mini|360px|Fluggesellschaften, die um den Flugmarkt Europa-Japan konkurrieren
Wettbewerbsfähigkeit bedeutet, dass Wirtschaftssubjekte (zum Beispiel Unternehmen, Branchen, Volkswirtschaften) imstande sind, im Wettbewerb auf ihren Märkten langfristig Gewinne zu erwirtschaften. Wettbewerbsfähigkeit ist Forschungsgegenstand von Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre.
Allgemeines Wettbewerb setzt Freihandel und Wettbewerbsfähigkeit voraus. Wettbewerbsfähigkeit wird in einer Marktwirtschaft insbesondere von Wirtschaftssubjekten wie Unternehmen, anderen Marktteilnehmern und dem Staat als Marktteilnehmer (Staatsunternehmen) sowie zwischen Staaten (internationale Wettbewerbsfähigkeit) erwartet. Wettbewerbsfähig ist ein Unternehmen, wenn es einen größeren Gewinn erwirtschaftet als direkte Konkurrenten oder wenn es künftig größere Gewinnchancen zu realisieren imstande ist.Robert M. Grant, Contemporary Strategy Analysis, 3rd edition, Blackwell Business/Malden, 1991, S. 174 Ein wettbewerbsfähiges Unternehmen ist unter Konkurrenzbedingungen in der Lage, seinen Marktanteil zu halten oder zu erhöhen.
Komponenten der Wettbewerbsfähigkeit Die Wettbewerbsfähigkeit setzt sich Dieter Schneider zufolge aus den Fähigkeiten zusammen,Dieter Schneider, Betriebswirtschaftslehre, Band 3: Theorie der Unternehmung, 1997, S. 68; ISBN 978-3-486-23423-7 sich in Marktprozessen mit der Marktgegenseite zu bewähren (vertikale Komponente), sich gegenüber Konkurrenten zu behaupten (horizontale Komponente) und Bedrohungen aus dem Umfeld unter Einhaltung der Marktordnung abwehren zu können (laterale Komponente). Die Wettbewerbsfähigkeit kann nur nachhaltig sein, wenn das Wirtschaftssubjekt eine Wettbewerbsstrategie und eine Marktstrategie hat.
Merkmale Die Fachliteratur zieht beinahe alle Unternehmensdaten zur Bestimmung der Wettbewerbsfähigkeit heran. Das beginnt bei den Standortfaktoren, der BetriebsgrößeLothar Korger, Der Einfluss von Betriebs- und Unternehmungsgröße auf die Wettbewerbsfähigkeit der Baumwollwebereien der Bundesrepublik Deutschland, 1958, S. 1 ff., setzt sich fort in KostenstrukturRowena Arzt, Wettbewerbsfähigkeit europäischer Messeveranstalter, 2019, S. 130; ISBN 978-3-658-23878-0, Performance ManagementMatthias Hirzel, Performance-Management in der Praxis, in: Zeitschrift für Human Resource Management 1, 2011, S. 18, PreispolitikRichard Köhler/Hermann Diller, Preispolitik, 1995, S. 52; ISBN 978-3-17-019492-2 oder Wettbewerbsvorteilen. Die Wettbewerbsfähigkeit äußert sich letztlich darin, dass es gelingt, Wettbewerbsvorteile zu erzielen, die es einem Unternehmen ermöglichen, sich gegenüber Konkurrenten durchzusetzen.Martin Reckenfelderbäumer: Zentrale Dienstleistungsbereiche und Wettbewerbsfähigkeit, 2001, S. 197 Unternehmen gehen verstärkt dazu über, auf die weltweit kostengünstigsten Rohstoff- und Grundstoffquellen zurückzugreifen (Beschaffungsstrategie des Global Sourcing).Hans Corsten, Global Sourcing – Ein Konzept zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmungen, in: Leo Schuster (Hrsg.), Die Unternehmung im internationalen Wettbewerb, 1994, S. 187 ff.; ISBN 978-3-503-03679-0
Vom Grenzanbieter werden diese Merkmale überwiegend nicht (mehr) erfüllt; er hat seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt.
Arten Allgemein wird unterschieden zwischen Preis-Wettbewerbsfähigkeit und Nicht-Preis-Wettbewerbsfähigkeit:Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaft, 2003, S. 181 Im Preiswettbewerb wird der Preis als Aktionsparameter eingesetzt, der Kostendeckung und eine angemessene Gewinnmarge ermöglichen muss. Die Nicht-Preis-Wettbewerbsfähigkeit beinhaltet den Qualitätswettbewerb, der unter anderem durch Lieferzeit, Lieferzuverlässigkeit oder Produktqualität/Dienstleistungsqualität überzeugt. Auch der Mengenwettbewerb kann eine Marktstrategie zur Erreichung oder Stabilisierung der Wettbewerbsfähigkeit darstellen.
Betriebswirtschaftslehre Bei Wettbewerb handelt es sich um die Rivalität von Marktteilnehmern um Ressourcen, Kunden, Absätze, Marktanteile usw. Indem der einzelne Anbieter den Kunden die besten und günstigsten Geschäftsbedingungen anbietet, entsteht Wettbewerb, sei es Preis-, Qualitäts-, Service- oder Designwettbewerb. Interner Eigenantrieb und/oder externer Konkurrenzdruck führen zu ständiger Entwicklung und Verwirklichung wettbewerblicher Vorteile gegenüber der Konkurrenz,Michael Tolksdorf, Dynamischer Wettbewerb: Einführung in die Grundlagen der deutschen und internationalen Wettbewerbspolitik, 1994, S. 1 ff.; ISBN 3-409-18307-8 das heißt zu Wettbewerbsfähigkeit.
Mikroökonomie Wenn von der Mikroökonomie gesprochen wird, so betrifft das im Allgemeinen die Untersuchung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen untereinander. Als wettbewerbsfähig werden solche Unternehmen angesehen, die auf lange Sicht Gewinne auf dem nationalen und/oder auf internationalen Märkten erwirtschaften können und zugleich sich gegenüber anderen Unternehmen im gleichen Marktsegment behaupten können. Heutige Märkte haben vielfach einen großen Konkurrenzdruck; so müssen Unternehmen sich an diversen Größen messen, sei es Design, Preise, Bekanntheitsgrad, Standort usw. Das sind geläufige Mittel zur Messung von Wettbewerbsfähigkeit. Ein Unternehmen, das sich nicht im Markt durchsetzen kann und keine bestimmte Position besitzt, gefährdet somit seine Existenz. Konkurrenzkampf in einer marktmäßig organisierten Wirtschaft entscheidet über Existenz oder Untergang.Horst Gersmeyer, Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaftsstandorten unter besonderer Berücksichtigung industrieller Cluster, Europäische Hochschulschriften, 2003, S. 1 ff.; ISBN 978-3-631-52142-7
Der Handel, namentlich der Einzelhandel, kennt zahlreiche Wettbewerbsbesonderheiten.Hans-Otto Schenk, Die Wettbewerbsbesonderheiten des Handels und der Handelskooperationen, in: Volker Trommsdorff (Hrsg.), Handelsforschung, 2000/01, 2001, S. 173–198; ISBN 3-935118-26-0 So führt die typische doppelte Einbindung jedes Handelsbetriebs in interformale und intraformale Konkurrenz Otto Schenk zufolge dazu, dass die Wettbewerbsfähigkeit vor allem durch konkurrierende Betriebe anderer Betriebsform bzw. anderen Betriebstyps stärkeren Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit haben können als konkurrierende Betriebe desselben Betriebstyps. Auch können für die einzelnen Unternehmen eines Handelskonzerns, für die einzelnen Filialen eines Filialunternehmens und für die einzelnen Mitgliedsunternehmen einer Verbundgruppe des Handels mit den verschiedenen Standorten höchst unterschiedliche Grade der Wettbewerbsfähigkeit verbunden sein.
Die Mitgliedschaft in Verbundgruppen hat nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit von Klein- und Mittelbetrieben gestärkt, sondern vielfach ihr Überleben im Preis- und Leistungswettbewerb erst ermöglicht. Dabei bringen die Verbundgruppen des Handels mehrere Wettbewerbsimpulse mit sich: Intra-Gruppen-Wettbewerb, Inter-Gruppen-Wettbewerb, horizontale und vertikale Wettbewerbsanregung, letztlich Anregungen des Wettbewerbs sowohl auf mikroökonomischer als auch auf makroökonomischer Ebene.
Makroökonomie Jeder Staat, der internationalen Handel zulasse, muss in irgendeinem Wirtschaftssektor einen komparativen Kostenvorteil haben. Nur dann kann er an der internationalen Arbeitsteilung teilnehmen. Gleichwohl können Skaleneffekte aber dazu führen, dass vorteilhaftere internationale Spezialisierungen gewonnen werden oder verloren gehen.Paul Krugman, Rethinking International Trade, MIT Press, 1994, S. 106; ISBN 978-0-262-61095-7 Als Beispiele werden genannt: In der Meiji-Zeit hatte Japan eine Erziehungszollpolitik betrieben, in der ein einzelner Industriezweig bis zum Erreichen internationaler Wettbewerbsfähigkeit geschützt wurde. Danach wurde der Erziehungszoll aufgehoben und ein anderer Industriezweig bis zum Erreichen internationaler Wettbewerbsfähigkeit geschützt. Japan gelang es auf diese Weise, unter Schrumpfung der anderen wirtschaftlichen Sektoren, eine erhebliche industrielle Basis zu schaffen und sich komparative Kostenvorteile in Sektoren zu erkämpfen, die hohe Produktivitätszuwächse und damit auch hohe Lohnsteigerungen erwarten ließ.Paul Krugman, Rethinking International Trade, MIT Press, 1994, S. 113 f. Die Ausbeutung von Erdgasvorkommen führte in den 1970er Jahren in den Niederlanden zur holländischen Krankheit, weil Leistungsbilanzüberschüsse Aufwertungen der Währung verursachten. Dadurch verbilligten sich Importe und verteuerten sich Exporte; der Industriesektor schrumpfte. Das Schrumpfen des Industriesektors wurde zwar durch das Wachstum des Rohstoffsektors ausgeglichen. Die Erdgasvorkommen waren aber schließlich erschöpft, dadurch schrumpfte der Rohstoffsektor. Theoretisch müsste die Schrumpfung des Rohstoffsektors zu einer Abwertung der Währung und der Wiedergewinnung komparativer Kostenvorteile im industriellen Sektor führen. Politiker und einige Wirtschaftswissenschaftler wie Paul Krugman befürchten aber, dass eine automatische Rückgewinnung von Marktanteilen umso unwahrscheinlicher ist, je länger die Schrumpfung des industriellen Sektors angedauert hat (u. a. aufgrund des negativen Skaleneffekts eines geschrumpften industriellen Sektors). Das kurzfristige Glück der Ausbeutung von Bodenschätzen kann so zu einem dauerhaften Verlust von Marktanteilen und zu einer Verringerung des erzielbaren Durchschnittslohns führen.Paul Krugman, Rethinking International Trade, MIT Press, 1994, S. 114 f. Wenn ein Land eine kontraktivere Geldpolitik betreibt als die anderen Länder, führt dies zu einer Aufwertung der Währung und zu einem Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit (Verteuerung von Exporten, Verbilligung von Importen). Nach herrschender Meinung in der Volkswirtschaftslehre sollte der handelsgüterproduzierende Sektor durch die kontraktive Geldpolitik genauso stark sinken wie die restliche Wirtschaft. Nach Beendigung der kontraktiven Geldpolitik erhole sich auch der handelsgüterproduzierende Sektor wieder von selbst. Eine große Minderheit der Volkswirte warnt hingegen davor, dass im Falle einer längerfristigen Schrumpfung des handelsgüterproduzierenden Sektors ein negativer Skaleneffekt entsteht, der auch nach Beendigung der kontraktiven Geldpolitik fortwirkt und eine vollständige Rückgewinnung der internationalen Marktanteile verhindert. Dies war z. B. zu beobachten in der ersten Legislaturperiode der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher.Paul Krugman, Rethinking International Trade, MIT Press, 1994, S. 116–118
Exportchancen miniatur|Deutsche Lohnstückkosten in nationaler Währung (blau) bzw. in US-$ (grün). Index: 2002 = 100. Bis 1987 hat der Wechselkurs zum $ die deutsche Wettbewerbsfähigkeit eher begünstigt, danach eher benachteiligt. Diese Ansicht stellt auf die Fähigkeit, Produkte im internationalen Wettbewerb abzusetzen (; siehe auch Exportweltmeister). Die Ansicht verweist darauf, dass die Gelegenheit eines Unternehmens, Waren ins Ausland zu verkaufen, auch von makroökonomischen Faktoren abhängt.
Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit eines Landes wird hauptsächlich von zwei Faktoren beeinflusst:Jörg Bibow, The euro debt crisis and Germany’s euro trilemma, Working Papers, Levy Economics Institute of Bard College, 2012, S. 13 der Wechselkurs (eine beliebte Beggar-thy-Neighbor-Politik ist deshalb die kompetitive Abwertung der eigenen Währung) und die Höhe der Lohn- und Preissteigerungen relativ zum Produktivitätswachstum (Lohnstückkosten).