Der Bahnhof Finnentrop ist ein Anschlussbahnhof an der Ruhr-Sieg-Strecke zwischen Hagen und Siegen. Der Bahnhof befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Finnentrop im Kreis Olpe. Hier zweigt die Biggetalbahn nach Olpe ab, ebenso befand sich hier der Startpunkt der 1996 stillgelegten Nebenbahn Finnentrop–Wennemen.
Geschichte Der Bahnhof Finnentrop entstand im Zuge des Baus der Ruhr-Sieg-Strecke von 1858 bis 1861, die Bauten der Haltestelle wurden bereits 1860 fertig gestellt. Am Ort Neubrücke gelegen, erhielt er nach einem nahegelegenen Gut den Namen Finnentrop, der erst 1908 zur Bezeichnung des Gesamtortes wurde. 1870 wurde ein erstes Empfangsgebäude erbaut. Dieses wurde 1898 wegen des gestiegenen Verkehrsaufkommen durch einen Neubau abgelöst und diente bis zu seinem Abriss 1937 als Wohnraum für Eisenbahnerfamilien.Franz Bitter: Finnentrop. Seite 66 Eine dem Bahnhof angegliederte Lokstation entstand in den 1870er Jahren in Verbindung mit den Zweigstrecken nach Olpe und Wennemen, 1892 war hier jedoch nur eine Lokomotive stationiert.Franz Bitter: Finnentrop. Seite 7 Gemeinsam mit Altenhundem entwickelte der Bahnhof sich nach und nach zu einem der Betriebsmittelpunkte der Ruhr-Sieg-Strecke. 1914, nach der Schließung der auf dem dafür benötigten Gelände befindlichen Finnentroper Hütte 1901, wurde aus der Lokstation ein selbständiges Bahnbetriebswerk. Im Ersten Weltkrieg wurde neben dem Bahnhof eine Feldküche eingerichtet, im Wartesaal des Empfangsgebäudes eine Sanitätskolonne ins Leben gerufen.Franz Bitter: Finnentrop. Seite 17 Nach dem Zweiten Weltkrieg waren 660 Personen am Bahnhof beschäftigt.Franz Bitter: Finnentrop. Seite 68
Im Jahr 2002 stellte die Deutsche Bahn AG den Fahrkartenverkauf im Bahnhofsgebäude ein, zwei Jahre später übernahm die Gemeinde das Gebäude. Im Rahmen der Modernisierungsoffensive für Bahnhöfe investierten Bund und Deutsche Bahn rund 3,2 Millionen Euro, das Land Nordrhein-Westfalen über eine Million Euro in die Umgestaltung des Bahnhofs. Im ersten Bauabschnitt wurde Ende 2007 das Empfangsgebäude abgerissen und der Bahnhofsplatz vollkommen umgestaltet. Die Alte Bahnmeisterei wurde saniert und neu gestaltet. Eine Bürgerinitiative hatte vorher Vorschläge zur Neunutzung der Gebäude rund um den Bahnhof gemacht.. In: Sauerlandkurier, 15. April 2007. Der Hausbahnsteig an Gleis 1 wurde auf 76 Zentimeter erhöht und als Kombibahnsteig ausgebaut: Linienbusse halten nun direkt gegenüber der Züge, wodurch ein barrierefreier Umstieg möglich ist. Weitere Baumaßnahmen an dem Inselbahnsteig mit Gleis 2 und 3 und dem Inselbahnsteig mit Gleis 4 und an der neuen Fußgängerbrücke wurden ab 2015 durchgeführt. Dabei wurden sie im südlichen Bereich erhöht und erneuert. Aufzüge zur Fußgängerüberführung wurden am Hausbahnsteig und am großen Inselbahnsteig eingebaut.
Infrastruktur mini|Luftaufnahme des Bahnhofs Finnentrop während der Modernisierung mini|Das 2007 abgerissene Bahnhofsgebäude
1874 wurde ein zunächst vier Fahrzeuge fassender Ringlokschuppen erbaut, der nach dem Ersten Weltkrieg erweitert wurde. Um 1921 wurde eine 20-Meter-Drehscheibe ergänzt. 1944 wurde er teilzerstört, 1982 stillgelegt. Am 6. Februar 2010 stürzte der Schuppen wegen Schneelast ein. Infolgedessen wurde auch die nach dem Ersten Weltkrieg angebaute Wagenausbesserungshalle gesperrt. Die Mauern des Lokschuppens sollen allerdings erhalten bleiben. Das Bahnbetriebswerk verfügte außerdem über eine Entseuchungsanstalt zur Reinigung und Desinfektion von Viehwagen.Franz Bitter: Finnentrop. Seite 67
1913 wurde das mechanische Stellwerk Fr am Rangierbahnhof in Betrieb genommen, 1924 (Fs), 1928 (Ff) und 1937 (Fn) drei weitere. 2002 wurden die letzten drei durch ein elektronisches Stellwerk von Siemens ersetzt.Liste deutscher Stellwerke, abgerufen am 5. Januar 2013 Das denkmalgeschützte Reiterstellwerk Ff sollte nach den Plänen der Bahn im Zuge des Bahnhofsumbaus ab 2010 abgerissen werden, ist nach Protesten aber erhalten geblieben, auch die Stellwerke Fn und Fs sind in die Denkmalliste der Gemeinde Finnentrop eingetragen.
Der zentrale Omnibusbahnhof direkt neben den Bahngleisen verfügt über sechs überdachte Bushalteplätze, davon zwei an einem Kombibahnsteig mit der Bahn. An einer weiteren, nicht überdachten Halteinsel gibt es Plätze für Taxis und den Bürgerbus.
Bedienung mini|LINT-Triebwagen in Finnentrop
Im Schienenpersonennahverkehr wird Finnentrop von den Linien RE 34, RB 91 und RB 92 bedient. Zusätzlich verkehrten bis April 2026 doppelstöckige Intercity 2 der IC-Linie 34. Zuletzt ersetzten noch Fünf Zugpaare zwischen Siegen und Dortmund den RE 34 und bedienten fast alle Halte des Regionalverkehrs. Sie konnten zwischen Dortmund und Dillenburg mit Nahverkehrsfahrkarten benutzt werden und hatten in Letmathe Anschluss an die Linie RE 16 Richtung Hagen, Bochum und Essen.
Linie Linienverlauf Takt Betreiber
Vom Zentralen Omnibusbahnhof verkehren mehrere Regionalbuslinien.
Sonstiges 2008 veröffentlichte Christian Linder das Buch Der Bahnhof von Finnentrop über Carl Schmitt, der seine Besucher dort „nach durchdiskutierter Nacht“ am anderen Mittag verabschiedete.Der Sprachmachtmensch. In: dradio.de, 13. April 2008
Literatur
Weblinks
Bahnhof Finnentrop auf der OpenRailwayMap Bahnhofskarte mit Bussteigen (PDF; 1590 KiB) Bahnhofsinformation des ZWS (PDF; 357 KiB)
Informationen, Videos und Bilder zur Geschichte des Bahnhofs Finnentrop auf Zielbahnhof.de
Einzelnachweise
Finnentrop Finnentrop Kategorie:Bauwerk in Finnentrop Kategorie:Ruhr-Sieg-Strecke