Die Henkel AG & Co. KGaA mit Hauptsitz in Düsseldorf-Holthausen ist ein börsennotiertes deutsches Unternehmen der Konsumgüter- und Klebstoffindustrie mit weltweiten Marken und Technologien in den Geschäftsfeldern Consumer Brands (Wasch-/Reinigungsmittel, Haar) und Adhesive Technologies (Klebstoffe). Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 20 Mrd. Euro und ein betriebliches Ergebnis von 2,8 Mrd. Euro. Henkel ist mit rund 47.200 Mitarbeitern in 75 Ländern vertreten.
Geschichte mini|Anzeige für „Henkel's Bleich-Soda“ (1883) mini|Gesamtansicht der Henkel Fabrik in Düsseldorf-Holthausen (1913) mini|Hugo Henkel (1881–1952), Friedrich Karl Henkel (1848–1930) und Fritz Henkel (1875–1930) im Jahr 1916
Fritz Henkel gründete 1876 in Aachen die Waschmittelfabrik Henkel & Cie. Als erstes Produkt stellte er ein Pulver-Waschmittel auf Basis von Wasserglas her, das er Universal-Waschmittel nannte. Wegen besserer Verkehrsanbindungen und höherer Absatzchancen verlegte er 1878 sein Unternehmen nach Düsseldorf. Im selben Jahr hatte das Unternehmen mit Henkel’s Bleich-Soda den ersten Markenerfolg: Während alle anderen Waschmittel damals lose angeboten wurden, verkaufte Henkel sein Universalwaschmittel in handlichen Päckchen. Der Absatz von Henkel's Bleich-Soda wuchs so stark, dass innerhalb eines Jahres die gemietete Fabrik nicht mehr ausreichte. Fritz Henkel beschloss, eine eigene Fabrik mit Bahnanschluss zu bauen und kaufte an der Gerresheimer Straße 171 im Stadtteil Flingern Süd ein Grundstück. Der erforderliche Bahnanschluss konnte wegen Geländeproblemen aber nicht gelegt werden. Die Transportprobleme sowie Grundsätze der Unternehmenspolitik veranlassten Fritz Henkel ab März 1900 zu einem Standortwechsel nach Düsseldorf-Holthausen, wo sich noch heute die Firmenzentrale und der zweitgrößte Produktionsstandort des Konzerns befinden.Henkel: Unternehmensgeschichte
1903 brachte die Firma Schwarzkopf, seit 1995 eine Tochtergesellschaft von Henkel, das erste Haarwaschpulver in DeutschlandHenkel: Chronik 130 Jahre Henkel, S. 28 (PDF; 8,4 MB). auf den Markt. 1906 wurde in Minden an der Weser die Firma Cordes & Co GmbH gegründet, die sich zu einem Spezialisten für Klebstoffe entwickelte, später vor allem bei Kunstharzdispersionen für die Tapetenindustrie. Cordes kam 1970 zu Henkel. Im Juni 1907 brachte Henkel Persil auf den Markt. Dieses Produkt wurde als „erstes selbsttätiges Waschmittel der Welt“ beworben. 1918 wurde Sil als Wäsche-Nachspülmittel eingeführt. Zwei Jahre später kam das Scheuermittel Ata auf den Markt.
Im Jahr 1921 wurde der Grundstein für ein Zweigwerk in Genthin gelegt. Hier entstand in den 1920ern die damals modernste Waschmittelproduktion in Deutschland. 1945 enteignet, wurde das Werk 1949 zu einem Volkseigenen Betrieb (VEB) der DDR. Henkel kaufte das Werk 1990 während der Wiedervereinigung zurück.
1922 wurde mit der Produktion von Klebstoff für den Eigenbedarf begonnen. 1929 startete Henkel mit der Vermarktung von P3-Reinigern für Industrie und Handwerk. Oberflächentechnik wurde zu einem bedeutenden Geschäftsbereich bei Henkel.
1930 übernahm Hugo Henkel, Sohn des Firmengründers Fritz Henkel, die alleinige Leitung des Unternehmens. Er trat 1933 nach der Machtergreifung des NS-Regimes der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.266.961) und war von 1934 an Ratsherr im Rat der Stadt Düsseldorf. Auch die anderen Aufsichtsratsmitglieder des Unternehmens wurden NSDAP-Mitglieder. Mit mehrfachen Auszeichnungen galt Henkel als Nationalsozialistischer Musterbetrieb. Das Unternehmen nahm 1934 in Düsseldorf die erste Fabrik für Dextrin, einen alternativen Rohstoff für Klebstoffe, in Betrieb. 1935 übernahm Henkel die Chemnitzer Firma Böhme Fettchemie GmbH und konnte hierdurch Fewa, das erste vollsynthetische Feinwaschmittel der Welt, in sein Produktprogramm aufnehmen. 1937 besaß Henkel Produktionsfirmen in elf europäischen Ländern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alle Firmen beschlagnahmt oder unter öffentliche Verwaltung gestellt. Nachdem Henkel bereits 1935 ein Patent für ein „Verfahren zur Herstellung von harzartigen Kondensationsprodukten“ erhalten hatte, kamen 1938 erste Kunstharzleime in der Buchbindung zum Einsatz.
Auf Druck der Gauleitung in Düsseldorf musste Firmenleiter Hugo Henkel 1938 in den Aufsichtsrat weichen. An seiner statt wurde Werner Lüps, ältester Enkel des Unternehmensgründers Fritz Henkel, zum Führer des Betriebs ernannt. Lüps hatte sich schon vor der Machtergreifung zum Nationalsozialismus bekannt und nutzte seine entfernten Verwandtschaftsbeziehungen zu Hermann Göring für seinen beruflichen Aufstieg. Unter seiner Leitung wurden insbesondere nach der Reichspogromnacht (1938) die Aktienanteile von Henkel an der Degussa AG aufgestockt.
Direkt nach Kriegsbeginn 1939 musste Persil vom Markt genommen werden, da das NS-Regime die Produktion eines Einheitswaschpulvers für Weiß-, Grob- und Buntwäsche angeordnet hatte.P. Mundhenke: Die Entwicklung der Waschmittelwerbung, dargestellt am Beispiel der Firma Henkel. In: Werben und verkaufen. Seidels Reklame, Heft 10/1942, S. 377. Während des Zweiten Weltkriegs kamen bei Henkel in Düsseldorf-Holthausen und den anderen Tochtergesellschaften jährlich hunderte Zwangsarbeiter zum Einsatz, von denen 1944 am Düsseldorfer Standort drei starben. Am 16. April 1945 wurde das Werk in Düsseldorf durch US-amerikanische Truppen besetzt. Die britische Militärregierung erteilte ab Juli die Produktionserlaubnis für Waschmittel, P3-Reiniger, Wasserglas und Klebstoffe von Henkel.
1946 wurde in Düsseldorf die „Polycolor chemisch-pharmazeutische Gesellschaft mbH“ gegründet (ab 1948 TheraChemie, Ohligs). Sie brachte 1947 das flüssige Haarfärbemittel Poly Color auf den Markt. Die TheraChemie wurde 1950 von Henkel erworben. 1951 wurde das Spülmittel Pril in Pulverform durch die (ehemals Chemnitzer) Henkel-Tochter „Böhme Fettchemie GmbH“ auf dem Markt eingeführt. Drei Jahre später führte die Tochterfirma Dreiring-Werke die Feinseife Fa ein. 1956 wurde mit Werbung für Persil der erste kommerzielle TV-Spot im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.Hasnain Kazim: 50 Jahre Fernsehwerbung: Wenn Xaver kleckert, hilft Persil. In: Spiegel Online, 3. November 2006, abgerufen am 22. März 2025. 1958 wurde die Dr.-Jost-Henkel-Stiftung gegründet, anlässlich des 25-jährigen Dienstjubiläums von Jost Henkel, einem Enkel des Firmengründers. 1962 führte der Konzern den Geschirrspülmaschinenreiniger Somat ein. Im selben Jahr ging in Hannover der schärfste deutsche Klebstoff-Konkurrent Sichel-Werke AG in den Besitz von Henkel über. 1969 kam der erste Klebestift, Pritt, auf den Markt. Unter dieser Marke führte Henkel im Laufe der Zeit weitere Produkte für Papier-, Büro- und Schreibwaren ein.
1986 kaufte Henkel das Bauchemie-Geschäft von der Beecham Group mit verschiedenen Unternehmen und Marken: In Frankreich Rubson, in Großbritannien Unibond-Copydex Ltd sowie in Deutschland die 1905 gegründete Ceresit GmbH. Ceresit wurde 1990 in die Henkel Bautechnik integriert. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 kaufte Henkel die enteigneten Persil-Werke in Genthin zurück. Sie wurden 2009 wieder verkauft. 1991 wurde das europäische Joint Venture Henkel-Ecolab zwischen Henkel und der US-amerikanischen Ecolab gegründet, welches das Gemeinschaftsunternehmen Ende 2001 vollständig übernommen hat. 1995 übernahm Henkel die Firma Dorus. 1997 folgte die Übernahme des Klebstoffherstellers Loctite. 1999 wurde der Unternehmensbereich Chemieprodukte und rechtliche Verselbstständigung unter dem Firmennamen Cognis ausgegliedert und 2001 an eine Gruppe Finanzinvestoren verkauft.
2002 führte Henkel erstmals ein weltweit einheitliches Corporate Design ein. 2003 trat der Konzern der Initiative Global Compact der Vereinten Nationen bei. 2004 übernahm Henkel in der bis dahin größten Akquisition der Firmengeschichte die Dial Corporation in Scottsdale/Arizona (USA).
2008 erwarb Henkel mit der Übernahme von ICI durch Akzo Nobel die ICI-Geschäftsfelder „Adhesives“ und „Electronic Materials“ (National Starch) für rund 3,7 Mrd. Euro. Die hinzugekauften Geschäftsfelder hatten einen Umsatz von rund 1,83 Mrd. Euro. Im selben Jahr startete Henkel ein Einsparprogramm, das den Abbau von 3.000 Stellen weltweit vorsah.FAZ: Sparprogramm: Henkel streicht 3000 Stellen Im selben Jahr wurde aus der Henkel KGaA die Henkel AG & Co. KGaA, mit der Henkel Management AG als alleinige persönlich haftende Gesellschafterin. Neuer Vorsitzender wurde der Unternehmer Kasper Rorsted. Er folgte auf Ulrich Lehner.W&V: Am 22. September 2009 wurde Simone Bagel-Trah zur Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Henkel AG & Co. KGaA gewählt.sueddeutsche.de: Simone Bagel-Trah – Die erste Chefin deutscher Aufsichtsräte
2011 führte das Unternehmen weltweit ein neues Corporate Design ein, verbunden mit dem Werbespruch „Henkel – Excellence is our Passion“.horizont.net: Im darauffolgenden Jahr stellte Henkel seine Strategie und Finanzziele bis 2016 vor.morgenpost.de: Konzern stellt Wachstumsstrategie und Finanzziele bis 2016 vor (16. November 2012) Henkel erwarb 2012 außerdem das Geschäft mit Hochleistungs-Haftklebstoffen von Cytec Industries.focus.de: Henkel verstärkt Klebstoffgeschäft (11. Mai 2012)
2013 eröffnete Henkel in Shanghai (China) die weltgrößte Klebstoff-Fabrik, zentrale Produktionsstätte für Industrieklebstoffe in China und der gesamten Asien-Pazifik-Region.faz.net: Henkel eröffnet größtes Klebstoffwerk der Welt in China (13. September 2013) Im selben Jahr wurden Forschungs- und Entwicklungszentren in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate), Johannesburg (Südafrika), Pune (Indien) und Seoul (Südkorea) eröffnet.Henkel: Geschäftsbericht 2013, S. 15 (PDF; 9,1 MB). Im Folgejahr erwarb Henkel alle Anteile an der Spotless Group. Außerdem übernahm Henkel 2014 die drei US-amerikanischen Haarpflegeunternehmen Sexy Hair, Alterna und Kenrafocus.de: Henkel kauft drei US-Hersteller für Profi Haarprodukte (2. Juni 2014) sowie das US-amerikanische Unternehmen Bergquist, einen Hersteller von wärmeableitenden Lösungen für die Elektroindustrie. 2015 erwarb Henkel alle Waschmittelmarken sowie Waschhilfsmittel von Colgate-Palmolive in Australien und Neuseeland.boerse-online.de: (12. Mai 2015) Seit Mai 2016 war Hans Van Bylen Vorstandsvorsitzender von Henkel.Henkel: (1. Mai 2016) Im gleichen Jahr übernahm das Unternehmen für 3,5 Mrd. Euro den nordamerikanischen Wasch- und Reinigungsmittelkonzern Sun Products. Am 24. Oktober 2019 gab Henkel bekannt, dass Carsten Knobel, zuvor Finanz- und Einkaufsvorstand von Henkel, am 1. Januar 2020 neuer Vorstandsvorsitzender wird.Van Bylen hört auf. Henkel bekommt neuen Vorstandschef. Spiegel Online, abgerufen am 24. Oktober 2019.
Ende Januar 2022 kündigte Henkel an, die beiden Geschäftsbereiche Wasch-/Reinigungsmittel und Kosmetik zusammenzulegen. Als Begründung nannte das Unternehmen die während der Corona-Krise stark angestiegenen Preise für Rohstoffe und Transport. Eine Abspaltung der Klebstoff-Sparte sei nicht geplant.Benedikt Müller-Arnold: Konsumgüter. Krise im Reich von Schwarzkopf und Persil. In: Süddeutsche Zeitung. 28. Januar 2022, abgerufen am 29. Januar 2022.
Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 stellte Henkel Anfang März seine Geschäftstätigkeit im Bereich Werbung und Sponsoring in Russland ein, hielt jedoch zunächst an seinem Russland-Geschäft fest. Am 19. April 2022 gab das Management des Unternehmens bekannt, die Geschäfte in Russland aufzugeben. Rund 2500 Mitarbeiter von Henkel in Russland würden weiterbeschäftigt und bezahlt. Im April 2023 verkaufte Henkel sein Russland-Geschäft an ein Konsortium von russischen Finanzinvestoren.
Im Jahr 2026 erwarb Henkel die amerikanische Haarpflegemarke Olaplex für 1,4 Milliarden US-Dollar.
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