Der Minister ist ein deutscher Fernsehfilm aus dem Jahr 2013, der von teamWorx für Sat.1 produziert wurde. Die Satire ist stark an den Aufstieg und Fall des ehemaligen Wirtschafts- und Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg in Verbindung mit seiner Plagiatsaffäre angelehnt.

Handlung Franz Ferdinand von und zu Donnersberg ist ein charismatischer, wohlerzogener und gutaussehender junger Mann aus schwerreichem Hause, der seine Zukunft in der Politik sieht. Sein Sandkastenfreund Max Drexel ist blitzgescheit, strebsam, schlagfertig, aber von einfacher Herkunft und steht nicht gerne im Vordergrund. Zusammen sind sie aber ein unschlagbares Team, da Max sein Büro leitet und ihm die verschwurbelten und hochtrabenden Reden schreibt, für die Franz Ferdinand so viel Applaus und Anerkennung bekommt. Doch die Kanzlerin Angela Murkel beäugt den jungen Abgeordneten mit großer Skepsis. Franz Ferdinand erkennt, dass er sein Ansehen bei der Kanzlerin durch einen Doktortitel heben könnte. Deshalb bittet er seinen Freund Max, ihm seine Doktorarbeit zu schreiben. Dieser willigt zwar ein, aber die Zeit drängt und da er mit all den anderen Aufgaben, die ihm sein Freund ohne Rücksicht aufbürdet, ohnehin schon unrettbar überlastet ist, trickst und schludert er die Arbeit nach einem Machtwort seiner genervten Ehefrau irgendwie zusammen und kopiert Inhalte, die eigentlich als Quellen dienen sollten, wortwörtlich hinein, ohne sie sprachlich zu ändern oder sie als Zitate zu kennzeichnen, in der festen Annahme, dass bei der Beliebtheit Franz Ferdinands schon niemand so genau alles nachprüfen wird. Er behält recht, kurze Zeit später ist Franz Ferdinand promoviert und wird mit dem Wirtschaftsministerium betraut. Seine erste Dienstreise führt ihn nach New York, wo er die Autofirma Forpel retten soll. Dank des Chefredakteurs vom Blitz-Kurier, Jan Breitmann, wird seine Rettung medienwirksam inszeniert. In kürzester Zeit werden Franz Ferdinand und seine Frau Viktoria zu Mega-Stars in der Politik.

Max hingegen erlebt zur selben Zeit seinen persönlichen Tiefpunkt: Seine Frau Lisa verlässt ihn mitsamt den gemeinsamen Kindern, da er wegen Franz Ferdinand seine Ehe und Familie vernachlässigt hat. Doch als sich auf einmal sein Freund Franz Ferdinand auch noch von ihm abwendet und Max ohne Job dasteht, fasst er einen weitreichenden Entschluss. Aus Enttäuschung über das Verhalten seines Kindergartenfreundes, der nur dank seiner Hilfe so weit kommen konnte, sticht er durch, dass die Doktorarbeit ein Plagiat ist. Daraufhin folgt der spektakuläre Absturz des Franz Ferdinand von und zu Donnersberg.

Produktion Idee und Drehbuch Anfang Oktober 2011 gab der Geschäftsführer von teamWorx, Nico Hofmann, bekannt, dass er die Geschichte des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg in einer „Satire und mit viel Humor“ verfilmen wolle.„Den Guttenberg, den machen wir jetzt“. In: Bild.de, 9. Oktober 2011, abgerufen am 15. März 2013. Zwei Tage später folgte die gemeinsam mit dem Sender Sat.1 veröffentlichte offizielle Ankündigung unter dem Arbeitstitel „Der große Bruder“.SAT.1 und teamWorx verfilmen Guttenberg-Satire „Der große Bruder“. Pressemeldung. 11. Oktober 2011, abgerufen via news aktuell presseportal am 15. März 2013. Einzelheiten zur Geschichte wurden erstmals zu Beginn der Dreharbeiten im September 2012 veröffentlicht. Leser der im Februar 2012 erschienenen Satire „Ich war Guttenbergs Ghost“ wiesen ebenso wie der Verlag Kiepenheuer & Witsch nach Ausstrahlung auf „frappierende Ähnlichkeiten“ zwischen den im Buch und im Film beschriebenen Ghostwritern hin, die Produktionsfirma legte jedoch in einer Stellungnahme Wert auf die zwischenzeitlich vom Verlag unterschriebene Feststellung, dass der Film „unabhängig vom Buch“ entstanden sei.

In die fiktive Filmhandlung sind zahlreiche Originalzitate Karl-Theodor zu Guttenbergs integriert. Darüber hinaus soll die Autorin des Drehbuchs, Dorothee Schön, mutmaßlich nach dem Vorbild der berühmten Doktorarbeit des Ministers, selbst Formulierungen anderer Autoren übernommen haben, ohne diese gefragt oder die Übernahmen kenntlich gemacht zu haben. Es war die Rede vom „Plagiat des Plagiats“. Die Redaktion des Satire-Magazins Titanic wies bereits nach Veröffentlichung des Film-Trailers auf mehrere wörtlich übernommene Textstellen aus ihrem Artikel Wüstentreff mit Guttensteph von Oliver Maria Schmitt hin.Heda, Sat1!. In: Titanic. 12. März 2013, abgerufen am 13. März 2013.Oliver Maria Schmitt wirft Guttenberg-Parodie Plagiarismus vor. In: Journal Frankfurt. 13. März 2013, abgerufen am 13. März 2013. Dorothee Schön betonte in Interviews, dass sie sich von Witzen über Guttenberg habe inspirieren lassen und sie ihr Drehbuch als „Mediencollage“ versteht, die neben Titanic. auch Einlassungen der Bildzeitung verwertet habe.Michael Hanfeld: Das Plagiat des Plagiats des Plagiats. In: FAZ. vom 13. März 2013, abgerufen am 13. März 2013. Der Fall wurde nie justiziabel, löste aber vorübergehend ein erhebliches Medieninteresse aus.Humorkritik: Guttensteph und Guttenplag. In: Titanic. April 2013, abgerufen am 20. August 2013.

Besetzung Als Hauptdarsteller wollte man zuerst Jan Josef Liefers als Verteidigungsminister, Anja Kling als dessen Ehefrau und Henning Baum als Ghostwriter. Auch Annette Frier und Hans-Werner Meyer sollten Rollen im Film übernehmen. Liefers gab kurze Zeit später bekannt, die Geschichte noch nicht zu kennen und seine Entscheidung über eine Mitwirkung vom noch nicht vorliegenden Drehbuch abhängig zu machen.Guttenberg spielen? – Liefers ist überrascht. In: Bild.de, 11. Oktober 2011, abgerufen am 15. März 2013.Liefers: Mitwirkung in Guttenberg-Satire abhängig vom Drehbuch. In: Digitalfernsehen.de, 13. Oktober 2011, abgerufen am 15. März 2013.

Der Bild am Sonntag sagte Hofmann von teamWorx, dass Jan Josef Liefers mit seinen 47 Jahren zu alt sei und dass man stattdessen einen Hauptdarsteller zwischen 25 und 35 Jahren suche, um die BesetzungDie Bildzeitung spricht von einer Verjüngung des Drehbuches, laut Michael Hanfeld: Vor Doktortiteln wird gewarnt. In: FAZ, 11. Oktober 2011 war aber schon ursprünglich für die Hauptrolle ein junger Schauspieler angedacht. zu verjüngen. Gleichzeitig gab der Produzent bekannt, dass Katharina Thalbach die Rolle der Kanzlerin übernehmen werde, da diese „Angela Merkel sehr ähnlich sehe“.Guttenberg-Film: Thalbach soll Merkel spielen – Liefers raus. In: Bild.de, 29. April 2012, abgerufen am 15. März 2013. In den darauffolgenden Monaten wurde intensiv nach einer passenden Besetzung gesucht. So wurde Mitte Juni 2012 Alexandra Neldel für die Rolle der Ehefrau gecastet.Alexandra Neldel spielt Stephanie zu Guttenberg. In: Bild.de, 10. Juni 2012, abgerufen am 15. März 2013. Am 6. Juli 2012 bestätigte Produzent Nico Hofmann, dass Kai Schumann die Rolle des Verteidigungsministers spielen werde.TV-Arzt spielt Guttenberg. In: Bild.de, 6. Juli 2012, abgerufen am 15. März 2013. Hofmann erklärte seine Darstellerwahl gegenüber der Bild folgendermaßen: „Wir haben für die Rolle knapp 20 Schauspieler gecastet. Aber als Kai Schumann auf die Kamera zuging, wusste ich: Er ist es. Er war fulminant!“ Im September 2012 wurde auch bekannt, dass der Verteidigungsminister Franz Ferdinand von Donnersberg heißen wird.

Darsteller/in Rolle Reale Person Kai Schumann Franz Ferdinand Freiherr von und zu Donnersberg Karl-Theodor zu Guttenberg Johann von Bülow Max Drexel FiktivDiv. Medienberichten zufolge, diente als Vorlage der Filmfigur, Philipp von Brandenstein, Jugendfreund und ehemaliger Büroleiter und Redenschreiber Guttenbergs Alexandra Neldel Viktoria von und zu Donnersberg Stephanie zu Guttenberg Katharina Thalbach Angela Murkel Angela Merkel Walter Sittler Rochus von und zu Donnersberg Enoch zu Guttenberg Thomas Heinze Jan Breitmann Kai Diekmann Stefanie Stappenbeck Lisa Drexel Fiktiv Susan Sideropoulos Karin Breitmann Katja Kessler Klaus-Peter Grap Außenminister Wellerweste Guido Westerwelle Christoph Hofrichter Finanzminister Schäuffele Wolfgang Schäuble Peter Prager Ehemann von Angela Murkel Joachim Sauer Heike Warmuth Mandy Fiktiv Reiner Schöne Doktorvater Peter Häberle Michael Schönborn Lehrer Kreschel Matthias Koeberlin Kernmann Johannes B. Kerner Petra Berndt Mutter Drexel Fiktiv Klaus Schindler Generalinspekteur René Schoenenberger Staatssekretär Maximilian Ehrenreich Franz Josef junior

Dreharbeiten Die sechswöchigen Dreharbeiten fanden im September und Oktober 2012 statt. Gedreht wurde in Berlin und in Tettnang am Bodensee.Drehstart für „Der Minister“ (AT). Pressemeldung. 4. September 2011, abgerufen via news aktuell presseportal am 15. März 2013. Ein Teil der Dreharbeiten fand auch im Studio Babelsberg in Potsdam statt; so wurden u. a. die Innenaufnahmen im Flugzeug, sowie Szenen im Deutschen Bundestag oder beim Ausstieg aus dem Regierungsflugzeug in Afghanistan in den Ateliers des Studios produziert.

Veröffentlichung Der Film wurde am 12. März 2013 auf Sat.1 ausgestrahlt. Einen Tag nach der Fernsehausstrahlung erschien der Film bei Pandastorm Pictures auf DVD und Blu-ray.

Rezeption Auszeichnungen Der Minister wurde beim Deutschen Fernsehpreis nominiert in der Kategorie „Bester Fernsehfilm 2013“.

Von der Deutschen Akademie für Fernsehen bekam Katharina Thalbach den Preis für die „Beste weibliche Nebenrolle“ verliehen. Jochen Ketschau war für „Beste Redaktion“ nominiert.

Der Minister wurde für den Grimme-Preis 2014 nominiert in der Kategorie „Fiktion“.

Kritik

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurden Vorwürfe erhoben, dass der Film mehrere Textpassagen enthalte, die so oder ähnlich bereits anderswo verwendet wurden. Konkret habe man sich bei der britischen Satire Yes, Minister sowie bei Oliver Maria Schmitt, Schriftsteller und ehemaliger Titanic-Chefredakteur, bedient. Drehbuchautorin Dorothee Schön sprach gegenüber der FAZ von einer „Mediencollage“. Sie habe sich für das Drehbuch verschiedentlich inspirieren lassen.

Einschaltquoten Die Premiere am 12. März 2013 sahen 4,44 Millionen Menschen, was einen durchschnittlichen Marktanteil von 14 % ergab. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erzielte der Film einen Marktanteil von 18,2 %.

Einzelnachweise

Weblinks

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