The Course of Empire () ist ein 1836 fertiggestellter fünfteiliger Gemäldezyklus des US-amerikanischen Landschaftsmalers Thomas Cole, des bedeutendsten Vertreters der Hudson River School. Die Bilder folgen einem klaren dramatischen Narrativ und schildern in leicht unterschiedlichen Landschaftsausschnitten – Wiedererkennungsmerkmal ist jeweils eine markante Klippe im Hintergrund – die Entwicklung einer Zivilisation von der Barbarei über ihre Blütezeit bis zur gewaltsamen Auflösung und dem damit einhergehenden Untergang und spielen auf die biologische Natur der GeschichteMary Jane Sobinski-Smith: (PDF; 60 kB). Aufsatz von 2005, S. 4. Abgerufen am 28. Dezember 2012 (also die Vergänglichkeit ihrer Epochen) an. Ausgestattet mit einer überbordenden allegorischen Symbolik zeigt der Zyklus, der – dem jeweiligen Stand der Sonne zu entnehmen – einen Tag durchläuft, die sich verändernde Beziehung des Menschen unter anderem zur Natur und zum Militär.
Inspiration für dieses Werk zog Cole vor allem aus einer dreijährigen Reise durch Europa, auf der er sowohl zahllose Gemälde anderer Romantiker in Museen sah als auch den künstlerischen Austausch pflegte und in Italien römische Ruinen besuchte. Insbesondere diese Zeugnisse vergangener Kulturen faszinierten ihn und beeinflussten seine spätere Arbeit, speziell The Course of Empire, dahingehend, dass er darstellen wollte, dass jedes Imperium, ganz gleich wie machtvoll es ist, eines Tages verblassen und zerfallen wird. Zugleich verdeutlicht der Zyklus Coles Angst vor dem wachsenden Fortschrittswahn der US-Amerikaner zulasten der Natur und reflektiert vorherrschende religiöse, künstlerische, wissenschaftliche und soziopolitische Ideen innerhalb der US-amerikanischen Kultur der 1830er Jahre.
Der Titel der Gemäldeserie entstammt dem im 19. Jahrhundert sehr bekannten Gedicht Verses on the Prospect of Planting Arts and Learning in America, das George Berkeley 1726 verfasst hatte. Es spielt auf fünf Stadien der Zivilisation an. Die letzte Strophe beginnt mit der Zeile „Westward the course of empire takes its way“ und prophezeit, dass das kommende Imperium in Amerika entstehen werde.
Der Zyklus
I The Savage State
Eröffnet wird der Zyklus mit dem Gemälde The Savage State (de.: Der wilde/primitive/unzivilisierte Zustand), das den Blick auf eine wildwuchernde, urwüchsige Naturlandschaft freigibt. Cole führt hier zwei wichtige Fixpunkte ein: Zum einen den Fluss, der in der rechten Bildhälfte nach links in Richtung einer Meeresbucht strömt, und zum anderen eine zentral angeordnete, markante hohe Klippe an deren rechtem Ufer im Hintergrund. Auf ihr ruht ein weithin sichtbarer Felsbrocken, der wesentlich für den Wiedererkennungswert dieser Formation verantwortlich ist. Im Verlauf der folgenden Bilder wird Cole den Standpunkt des Betrachters stets weiter flussabwärts verlagern, die Darstellung der Klippe zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch den Zyklus. Es handelt sich bei dem Bild offensichtlich um eine morgendliche Momentaufnahme, da über dem Meer die Sonne aufgeht, während landseits die Wolken eines schweren Unwetters langsam abziehen. Von See aus wabern einige Nebelschwaden die Hügel am Ufer hinauf. Der Künstler selbst betonte in einem Brief an seinen Auftraggeber Luman Reed bezüglich seiner Idee des Bildes: „There must be a flashing chiaroscuro, and the spirit of motion pervading the scene, as though nature was just springing from chaos.“Erläuterung Coles gegenüber Luman Reed am 18. September 1833; zitiert in: Louis Legrand Noble: The Life and Works of Thomas Cole. Black Dome Press, Hensonville 1997, S. 129–130 „Es muss ein aufleuchtendes Chiaroscuro geben, ebenso wie den Geist der Bewegung, der die Szenerie durchzieht, als ob die Natur just dem Chaos entsteigt.“ Die gesamte untere Hälfte des Bildes ist sehr dunkel gehalten und speziell im Vordergrund werfen felsige und überwucherte Vorsprünge drohende Schatten, die den Eindruck einer ungebändigten und möglicherweise auch gefährlichen, zumindest aber unheimlichen und noch nicht gänzlich erschlossenen Natur verstärken. Das Gemälde zeigt die Anfänge einer Zivilisation, die ihren Ursprung möglicherweise in jener Ansiedlung spitzer Wigwams auf der offenbar durch Rodung entstandenen Lichtung auf einem Plateau am rechten Flussufer – zu sehen am rechten Bildrand – hat. Einige Kanus im Fluss deuten darauf hin, dass die Bewohner bereits die Kunst des – wenn auch primitiven – Schiffbaus beherrschen und somit möglicherweise einen größeren Transport- und Bewegungsradius haben. In der linken Bildhälfte sticht zu Füßen der Baumgruppe ein in Felle gekleideter Jäger mit Pfeil und Bogen hervor, der einen fliehenden Hirsch jagt und bereits einmal getroffen hat. Das Tier springt gerade über den Bachlauf am unteren Rand und läuft auf ein Pentimento zu – eine durch die Ölfarbe schimmernde Spur einer darunter liegenden Schicht. Ursprünglich hatte Cole dort einen weiteren Jäger mit Pfeil und Bogen platziert, diesen dann aber übermalt. Der Alterungsprozess der Farbpigmente macht diese Korrektur nun sichtbar. Abgesehen vom Einzelgänger malte Cole auch eine aus mindestens vier Männern bestehende Jägertruppe, die möglicherweise zeigen soll, dass das Volk über ein ausgeprägtes Sozialverhalten verfügt und auch effektiv zusammenarbeiten kann. Ziel dieser auf einem Felsvorsprung etwas links der Bildmitte befindlichen Gruppe ist ebenfalls ein Hirsch, der in einiger Entfernung in der rechten unteren Ecke von mehreren Jagdhunden auf einer über dem Fluss aufragenden Klippe gestellt wurde. Die zugehörige Hirschkuh kann entkommen.
Die düstere Grundstimmung des Bildes vermittelt den Eindruck, dass ein Überleben in der Wildnis noch nicht als selbstverständlich angesehen werden kann und die Menschen ihr stets mühsam das Notwendigste für die eigene Existenz abringen müssen. Gleichzeitig deuteten der in warmen Farben gemalte Sonnenaufgang und die sich langsam zurückziehenden Gewitterwolken symbolhaft auf eine erfolgreiche Zukunft des Volkes hin.
II The Arcadian or Pastoral State
Das zweite Gemälde trägt den Titel The Arcadian or Pastoral State (de.: Der arkadische oder ländliche Zustand) und zeigt ein gänzlich anderes, sehr viel weiterentwickeltes Zivilisationsbild. Der Standort des Betrachters ist weiter flussabwärts verlagert worden und befindet sich nun am linksseitigen Ufer des Stroms, unmittelbar vor dessen Mündung – ersichtlich wird dies unter anderem an der Klippe mit dem Felsbrocken, die sich in der linken Hälfte des Bildes am rechten Flussufer erhebt.
Dominiert wird das Gemälde von einem sich im Hintergrund in einiger Entfernung erhebenden Berg mit gespaltenem Gipfel, der über den spätvormittaglichen Dunst des Frühlings- oder Frühsommertages hinaus in den aufgeklarten, blauen Himmel ragt. Die Wildnis ist bis auf wenige Ausnahmen einer kultivierten Landschaft gewichen und sämtliche dargestellten Tiere sind als Nutz- oder Haustiere offensichtlich domestiziert. So ist beispielsweise in der Bildmitte eine Herde Schafe erkennbar, während am linken Rand ein Ochse vor einen Pflug gespannt ist. Lediglich die linke untere Ecke wirkt noch ein wenig in ihrer Ursprünglichkeit belassen. Der dort auf einem Baumstamm sitzende alte Mann mit weißem Vollbart, der mit einem Stock allem Anschein nach ein geometrisches Problem im Sand skizziert, kann als verknüpfendes Element mit dem ersten Gemälde – also als letzter Zeuge der vergangenen Zeit – gewertet werden. Auf einem Felsvorsprung über dem Wasser – relativ in der Bildmitte – steht ein aus Megalithen errichteter Tempel. Aus dessen Innerem steigt Rauch auf, der mutmaßlich auf dort dargebrachte Opfergaben hindeutet. Die Darstellungen von tanzenden Kindern auf der Wiese am rechten Rand, zahlreichen blühenden Pflanzen entlang der angelegten Wege sowie einer kleinen Bootsbauwerkstatt am Flussufer – die primitiven Kanus des ersten Bildes sind zu fortschrittlicheren Booten weiterentwickelt worden, die eine Vorahnung auf zukünftigen Seehandel und Expansion des Reichs geben – vermitteln das Bild einer sorgenfreien Gesellschaft. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die in der rechten Bildhälfte entlangschreitende Frau in weißem Gewand, die den Vordergrund dominiert. Mit ihrer Handspindel und dem Rocken symbolisiert sie möglicherweise Klotho, deren Aufgabe als eine der drei Moiren der griechischen Mythologie es ist, den Lebensfaden zu spinnen. Darüber hinaus hebt die Strahlkraft ihrer Kleidung die Reinheit und Friedfertigkeit des abgebildeten Volkes abermals hervor. Ein paar Meter weiter den Weg entlang zeichnet ein Junge auf einer Steinbrücke ein primitiv-kindliches Bild der Frau. Dies kann als Versuch gedeutet werden, die Ursprünge der Malerei aufzuzeigen – eine im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert beliebte Herausforderung unter Künstlern. Die Szene spielt auf die Legende von Giotto di Bondone an, dessen Talent angeblich in einer solchen Situation entdeckt wurde. Durch die Platzierung seiner Initialen direkt unterhalb des Jungen wollte Cole möglicherweise auch eine Eigenidentifizierung mit diesem schaffen; immerhin war auch seine Entdeckung 1825 durch John Trumbull sehr überraschend verlaufen.Vorstellung von The Arcadian or Pastoral State auf explorethomascole.org (Thomas Cole House). Abgerufen am 30. Dezember 2012 Eine andere Interpretationsmöglichkeit ist, dass Cole mit der Strichfigur auf seine eigenen Probleme beim Malen von Personen hindeuten wollte, die er als Landschaftsmaler oftmals hatte.
Es gibt im Gemälde auch einige Hinweise auf eine dem gegenwärtigen Zustand entgegengesetzte zukünftige Zivilisationsentwicklung. So platzierte Cole beispielsweise am rechten Bildrand einen offensichtlich abgeschlagenen Baumstumpf, der als Vorbote für die vollständige Kontrolle und Verdrängung der Natur durch den Menschen steht, die im folgenden Gemälde kulminiert. Zudem finden sich am linken Rand im unteren Drittel zwei Reiter auf Pferden, von denen der vordere einen militärisch anmutenden Helm trägt, und etwas links der Bildmitte ebenfalls im unteren Drittel ein einzelner Soldat in voller Ausrüstung, der gerade hinter einem Felsvorsprung hervortritt. Beide Motive deuten auf die künftige militärische Entwicklung, eine gewaltsame territoriale Erweiterung und damit einhergehende mögliche bevorstehende kriegerische Auseinandersetzungen hin.
Thomas Cole schuf mit The Arcadian or Pastoral State das Bild eines landschaftlichen Idylls, in dem die Menschen mit Flora und Fauna in nachhaltigem Einklang leben. Bereits der Name des Gemäldes deutet darauf hin, dass sich Cole am idealisierten Bild Arkadiens orientierte, einer Landschaft im Zentrum der griechischen Peloponnes, die schon in der Zeit des Hellenismus als Ort des Goldenen Zeitalters verklärt wurde. Unbelastet von mühsamer Arbeit und gesellschaftlichem Anpassungsdruck könnten die Menschen dort in der Natur als zufriedene und glückliche Hirten leben. Dieses Thema wurde bis in die Frühe Neuzeit von zahlreichen Künstlern verschiedentlich aufgegriffen – unter anderem auch in der Schäfer- und der bukolischen Dichtung.
III The Consummation of Empire
Sein drittes Zyklusbild betitelte Cole mit The Consummation of Empire (dt.: Die Vollendung des Reichs). Der Betrachter befindet sich nun zur Mittagszeit eines sonnigen Sommertages rechtsseitig der Flussmündung, an deren Ufern eine wohlhabende und hochentwickelte Stadt entstanden ist, die gerade ihre Blütezeit erlebt.