mini|Lage der Kommune Caorle innerhalb der Metropolitanstadt Venedig mini|Altstadt mini|Rundblick (2018)
Caorle [] ist eine Stadt in der Metropolitanstadt Venedig mit Einwohnern (Stand: ). Mit einer Fläche von 151 km² zählt sie zu den größten Gemeinden Oberitaliens. Die Stadt liegt in der Lagune von Caorle nahe der Mündung der Livenza in die Adria.
Die Stadt liegt zwischen den Badeorten Bibione (San Michele al Tagliamento) und Eraclea. Venedig ist 60 km, Triest 120 Kilometer entfernt. Näherliegende Städte sind zum Beispiel San Donà di Piave, Portogruaro, Concordia Sagittaria sowie Treviso.
Caorle wird häufig „Klein-Venedig“ genannt. Diese Bezeichnung verdankt der Ort seinen kleinen Gassen, den Glockentürmen und den in typisch venezianischen Farben gestrichenen Häusern. Bemerkenswert sind vor allem die Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert und der zylindrische Glockenturm aus dem Jahr 1100 sowie die Kirche Madonna dell’Angelo am Oststrand.
Geographie Lage und Gliederung Die Kommune liegt weit im Nordosten der Metropolitanstadt Venedig zwischen den Lagunen von Venedig und von Marano, bzw. von Grado. Nord- und nordöstlich der Stadt erstreckt sich die sehr viel kleinere Lagune von Caorle. Westlich fließt die Livenza in die Adria, in die auch der Canale Nicesolo weiter ostwärts mündet. Als Hafen befindet sich dort der Porto di Falconera. Innerhalb der Stadt befindet sich ebenfalls ein Hafen, nämlich D’Arsena dell’Orologio.
Ohne die Fraktionen besteht die eigentliche Stadt aus drei Teilen, nämlich Spiaggia di Levante (Oststrand), Spiaggia di Ponente (Weststrand), sowie aus der Innenstadt von Caorle. Das historische Zentrum, die Altstadt, befindet sich im Osten der heutigen Stadt, die sich inzwischen über die gesamte Insel und darüber hinaus ausgedehnt hat.
Fraktionen und Ortschaften von Caorle sind: Brian (im Westen), Lido Altanea (südwestlich von Brian an der Küste), Brussa (Fraktion) (im Nordosten), Ca’ Corniani, Ca’ Cottoni, Castello di Brussa (im äußersten Nordosten), Duna Verde (im Südwesten), Marango (ganz im Norden), Ottava Presa (im Norden), Porto Santa Margherita (Fraktion, im Südwesten anschließend an Caorle, an der Küste), San Gaetano (im Norden), San Giorgio di Livenza (am nordwestlichen Gemeinderand) und Villaviera (westlich von Castello di Brussa).
Die Innenstadt sowie der Ost- und Weststrand bewohnen allein 9.000 der gut 11.000 Einwohner. Im Süden Caorles schließt sich, durch den Fluss Livenza getrennt, den man mit einer Fähre überqueren kann, der Badeort Porto Santa Margherita an; ähnlich wichtig für den alles beherrschenden Tourismus ist Duna Verde.
Klima Die im oberen Bereich des gemäßigten Klimas angesiedelten Temperaturen steigen im Sommer (Mai bis September) häufig über 30 °C und es regnet selten. Im Winter hingegen sinken die Temperaturen auf −5 bis maximal −8 °C. In den Wintermonaten steigt die Anzahl der Tage mit Niederschlag minimal an.
Geschichte Rom, Völkerwanderung mini|Amphoren im Nationalmuseum für Meeresarchäologie Der Ort wurde gegenüber der Insel Caprulae (Insel der Ziegen) von Fischern und Hirten als Vorhafen für den landeinwärts befindlichen römischen Legionsstützpunkt Iulia concordia gegründet. Im 5. Jahrhundert war Caorle eine der größten Städte in Norditalien, ein bedeutendes Handelszentrum. Der Hafen der Stadt, der Portus Reatinum, wohl auf dem Gebiet des heutigen Porto Falconera gelegen,Pierangela Croce Da Villa: Documenti romani di Caorle, in: Studi Caorlesi (1998) 93–107, hier: S. 93 (online, PDF). war nach Plinius’ Naturalis historia (III 126) einer der bedeutendsten Häfen der oberen Adria. Durch die zunehmende Versandung sahen sich die Einwohner in der Spätantike oder im Frühmittelalter gezwungen, die Stadt als Castrum neu zu bauen, zumindest aber ein solches Castrum zur Verteidigung der Stadt zu errichten.
In Caorle selbst wurden nur einige historisch nicht mehr einzuordnende Artefakte aus der Antike vor dem Strandbereich gefunden. Hingegen wurden im Rahmen der von der Universität Padua in Zusammenarbeit mit der Universität Regensburg durchgeführten Vermessungskampagne im Ortsteil Brussa, die im November 2024 auf dem Küstenstreifen unmittelbar oberhalb der Villa di Bibione in den Gemeinden Caorle und San Michele al Tagliamento stattfand, 346,36 ha Land untersucht; neben Einzelfunden ließen sich vier Fundstätten nachweisen. Eine von ihnen weist eine kontinuierliche Besiedlung vom 1. bis zum 5. Jahrhundert auf. Es handelte sich wohl nicht um eine Villa, wie zunächst angenommen, sondern um eine Stätte mit kommerzieller Funktion, denn Küchengeschirr fehlt und die Zahl der Amphorenfragmente ist recht hoch.Vgl. Raptor. Ricerca Archive e Pratiche per la Tutela Operativa Regionale. Hinzu kommen Mauerstrukturen aus dem Mündungsgebiet des Nicesolo in der località Falconera.
Den Wanderungen der Westgoten, der Hunnen, der Ostgoten und Langobarden, die die größeren Städte im Hinterland in Mitleidenschaft zogen, wie etwa Aquileia, wichen zahlreiche Bewohner aus, indem sie sich in die schwer erreichbaren Lagunen, darunter der von Caorle, aber auch auf die Insel selbst zurückzogen. Allerdings war die Herrschaft der Ostgoten für Caorle eine durchaus günstige Epoche, wohingegen der Dauerkonflikt zwischen Ostrom und den Langobarden ab 568 dem Küstensaum eine labile Grenzlage aufzwang und den Handel mit dem Hinterland erschwerte. Schon der Gotenkrieg hatte die Lagunen der oberen Adria zwischen etwa 540 und 552 getroffen, besonders aber die Angriffe der Langobarden auf Iulia Concordia, Aquileia und schließlich Opitergium (Oderzo) ab etwa 640. mini|Oströmische Gebiete in der oberen Adria um 600. Ob auch in Caorle einer der Tribunen ansässig war, lässt sich nur vermuten. Die unter oströmischer Kontrolle stehenden Städte entlang der Küste waren dabei weiterhin miteinander über See und durch die Lagunen bis nach Ravenna verbunden, wo sich der Sitz des Exarchen befand, des kaiserlichen Vertreters. Dass bereits um 599 ein Bistum in Caorle bestand, erweist einer der Briefe Gregors des Großen. Im Mai 599 vertraute nämlich Gregor Marinianus, dem Erzbischof von Ravenna, die heikle Angelegenheit des Johannes von Pannonien („Johannes nomine de Pannoniis“) an, genauer gesagt desjenigen Bischofs, der im Castellum, das Novas genannt werde, saß, und zu dessen Diözese die Insel Capritana, also Caorle, gehöre. Dieser habe sich demnach den Schismatikern der drei Kapitel angeschlossen, dann seine Absicht, zur kirchlichen Einheit zurückzukehren bekundet, diese jedoch sofort wieder zurückgezogen. Gregor handle, so schreibt er, auf Drängen der Bewohner von Caorle. Er forderte Marinianus auf, einen neuen Bischof zu ernennen, wobei er den Exarchen Callinicus und Kaiser Maurikios konsultierte.Registrum epistolarum, in: Epistolae (in Quart) 2: Gregorii I papae Registrum epistolarum. Libri VIII–XIV, herausgegeben von Paul Ewald und Ludo M. Hartmann, Berlin 1891 (Monumenta Germaniae Historica, n. IX, S. 155 f., Brief an den Exarchen vom Mai 599).
Prosperitätsphase (9. bis 14. Jahrhundert) Eine Zeit lang, nämlich von 742 bis etwa 810, war Metamaucum am Ostrand der Lagune von Venedig die Kernstadt des nördlichsten Vorpostens des byzantinischen Reiches, das Heracleia in dieser Rolle abgelöst hatte. Über die Rolle Caorles in den Machtkämpfen zwischen den Familien in und um die Lagune von Venedig ist nichts bekannt, wie überhaupt nur sehr wenig über die Inselstadt im Frühmittelalter überliefert ist. mini|links|Städte im Umkreis Venedigs gegen Mitte des 9. Jahrhunderts mini|Die Insel Caorle im späten 16. Jahrhundert, Giuseppe Rosaccio: Viaggio da Venetia, a Costantinopoli, per mare, e per terra & insieme quello di Terra Santa, Giacomo Franco, Venedig 1598, S. 5Google Books. Das heutige Venedig löste Metamaucum im frühen 9. Jahrhundert als Residenz des Dogen dauerhaft ab. In dieser Zeit partizipierte Caorle am ökonomischen Aufstieg und der zunehmenden Sicherheit, die die Republik Venedig zu schaffen verstand. Die Errichtung des Domes von Caorle erfolgte in dieser Zeit, in der angenommen werden kann, dass das Bistum dauerhaft bestehen konnte. Doch brachte diese Nähe zu Venedig die kleine Stadt auch häufig in Gefahr. 842 erlitt nämlich die venezianische Flotte eine Niederlage vor der Insel Sansego gegen Sarazenen, die bis in den äußersten Norden der Adria vorgestoßen waren. Möglicherweise nutzten slawische Piraten vom Ostrand der Adria die Gelegenheit der unsicheren Verhältnisse, um gegen 846 Caorles Festungswerke zu plündern.Istoria Veneticorum, liber II, 51: „Circa haec tempora Sclavi venientes ad Veneticorum loca expugnanda, Caprulensem tantumodo castrum depredaverunt.“
Eine besser erkennbare Rolle spielte die Kirchenpolitik der Dogen für das kleine Bistum. Ursus I., Doge von 864 bis 881, versuchte gegen den Willen des Patriarchen von Grado im Machtbereich Venedigs die von ihm vorgeschlagenen Kandidaten für dessen sechs Suffraganbistümer durchzusetzen. Zu diesen zählte auch Caorle. Papst Johannes VIII. lehnte dieses Verfahren der vom Dogen gesteuerten Bischofswahl ebenso ab, wie Petrus I., der Patriarch von Grado. Stattdessen forderte Papst Johannes alle vom Dogen bestimmten Bischöfe, darunter Leo von Caorle, für das Jahr 876 und erneut 877 zu Synoden nach Rom. Als die sechs venezianischen Bischöfe dieser Aufforderung nicht nachkamen, drohte er ihnen mit der Exkommunikation. Wichtigste Quelle, zudem die einzige erzählende zu Bischof Leo von Caorle, ist dabei die Istoria Veneticorum, die um 1000 entstand. Leo dürfte den Druck der Sarazenen, die das benachbarte Grado belagerten, genauso zu spüren bekommen haben, wie die Raubzüge der dort agierenden slawischen Flotten.Istoria Veneticorum, III, 14. Im Zusammenhang mit der Synode von Ravenna, zu der 70 Bischöfe geladen waren, bestätigt Johannes Diaconus in seiner Istoria Veneticorum, dass zu dieser Synode namentlich die Bischöfe von Equilium und Caorle, aber auch diejenigen eingeladen wurden, die in Abwesenheit des Patriarchen gewählt worden waren, und die damit ohne Konsekration waren. Diese waren die Bischöfe von Olivolo, Cittanova und Metamaucum. Der Doge konnte den Papst dazu veranlassen, die Exkommunikation wieder aufzuheben, zumal sich die anreisenden Bischöfe nur verspätet hatten.Istoria Veneticorum, III, 18: „Petrus siquidem patriarcha, qui Romae fuerat, una cum Iohanne papa Ravennam adveniens ibique septuaginta episcoporum sinodo congregata, duos episcopos Venetiae, id est Petrum Equilensem et Leonem Caprulensem et eos, qui erant in eadem provincia electos, ad eundem concilium convocavit, ut contentionis causam inter Ursonem ducem et patriarcham diligentissime determinaret. Sed dum episcopi cum electis tarde et expleta iam sinodo Ravennam venirent, communione a papa privati, duce tamen interpellante soluti sunt.“; Luigi Andrea Berto (Hrsg.): Giovanni Diacono, Istoria Veneticorum, Bologna 1999, S. 138. Der Patriarch musste daraufhin nach Grado zurückkehren und nunmehr die in seiner Abwesenheit eingesetzten Bischöfe weihen. Diese wurden fortan von den Dogen vorgeschlagen.Emanuela Colombi: Pietro Marturio, in: Dizionario Biografico degli Italiani 83 (2015).
Eine andere Rolle spielte der Doge Sebastiano Ziani gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Wahrscheinlich im Jahr 1162 belagerte der Patriarch von Aquileia, Ulrich von Treffen, die Inselstadt Grado. Der Doge ließ sofort alle verfügbaren Schiffe nordwärts fahren, die Truppen des Patriarchen wurden in die Flucht geschlagen, der Patriarch selbst und einige seiner Gefolgsleute gerieten in venezianische Gefangenschaft. Auf dem Rückweg schlug die Flotte noch einen Angriff der mit dem Kaiser und dem Patriarchen verbündeten Trevisaner auf Caorle zurück.