The Roaring Silence ist das siebte Album der britischen Rockband Manfred Mann’s Earth Band. Es wurde 1976 von Bronze Records veröffentlicht.

Das Album Nach dem Album Nightingales & Bombers verließ der Gitarrist und Sänger Mick Rogers die Band, als Background-Sänger ist er auf diesem Album noch einmal dabei. Für ihn kamen Dave Flett an der Gitarre und Chris Thompson als Sänger. Wie das Vorgängeralbum beginnt The Roaring Silence mit einer Coverversion aus Bruce Springsteens Greetings from Asbury Park, N.J., hier Blinded by the Light. Mick Rogers hatte vor seinem Ausstieg bereits mit der Arbeit an dem Stück begonnen.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 147. Chris Thompson kannte Springsteens Fassung nach eigener Aussage nicht. Mann gab ihm nur den Text und sang ihm vor, wie dieser zu den neuen Akkorden passen sollte, die nicht mehr Springsteens waren.Walter Sehrer: Manfred Mann’s Earth Band: Blendendes Licht & tosende Stille. In: eclipsed, Nr. 284, Oktober 2026, S. 48. Nach Manns Erinnerung war die Aufnahme ungewöhnlich schwierig. Eine erste, deutlich kompliziertere Albumfassung begann mit Celli, und der Refrain setzte erst später ein. Die Arbeit habe darin bestanden, das „Magische“ des Stücks herauszufiltern und zu seinem Kern zu machen.Olaf Neumann: Der Mann, der Springsteen aus dem Schlaf riss. Interview mit Manfred Mann. In: eclipsed, Nr. 284, Oktober 2026, S. 49. Auch das zweite Stück Singing the Dolphin Through ist eine Coverversion, im Original von Mike Herons Album Reputation.Bob Edmands: Besprechung von The Roaring Silence. In: New Musical Express. 18. September 1976, S. 28. In der Fassung der Earth Band ist Barbara Thompson (nicht mit Chris Thompson verwandt) als Gastmusikerin mit einem Saxophonsolo in der Ausleitung zu hören. Das von Manfred Manns Moog-Spiel dominierte Instrumentalstück Waiter, There’s a Yawn in My Ear wurde live aufgenommen und nachträglich bearbeitet.Anmerkung auf dem LP-Cover Nach Chris Thompsons Erinnerung wollte Mann ein Instrumentalstück haben, um die Konzerte zu eröffnen. Es geht auf das Thema Fish aus der Zeit von Manfred Mann Chapter Three zurück und stand bereits bei den ersten Konzerten mit Thompson und Flett im Herbst 1975 auf dem Programm.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 148.

The Road to Babylon beginnt mit Chorgesang und erinnert auch mit seiner erhabenen Stimmung an Father of Day, Father of Night vom Album Solar Fire. Es basiert auf dem Kanon By the Waters of Babylon (deutsch auch Friedenskanon: Nach dieser Erde), dessen Ursprünge auf Philip Hayes (1738–1797) zurückgeführt werden und dessen Originaltext aus dem Psalm 137 stammt.Michael Köhler: Manfred Mann’s Earth Band: The Roaring Silence (50th Anniversary Edition). In: Classic Rock, Oktober 2026, S. 97. Das melodische Intro ist nach Darstellung von Michael Köhler in Classic Rock an Don McLeans Babylon angelehnt. Chris Thompson fand das Stück damals etwas zu „bombastisch“, schätzt es inzwischen aber sehr. Das Thema von Starbird ist dem Finale der Orchestersuite zum Ballett Der Feuervogel von Igor Strawinsky entlehnt; es wird fast notengetreu übernommen, aber rhythmisch versetzt und verfremdet. Das Album endet mit der ruhigen Ballade Questions, bei der der als Komponist genannte Chris Slade auf ein Klavierstück von Franz Schubert aus dem Jahr 1827 zurückgriff (Impromptu op. 90 Nr. 3 in Ges-Dur, D 899).Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 151. Thompson hätte die Ballade, sein Lieblingsstück, gern live gesungen. Mann hielt sie jedoch für zu langsam, und Thompson konnte ihn nach eigenen Worten nie davon überzeugen, sie ins Konzertprogramm aufzunehmen.

Mit Chris Thompson als Sänger hat die Earth Band Spirits in the Night aus dem Album Nightingales & Bombers noch einmal aufgenommen. Diese Version wurde 1977 als Single veröffentlicht und ebenso auf die 1977er Versionen der US-Albumpressungen übernommen, die im Vergleich zur 1976er Version am blau eingefärbten Cover zu erkennen sind. Sie befindet sich ebenfalls auf der 1998er CD-Veröffentlichung von The Roaring Silence als Bonus-Titel.

Zum 50. Jahrestag erschien 2026 bei Creature Music eine Jubiläumsausgabe mit zwei CDs. Das 104-seitige Beiheft mit einem Vorwort von Manfred Mann enthält unter anderem Aussagen der beteiligten Musiker, eine Tourneechronik und zeitgenössische Presseartikel. Die Bonus-CD umfasst drei Livemitschnitte von 1976 und vier von 2025, darunter Captain Bobby Stout aus beiden Jahren, sowie drei neue Studiotitel: Coverversionen von Melissa Etheridges Stronger Than Me und Leonard Cohens Bird on the Wire und das von Manns Moog-Soli geprägte Solos Compilation, Part 1. Zu hören ist dort auch der heutige Sänger Robert Hart.Walter Sehrer: Manfred Mann’s Earth Band: The Roaring Silence (50th Anniversary Edition). In: eclipsed, Nr. 284, Oktober 2026, S. 93. Die neuen Titel hatte Mann nach eigener Aussage aus Anlass des Jubiläums fertiggestellt. Gegenüber Classic Rock sprach er von Aufnahmen aus den letzten Jahren, die er für hörenswert hielt. Stronger Than Me habe er schon seit Jahren aufnehmen wollen, und die Band spiele es live, wenn auch anders als auf der Aufnahme. Bird on the Wire habe er in einen 4/4-Takt umgeschrieben.Steffen Rüth: Manfred Mann’s Earth Band: „Würde ich aufhören, würde etwas in mir sterben“. Interview mit Manfred Mann. In: Classic Rock, Oktober 2026, S. 48–49. Walter Sehrer fand die Stücke in eclipsed „nett, doch zu kommerziell gestrickt“ und bedauerte, dass die Fassung von Spirits in the Night mit Chris Thompson fehlt. Die eigentliche Fundgrube seien die Livemitschnitte.

Titel und Covergestaltung Chris Thompson vermutete rückblickend, die Idee zum Albumtitel sei von Chris Slade gekommen, der „immer der Guru in der Band“ gewesen sei. Die Verbindung zweier Wörter, die normalerweise nicht zusammenpassen, habe Manfred Manns Humor angesprochen und zum Stil der Band gepasst, der „ein bisschen kosmisch und abseits vom Mainstream-Rock“ gewesen sei.Walter Sehrer: Manfred Mann’s Earth Band: Blendendes Licht & tosende Stille. In: eclipsed, Nr. 284, Oktober 2026, S. 47.

Das zentrale Motiv des Covers ist ein überdimensionales menschliches Ohr, das in einem hautfarbenen Ton gehalten ist. Das Besondere an diesem Ohr ist, dass sich im Gehörgang ein schreiender Mund befindet, der laut zu schreien scheint. Der Albumtitel ist in großen, markanten Buchstaben oben über die gesamte Breite in Großbuchstaben auf dem Cover platziert. Die Buchstaben scheinen in die Oberfläche des Covers eingraviert zu sein, wodurch ein plastischer Effekt entsteht. Rechts oben befindet sich das bekannte Bandlogo, ebenfalls in die Oberfläche eingraviert und im gleichen hautfarbenen Ton gehalten.

Surreale Motive statt Bandfotos hatten bei der Earth Band bereits Tradition. Nach Darstellung von eclipsed setzt das Cover das Instrumentalstück Waiter, There’s a Yawn in My Ear ins Bild, dessen Titel nach Thompsons Worten „natürlich zum Albumcover“ passte.

Rezeption The Roaring Silence war das international kommerziell erfolgreichste Album der Earth Band und brachte ihr den Durchbruch. Nur in Deutschland hielt sich der Nachfolger Watch länger in den Charts.

In einer zeitgenössischen Besprechung im New Musical Express nannte Bob Edmands die Bearbeitung von Blinded by the Light ein geniales Arrangement, das dank Manfred Manns Keyboardspiel und Chris Thompsons Gesang das Original übertreffe. Zugleich bezweifelte er, ob das Stück über seine sieben Minuten trage, da es in der Mitte durchhänge und auch Dave Fletts Gitarrensolo es nicht ganz auffange. Die Fassung von Singing the Dolphin Through lobte er als überwältigend und hob das Saxophonsolo von Barbara Thompson hervor. Die zweite Seite mit den Eigenkompositionen der Band schnitt bei ihm schwächer ab. Sein Fazit lautete, Manfred Mann punkte weiterhin vor allem als Interpret fremden Materials.

Mike DeGagne schrieb auf AllMusic, The Roaring Silence aale sich „in verhüllter Poesie, kryptisch, aber gleichzeitig faszinierend, nah an der Komplexität des Progressive Rock, doch weit weg von dessen Wichtigtuerei“. Er hielt das Album „sowohl kommerziell als auch künstlerisch für die beste Leistung der Band“ und vergab vier von fünf möglichen Sternen.

Die Redaktion der Zeitschrift eclipsed beschrieb das Album 2013 in ihrem Buch Rock – Das Gesamtwerk der größten Rock-Acts im Check als perfekte Mischung aus dem Prog-Album Solar Fire und dem 1978 erschienenen, stärker vom Pop geprägten Watch. Sie vergab die höchste Kategorie „Kaufrausch“ und setzte es in der Rangfolge aller Alben von Manfred Mann’s Earth Band auf Platz 3.

Zum 50. Jahrestag ordnete Michael Köhler The Roaring Silence in Classic Rock als ersten Verkaufsbestseller der Band ein. Das Quintett habe am bisherigen Konzept der Earth Band festgehalten: „Popanklänge und Instrumentalpassagen gemixt mit gemäßigtem Progrock, gelegentlich angejazzt oder verfolkt“. Der Jubiläumsausgabe gab er neun von zehn Punkten.

Titelliste Seite 1 Blinded by the Light (Bruce Springsteen) – 7:08 Singing the Dolphin Through (Mike Heron) – 8:19 Waiter, There’s a Yawn in My Ear (Manfred Mann) – 5:39

Seite 2 The Road to Babylon (Manfred Mann, Peter Thomas, Colin Pattenden) – 6:53 This Side of Paradise (Manfred Mann, Peter Thomas, Colin Pattenden) – 4:47 Starbird (Manfred Mann, Chris Slade) – 3:09 Questions (Manfred Mann, Chris Slade) – 4:00

Auf der CD-Veröffentlichung von 1998 sind zusätzlich noch enthalten: Spirits in the Night – 3:15 (Bruce Springsteen, Neuaufnahme mit Chris Thompson als Sänger) Blinded by the Light – 3:49 (Single-Version)

Weitere Musiker Gesang: Suzanne Lynch, Doreen & Ireen Chanter, Mick Rogers Saxophon: Barbara Thompson

Kommerzieller Erfolg Chartplatzierungen Es erreichte in den britischen und den US-Charts jeweils Platz 10 und in Deutschland Platz 26. Die ausgekoppelte Single Blinded by the Light kam auf Platz 1 der US-Single-Charts.

Auszeichnungen für Musikverkäufe

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Album 1976 Kategorie:Album (Progressive Rock) Kategorie:Manfred-Mann’s-Earth-Band-Album