Der Kissinger Sommer ist ein jährlich stattfindendes internationales Musikfestival in Bad Kissingen.

Geschichte Anfangsjahre Das Festival findet seit 1986 von Mitte Juni bis Mitte Juli statt. Da Bad Kissingen damals nahe an der Grenze zur DDR lag, legte das Festival in den Anfangsjahren seinen Schwerpunkt auf die Festigung der kulturellen Verbindungen zwischen Ost- und Westeuropa. Jedes Jahr war ein osteuropäisches Land Partner des Festivals, beginnend mit Ungarn im Jahr 1986. Polen, die Tschechoslowakei und die Sowjetunion folgten. So wurde das Festival zu einem Ort der Begegnung mit Künstlern aus West und Ost, vor allem aus den jeweiligen Partnerländern und Ostdeutschland.New Prairie Press, GDR Bulletin, Travel and Exchange 1989, Jakob Stockinger, The Capital Times, Madison/Wisconsin, Vol. 15, Issue 2, Art. 3, S. 10–12 (archivierte Version) Unter den Künstlern der ersten Jahre waren Ludwig Güttler, Dmitry Sitkovetsky, Boris Pergamenschikow und Swjatoslaw Richter. Nach dem Fall des eisernen Vorhangs erweiterte sich das Spektrum des Festivals. Die Partnerländer kamen nun aus ganz Europa, hinzu kamen Nordamerika und China.Deseret News, archivierte Version 19. August 1990

Das Programm umfasst Barockmusik, Klassik, Romantik und Moderne, Kammermusik und Vokalmusik. Einerseits gibt es Auftritte international bekannter Künstler. Zu den bereits aufgetretenen Interpreten zählen die Sängerin Cecilia Bartoli, der Countertenor Philippe Jaroussky, die Pianisten Lang Lang, Jewgeni Kissin, Arcadi Volodos, Grigori Sokolow, Jean-Yves Thibaudet und Lars Vogt. Andererseits treten auch junge Künstler auf, für die der Kissinger Sommer oft ein Sprungbrett am Beginn ihrer Karriere wurde. Darunter waren bislang unter anderem David Garrett, Igor Levit und Diana Damrau.

Zeitgenössische Musik Das Festival bietet seit seinen Anfangsjahren auch ein Podium für zeitgenössische Komponisten wie Alfred Schnittke, Sofia Gubaidulina, Edison Denissow oder Aribert Reimann, Wolfgang Rihm, Peter Ruzicka und Udo Zimmermann. Es wurden auch Werke von Jean Françaix (Dixtuor im Jahr 1987), Krzysztof Penderecki (Sinfonietta Nr. 2 im Jahr 1994http://www.klassika.info/Komponisten/Penderecki_Krzysztof/Symphonie/1994_04/index.html) und Fazil Say (Sonata für Klarinette und Klavier, op. 42, im Jahr 2012https://de.schott-music.com/shop/sonata-952.html) uraufgeführt. Seit 2006 gibt es in der „Bad Kissinger Liederwerkstatt“ Konzerte mit Uraufführungen, die von zeitgenössischen Komponisten mit den jeweiligen Interpreten speziell für den Kissinger Sommer erarbeitet werden. Bis zum Jahr 2018 waren so im Rahmen der Liederwerkstatt bereits rund 80 Uraufführungen zusammengekommen.Jesper Klein: Fräulein Else sucht nach Musik, Frankfurter Allgemeine, 4. Juli 2018, S. 11 Uraufführungen gibt es aber weiterhin auch außerhalb der Liederwerkstatt, so 2018 das Konzert Nr. 1 für Violine und Orchester von Gediminas GelgotasElke Tober-Vogt: Als hätte der Komponist die Natur belauscht, Main Post, 9. Juli 2018 und 2019 eine Neufassung der Oper „Orfeo ed Euridice“ von Damian SchollThomas Ahnert: Wie eine neue Oper Trauerarbeit leisten kann, Saale-Zeitung, 8. Juli 2019.

Intendanten Seit seiner Gründung wurde das Festival über 30 Jahre lang von Intendantin Kari Kahl-Wolfsjäger geleitet. Sie beendete ihre Tätigkeit mit dem Kissinger Sommer 2016.Susann El Kassar: Kari Kahl-Wolfsjäger: Kissinger Sommer sollte eigentlich ein „kleines Festival“ werden, Deutsche Welle, 29. Juli 2016, abgerufen am 24. September 2021

Im April 2015 berief der Stadtrat von Bad Kissingen Tilman Schlömp, zuvor Leiter des Künstlerischen Betriebs beim Beethovenfest Bonn, zum Nachfolger von Kahl-Wolfsjäger ab dem Veranstaltungsjahr 2017.Ralf Ruppert: Neuer Intendant aus Bonn. Saale-Zeitung, 24. April 2015, Seite 1 Er ersetzte das Konzept der Partnerländer durch Schwerpunktthemen, beginnend 2017 mit dem Schwerpunkt „1830 – Romantische Revolution“.https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/kissinger-sommer-2017-programm-100.html Der Kissinger Sommer 2018 stand unter dem Motto „1918 – Aufbruch in die Moderne“.http://www.musik-heute.de/16847/kissinger-sommer-2018-mit-aufbruch-in-die-moderne/ Im Sommer 2019 wurden Konzerte dem Thema „1762 – nach der Natur gemalt“ gewidmet. Außerdem führte Schlömp neue Formate ein, darunter die Institution eines festen Festivalorchesters.Er hinterlässt „nachhaltige Spuren“, Saale-Zeitung, 19. Juli 2021 Der Kissinger Sommer 2020 zum Thema „1770-1827 Beethoven-Metamorphosen“ musste wegen der Corona-Pandemie ausfallen.Musikfestival „Kissinger Sommer“ für 2020 abgesagt, Musik heute, 25. Mai 2020 Allerdings gab es im Herbst 2020 eine Kurzfassung mit sechs Konzerten.Endlich wieder Kultur in Bad Kissingen, Saale-Zeitung, 25. September 2020 Mit dem Kissinger Sommer 2021 (Motto: „Fin de de Siècle – Erinnerungen an eine Epoche“) lief Schlömps Vertrag aus.Kissinger Sommer zum letzten Mal mit Intendant Schlömp, t-Online.de, 13. Juni 2021

Zu Schlömps Nachfolger ab dem Veranstaltungsjahr 2022 wurde Alexander Steinbeis berufen, der zuvor Orchesterdirektor des DSO Berlin war.Das ist der Neue, Saale-Zeitung, 10. März 2021Alexander Steinbeis wird Intendant des Kissinger Sommers, Musik heute, 10. März 2021 Als Schwerpunkt seiner ersten Spielzeit wählte er unter dem Titel „Wien. Budapest. Prag. Bad Kissingen“ die kulturellen Verbindungen zwischen Bad Kissingen und den Ländern der Habsburger Monarchie.Neustart beim Kissinger Sommer, Frankfurter Allgemeine, 1. Februar 2022 Unter dem Motto „La Dolce Vita“ folgten 2023 das Thema Bad Kissingen und Italien, sowie 2024 unter dem Titel „Ich hab noch einen Koffer in...“ das Thema Bad Kissingen und Berlin.„La Dolce Vita in Bad Kissingen“ Frankfurter Neue Presse, 10. Juni 2023„Ein Koffer in Berlin“, BR Klassik, 21. Juni 2024 Um neue Besuchergruppen zu erschließen, führte Steinbeis kostenlose Prélude-Konzerte unter freiem Himmel an wechselnden Orten ein und machte vermehrt Konzerte auch im Internet verfügbar.Klassikfestival Kissinger Sommer: Kur in Moll und Dur, Tagesspiegel, 24. Juli 2022 Neu eingeführt wurde auch ein „Symphonic Mob“, bei dem Profi-Orchester zusammen mit Laien musizieren. Den Auftakt machte 2022 das hr-Sinfonieorchester mit dem Dirigenten Alain Altinoglu.Unter neuer Intendanz, BR-Klassik, 14. Juni 2022 Es folgten „Symphonic Mobs“ mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und Dirigent Kent Nagano im Jahr 2023 sowie dem BBC Symphony Orchestra und Dirigent Sakari Oramo 2024.600 Musiker beim Kissinger Symphonic Mob: Ein absolutes Erlebnis, Fränkischer Tag 2. Juli 2023So schön war der Symphonic Mob 2024, Main-Post 23. Juni 2024

Spielorte Die Konzerte finden in den Sälen des Regentenbaus und im Kurtheater Bad Kissingen sowie an Spielorten in der Umgebung statt, wie z. B. der Stadtpfarrkirche in Hammelburg, im Kursaal von Bad Brückenau oder im Kloster Maria Bildhausen. Im Jahr 2015 kamen zu den rund 50 Konzerten mehr als 25.000 Besucher.Thomas Ahnert: Das Festival trotzte der Hitze; Saale-Zeitung, 21. Juli 2015, Seite 3 Für 2016 wird die Zahl der Besucher mit knapp unter 30 000 angegeben.

Artists in Residence Artists in Residence waren bislang unter anderem Ning Feng und Igor Levit (2014), Main Post, 12. Juni 2014, Daniil Trifonov (2016)Kissinger Sommer feiert 30-jähriges Jubiläum mit Staraufgebot, Deutsche Welle, 24. Juni 2016, Patricia Kopatchinskaja und Vesselina Kasarova (2017)»Palastrevolution« beim Kissinger Sommer, Main Post, 3. November 2016, Sol Gabetta (2018)Sol Gabetta wird Artist in Residence beim Kissinger Sommer, Main Post, 3. November 2017 und Julia Lezhneva (2019)Julia Lezhneva, die Sopranistin im Wunderland, Main Post, 18. Juni 2019. Von 2017 bis 2021 wurde die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen zum Festivalorchester berufen.Klassische Revolte, Rondo, 3/2017

mini|zentriert|750px|Der Konzertsaal „Regentenbau“ ist einer der Hauptveranstaltungsorte des Kissinger Sommers und Winterzaubers

Luitpoldpreis Alljährlich vergibt der am 24. Januar 1992 gegründete Förderverein Kissinger Sommer – nach 20-jährigem Bestehen mit über 1.100 Mitgliedern der größte Sponsor des MusikfestivalsThomas Ahnert: Kunst gibt's nur für Geld. Vor 20 Jahren wurde der Förderverein Kissinger Sommer gegründet. In: Saale-Zeitung vom 12. Januar 2012 – den mit 5.000 Euro dotierten Luitpoldpreis. Dieser Förderpreis ist nach dem Prinzregenten Luitpold von Bayern benannt, dem Bauherrn des Bad Kissinger Festspielhauses Regentenbau, und wird seit 1999 von einer aus Fachleuten und Laien gemischt besetzten Jury an jenen jungen Künstler vergeben, der im jeweiligen Sommerfestival besonders positiv auffiel.

Zu diesen Preisträgern gehörten bisher:

Kissinger Klavierolymp Verbunden mit dem Kissinger Sommer ist der Kissinger KlavierOlymp, ein Wettbewerb junger Pianisten im Herbst, der seit 2003 stattfindet. Der Preis für die Sieger ist ein Auftritt beim Kissinger Sommer. Zu den Preisträgern gehörten bisher unter anderem Martin Helmchen, Igor Levit, Alice Sara Ott, Herbert Schuch, Kit Armstrong, Olga Scheps und Behzod Abduraimov.Preisträger seit 2003, Website des Klavierolymp (archivierte Version vom 10. Oktober 2017)

Jubiläumsausstellung 40 Jahre Kissinger Sommer (11. Juni 2026 bis 18. Juli 2026 in der Orangerie des Museums Obere Saline)

Weblinks Offizielle Website Kissinger Sommers Website des Fördervereins Kissinger Sommer e.V.

Einzelnachweise

Kategorie:Musikfestival in Bad Kissingen Kategorie:Festival der klassischen Musik in Deutschland Kategorie:Erstveranstaltung 1986