Der Große Preis von Brasilien 1984 (offiziell XIII Grande Prêmio Brasil de Fórmula 1) fand am 25. März auf dem Jacarepaguá Circuit in Rio de Janeiro statt und war das erste Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft 1984.

Berichte Hintergrund Da das in der Saison 1983 von den meisten Teams praktizierte Nachtanken während der Rennen von den Verantwortlichen als zu gefährlich angesehen wurde, erließ man vor der neuen Saison ein entsprechendes Verbot. Zudem wurde die maximale Kraftstoffmenge der Wagen auf 220 Liter pro Rennen begrenzt, was insbesondere die mittlerweile in der Überzahl vorhandenen Teams mit verbrauchsintensiven Turbomotoren vor Probleme stellte.Kampf am Limit. Die Formel 1 Chronik 1950–2000, hrsg. v. Willy Knupp, RTL Buchedition: Zeitgeist Verlag: Düsseldorf/Gütersloh 2000, ISBN 3-89748-277-0, S. 242

Die Teams Williams, Lotus, ATS und Arrows behielten jeweils die Fahrerbesetzungen bei, mit denen sie die Saison 1983 abgeschlossen hatten.

John Watson, der Ende 1983 darauf spekuliert hatte, dass alle namhaften Fahrer vertraglich fest gebunden seien, forderte von McLaren-Teamchef Ron Dennis eine Gehaltserhöhung, womit dieser nicht einverstanden war. Als Renault überraschend die Trennung von Alain Prost bekanntgab, wurde schließlich dieser anstelle von Watson unter Vertrag genommen, der daraufhin kein Cockpit für die Saison 1984 erhielt. Auch der zweite Renault-Stammfahrer des Vorjahres, Eddie Cheever, hatte Renault verlassen und wurde neuer Teamkollege von Riccardo Patrese bei Alfa Romeo, wo man neben dem ehemaligen Brabham-Piloten auch Benetton, den bisherigen Hauptsponsor von Tyrrell, unter Vertrag genommen hatte. Patrick Tambay und Derek Warwick wurden daraufhin die neuen Renault-Stammfahrer.

Tambays ehemaligen Platz an der Seite von René Arnoux bei Ferrari nahm Michele Alboreto ein. Dessen bisheriges Team Tyrrell stellte sich daraufhin mit den beiden Debütanten Stefan Bellof und Martin Brundle komplett neu auf. Nachdem neben Warwick auch Bruno Giacomelli Toleman verlassen hatte, benötigte auch dieses Team zwei neue Fahrer. Man entschied sich für Johnny Cecotto und den Formel-1-Neuling Ayrton Senna.

Ligier trat fortan mit Turbomotoren von Renault an. Zudem wurde ein neuer Hauptsponsor sowie die beiden Fahrer Andrea de Cesaris und François Hesnault engagiert. RAM Racing vollzog ebenfalls einen Wechsel des Motorenlieferanten. Man entschied sich für Vierzylinder-Turbomotoren von Hart. Als Fahrer wurden Jonathan Palmer und der Neuling Philippe Alliot unter Vertrag genommen. Teo Fabi wurde neuer Teamkollege des amtierenden Weltmeisters Nelson Piquet bei Brabham.

Lediglich Tyrrell, Williams, Arrows und Toleman bestritten den Saisonauftakt ausschließlich mit Vorjahresfahrzeugen, wobei der Williams FW09 erst beim Saisonfinale 1983 zum Einsatz gekommen war und somit eine relativ neue Konstruktion darstellte.

Marc Surer bestritt seinen 50. Grand Prix.

Mit Arnoux, Niki Lauda, Jacques Laffite, Piquet und Prost (jeweils einmal) traten fünf ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.

Training Elio de Angelis qualifizierte sich im neuen Lotus 95T für die Pole-Position vor Alboreto im Ferrari 126C4. Warwick und Prost belegten die zweite Startreihe vor Nigel Mansell und Lauda.

Manfred Winkelhock wurde disqualifiziert, da Mechaniker seinen Wagen unerlaubterweise in die Box geschoben hatten, nachdem er während des Qualifikationstrainings auf der Strecke liegen geblieben war.

Rennen Aufgrund eines Stromausfalls musste der erste Startversuch abgebrochen werden. Der zweite Versuch gelang ebenfalls nicht, da de Cesaris aufgrund eines defekten Schaltgestänges die Strecke blockierte. Erst der dritte Versuch war erfolgreich, wobei de Cesaris mit einem T-Car aus der Boxengasse startete.

Da de Angelis und Prost kein guter Start gelang, lag Alboreto nach der ersten Runde vor Warwick, Mansell und Lauda in Führung. Piquet würgte seinen Motor ab und musste daher dem Feld hinterhereilen.

Lauda überholte nacheinander mehrere Kontrahenten, wobei sich sein Wagen und der von Warwick leicht berührten. In der zwölften Runde übernahm der Österreicher die Führung vor Warwick, Mansell, Tambay und Prost, wobei er von einem Dreher Alboretos profitierte. Ab der 24. Runde ergänzte Prost Laudas Führung zu einer McLaren-Doppelspitze. Dabei blieb es bis zu den Boxenstopps, bei denen aufgrund des Tankverbots lediglich die Reifen gewechselt wurden. Lauda schied während seines Stopps aufgrund eines Elektrikproblems aus. Prosts Stopp verlief ebenfalls nicht problemlos, sodass Warwick die Führung übernahm.

In der 51. Runde drehte sich Warwick ins Aus, da eine Radaufhängung brach. Es handelte sich dabei um eine Spätfolge der leichten Kollision mit Lauda zu Beginn des Rennens. Tambay, der zu diesem Zeitpunkt auf dem zweiten Rang lag, musste kraftstoffsparend fahren und nahm dafür in Kauf, von Keke Rosberg überholt zu werden. Trotzdem blieb er zwei Runden vor dem Ende des Rennens mit leerem Tank liegen. Somit siegte Prost vor Rosberg und de Angelis. Cheever und Brundle belegten die Plätze vier und fünf. Tambay wurde aufgrund seiner zurückgelegten Distanz als Sechster gewertet.

Als das Tyrrell-Team gegen Ende der Saison von der Weltmeisterschaft ausgeschlossen wurde, rückten alle Piloten, die nach Brundle das Ziel erreicht hatten, um einen Platz auf. Somit erhielt nachträglich Thierry Boutsen einen WM-Punkt.

Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 Brabham BT53 BMW M12/13 1.5 L4t 2 3 Tyrrell 012 Ford Cosworth DFY 3.0 V8 4 5 Williams FW09 Honda RA163-E 1.5 V6t 6 7 McLaren MP4/2 TAG/Porsche TTE PO1 1.5 V6t 8 9 RAM 02 Hart 415T 1.5 L4t 10 RAM 01 11 Lotus 95T Renault EF4 1.5 V6t 12 14 ATS D7 BMW M12/13 1.5 L4t 15 Renault RE50 Renault EF4 1.5 V6t 16 17 Arrows A6 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 18 19 Toleman TG183B Hart 415T 1.5 L4t 20 21 Spirit 101B 22 Alfa Romeo 184T Alfa Romeo 890T 1.5 V8t 23 24 Osella FA1F 25 Ligier JS23 Renault EF4 1.5 V6t 26 27 Ferrari 126C4 Ferrari 031 1.5 V6t 28

Klassifikationen Qualifying Pos. Fahrer Konstrukteur Qualifikationstraining 1 Qualifikationstraining 2 Start Zeit Ø-Geschwindigkeit Zeit Ø-Geschwindigkeit 1 1:29,625 202,082 km/h 1:28,392 204,901 km/h 1 2 1:29,950 201,352 km/h 1:28,898 203,735 km/h 2 3 1:30,945 199,149 km/h 1:29,025 203,444 km/h 3 4 1:29,823 201,637 km/h 1:29,330 202,749 km/h 4 5 1:29,364 202,672 km/h 1:30,182 200,834 km/h 5 6 1:29,951 201,350 km/h 1:29,854 201,567 km/h 6 7 1:31,068 198,880 km/h 1:30,149 200,907 km/h 7 8 1:30,719 199,645 km/h 1:30,554 200,009 km/h 8 9 1:31,778 197,341 km/h 1:30,611 199,883 km/h 9 10 1:30,832 199,397 km/h 1:30,695 199,698 km/h 10 11 1:30,973 199,088 km/h 1:31,679 197,555 km/h 11 12 1:33,115 194,508 km/h 1:31,282 198,414 km/h 12 13 1:32,032 196,797 km/h 1:31,548 197,837 km/h 13 14 1:34,622 191,410 km/h 1:32,895 194,969 km/h 14 DSQ Winkelhock wurde disqualifiziert, da er unerlaubter Weise von seinen Mechanikern in die Boxengasse geschoben wurde. 1:35,395 189,859 km/h 1:32,997 194,755 km/h – 16 1:33,951 192,777 km/h 1:33,277 194,170 km/h 15 17 1:36,867 186,974 km/h 1:33,525 193,655 km/h 16 18 1:35,980 188,702 km/h 1:35,300 190,048 km/h 17 19 1:36,081 188,503 km/h 1:36,191 188,288 km/h 18 20 1:36,257 188,159 km/h 1:36,238 188,196 km/h 19 21 1:36,737 187,225 km/h 1:36,312 188,051 km/h 20 22 1:40,431 180,339 km/h 1:36,434 187,813 km/h 21 23 1:36,957 186,800 km/h 1:36,609 187,473 km/h 22 24 1:36,816 187,072 km/h 1:39,873 181,346 km/h 23 25 1:37,204 186,326 km/h 1:37,348 186,050 km/h 24 26 1:38,124 184,579 km/h 1:37,709 185,363 km/h 25 27 1:39,840 181,406 km/h 1:37,919 184,965 km/h 26 Anmerkungen

Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 61 1 1:42:34,492 4 1:36,499 (42.) 2 61 1 + 40,514 9 1:38,506 (51.) 3 61 1 + 59,128 1 1:38,180 (36.) 4 60 1 + 1 Runde 12 1:39,125 (39.) 5 59 1 DNF 8 1:37,211 (30.) 6 59 0 + 2 Runden 20 1:43,247 (18.) 7 59 0 + 2 Runden 24 1:43,960 (4.) 8 58 0 + 3 Runden 26 1:39,494 (11.) – 51 1 DNF 3 1:36,556 (47.) – 42 1 DNF 14 1:40,673 (23.) – 41 1 DNF 11 1:39,919 (35.) – 38 0 DNF 6 1:38,389 (7.) – 35 1 DNF 5 1:38,796 (33.) – 32 1 DNF 7 1:40,003 (6.) – 32 1 DNF 15 1:39,953 (25.) – 30 0 DNF 10 1:40,273 (6.) – 28 1 DNF 21 1:43,878 (20.) – 25 0 DNF 19 1:42,998 (4.) – 24 0 DNF 25 1:44,934 (14.) – 18 0 DNF 17 1:42,880 (11.) – 15 0 DNF 13 1:41,096 (5.) – 14 0 DNF 2 1:38,530 (3.) – 12 0 DNF 23 1:46,380 (9.) – 7 0 DNF 16 1:42,286 (6.) DSQ Aufgrund von Verstößen gegen das Reglement wurden das Team Tyrrell sowie die Fahrer Brundle und Bellof im September 1984 rückwirkend für die gesamte Saison 1984 disqualifiziert. Zudem wurde dem Team die Teilnahme an den letzten drei Rennen des Jahres untersagt. 60 1 + 1 Runde 18 1:40,804 (60.) DSQ 11 0 DNF 22 1:41,676 (6.) Anmerkungen

WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e). In der Fahrerwertung wurden die besten elf Resultate, in der Konstrukteurswertung alle Resultate gewertet.

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 McLaren-TAG-Porsche 92Williams-Honda 63Lotus-Renault 4 4Alfa Romeo 35Renault 26Arrows-Ford 17Arrows-Ford 08RAM-Hart 0–Renault 0–Ligier-Renault 0–Alfa Romeo 0–McLaren-TAG-Porsche 0–Lotus-Renault 0 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte–Brabham-BMW 0–Brabham-BMW 0–Ferrari 0–Osella-Alfa Romeo 0–Ligier-Renault 0–RAM-Hart 0–Toleman-Hart 0–Williams-Honda 0–Ferrari 0–Spirit Hart 0–Toleman-Hart 0DSQTyrrell-Ford 2DSQTyrrell-Ford 0

Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 92 63 4 4 35 26 17 0 Pos. Konstrukteur Punkte– 0– 0– 0– 0– 0– 0DSQTyrrell wurde im September 1984 wegen Reglementverstoßes aus der Weltmeisterschaft ausgeschlossen; Auslöser waren verbotene Wassertanks, die nach jedem Grand Prix befüllt wurden und auf diese Weise für ein Untergewicht während der Rennen sorgten. 2 Anmerkungen

Einzelnachweise

Weblinks Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1

#1984 Brasilien Kategorie:Sportveranstaltung in Rio de Janeiro Kategorie:Autódromo Internacional Nelson Piquet