mini|Burgkapelle Lochstädt mini|Kirchort Lochstädt, am Frischen Haff, südwestlich von Fischhausen und nordnordöstlich des Ostsee-Badeorts Neuhäuser, auf einer Landkarte von 1910 Die Burgkapelle Lochstädt war ein Teil der Burg Lochstedt und entstand im letzten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts in gotischem Stil und war von 1670 bis 1945 die evangelische Pfarrkirche für das Kirchspiel des dann untergegangenen Ortes Lochstädt (russisch: Pawlowo) im ostpreußischen Landkreis Fischhausen in der heute russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)).

Geographische Lage Das Dorf Lochstädt lag am Frischen Haff im Südwestzipfel des Samlandes, etwa vier Kilometer Luftlinie südwestlich der Stadt Fischhausen. Vor 1945 konnte es über die damalige deutsche Reichsstraße 131 (später: russische Fernstraße A 193) oder die Bahnstation Neuhäuser (heute russisch: Metschnikowo) der Pillau Seestad–Fischhausen–Königsberg (Pr) der früheren Ostpreußischen Südbahn erreicht werden. Die Burg Lochstädt mit der Burgkapelle befand sich im Süden des Dorfes zwischen der Straße und der Bahnlinie. Das Burggelände liegt heute im Bereich des Stadtkreises Baltijsk.

Burgkapelle

In der Ordenszeit wurde in Tenkitten (heute russisch: Beregowoje), dem Ort, an dem er wahrscheinlich den Märtyrertod erlitt, dem Adalbert von Prag eine Kirche, die St.-Adalberts-Kirche, geweihtBurg Lochstädt bei ostpreussen.net. Sie wurde 1525 in eine evangelische Pfarrkirche umgewidmet. Am 24. November 1669 stürzte sie wegen Baufälligkeit ein. Daraufhin wurde der Gottesdienst von Tenkitten in das nahegelegene Lochstädt verlegt, um fortan bis 1945 in der Kapelle der dortigen Burganlage gefeiert zu werden.

Bei der Burgkapelle LochstädtWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 34, Abb. 40 handelte es sich um einen einschiffigen gotischen Bau aus den Jahren 1290 bis 1300, der im Südflügel der Burganlage untergebracht war. Seine Gewölbe vermittelten durch die Einfügung von Dreiecksklappen vor der Ostwand den Eindruck eines polygonalen Raumabschlusses. In der angefügten Sakristei verwahrte man den Beichtstuhl aus der St.-Adalberts-Kirche. Da deren Altar nach Marienburg (heute polnisch: Malbork) verbracht worden war, wurde er in der Lochstädter Burgkapelle durch eine neuere Arbeit ersetzt. Ebenso waren die Kanzel, der Taufstein und die Orgel neu.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges blieb der halbhohe Südflügel mit der Sakristei sowie ein Westflügel erhalten. In den 1960er Jahren wurde die Burgreste abgerissen.

Marienaltar aus Tenkitten mini|Marienaltar aus Tenkitten Der Marienaltar aus Tenkitten im Samland zeigt Krönung der Mutter Gottes im mittleren Schrank sowie die Hl. Barbara und der Hl. Jacobus auf den Seitenflügeln. Dieser Altar von 1504 – vermutlich aus einer Nürnberger Werkstatt – war ein gemeinschaftliches Geschenk des Hochmeisters Friedrich von Meißen, des Lochstädter Pflegers von Reitzenstein und des Bernsteinmeisters Leo von Waiblingen an die Kirche in Tenkitten. Nach dem Einsturz der Kirche gelangte er kurzzeitig in die Burgkapelle von Lochstedt, wurde aber bald darauf verkauft. Es ist darauf zu schließen, dass auch Lochstedt immer ein Ort der Verehrung des Heiligen Adalbert gewesen ist. Später erwarb Herr von Blell–Tüngen den Altar und spendete ihn nebst vielen anderen Sammlerstücken der Marienburg. Heute ist er im Marienburger Museum zu besichtigen.

Kirchengemeinde Bereits in vorreformatorischer Zeit war Lochstädt ein KirchdorfWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 454, damals – ab 1422/24 – mit der St. Adalbertskirche in Tenkitten. Lochstädt gehörte jedoch zur Muttergemeinde der Kirche Alt Pillau (heute Stadtgebiet von Baltijsk). Nach Verlegung des Gottesdienstortes in die Burgkapelle Lochstädts wurde die Kirche Alt Pillau bis 1885 Filialgemeinde im Kirchspiel Lochstädt, danach war sie selbständig. Die Geistlichen der Pfarrei Lochstädt hatten weiterhin in Tenkitten (Beregowoje) ihren Wohnsitz. Bei der Volkszählung im Jahr 1925 gehörten 1092 Gemeindeglieder in acht Kirchspielorten zur Lochstädter Kirchengemeinde. Sie war bis 1945 dem Kirchenkreis Fischhausen (Primorsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union zugeordnet.

Kirchspielorte Zum Lochstädter Kirchspiel gehörten vor 1945 acht Kirchspielorte: Deutscher Name Russischer Name Damerau Stepnoje Gaffken Parusnoje Kalkstein Uspeschnoje Legehnen Popowka Lochstädt Pawlowo Neuhäuser Metschnikowo Osterau Ossetrowo Tenkitten Beregowoje

Pfarrer Von der Reformation bis 1945 amtierten in Lochstädt (mit Wohnsitz in Tenkitten) 26 evangelische GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 87:

NN., 1525 N. Brixius, bis 1580 Arnold Hecker, 1580–1602 Friedrich Reuß, ab 1602 Johann Wilhelm Rhodius, ab 1604 Georg Petersen, bis 1628 Friedrich Grünenberg, 1628–1630 Johann Thilo Joachim Settgast, bis 1656 Heinrich Vasoldt, 1656–1684 Johann Christoph Beyer, 1684–1698 Christoph Vasoldt, 1698–1729 Johann Jacob Vasoldt, 1729–1736 Friedrich von Schäwen, 1737–1762 Christian Wilhelm Brokowski, 1762–1791 Samuel Krackau, 1791–1798 Michael Theodor Nagel, 1799–1808 Carl Sigismund Kepper, 1808–1815 Johann Gottfried Schultz, 1815–1824 Carl G. Adolf Hoffmann, 1824–1839 Conrad Wilhelm Hübner, 1839–1881Hübner († 1881) war Angehöriger des Corps Littuania. Paul Theodor Schmidt, 1883–1887 Carl Robert Erdmann Heger, 1888–1906 Edmund Albert W. Johannes Pauly, 1906–1923 Hans Hermenau, 1923–1924 Walter Becker, 1925–1945

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarrei Lochstädt (bis 1885 auch der Kirche Alt Pillau) haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrtChrista Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, Seite 79: Taufen: 1663 bis 1944 Trauungen: 1684 bis 1944 Begräbnisse: 1684 bis 1944.

Zum Teil sind die Kirchenbücher mit Namensregistern versehen. Außerdem gibt es eine Chronik der Jahre 1768 bis 1791 sowie des Jahres 1807.

Bilder

Literatur Lochstädt, Gut, am Frischen Haff, mit einer evangelischen Pfarrkirche, einem Schloss und einer Molkerei, Kreis Fischhausen, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Lichtenhagen (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen, Band 1: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Samlandes. Bernhard Teichert, Königsberg 1898, S. 73–80 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen. Nipkow, Neidenburg 1890, S. 70–72 (Digitalisat).

Weblinks

Amtsbezirk Tenkitten (Territorial.de)

Einzelnachweise

Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Kirchengebäude in der Oblast Kaliningrad Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Russland Burgkapelle Lochstadt Lochstedt Lochstedt