Am 28. Oktober 1888 wurde die neue Kirche durch den damaligen Pfarrer Gottfried Böhmer gesegnet. Wegen ihrer Bauweise und der Identifikation mit der neuen Kirche wurde der Bau von der Hürther Bevölkerung liebevoll auch Hermöllemer Dom genannt.Franz Josef Lausberg: Herzlich Willkommen in St. Severin, Hermülheim, kleiner Kirchenführer Der Bau fand noch bis in die 1930er Jahre Bewunderer, wurde er doch im Heimatbuch der NS-Lehrerschaft von 1934 als „wohl eine der schönsten Landkirchen der Diözese“ bezeichnet:NS-Lehrerbund Hürth-Efferen (Hrsg.): Heimatbuch der Gemeinde Hürth. Köln 1934, S. 103. Die Erinnerung an diese Kirche wird wachgehalten durch die Figur des heiligen Severin von Köln, die im Jahre 1905 von Nikolaus Steinbach geschnitzt wurde und in die Nachfolgekirche übernommen wurde. Der Patron der Hermülheimer Gemeinde trägt in seiner Rechten den Bischofsstab und hält in seiner Linken ein Modell dieser Kirche.

Band-Bau mini|Band-Anbau an die Kirche Die neugotische Kirche hatte im Oktober 1944 durch Bomben schwere Zerstörungen erlitten, konnte aber bis 1947 wiederhergestellt werden. Bald erschien der Bau aber für den gewachsenen Ort wieder zu klein. Dazu hatte sich der Geschmack geändert. In den Heften der Reihe Rheinische Kunststätten wurde der Bau 1968 als „wenig schön“ und „unglückliches Vierungssechseck“, „auf das man heute gut verzichten kann“ (im Folgeheft von 1981) bezeichnet.Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.); Manfred Faust: Stadt Hürth. 3. völlig neu bearbeitete Auflage. Köln 1993, ISBN 3-88094-726-0. (Rheinische Kunststätten, Heft Nr. 36) (1. Auflage, Heft 3–4 Hürth, 1968, 2. Stadt Hürth von Heinz Firmenich, 1981) Und die Web-Seite der Gemeinde bezeichnet ihn als „eher ungewöhnlich erscheinend“. So konnte der bekannte Kölner Architekt Karl Band mit dem Umbau und der Erweiterung des Bauwerks beauftragt werden. Die Grundsteinlegung erfolgte am 4. Januar 1965 durch den damaligen Pfarrer Ewald Fröhlich, und am 27. April 1968 konsekrierte Weihbischof Augustinus Frotz die erneuerte und erweiterte Kirche.

Erhalten blieb der Turm, drei Joche des Mittelschiffs bis zur ehemaligen Vierung, das westliche Seitenschiff und der ehemalige Chor, der zu einer Kapelle umgewandelt wurde, mit ihren Kreuzrippengewölben. An Stelle des rechten Seitenschiffes fügte Band einen rechteckigen Baukörper an, der mit einer einfachen Balkendecke überdacht ist und dessen rechte Seite wiederum in Form eines Seitenschiffes durch vier Säulen abgegliedert ist. Hier schließt sich im rechten Winkel die Sakristei an. Der Altar (und der Ambo) von Heinz Gernot aus grün-grauem, geädertem Cipollino-Marmor steht vorgezogen vor der Nordwand im neuen Zentrum der Kirche. An der Südseite befindet sich gegenüber dem Altar und der Kreuzigungsgruppe die Rückwand der Kirche mit eingearbeiteten Fenstern von Will Thonett, die das Pfingstereignis symbolisieren, die Aussendung des heiligen Geistes.Franz Josef Lausberg: Herzlich Willkommen in St. Severin, Hermülheim, kleiner Kirchenführer An Stelle des „Sechsecks“ befindet sich hinter drei Blindfenstern mit den gleichen hellen Ziegeln wie der Originalbau nun die Orgelempore.

Orgeln

Kreienbrink-Orgel Auf der Orgelempore befindet sich eine Orgel der Firma Orgelbau Kreienbrink von 1968 mit Hauptwerk, Schwellwerk und Pedal. Sie hat 25 klingende Register mit mechanischer Traktur und elektrischer Registertraktur. Die Orgel wurde im Jahre 2000 gereinigt und restauriert. Im Rahmen der Innensanierung der Kirche im Jahr 2013 erfolgt eine erneute Reinigung des Pfeifenwerks durch den Erbauer der Orgel in Osnabrück.Juni: St Severin

Disposition I Hauptwerk C–Quintade 16′Prinzipal 8′Rohrflöte 8′Oktave 4′Gemshorn 4′Superoktav 2′Mixtur VI Cymbel III Trompete 8′ II Schwellwerk C–Gedackt 8′Dulzviole 8′Prinzipal 4′Schweizerpfeife 2′Sifflöte ′Sesquialter I–III Scharff IV Dulcianregal 16′Hautbois 8′Tremulant Pedal C–Subbass 16′Prinzipalbass 8′Gedecktbass 8′Choralbass 4′Nachthorn 2′Farbmixtur IV ′Posaune 16′

Koppeln: II/I, I/P, II/P Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, Zungenabsteller

Walcker-Orgel mini|hochkant|E. F. Walcker & Cie Orgel von 1960 mit sechs Registern Eine weitere Orgel in St. Severin wurde von der Firma Eberhard Friedrich Walcker 1960 mit 6 Registern erbaut und stand zunächst in der später profanierten Kirche St. Ursula in Kalscheuren. 2006 wurde sie abgebaut und bei der Firma Kreienbrinck restauriert, generalüberholt und mit einem neuen Prospekt für die Metallpfeifen versehen. Es zeigt den knienden König David mit einer Harfe. Die Orgel dient als Chororgel und wird in Werktagsgottesdiensten genutzt.

Disposition Manual C– 1. Gedackt 8′ 2. Rohrflöte 4′ 3. Feldflöte 2′ 4. Mixtur II–III 5. Prinzipal 4′ Pedal C– 6. Subbass 16′ Koppel: Man/P geteilte Lade im Manual: Trennung bei h/c1

Glocken Die alte Kirche hatte zwei Glocken über die Kriegszeiten des Ersten Weltkrieges gerettet, die noch aus der „uralten“ Kirche stammten und 1663 vom Kölner Glockengießer Lehr für St. Pantaleon gegossen wurden, von wo sie 1780 übernommen worden waren.Brohl, S. 98. 1930 kamen drei neue Glocken der Glockengießerei Otto hinzu: Glockenbücher des Erzbistums Köln, glockenbuecher.de

Glocke Gussjahr Gießer, Gussort Durchmesser Masse Schlagton 1 1930 Glockengießerei Otto, Hemelingen bei Bremen 975 mm 1154 kg f′ 2 1930 Glockengießerei Otto, Hemelingen bei Bremen 675 mm 1028 kg g′ 3 1930 Glockengießerei Otto, Hemelingen bei Bremen 425 mm 864 kg b′ Die ersten beiden Glocken wurden durch Kriegseinwirkung während des Zweiten Weltkriegs vernichtet.

1959 wurde durch die Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock ein fünfstimmiges Bronzegeläut gegossen, zu dem im Jahr 2008 in der gleichen Gießerei eine sechste Glocke hinzu gegossen wurde. Damit hat St. Severin das vielstimmigste Geläut in der Stadt.Glocken. Pfarrverband A–Z, gemeinden.erzbistum-koeln.de

+Aktuelles Geläut von St. SeverinHürth-Hermülheim, Die Glocken der katholischen Pfarrkirche Sankt Severin Glocke Name Gussjahr Durchmesser Gewicht ≈ Schlagton 1 Severin 1959 1237 mm 1200 kg e′ 2 Anna 1959 1096 mm 800 kg fis′ 3 Ursula 2008 1012 mm 664 kg g′ 4 Barbara 1959 910 mm 430 kg a′ 5 Johannes 1959 800 mm 300 kg h′ 6 Don Bosco 1959 670 mm 180 kg d″

Die Ursula-Glocke wurde zur Erinnerung aus dem Verkauf des Glockengeläuts der Glocken der profanierten Kirche St. Ursula finanziert. Aus diesem Grund trägt die Glocke die dreizeilige Inschrift:

+ ST. URSULA HEISSE UND AUS KALSCHEUREN STAMME ICH, + IM CHOR MIT MEINEN HERMÜLHEIMER SCHWESTERN RUFE ICH, + ZUM MITEINANDER IM GLAUBEN AN CHRISTUS DEN HERRN

Sonstige Ausstattung