Die Soldati-Klasse, nach dem Typschiff auch Camicia-Nera-Klasse, war eine Klasse von siebzehn Zerstörern der Königlich Italienischen Marine, die während des Zweiten Weltkriegs und teilweise danach zum Einsatz kamen. Die Schiffe trugen die Namen von Soldaten oder Angehörigen einzelner Waffengattungen, Teilstreitkräften oder sonstigen militärischen Organisationen, weswegen sie zusammenfassend als „Soldatenklasse“ bezeichnet wurden. Zehn Schiffe gingen im Zweiten Weltkrieg verloren, zwei blieben unvollendet, drei gingen als Reparationsleistung an Frankreich, zwei an die Sowjetunion. Zwei Zerstörer blieben auch nach dem Krieg in italienischen Diensten.

Geschichte Die Schiffe der Soldati-Klasse waren die modernsten Zerstörer der Regia Marina im Zweiten Weltkrieg. Sie ähnelten in vielerlei Hinsicht den vorherigen, etwas kleineren Zerstörerklassen Maestrale und Oriani. Die erste, 1936 in Auftrag gegebene Serie umfasste zwölf Einheiten, von denen sechs bei OTO in Livorno gebaut wurden, zwei bei CNR in Ancona, zwei bei CNR in Palermo und zwei bei Cantieri del Tirreno in Riva Trigoso bei Genua. Das zweite Baulos umfasste statt der vorgesehenen zwölf verbesserten Schiffe nur sieben, die im Vergleich zu den Vorgängern nur kleinere Modifikationen aufwiesen. Nennenswert ist die Verringerung der Antriebsstärke um 4.000 PS, was als wirtschaftlicher und ansonsten für den Einsatz als ausreichend angesehen wurde. Von den sieben Schiffen entstanden ab Oktober 1940 drei bei CNR in Ancona und fünf bei OTO in Livorno. Nur fünf Schiffe der zweiten Serie wurden tatsächlich in Dienst gestellt. Ab 1942 erhielten vier Einheiten deutsche und italienische Radargeräte.

Technische Aspekte Die Einheiten der Soldati-Klasse waren maximal 106,7 Meter lang und 10,15 Meter breit, der Tiefgang betrug durchschnittlich 3,15 Meter, wuchs aber bei Einsatzverdrängung auf rund 3,4 Meter an. Die Maschinenanlage bestand aus drei Dünnrohr-Kesseln vom Yarrow-Typ und zwei Getriebeturbinen, wobei die letzteren entweder vom Parsons-Modell (bei den von OTO in Livorno gebauten Schiffen) oder vom Belluzzo-Modell (bei allen anderen Einheiten, die nicht bei OTO Livorno gebaut wurden) waren. Die Antriebsanlage leistete maximal 48.000 WPS, was den Schiffen eine Höchstgeschwindigkeit von 38 kn (rund 70 km/h) hätte ermöglichen sollen. Unter Einsatzbedingungen lag die Höchstgeschwindigkeit, bedingt durch Nachrüstungen sowie die spätere Reduzierung der Antriebsleistung (siehe oben) bei rund 35 kn (etwa 65 km/h). So stieg die Konstruktionsverdrängung von 1.620 ts (wie im nebenstehenden Informationsblock angegeben und wie für die ersten Einheiten zutreffend) bei den letzten gebauten Einheiten des zweiten Bauloses auf bis zu 1.830 ts an.

Die Einheiten der ersten Bauserie verfügten im Regelfall nur über vier 12-cm-Geschütze L/50 in zwei Doppellafetten, lediglich Camicia Nera, Carabiniere, Geniere und Lanciere besaßen deren fünf (in zwei Doppel- und einer Einzellafette). Diese Geschütze waren in der Lage, eine 23,15 Kilogramm schwere Granate über eine Entfernung von maximal 22.000 Metern zu verschießen. Die Feuergeschwindigkeit lag bei etwa sechs bis sieben Schuss pro Minute. Die Torpedobewaffnung bestand aus sechs 53,3-cm-Torpedorohren in zwei Drillingsrohrsätzen, die in Mittschiffslinie aufgestellt waren. Obgleich die genutzten Torpedomodelle (Si 270/533.4; 270-Kilogramm-Sprengkopf) durchaus ausgereift waren, litten die italienischen Zerstörer unter unzulänglichen Feuerleiteinrichtungen für die TorpedosStille, Marc: Italian Destroyers of World War II. Osprey Publishing Ltd. Oxford, New York u. a. 2021, S. 4.. Zumindest Legionario und Velite gaben 1942/43 einen dieser Drillingssätze an Land, um Platz für zusätzliche Flugabwehrkanonen zu schaffen. Bedingt durch die im Verlauf des Krieges zunehmende Luftbedrohung wuchs die Zahl der Flugabwehrkanonen beständig an, wobei es zwischen den Schiffen aber teils beträchtliche Abweichungen gab, so dass gerade für die späteren Kriegsjahre keine einheitliche Bewaffnung genannt werden kann.

Schiffe der Klasse Erste Serie Die Verbandszugehörigkeit der zwölf Schiffe des ersten Bauloses bezieht sich auf das Jahr 1940 (wurde im Wesentlichen bis 1943 beibehalten). Sie wurden fast ausnahmslos in Hochseeverbänden eingesetzt.

Alpino Namensgeber:Soldat der italienischen Gebirgsjägertruppe Alpini Schiffskennung: AP Bauwerft: CNR Ancona Kiellegung: 2. Mai 1937 Stapellauf: 18. September 1938 Indienststellung: 20. April 1939 Verband: 13. Zerstörergeschwader Einsätze: Seeschlacht bei Kap Teulada, Schlacht bei Kap Matapan, erstes Syrtegefecht, zweites Syrtegefecht, Geleitschutzeinsätze nach Nordafrika Verbleib: Am 19. April 1943 von US-Bombern in La Spezia versenkt Artigliere Namensgeber: Artillerist Schiffskennung: AR Bauwerft: OTO Livorno Kiellegung: 15. Februar 1937 Stapellauf: 12. Dezember 1937 Indienststellung: 14. November 1938 Verband: 11. Zerstörergeschwader Einsätze: Seeschlacht bei Punta Stilo. Nachtgefecht bei Capo Passero, südöstlich von Sizilien, gegen den mit Radar ausgerüsteten Kreuzer HMS Ajax. Verbleib: Von Ajax bei Capo Passero schwer beschädigt, am 13. Oktober 1940 von York versenkt. Ascari Namensgeber: Askari, Kolonialsoldat Schiffskennung: AI Bauwerft: OTO Livorno Kiellegung: 11. Dezember 1937 Stapellauf: 31. Juli 1938 Indienststellung: 6. Mai 1939 Verband: 12. Zerstörergeschwader Einsätze: Geleitschutz. Punta Stilo, Kap Teulada, Kap Matapan, erstes und zweites Syrtegefecht. Nahm am 15. Juni 1942 am Seegefecht bei Pantelleria gegen Harpoon-Geleit teil. Verbleib: Am 24. März 1943 auf Mine gelaufen und gesunken Aviere Namensgeber: Flieger, unterster Dienstgrad der Luftwaffe Schiffskennung: AV Bauwerft: OTO Livorno Kiellegung: 16. Januar 1937 Stapellauf: 19. September 1937 Indienststellung: 31. August 1937 Verband: 11. Zerstörergeschwader Einsätze: Punta Stilo. Am 12. Oktober 1940 im Nachtgefecht bei Capo Passero beschädigt. Erstes und zweites Syrtegefecht, Geleitschutz nach Nordafrika. Verbleib: Am 17. Dezember 1942 vom britischen U-Boot Splendid versenkt Bersagliere Namensgeber: Angehöriger der Bersaglieri, einer italienischen Infanterietruppe Schiffskennung: BG Bauwerft: CNR Palermo Kiellegung: 21. April 1937 Stapellauf: 3. Juli 1938 Indienststellung: 1. April 1939 Verband: 13. Zerstörergeschwader Einsätze: 1940 Kap Teulada, 1941 Kap Matapan, erstes und zweites Syrtegefecht. Geleitschutz. Verbleib: Am 7. Januar 1943 von US-Bombern in Palermo versenkt. Camicia Nera (ab Juli 1943 Artigliere) Namensgeber: Angehöriger der Schwarzhemden, einer faschistischen Parteitruppe (ab Juli 1943 „Artillerist“) Schiffskennung: CN Bauwerft: OTO Livorno Kiellegung: 21. Januar 1937 Stapellauf: 8. August 1937 Indienststellung: 30. Juni 1938 Verband: 11. Zerstörergeschwader Einsätze: Punta Stilo, erstes Syrtegefecht, Geleitschutz. Am 2. Dezember 1942 verlustreicher Kampf gegen britische Force Q. Verbleib: Als Reparationsleistung an Sowjetunion, trug dort den Namen Lovkij (Ловкий). 1960 außer Dienst. Carabiniere Namensgeber: Angehöriger der Carabinieri, einer militärischen Polizeitruppe Schiffskennung: CB Bauwerft: CT Riva Trigoso Kiellegung: 1. Februar 1937 Stapellauf: 23. Juli 1938 Indienststellung: 20. Dezember 1938 Verband: 12. Zerstörergeschwader Einsätze: Punta Stilo, Kap Teulada, Kap Matapan, erstes Syrtegefecht. Am 16. Dezember 1942 von U-Boot HMS P36 schwer beschädigt, erhielt den Bug des im Bau befindlichen Carrista (2. Serie). Geleitschutz. Verbleib: Blieb bis Januar 1965 im Dienst der italienischen Marina Militare Corazziere Namensgeber: Angehöriger der Corazzieri, der Leibgarde des Staatsoberhaupts Schiffskennung: CR, später CZ Bauwerft: OTO Livorno Kiellegung: 7. Oktober 1937 Stapellauf: 22. Mai 1938 Indienststellung: 4. März 1939 Verband: 12. Zerstörergeschwader Einsätze: Geleitschutz, Punta Stilo, Kap Matapan, erstes Syrtegefecht. Kollidierte am 18. Dezember 1941 mit Granatiere. Am 15. Februar 1942 durch Luftangriff schwer beschädigt. Verbleib: Nach Waffenstillstand am 9. September 1943 in Genua selbstversenkt. Von Deutschen gehoben, jedoch durch Luftangriff 1944 erneut versenkt. Fuciliere Namensgeber: Füsilier, Infanterist Schiffskennung: FC Bauwerft: CNR Ancona Kiellegung: 2. Mai 1937 Stapellauf: 31. Juli 1938 Indienststellung: 10. Januar 1939 Verband: 13. Zerstörergeschwader Einsätze: Geleitschutz, Kap Teulada, Kap Matapan, erstes und zweites Syrtegefecht. Erhielt 1943 italienisches Radar EC 3/ter Gufo. Verbleib: Als Reparationsleistung an Sowjetunion. Trug dort den Namen Lyogkij (Лёгкий). 1960 außer Dienst. Geniere Namensgeber: Angehöriger der Genietruppe, heute Pionier Schiffskennung: GE Bauwerft: OTO Livorno Kiellegung: 26. August 1937 Stapellauf: 27. Februar 1938 Indienststellung: 14. Dezember 1938 Verband: 11. Zerstörergeschwader Einsätze: Nachtgefecht bei Capo Passero, Punta Stilo, zweites Syrtegefecht Verbleib: Am 1. März 1943 von US-Bombern in Palermo versenkt, gehoben, nach Tarent geschleppt aber bei Capo Spulico gesunken. Granatiere Namensgeber: Grenadier der Granatieri di Sardegna Schiffskennung: GN Bauwerft: CNR Palermo Kiellegung: 5. April 1937 Stapellauf: 24. April 1938 Indienststellung: 1. Februar 1939 Verband: 13. Zerstörergeschwader Einsätze: Geleite, Kap Teulada, Kap Matapan, erstes Syrtegefecht. Am 18. Dezember 1941 bei Kollision mit Corazziere schwer beschädigt. 1943 von US-Bombern in Palermo beschädigt. Am 2. Mai 1944 Gefecht mit deutschen Torpedobooten vor Albanien. Verbleib: Blieb bis Juli 1958 im Dienst der italienischen Marine Lanciere Namensgeber: Lanzierer (im Sinn von Ulan), Soldat einer Kavallerietruppe Schiffskennung: LN Bauwerft: CT Riva Trigoso Kiellegung: 1. Februar 1937 Stapellauf: 18. Dezember 1937 Indienststellung: 25. März 1939 Verband: 12. Zerstörergeschwader Einsätze: Kap Teulada, zweites Syrtegefecht. Verbleib: Am 23. März 1942 nach zweitem Syrtegefecht in schwerem Sturm gekentert und gesunken

Zweite Serie Bombardiere Namensgeber: Bombardier, Angehöriger der Artillerie Schiffskennung: BR Bauwerft: CNR Ancona Kiellegung: 7. Oktober 1940 Stapellauf: 23. März 1942 Indienststellung: 15. Juli 1942 Verband: Einsätze: Nur Geleitschutz. Verbleib: Am 17. Januar 1943 vom britischen U-Boot HMS United versenkt Carrista Namensgeber: Soldat der Panzertruppe, Panzerschütze Schiffskennung: CR Bauwerft: OTO Livorno Kiellegung: 11. September 1941 Stapellauf: - (Bug- und Hecksektion für Reparaturen von Carabiniere und Velite verwendet) Indienststellung: - Verband: - Einsätze: - Verbleib: Infolge des Waffenstillstands vom 8. September 1943 von Deutschen erbeutet, blieb unvollendet und wurde abgebrochen (eine Zuweisung der deutschen Bezeichnung TA34 ist nicht nachweisbar) Corsaro Namensgeber: Korsar, Pirat Schiffskennung: CA Bauwerft: OTO Livorno Kiellegung: 23. Januar 1941 Stapellauf: 16. November 1941 Indienststellung: 16. Mai 1942 Verband: 17. Zerstörergeschwader Einsätze: Geleitschutz. Verbleib: Am 9. Januar 1943 auf Mine gelaufen und gesunken Legionario Namensgeber: Legionär, Soldat einer römischen Legion Schiffskennung: LG Bauwerft: OTO Livorno Kiellegung: 21. Oktober 1940 Stapellauf: 16. April 1941 Indienststellung: 1. März 1942 Verband: 7. Zerstörergeschwader Einsätze: Gegen britisches Vigorous-Geleit im Juni 1942 erstmals mit deutschem Radar. Ende 1942 Truppentransporte nach Tunesien. Verbleib: Im September 1943 an Alliierte übergeben, im August 1948 als Reparationsleistung an Frankreich. Trug dort den Namen Duchaffault und ging im Juni 1954 außer Dienst. Mitragliere Namensgeber: Maschinengewehr-Schütze Schiffskennung: MT Bauwerft: CNR Ancona Kiellegung: 7. Oktober 1940 Stapellauf: 28. September 1941 Indienststellung: 1. Februar 1942 Verband: 13. Zerstörergeschwader Einsätze: Geleite, Ende 1942 Truppentransporte nach Tunesien.