Armored Systems Modernization (ASM) war ein Rüstungsprogramm der United States Army, das Mitte der 1980er begann und nach dem Ende des Kalten Krieges eingestellt wurde. Es stellt den ersten Versuch der Army dar, die Heereslogistik durch die Einführung eines gemeinsamen gepanzerten Fahrgestells zu vereinfachen. Durch eine Reihe von fortschrittlichen Technologien sollten die Anforderungen an zukünftige Gefechtsfahrzeuge berücksichtigt werden. Das Nachfolgeprogramm ist das Future Combat Systems.
Geschichte Die Anfänge Die Anfänge des ASM-Programms lagen in einer Reihe von Analysen und Studien der US-Armee, welche von 1979 bis 1985 andauerten. Der Fokus dieser Arbeiten lag darin, die vorhandenen Defizite bei Bodenkampfsystemen festzustellen, und Lösungsvorschläge zu entwickeln. Ein häufig aufgeworfener Vorschlag war, eine Familie von Fahrzeugen zu entwickeln, um größtmögliche Kommunalität zwischen den Fahrzeugen zu erreichen. Obwohl die Idee nicht neu war, wäre sie doch eine Abkehr von der traditionellen Beschaffungspolitik, welche ein spezielles Fahrzeug für einen speziellen Zweck vorsah. Diese Herausforderung wurde von den Spitzen der US-Armee lange als nicht machbar bewertet, allerdings bereitete der Armeeführung und ihren Logistikern die zunehmende Vergrößerung der Modellpalette sorgen: 1976 besaß die Armee noch fünf verschiedene Wannen, Fahrwerke und Ketten, drei verschiedene Motoren und vier unterschiedliche Getriebe. Für 1986 wurden bei gegenwärtiger Beschaffungspolitik 17 verschiedene Wannen, acht verschiedene Gleisketten, fünf unterschiedliche Motoren (mit 14 Antriebskonfigurationen) und acht Getriebe prognostiziert. Da jedes der Systeme immer komplexer wurde, sanken die Gemeinsamkeiten sukzessive ab. Die Entwicklung einer Panzerfamilie würde diesen Trend umkehren, und die Gefechtsfeldlogistik vereinfachen. Aus diesem Grund erlangte der Vorschlag, eine Familie von Fahrzeugen zu entwickeln, schließlich das Wohlwollen der US-Armeeführung. (PDF-Datei; 6,16 MB)
1985 stellte das Defense Science Board (DSB) eine Armor/Anti-Armor Study vor, welche die grundsätzliche Strategie bei der Entwicklung der Systeme vorgab. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die Fähigkeit der US-Armee, ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in konkrete Projekte einfließen zu lassen wesentlich schlechter als bei der Roten Armee war. Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten und der Kongress der Vereinigten Staaten wurden dafür verantwortlich gemacht. Die Studie kritisierte auch fehlende, zielgerichtete Arbeiten um Synergieeffekte zu nutzen. Zusätzlich wurde vorgeschlagen, eine proaktive Beschaffungspolitik anzustreben: Statt Waffensysteme zur Bekämpfung existierender Bedrohungen zu entwickeln, sollten diese zukünftig erwartete Feindbedrohungen bekämpfen können. Die Armor/Anti-Armor Study stützte die Idee einer Panzerfamilie und forderte die Verantwortlichen auf, das Projekt voranzutreiben. Gleichzeitig warnten auch verschiedene Bedrohungsanalysen, dass die qualitative Überlegenheit der NATO die quantitative Überlegenheit des Paktes in naher Zukunft nicht länger ausgleichen könne. Um die Bedrohungslage besser abschätzen zu können, wurden in diesem Zeitraum zukünftige sowjetische Kampfpanzer (Future Soviet Tank, FST) postuliert:
FST-1: Bezeichnete den T-80U und den T-72B, als Kampfwertsteigerung etablierter Modelle. FST-2: Kampfpanzer mit unbemanntem Turm und 2–3 Mann Besatzung in der Wanne, Blendlaser und immun gegen (zu diesem Zeitpunkt existierende) Panzerabwehrmunition der NATO. Die potentielle Bedrohung führte später zur Einführung des M1A1HA mit Uranpanzerung als Zwischenlösung. (PDF; 4,4 MB) FST-3: Das Fahrzeug sollte die existierenden Kampfpanzer wie den M1 Abrams deklassieren.Defense Daily: Armored modernization needed to counter future Soviet tanks, 26. April 1990 Zur Zerstörung des FST-3 wurde eine Kanone mit einer Mündungsenergie von 18 MJ als notwendig angesehen.Orgorkiewicz, R.M., Future Tank Guns, Part I: solid and liquid propellant guns, Janes International Defense Review, 12/1990, p. 1377
FST-1 und FST-2 wurden um 1990 erwartet. Als Gegenmaßnahme wurde eine Komplettmodernisierung der US-Armee empfohlen. Im Oktober 1985 stellte der Chief of Staff of the Army eine Armored Family of Vehicles Task Force (AFVTF) zusammen mit dem Auftrag, ein konkretes Konzept auszuarbeiten. Ziel war eine Reduzierung der Lebenszykluskosten der Fahrzeugflotte um 40 %. Das Projekt war in zwei Phasen eingeteilt. Die Erste erörterte grundsätzliche Fragen, zum Beispiel ob nur gemeinsame Komponenten, oder gleiche Wannen mit unterschiedlichen Türmen, oder Wannen mit spezifischen Missionsmodulen verwendet werden sollten. Die Zahl der Varianten sollte dabei so gering wie möglich sein. Ebenso wurden Technologien ausgewählt, welche in die Plattformen integriert werden sollten: Dazu zählten unter anderem eine modulare Bauweise, künstliche Intelligenz und Robotik, eine Freund-Feind-Erkennung, fortschrittliche Vetronics und Schutz vor Energiewaffen. Dabei wurden über 30 verschiedene Fahrzeuge vorgeschlagen, unter anderem 14 für die Assault Forces, 10 für die Assault Support Force und 5 für die Battle Support Force. Dafür sollten drei Fahrmodule (leicht, mittel und schwer) entwickelt werden, und mit einem versionsspezifischen Missionsmodul ausgerüstet werden. Um den Beschaffungsprozess zu beschleunigen, sollte auf die Prototypenphase verzichtet werden, und gleich mit der Serienproduktion begonnen werden. Dafür sollten Computermodelle und -simulationen hinzugezogen werden. Das Prinzip wurde auch beim Light Helicopter - Experimental (LHX) angewandt.
Vom September 1986 bis August 1987 wurde eine Aufforderung zur Angebotsabgabe ausgesandt, auf die sich vier Industriekonsortien bewarben: Armored Vehicle Technologies Associated (AVTA), Teledyne Continental Motors (TCM), General Motors Corporation (GMC), PACCAR und die AAI Corporation. AVTA (General Dynamics), Teledyne Continental Motors (TCM) und General Motors Corporation (GMC) gewannen schließlich die Ausschreibung.
Reduzierung der Plattformen mini|Konzepte der US-Armee für die schwere Plattform des ASM-Programms (1991) Bevor Phase II beginnen konnte, wurde das Projekt einem Review unterzogen. Gleichzeitig wurden neue Studien zum Konzept der AirLand Battle berücksichtigt, die im Oktober 1987 fertig waren, was zur Anpassung der Leistungsanforderungen an die einzelnen Fahrzeuge führte. Phase II begann schließlich im September 1987 und lief bis Februar 1989. Wegen der hohen Kosten, 28 Systeme gleichzeitig entwickeln zu müssen, einigte man sich auf eine evolutionäre Beschaffung der einzelnen Fahrzeuge. Im Dezember 1987 kam es schließlich zur ersten Budgetkürzung für das Programm. Im Februar 1988 kam es zu einem weiteren Review (das erste im November 1987 führte nur zu einer Verschiebung des Zeitplans), in dem die Einführung eines HI/LO (neu/alt) Mix beschlossen wurde. Die Anforderungen an eine leichte Plattform wurden fallen gelassen, und die Gesamtzahl der Fahrzeuge wurde reduziert. Zusammen sollten diese Maßnahmen die Kosten reduzieren. Im März 1988 traf die Force Modernization Strategy Working Group (FMSWG) zusammen, um die Prioritäten bei der Beschaffung festzulegen. Da die Einführung der mittleren Plattform später als 1994 erfolgen würde, wurde erwogen diese auf Basis des M2 Bradley zu verwirklichen. Die Prioritätenliste wurde jedoch schon im April mit dem dritten Review verworfen. Im Mai wurde schließlich folgende Liste an Fahrzeugen beschlossen:
HEAVY PROTECTION CHASSIS: CMV, LOS-AT, AFAS-C, FIFV, FACS MEDIUM PROTECTION CHASSIS: FARV-A&F, RAMS, NLOSS-AD/AT, FC2V, NBCRS
Neue Fahrzeuge sollten nur eingeführt werden, wenn sie eine spürbare Verbesserung der Fähigkeiten darstellten. Das FACS (Kampfpanzer) sollte aufgrund seiner Komplexität und der Wichtigkeit seines Wannendesigns als erstes beschafft werden. In der Zwischenzeit wurde an einer Kampfwertsteigerung des M1 Abrams auf die Version A3 gearbeitet, welche mit einem elektrothermisch-chemischen Geschütz oder einer Railgun ausgerüstet werden sollte, um zukünftigen Bedrohungen zu begegnen. Als absehbar war, dass dies auch in naher Zukunft ein Wunschtraum bleiben würde, wurde das Block-III-Upgrade des Abrams ausgesetzt. Da der M1A3 fast komplett neu entwickelt werden sollte, wurde der M1A3 zugunsten des FACS aufgegeben, was daraufhin auch als Block-III-Panzer bezeichnet wurde. Im Sommer 1988 wurde schließlich folgende Beschaffungspriorität vereinbart:
Package I: FACS, FIFV, LOS-AT, FC2V, CMV, FARV-A&F, MARS Package II: AFAS-C, FS/COLS, SV, MEV
Wie ersichtlich änderte sich die Zusammensetzung der Fahrzeuge im Monatstakt, lediglich der Kampfpanzer (FACS), der Schützenpanzer (FIFV), der Raketenjagdpanzer (LOS-AT), der Führungspanzer (FC2V), die Panzerhaubitze (AFAS-C) und der Munitionstransportpanzer (FARV-A&F) blieben Konstanten. Die Fahrzeuge des Package II sollten beschafft werden, sobald das Budget es zulassen würde. Da die M109 schon damals nicht mehr zeitgemäß war, wurde in einem weiteren Review das AFAS-C in das Package I aufgenommen. Im August wurde schließlich das neue Package I vorgestellt, welches nach dem Review im September 1988 wie folgt aussah:
HEAVY PROTECTION CHASSIS: FACS, AFAS-C, FIFV, CMV MEDIUM PROTECTION CHASSIS: LOS-AT, FARV-A
Das Armored Family of Vehicles Programm wurde daraufhin in Heavy Force Modernization Program (HFM) umbenannt. Der Secretary of the Army bestätigte das Package I im März 1989. Im Februar 1990 wurde der Name in Armored Systems Modernization Programm (ASM) abgeändert.
Versuchsträger und Technologien
Bereits im August 1982 startete das US Army Tank-Automotive Command (TACOM) die Entwicklung des Advanced Integrated Propulsion System (AIPS), um ein neues Antriebssystem für zukünftige Kampfpanzer zu schaffen. Dabei sollte dieselbe Antriebsleistung wie bei der Kombination von AGT1500-Gasturbine und X1100-3B-Getriebe zur Verfügung stehen, allerdings mit wesentlich kompakteren Abmessungen. Es wurde die Option eines Diesel- (AIPS-D) und eines Turbinenantriebs (AIPS-T) untersucht.
Gleichzeitig startete die US Army Entwicklungsprogramme für das Waffensystem Kampfpanzer, welche zu den TTB (Tank Test Bed) und CATTB (Component Advanced Technology Test Bed) Prototypen führten. Das TTB von 1985 bestand aus einer überarbeiteten Wanne des Kampfpanzers M1 Abrams. Der Turm wurde entfernt, und durch ein neues, unbemanntes Modell mit Ladeautomat und Magazin im Turmkorb ersetzt. Die Waffenanlage M256 im Kaliber 120 mm wurde beibehalten. Im Wannenbug saßen die drei Besatzungsmitglieder (Fahrer, Kommandant, Schütze) nebeneinander in einem abgetrennten Kompaktkampfraum. Die Wannenfrontpanzerung wurde stark aufgedickt, um die Beschussfestigkeit zu verbessern.
Das Component Advanced Technology Test Bed (CATTB) wurde von 1987 bis 1988 genutzt und sollte einen Teil der Technologien erproben, welche im Block-III-Kampfpanzer verbaut werden sollten. Gleichzeitig sollte damit eine Kampfwertsteigerung für den M1 Abrams aufgezeigt werden. Dazu wurde das dieselgetriebene Advanced Integrated Propulsion System (AIPS-D) in die Wanne integriert, und zusätzliche Staubschürzen an den Seitenschürzen befestigt. Die Turmfront, -seiten und -dachpanzerung wurde massiv verstärkt, und die XM291 140-mm-Pulverkanone mit dem XM91 Ladeautomat in den Turm eingebaut. Ein besseres Feuerleitsystem war angedacht, konnte aber nicht im Rahmen des Budgets verwirklicht werden.