mini|Die Brixner Hofburg mini|Innenhof der Hofburg mit Süd- und Westflügel Die Hofburg in Brixen war bis 1803 die Bischofsresidenz der Fürstbischöfe und bis 1973 der Bischöfe der Diözese Brixen. Seither ist die Hofburg zur Besichtigung für die Öffentlichkeit zugänglich und Sitz des Diözesanmuseums, des Krippenmuseums und des Diözesanarchivs. Das historisch wie kunstgeschichtlich bedeutende Gebäude befindet sich am Hofburgplatz 2.
Geschichte Bischof Bruno von Kirchberg ließ an der südwestlichen Ecke der ummauerten Stadt Brixen eine neue Burg errichten, in die er 1265 einzog. Bis dahin befand sich die Residenz der Fürstbischöfe südlich des Brixner Domes im Immunitätsbereich des Münsters. Sie wurde nach der Übersiedlung dem Stadthauptmann überlassen, der der weltliche Vertreter des Fürstbischofs bei der Überwachung der Stadtverwaltung war. Die neue Burg schloss unmittelbar an die Stadtmauer an und besaß in der Südwestecke einen massiven Turm. Sehr früh ist auch der im Süden anschließende Obstgarten als viridarium oder pomarium nachweisbar. Bischof Ulrich Putsch erweiterte die Burg im 15. Jahrhundert und befestigte sie stärker. Christoph von Schroffenstein ließ im 16. Jahrhundert im Westen einen neuen Bischofstrakt erbauen, in dem Christoph von Madruzzo eine neue Hofkapelle errichtete. Von dieser alten Hofburg existieren keine Abbildungen, man weiß nur aus Urkunden von 1578, dass damals 52 Räume bestanden. Im Westen war die Kapelle und der bischöfliche Wohntrakt, im Süden der Kaisertrakt, im Osten der Bischofssaal und die geistliche und weltliche Kanzlei, und im Norden Räume für die Hofburghaltung und Wirtschaftsräume. 1525 stürmte der Bauernführer Michael Gaismair, der Sekretär des Fürstbischofs, die Hofburg, besetzte sie und regierte von hier aus kurzzeitig seine Tiroler Bauernrepublik, ehe Kaiser Ferdinand I. die Hofburg den Fürstbischöfen wieder zurückgab. 1576 ließ Johann Thomas von Spaur an der Nordseite der Burg den Herrengarten anlegen. links|mini|Die Hofburg um 1645, Kupferstich von Matthäus Merian Andreas von Österreich ließ die Hofburg im Renaissancestil von Grund auf neu errichten. Alberto Lucchese erstellte 1595 die Pläne dafür, die eine vierflügelige und dreigeschossige Anlage um einen Innenhof mit je elf Arkadenbögen an allen vier Seiten vorsahen. Im ersten Obergeschoss sollten 44 Tonskulpturen den Stammbaum des Hauses Habsburg, dem Andreas entstammte, darstellen, im Hof ein Brunnen mit vier heiligen Brixner Bischöfen entstehen. Im gleichen Jahr begann Maurermeister Bartolomeo Valgoi mit dem Bau des Südflügels, 1597 der Münchner Bildhauer Hans Reichle mit der Herstellung der Tonskulpturen. Beim Tod des Fürstbischofs 1600 war der Südflügel mit dem Südwestturm fertiggestellt. Nach einer Unterbrechung setzte Christoph Andreas von Spaur 1604 den Bau fort, sodass der Westtrakt mit der Bischofswohnung und der Südostturm mit der Hofratskanzlei, Hofratsstube und dem Archiv entstanden. Bartolomeo Lucchese erstellte neue Pläne für den Osttrakt, der 1606/07 errichtet wurde und nur mehr 7 Arkaden im Erdgeschoss und keine Arkaden in den Obergeschossen erhielt. Anstelle des alten Bischofssaales wurde ein großer Theatersaal errichtet. Schließlich ließ Fürstbischof Daniel Zen von Hans Reichle den noch fehlenden Nordflügel erbauen, der aber nur ein Obergeschoss erhielt. Unter Bischof Johann Platzgummer wurde 1645 ein Granitpflaster in der Einfahrt und in den Arkaden verlegt.
Das heutige Aussehen erhielt die Hofburg durch den barocken Ausbau unter Fürstbischof Kaspar Ignaz von Künigl. 1707–1711 ließ er den Kaisertrakt im Westflügel und das zweite Obergeschoss mit Loggiengang im Nordflügel errichten, sodass nunmehr eine Symmetrie der sich gegenüberliegenden Süd- und Nordarkaden und der geschlossenen West- und Ostflügel entstand. Neu gestaltet wurde auch die Kapelle, die mit ihrer Portalanlage und dem Türmchen auch nach außen hin sichtbar wurde. Schließlich erhielten die Fenster der Außen- und Hoffassaden Stuckumrahmungen. Im Theatersaal wurde die Decke nach Entwürfen von Johann Ferdinand Schor freskiert.
Mit der Säkularisation 1803 wurde das geistliche Reichsfürstentum aufgelöst und die Hofburg gelangte in den Besitz des österreichischen Staates. Dieser überließ es aber dem Bischof zur weiteren Nutzung und 1828 gab Kaiser Franz I. die Hofburg in den Besitz des Bistums zurück. Bischof Bernhard Galura ließ den Theatersaal durch den Einbau einer Zwischendecke in Büroräume umwandeln. Nachdem 1964 die Diözese Bozen-Brixen neu geordnet worden war, verlegte Joseph Gargitter seinen Amtssitz 1973 nach Bozen. Das frei werdende Gebäude wurde 1974 dem Diözesanmuseum und dem Diözesanarchiv überlassen, umfassend restauriert und für die museale Nutzung adaptiert.
Baubeschreibung links|mini|Der Wassergraben vor dem Ostflügel mini|Brücke und Portalvorbau des Haupteingangs Die Hofburg ist eine geschlossene vierflügelige und dreigeschossige Palastanlage. Dem Südflügel vorgelagert sind zwei turmartige Vorbauten, die auf halber Höhe mit einer Art Wehrgang verbunden sind. Die Hofburg wird von einem Burggraben umschlossen, der im Süden und Osten noch mit Wasser gefüllt, im Westen und Norden aber bereits in der Barockzeit aufgeschüttet und trockengelegt worden ist. Der Zugang an der Ostseite ist über eine gemauerte Brücke (ursprünglich eine Zugbrücke) zu erreichen, die zu einem Portalvorbau führt, der als Altane vom ersten Obergeschoss aus zu betreten ist. Über dem Portal ist das Wappen des Andreas von Österreich zu sehen, der den Neubau der Hofburg begonnen hatte. Gleichartige Vorbauten gibt es an allen vier Seiten, aber nur jener an der Südseite bietet tatsächlich einen Zugang. Durch das eisenbeschlagene Hoftor des Hauptportals gelangt man in die zum Innenhof offene Einfahrtshalle, die mit Stuck verziert ist.
Im Innenhof besitzen die Süd- und Nordflügel über alle drei Geschosse offene Arkadengänge, beim Ostflügel sind Arkaden nur im Erdgeschoss vertreten. Die geschlossene Fassade des Westflügels wird in der Mitte durch das Portal der Hofburgkapelle bestimmt. Das marmorne Portal besteht aus einer breiten Sockelzone, plastisch vortretenden Säulen und Segmentbogengiebel, in dem das Wappen von Fürstbischof Künigl, des Erbauers der barocken Hofburgkapelle, zu sehen ist. Über dem Portal befindet sich auf einer Wolke stehend die Statue der Immaculata, zu ihren Füßen zwei Putten, wie auch über den seitlichen Fenstern. Die ganze Portalanlage ist ein Werk von Cristoforo Benedetti aus Mori. Darüber, zwischen den Fenstern des zweiten Obergeschosses, hat Kaspar Waldmann eine große Sonnenuhr freskiert.
Nach dem ursprünglichen Plan sollten an allen vier Seiten Arkaden gebaut werden, in deren Pfeilernischen des ersten Obergeschosses 44 Terracottaskulpturen eingefügt werden sollten. Bildhauer Hans Reichle hat zwischen 1596 und 1601 auch alle beauftragten Figuren hergestellt. Wegen der Planänderung fanden aber nur 24 Figuren tatsächlich Aufstellung im Innenhof, acht wurden in Wandnischen der Durchfahrt zum südlichen Tor untergebracht, zwei befinden sich im Diözesanmuseum, 2 im Tiroler Landesmuseum in Innsbruck und eine im Maximilianmuseum in Augsburg; die restlichen sieben sind verschollen. Der Plan sah vor, dass die Statue des Fürstbischofs Andreas von Österreich rechts neben dem Kapelleneingang am Westflügel stehen, links vom Kapelleneingang, beginnend mit dem sagenhaften Germanenkönig Pharamund, der Stammbaum des Hauses Habsburg gegen den Uhrzeigersinn bis zu Andreas führen sollte. links|mini|Die Statuen des Habsburgerstammbaums von Hans Reichle Die Außenfassaden haben zwischen dem Erdgeschoss und den Obergeschossen ganz unterschiedlichen Charakter. Das Erdgeschoss besitzt nur kleine vergitterte Fenster und ist rustikagequadert, wirkt also wie eine wehrhafte Burg, während an den Obergeschossen große stuckgerahmte Fenster mit Kartuschenbekrönungen den Schlosscharakter des Gebäudes repräsentieren. Es wird vermutet, dass Johann Martin Gumpp der Ältere die Leitung der Fassadengestaltung und der Ausstattung innegehabt hat.
Hofkirche Die Hofkirche zur Unbefleckten Empfängnis wurde im Auftrag von Fürstbischof Graf Künigl in der Mitte des Westtrakts errichtet, wo bereits die alte Hofkapelle ihren Platz gehabt hatte. Im Gegensatz zu dieser erstreckt sich die neue Hofkirche vom Parterre über zwei Geschosse und tritt mit dem Portal und dem Türmchen auch nach außen in Erscheinung. An der Außenfassade ist auch die Stelle des Chorraums durch einen Vorbau sichtbar. Im Türmchen befinden sich zwei ältere Glocken von 1575 und aus dem 15. Jahrhundert.
Der Kirchenraum besteht aus einem Saalraum mit flachem Gewölbe und leicht eingezogenem Altarraum, der von hohen Seitenfenstern Licht erhält. Eine Empore an der Portalseite dient gleichzeitig als Verbindungsgang zu den Räumen des ersten Obergeschosses. Der Chorbogen ist durch Pilaster und flachem Gurtbogen hervorgehoben, ein Kranzgesims führt um die ganze Kirche. An den Seitenwänden befinden sich gegenüberliegende Portale mit leicht in den Raum vortretenden Oratorienfenstern darüber. mini|Westflügel mit Portal und Türmchen der Hofkirche Die Decken- und Wandfresken im Langhaus schuf 1708 der Innsbrucker Maler Kaspar Waldmann. Sie zeigen an der Decke die Himmelfahrt und Krönung Mariens und an den Seiten die Geburt Mariens, die Darstellung Mariens im Tempel, die Verkündigung an Maria und die Heimsuchung Mariens. Über den Wandbildern hat Waldmann in stuckgerahmten Medaillons auf Maria bezogene Embleme dargestellt (eine der Sonne entgegenwachsende Sonnenblume, eine aufgehende Sonne, ein sein Junges bewachender Adler, das im Meer sich spiegelnde Jesuskind). Das Deckenfresko im Chorraum mit der Verherrlichung des Namens Maria wird dem sonst nicht weiter bekannten Maler Carlo Lorenzi zugeschrieben. Der reiche Stuckdekor der Kirche an den Fenster- und Freskenrahmungen, an den Oratorien und der Emporenunterseite hat Bernardo Pasquale mit Akanthuslaub, Fruchtgehängen und Puttenköpfchen gestaltet. Die von Engeln flankierten beiden Wappen am Chorbogen stammen hingegen von Cristoforo Benedetti und zeigen links das Wappen des Bistums und Fürstentums und recht jenes der Familie Künigl.
Der Altar besteht aus einem ausladenden und reich gegliederten Sockel, über dem sich der doppelsäulige Retabelaufbau und der Kuppelbaldachin mit einer Laterne erhebt. Seitlich der Säulen stehen die weißen Marmorstatuen der hll. Joachim und Anna. Der Altar wurde von Cristoforo Benedetti aus verschiedenen Marmorarten geschaffen und auch signiert. Von ihm stammen auch der kleine Tabernakel in Form eines Tempietto, die Kommunionbank und die Portale. Das Hochaltarbild mit Maria als Unbefleckter Empfängnis schuf Johann Georg Dominikus Grasmair, welches das ursprüngliche Altarbild von Ulrich Glantschnigg ersetzt, das offenbar kein Gefallen beim Auftraggeber gefunden hatte.
An der rechten Seitenwand erinnert eine weiße Marmortafel unter der Empore an den Besuch von Papst Pius VI. in der Hofburg zu Brixen.
Mehrere erhaltene Glasfenster aus der Vorgängerkapelle sowie künstlerisch wertvolle liturgische Geräte und Gewänder der Hofkirche sind heute im Diözesanmuseum ausgestellt.
Hofratskanzlei