Belgern-Schildau ist eine sächsische Stadt im Landkreis Nordsachsen. Die Stadt hat 7363 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2024) und besteht aus 22 Ortsteilen. Gebildet wurde sie am 1. Januar 2013 aus dem Zusammenschluss der Städte Belgern und Schildau. Der Verwaltungssitz befindet sich in Belgern.

Geographie Geographische Lage Belgern-Schildau erstreckt sich über eine Fläche von 159 km² zwischen der Elbe im Osten und dem nordwestlichen Ende der Dahlener Heide. Die Heide, von der große Flächen als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen sind, trennt die beiden Hauptorte voneinander. Belgern-Schildau liegt etwa neun Kilometer südlich der Großen Kreisstadt Torgau. Die Große Kreisstadt Wurzen liegt vom Zentrum des Gemeindegebietes etwa 25 Kilometer entfernt. Bis nach Leipzig sind es etwa 45 Kilometer. Belgern liegt auf , Schildau auf .

An das Stadtgebiet grenzt im Nordwesten die Gemeinde Mockrehna, im Norden ist Torgau benachbart. Nordöstlich der Stadt liegt Arzberg. Im Osten grenzt Belgern-Schildau an die Stadt Mühlberg/Elbe aus dem brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster. Die südliche Begrenzung des Stadtgebietes bilden Cavertitz und Dahlen. Westlich der Stadt liegt die Gemeinde Lossatal aus dem Landkreis Leipzig.

Stadtgliederung mini|Das Belgerner Rathaus, Verwaltungssitz der Stadt mini|Das Rathaus in Schildau wird als Außenstelle weiterbetrieben. Zu Belgern-Schildau gehören folgende Ortsteile: Ammelgoßwitz Belgern Bockwitz Döbeltitz Dröschkau Kaisa Kobershain Lausa Liebersee Mahitzschen Neußen Oelzschau Plotha Probsthain Puschwitz Schildau Seydewitz Sitzenroda Staritz Taura Treblitzsch Wohlau

Neben den amtlichen Ortsteilen existieren noch eine Reihe Wüstungen auf dem Stadtgebiet, dies sind Baurik, Dölbitz, Förstchen, Heide, Katschitz, Krausnitz und Wölknitz. Zudem liegen Teile der Wüstungen Spauditz, Leiploch und Naundorf in den Gemarkungen der Stadt.

Geschichte von Belgern und Schildau mini|hochkant=0.5|Roland zu Belgern Belgern wird erstmals am 5. Juni 973 als civitas Belgora erwähnt. Der Name ist slawischen Ursprungs und bedeutet „Weißer Berg“, was sich auf die Lage der Stadt bezieht. Schildau taucht erst gut 200 Jahre später in einer Urkunde von 1184 als civitas Schildoe auf. Civitas war im Mittelalter die gängige Bezeichnung für eine größere Stadt. Als oppidum werden kleinere Städte bezeichnet.Hinweise zur Benutzung des Historischen Ortsverzeichnisses von Sachsen Als solches wird Belgern am 6. Mai 1286 in einer Schlichtungsurkunde bezeichnet. Für Schildau weisen Funde aus der Steinzeit auf frühzeitliche Besiedlung der Region hin. Im Jahr 1551 gab es in Belgern 122 und in Schildau 82 Häuser. Ab dem 16. Jahrhundert gehörte die gesamte Region um Belgern und Schildau zum Amt Torgau im Kurfürstentum Sachsen. Zuvor war Belgern Sitz des Amts Belgern, das 1581 mit dem Torgauer Amt zusammengelegt wurde.

Nach dem Wiener Kongress musste Sachsen einen Großteil des Amtsgebietes an Preußen abtreten, das auf dem Gebiet den Kreis Torgau errichtete. Dieser hatte bis zur Auflösung der Länder in der DDR Bestand. Beide Städte waren durch die Unierten evangelischen Kirchen geprägt. In die Schildauer Kirche waren Schilderhain und Blankenau gepfarrt, zur Kirchgemeinde Belgern gehörten Korgitzsch, Ammelgoßwitz, Döbeltitz, Köllitsch, Mahitzschen, Ottersitz und Tauschwitz sowie Treblitzsch. Die Gemarkung Belgern hatte 1895 eine Fläche von 1560 Hektar, auf der 2864 Menschen lebten. In Schildau waren 1361 Personen auf 1057 Hektar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Gebiet unter sowjetische Besatzung und wurde wenige Jahre später Teil der DDR. In der Kreisreform 1952 wurde ein neuer Kreis Torgau eingerichtet, der dem Bezirk Leipzig angehörte. Nach dem Zusammenbruch der DDR wurde 1990 eine Volksabstimmung in Gang gesetzt, um die Zugehörigkeit des Kreises Torgau und seiner Gemeinden zu den neuen Bundesländern zu klären. Im Kreis Torgau entschied man sich für den Freistaat Sachsen. Wenig später folgten weitere verwaltungstechnische Änderungen, so wurde der Landkreis Torgau mit dem angrenzenden Landkreis Oschatz im Jahr 1994 zum Landkreis Torgau-Oschatz zusammengelegt. Er gehörte dem Regierungsbezirk Leipzig an, der in etwa mit dem DDR-Bezirk vergleichbar ist. Der Landkreis Torgau-Oschatz wiederum hatte nur 14 Jahre Bestand, er ging zum 1. August 2008 im Landkreis Nordsachsen auf, der aus der Fusion mit dem Landkreis Delitzsch gebildet wurde.

Die stark verschuldete Stadt Schildau wollte ursprünglich mit Torgau fusionierenEileen Jack: In: Torgauer Zeitung, 6. Januar 2012, da zuvor gehandelte Vereinigungen mit Belgern, Mockrehna oder Dahlen im Stadtrat keine Mehrheit fanden.Denise Kraut: . In: Torgauer Zeitung, 11. Juni 2010 Schließlich stimmte der Stadtrat doch der Fusion mit Belgern zu.Eileen Jack: . In: Torgauer Zeitung, 20. Oktober 2012 Damit konnte die Vereinigung zu Belgern-Schildau zum 1. Januar 2013 durchgeführt werden.

Die historisch gewachsenen Titel „Gneisenaustadt“ für Schildau und „Rolandstadt“ für Belgern fielen bei der Fusion vorerst weg. Den amtlichen Titel Gneisenaustadt trug Schildau seit 1952. Er leitete sich von dem Feldmarschall August Neidhardt von Gneisenau ab, der in Schildau geboren wurde. Belgern führte den Beinamen wegen der zuerst hölzern und später steinern ausgeführten, fast sechs Meter hohen Rolandstatue am Belgerner Rathaus.

Eingemeindungen Die ersten Eingemeindungen von Gemeinden fanden 1938 und 1950 statt, noch vor der großen Gebietsreform 1952. So wurden die Gemeinden Liebersee, Mahitzschen, Lausa, Wohlau und die Stadt Schildau durch Eingliederungen vergrößert. Die Gemeindestruktur blieb anschließend während der übrigen DDR-Zeit unverändert. Erst nach dem Beitritt zum Land Sachsen kam es wieder zu Gebietsänderungen in der Region. Die großen Eingemeindungswellen erlebten Belgern und Schildau in der Mitte der 1990er Jahre.

Ehemalige Gemeinde bzw. Gutsbezirk Datum Anmerkung Altenhain 17. Juli 1873 Eingemeindung der wüsten Mark nach Schilderhain Ammelgoßwitz, Gutsbezirk Rittergut N/A Eingemeindung nach Ammelgoßwitz Ammelgoßwitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Liebersee Belgern 1. Januar 2013 Zusammenschluss zu Belgern-Schildau Blankenau, Gutsbezirk Freigut 1928–1930 Eingemeindung nach Schildau Bockwitz 1. März 1994 Eingemeindung nach Belgern Döbeltitz 20. Juli 1950 Eingemeindung nach Mahitzschen Dröschkau, Gutsbezirk Rittergut 1928–1930 Eingemeindung nach Belgern Kaisa 20. Juli 1950 Eingemeindung nach Lausa Kobershain, Gutsbezirk Rittergut 1928–1930 Eingemeindung nach Kobershain Kobershain 1. Januar 1999 Eingemeindung nach Gneisenaustadt Schildau Kurzwalde mit Kurzwaldermühle 29. Januar 1874 Eingemeindung der wüsten Mark und Mühle nach Schildau Lausa 1. Januar 1999 Eingemeindung nach Belgern Liebersee 1. März 1994 Eingemeindung nach Belgern Mahitzschen, Gutsbezirk Rittergut 1928–1930 Eingemeindung nach Mahitzschen Mahitzschen 1. April 1993 Eingemeindung nach Belgern Neußen 1. Januar 1999 Eingemeindung nach Belgern Niedernaundorf mit Neumühle 29. Januar 1874 Eingemeindung der wüsten Mark und Mühle nach Schildau Oelzschau, Gutsbezirk Rittergut 1928–1930 Eingemeindung nach Oelzschau Oelzschau 20. Juli 1950 Eingemeindung nach Wohlau Plotha mit Kleinstaritz, Gutsbezirk Rittergut 1928–1930 Eingemeindung nach Staritz Probsthain 1. Januar 1994 Eingemeindung nach Gneisenaustadt Schildau Puschwitz, Gutsbezirk Rittergut 1928–1930 Eingemeindung nach Puschwitz Puschwitz mit Krausnitz(mühle) 1927–1933 Eingemeindung nach Neußen Gneisenaustadt Schildau (bis 1952 Schildau) 1. Januar 2013 Zusammenschluss zu Belgern-Schildau Schilderhain 1. Oktober 1938 Eingemeindung nach Schildau Seydewitz 20. Juli 1950 Eingemeindung nach Wohlau Sitzenroda 1. Januar 1994 Eingemeindung nach Gneisenaustadt Schildau Sitzenroda, Gutsbezirk Oberförsterei 1928–1950 Teileingliederung nach Belgern, Mahitzschen, Neußen, Schildau, Sitzenroda und Taura Staritz 1. Januar 1996 Eingemeindung nach Belgern Taura 1. Januar 1999 Eingemeindung nach Gneisenaustadt Schildau Weißig mit Neblich 7. Februar 1875 Eingemeindung der wüsten Mark nach Taura Wölknitz mit Förstchen 7. Februar 1875 Eingemeindung der wüsten Mark nach Taura Wohlau, Gutsbezirk Rittergut 1928–1930 Eingemeindung nach Wohlau Wohlau 1. März 1994 Eingemeindung nach Belgern

Bevölkerung Jahr Einwohner 2013 7.951 2015 7.889 2020 7.647 Jahr Einwohner 2021 7.579 2022 7.577 2023 7.461 2024 7.363 2025 7.371

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik

Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 19 Sitze des Stadtrates wie nebenstehend auf die einzelnen Gruppierungen. Ergebnisse früherer Wahlen sind tabellarisch aufgelistet. +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %AfD434,9––––CDU523,5523,0834,3Freie Wählergemeinschaft Torgau-Oschatz521,0938,3522,9Freunde der Feuerwehr28,5314,828,9SPD15,316,117,2Brücke14,4––––Linke12,328,229,6Grüne––29,7312,4FDP––––14,6Wahlbeteiligung66,8 %57,3 %41,8 %

Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2021 Ingolf Gläser (CDU). +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2021Ingolf GläserCDU66,22020Matthias GriemFWG55,52013Eike PetzoldPetzold54,5Neugründung (vorher siehe Belgern und Schildau)

Wappen Das Wappen wurde am 25. April 2014 durch den Landrat des Landkreises Nordsachsen genehmigt.

mini|hochkant=0.6|links|Wappen von Belgern-Schildau Blasonierung: „In Grün auf goldenem Schildfuß eine silberne Kirche mit schwarzem Portal und Fenstern, vorn aus dem roten Dach wachsend ein silberner Rundturm mit zwei schwarzen Fensteröffnungen; hinten ein eckiges silbernes Türmchen, beide Türme mit rotem Dach und goldenem Knauf, dazwischen auf dem Dachfirst ein goldenes Kreuz; darüber schwebend an goldenem Band mit Quasten ein goldenes Hifthorn.“

Das Wappen, das vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet wurde, verbindet im Sinne von pars pro toto Elemente der Wappen der beiden namensgebenden Orte. Von Belgern kam das Hifthorn (frühe Form des Posthorns) in das Stadtwappen; von Schildau stammt die Kirche, die jetzt eine schwarze Pforte und schwarze Fenster hat und zudem auf goldenem Schildfuß steht (Anmerkung: Sowohl das Wappen von Belgern wie das von Schildau hatten geringfügige heraldische Abweichungen). Diese genannten Symbole stellen sich in einem grünen Schild dar, der sich an die Schildfarbe beider ehemaliger Stadtwappen anlehnt.Jörg Mantzsch: Das Wappen der Stadt Belgern-Schildau, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren. Hinterlegt bei der Stadtverwaltung Belgern-Schildau (Gutachten: Sächsisches Hauptstaatsarchiv).

Die Farben der Stadt sind: Rot-Weiß-Grün

Flagge Die Flagge wird wie folgt beschrieben: Drei Streifen in den Farben Rot-Weiß-Grün (1:1:1) mit dem weiß konturierten Stadtwappen in der Mitte.Jörg Mantzsch: Die Flagge der Stadt Belgern-Schildau, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren, Hinterlegt bei der Stadtverwaltung Belgern-Schildau (Gutachten: Sächsisches Hauptstaatsarchiv) Kultur und Sehenswürdigkeiten → siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Belgern-Schildau

Der Ortsteil Schildau ist als wahrscheinlicher Herkunftsort der Schildbürger bekannt.

Naturschutz

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Die Belgerner Fähre