Die irakische Luftwaffe (IQAF) ist eine Teilstreitkraft der irakischen Streitkräfte. Seit dem Irakkrieg 2003, der folgenden Besetzung des Irak und der damit verbundenen völligen Auflösung steht die irakische Luftwaffe heute vor dem Wiederaufbau. (PDF; 45 kB) Biographie, abgerufen am 4. Januar 2013 Aktueller Oberbefehlshaber der irakischen Luftwaffe ist Generalleutnant Shahab Jihad Ali. mini|de Havilland Venom mini|Chengdu F-7B mini|Karte der Luftangriffe der irakischen Luftwaffe im Ersten Golfkrieg

Anfänge Die Irakische Luftwaffe (RIAF) entstand 1931 aus der Royal Air Force im Britischen Mandat Mesopotamien, die mit der Luftwaffe die Kontrolle über das Mandat ausübte. Nach der Unabhängigkeit des Königreich Irak im Jahre 1932 hatte die RIAF nur wenige Piloten, die in London ausgebildet, mit britischen Flugzeugen flogen. Die ersten eigenen Flugzeuge, 25 italienische Breda Ba.65, vier Savoia-Marchetti SM.79 und 15 Gloster-Gladiator-Flugzeuge, erhielt die irakische Luftwaffe von 1938 bis 1942.

Militärische Beteiligungen Raschid Ali al-Gailani putschte sich am 2. April 1941 zum Ministerpräsidenten des Irak. Am 3. Mai 1941 bombardierte die Royal Air Force mit Wellington-Bombern, Gloster Gladiator und Hawker-Hurricane-Jagdflugzeugen den Luftwaffenstützpunkt Hinaida bei Bagdadairminded.org (Bild Hinaida-Flugplatz), abgerufen am 7. Januar 2013Hinaida ist die heutige Al-Rashid-Luftwaffenbasis und zerstörte dabei insgesamt 20 irakische Maschinen. Die irakische Luftwaffe hatte zu diesem Zeitpunkt 56 Flugzeuge auf drei Stützpunkten verteilt: Mosul, Hinaida und Zubair. Gailani bat das nationalsozialistische Deutschland um militärische Unterstützung, die dann auch durch einen zweiwöchigen Kurzeinsatz einer Fliegerstaffel des Sonderstabs F erfolgte.

Von August bis September 1945 beteiligte sich die irakische Luftwaffe an der Bombardierung kurdischer Dörfer im Nordirak gegen die Rebellen des Mustafa Barzani.

Das Königreich Irak hatte Israel 1948 im Palästinakrieg den Krieg erklärt, die irakische Luftwaffe an den Kriegshandlungen jedoch keine große Beteiligung.Tom Cooper: Iraqi Air Force Since 1948. abgerufen am 4. Januar 2013 In den 1950er-Jahren erhielt die irakische Luftwaffe 15 britische de Havilland DH.112 Venom und ab 1964 noch 66 Hawker Hunter. Nach dem Militärputsch der Obristen und der Gründung der Republik Irak im Jahre 1958 wurde die Königliche Luftwaffe (RIAF) in Irakische Luftwaffe (IQAF) umbenannt. Militärische Unterstützung erfolgte nun auch durch die Sowjetunion, welche die Ausbildung und Kommandostrukturen zur Verfügung stellte. 35 MiG-17 waren die ersten Kampfflugzeuge, die der Irak Anfang 1960 aus der Sowjetunion bekam.

Erst im Sechstagekrieg von 1967 waren irakische Flugzeuge wieder an Kampfhandlungen beteiligt. Die israelische Luftwaffe flog Angriffe auf den H-3-Flugplatz. Die irakische Luftwaffe kämpfte mit britischen Hawker Hunter und zwölf sowjetischen IL-28.

Im Jom-Kippur-Krieg von 1973 war die irakische Luftwaffe mit 15 Flugzeugen beteiligt.Martin Gilbert (Hrsg.): The Arab-Israeli conflict. Its history in maps. 3. Auflage, Weidenfeld & Nicolson, London 1979, ISBN 978-0-297-77592-8, S. 91–92. Elf der eingesetzten Hawker Hunter gingen verloren.

Aufrüstung Mit dem Aufstieg der Baath-Partei erfolgte ab 1968 die Aufrüstung der irakischen Luftwaffe. MiG-19, Su-7 (98 Exemplare ab 1968), MiG-21 (bis zu 100 Exemplare), Su-17, Su-22, MiG-23 (ab 1974) Su-24 (24 Exemplare) sowie Bombenflugzeuge des Typs Tu-22 (zwölf Exemplare bis 1979) und Su-25 (73 Exemplare) aus sowjetischer Produktion wurden geliefert.

Erster Golfkrieg

Den Höhepunkt der militärischen Schlagkraft durch eine Vergrößerung des Bestandes erreichte die irakische Luftwaffe trotz der Kampfhandlungen im Ersten Golfkrieg. Insbesondere Frankreich lieferte zu Beginn moderne Kampfflugzeuge des Typs Mirage F1 inklusive der zugehörigen Luft-Luft-Raketen. Durch die Ausbildung auf französischen Flugzeugen durch französische Instrukteure übernahm die irakische Luftwaffe Anfang 1983 auch die französische Luftkampftaktik.Die russische Taktik sah eher die Zurückhaltung, die französische Taktik eher die aggressivere Form des Luftkampfes vor. Vergl.: Tom Cooper

Der von den irakischen Luftstreitkräften geplante Überraschungsangriff, ähnlich dem des von der israelischen Luftwaffe im Sechstagekrieg gegen Ägypten durchgeführten, bei dem bereits am ersten Kampftag ein Großteil der ägyptischen Flugzeuge noch am Boden zerstört wurden, schlug fehl. Bei den vielschichtigen Ursachen für den Fehlschlag, wie ungenaue Bombentreffer, gehärtete Hangars der Iraner, Luftabwehr usw., ist noch nicht das zögerliche Vorgehen der irakischen Streitkräfte allgemein berücksichtigt.Henner Fürtig: Der irakisch-iranische Krieg. Akademie Verlag GmbH, 1992, ISBN 3-05-001905-0. Im Laufe der ersten Kriegswochen konnte die irakische Luftwaffe die Lufthoheit gegen die zwar wenigen, doch hoch effektiven F-14-Kampfflugzeuge der iranischen Luftwaffe nicht erringen.Kenneth Pollack: Arabs at War. Lincoln, 2002, S. 184–186. Dass der Versuch, die iranische Luftwaffe gleich zu Beginn zu vernichten, fehlschlug, sollte sich nur in den ersten Kriegsjahren als Nachteil der Iraker erweisen. Die konsequente Aufrüstung der irakischen Luftwaffe unter anderem mit Kampfflugzeugen vom Typ Mirage F1 führte letztlich zu einer Luftüberlegenheit der irakischen Luftwaffe ab dem Kriegsjahr 1984.

Liste der wichtigsten Kampfflugzeuge, die während des Ersten Golfkriegs geliefert wurden: Land Spezifikation Beschreibung Auslieferung AnzahlFrankreich Mirage F-1C Kampfflugzeug 1982–1990 72Frankreich Mirage F-1E Kampfflugzeug 1980–1982 36Frankreich Super Etendard Kampfflugzeug 1983 5Sowjetunion MiG-21bis (Fishbed-N) Kampfflugzeug 1983–1984 61Sowjetunion MiG-23BN (Flogger-H) Kampfflugzeug 1984–1985 50Sowjetunion MiG-25P (Foxbat-A) Kampfflugzeug 1980–1985 55Sowjetunion MiG-25RB (Foxbat-B) Kampfflugzeug 1982 8Sowjetunion MiG-29 (Fulcrum-A) Kampfflugzeug 1986–1989 41Sowjetunion Su-22 (Fitter-H/ -J/ -K) Kampfflugzeug 1986–1987 61Sowjetunion Suchoi Su-25 Erdkampfflugzeug 1986–1987 84Sowjetunion Tupolew Tu-22 Bombenflugzeug bis 1974 28Volksrepublik China Xian H-6 Bombenflugzeug 1988 4Volksrepublik China Shenyang F-6 Kampfflugzeug 1982–1983 40Volksrepublik China Chengdu F-7A Kampfflugzeug 1983–1987 80 Summe 626 Arms Transfers Database, , Stockholm International Peace Research Institute.

Die irakische Luftwaffe war auch für den Abwurf von über 18.500 chemischen Waffen im Ersten Golfkrieg verantwortlich. Am 18. November 1980 wurde bei Susangerd erstmals von irakischen Flugzeugen im Tiefflug von 200 bis 300 Metern Senfgas in Kanistern über iranischen Stellungen abgeworfen. Spätestens 1983 wurde Tabun und weitere Reizstoffe als Kampfmittel über feindlichen Stellungen abgeworfen.sipri.org: (PDF; 899 kB), abgerufen am 6. Januar 2013 Der Giftgasangriff auf Sardasht am 28. Juni 1987 und der Giftgasangriff auf Halabdscha am 16. März 1988 während der Operation Anfal, zeigte auch der Weltöffentlichkeit den Einsatz von Giftgas gegen die Zivilbevölkerung durch die irakische Luftwaffe.

Die Eroberung Kuwaits führte 1991 zum Zweiten Golfkrieg.

Zweiter Golfkrieg

mini|Zerstörte MiG-29 nach der Operation Desert Storm, 1991 Liste der wichtigsten Kampfflugzeuge vor dem Zweiten Golfkrieg (August 1990): Spezifikation Typ AnzahlMiG-21Chengdu J-7 Kampfflugzeug 236MiG-23 Kampfflugzeug 127MiG-25 Kampfflugzeug 35MiG-29 Kampfflugzeug 41Mirage F1 Kampfflugzeug 94Su-20/Su-22 Jagdbomber 121Su-24 Bomber 30Su-25 Erdkampfflugzeug 66Tu-22H-6D Bomber 7 Summe 757Institute for Defence Analyses Alexandria: Iraqi Perspectives Project Phase II. abgerufen am 4. Januar 2013Sadiq/McCain: The Gulf War Aftermath. Springer 1993, ISBN 978-0-7923-2278-8, S. 165 ff

Nach der Annexion Kuwaits und der darauf folgenden Kampfhandlungen des Zweiten Golfkriegs dezimierte sich die Zahl der irakischen Flugzeuge. 36 irakische Flugzeuge und sechs Hubschrauber wurden von den Alliierten in der Luft abgeschossen, 68 irakische Flugzeuge und 13 Hubschrauber am Boden zerstört. abgerufen am 4. Januar 2013 Die irakischen Piloten hatten gegen modernste westliche Technik kaum Möglichkeiten der Gegenwehr. Zwei Flugzeuge der Alliierten konnten von der irakischen Luftwaffe abgeschossen, drei weitere beschädigt werden.safarikovi.org: victories-iraq-gulf (PDF; 258 kB) abgerufen am 4. Januar 2013 Saddam Hussein ließ kurz nach dem Beginn der Kampfhandlungen 137 Flugzeuge zum Schutz vor Zerstörung in den Iran fliegen. Der Iran hat diese Flugzeuge teilweise in seine Luftwaffe integriert (Su-24, Su-25, MiG-29) und verweigert die Rückgabeund begründet dies mit Reparationszahlungen des Irak.

mini|Flugverbotszone von 1991–2003

Liste der wichtigsten Kampfflugzeuge nach dem Zweiten Golfkrieg (März 1991): Spezifikation Typ AnzahlMiG-21Chengdu J-7 Kampfflugzeug 115MiG-23 Kampfflugzeug 63MiG-25 Kampfflugzeug 10MiG-29 Kampfflugzeug 16Mirage F1 Kampfflugzeug 37Su-20/Su-22 Jagdbomber 55Su-24 Bomber 1Su-25 Erdkampfflugzeug 20Tu-22H-6D Bomber 0 Summe 317 Institut for Defence Analyses Alexandria: Iraqi Perspectives Project Phase II. abgerufen am 4. Januar 2013

Nach dem Zweiten Golfkrieg (1991) und dem Aufstand der Schiiten und Kurden wurde eine Flugverbotszone nördlich des 36. Breitengrads und südlich des 33. Breitengrads eingerichtet. Die Einhaltung der Flugverbotszone wurde durch die Operation Northern Watch und Operation Southern Watch kontrolliert. Flugzeuge der irakischen Luftwaffe durften in diesen Zonen nicht fliegen.

Irakkrieg

mini|Aus dem Sand geborgene MiG-25 Für die Zeit nach dem Zweiten Golfkrieg (1991) und vor dem Beginn des Irakkriegs (2003) gibt es kaum zuverlässige Quellen über die Anzahl der flugfähigen/einsatzbereiten Flugzeuge der irakischen Luftwaffe. Die Flugverbotszone tat ein Übriges, den Flugbetrieb einzuschränken. Ein Attentat auf Saddam Hussein am 30. September 2002 durch einen irakischen Luftwaffenpiloten einer MiG-23,Das Flugzeug wurde von einer Luftabwehrrakete der Republikanischen Garde abgeschossen. Die Offiziere der Basis wurden langen Verhören unterzogen, der Pilot wurde schließlich vor den Augen der Belegschaft des Stützpunktes verbrannt. Vergl.: Walter Posch der bei einer Übung von der Flugroute abwich und den Palast Saddam Husseins bombardieren wollte, führte zur letzten großen Säuberung der irakischen Luftwaffe.Walter Posch: Irak unter Saddam Hussein. (PDF; 1,7 MB) abgerufen am 4. Januar 2013

Die irakische Luftwaffe hatte im Irakkrieg nicht einen einzigen Einsatz zu verzeichnen. Saddam Husseins Entscheidung war, die irakische Luftwaffe völlig aus den Kampfhandlungen herauszuhalten und für „zukünftige Aufgaben“ zu schonen. Dazu wurden die Flugzeuge der irakischen Luftwaffe zwei Monate vor dem Kriegsbeginn von ihren Stützpunkten entfernt und in Palmenhainen versteckt oder im Wüstensand vergraben.Mahnken/Keaney: War in Iraq. Routledge 2007, ISBN 978-0-415-42075-4, S. 23.

Der Irakkrieg führte zur völligen Auflösung der Strukturen der irakischen Luftwaffe. Kampfflugzeuge, Bomber u. a. wurden entweder bei den Luftangriffen zerstört, konfisziert oder unbrauchbar gemacht. Nur einige Transportflugzeuge und leichte Hubschrauber waren der Restbestand der einst mächtigen Flugzeugflotte Saddam Husseins. mini|An-32 der neuen irakischen Luftwaffe, 2011 mini|C-130 der neuen irakischen Luftwaffe

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