mini|Wilhelm Bade 1891 Eduard Gustav Wilhelm Bade (* 20. Februar 1843 auf Gut Hohen Wieschendorf bei Wismar; † 27. Juli 1903 in Rostock) war ein Pionier der deutschen Nordland- und Polartouristik. Nach seemännischer Ausbildung in der Handelsschifffahrt war er als Schiffsoffizier und Kapitän tätig und veranstaltete von Anfang der 1890er Jahre bis zu seinem Tod die weltweit ersten regelmäßigen touristischen Fahrten in die Arktis.

Biografie Zweite Deutsche Nordpolar-Expedition 1869/70 mini|Die Hansa verlässt Bremerhaven am 15. Juni 1869. Wilhelm Bade wurde als sechstes von acht Kindern des Friedrich August Axel Bade (1805–1899) und der Henriette Conradine Mathilde Bade, geb. Ihlefeld, auf deren Erbgut Hohen Wieschendorf bei Wismar geboren, das sie seit 1833 und schon in der fünften Generation bewohnten. 1860 überließen sie es ihrem ältesten Sohn Theodor und zogen nach Rostock, wo sie ein Haus besaßen. Zu dieser Zeit fuhr Wilhelm Bade bereits zur See, 1858 erstmals ins nördliche Eismeer. Er war schon ein erfahrener Seemann, als er 1869 als zweiter Offizier der Schonerbrigg Hansa an der Zweiten Deutschen Nordpolar-Expedition unter Kapitän Friedrich Hegemann teilnahm. Carl Koldewey führte das Flaggschiff der Expedition, den Schraubendampfer Germania. Die Schiffe verließen am 15. Juni 1869 Bremerhaven mit Kurs auf die Ostküste Grönlands. Der vom Geografen August Petermann entworfene Plan sah vor, parallel zur Küste der Insel nach Norden vorzudringen, einen vermuteten Packeisgürtel zu durchbrechen und in das – wie Petermann glaubte – eisfreie Polarmeer vorzudringen. Ende Juli kam es zur Trennung der Schiffe und im September 1869 fror die Hansa vor der Ostküste Grönlands im Packeis fest. Einen Monat später wurde sie zerdrückt. Bade rettete sich mit der übrigen Besatzung auf eine Eisscholle und driftete innerhalb von 200 Tagen etwa 1.500 km nach Süden. Als die Scholle auf eine Größe von nur noch 300 m² geschrumpft war, setzten die vierzehn Männer die Reise in ihren drei Booten fort, von denen Bade das größte und schwerste, die König Wilhelm, führte. Nach weiteren 36 entbehrungsreichen Tagen erreichten sie Friedrichstal an der Südspitze Grönlands. Von Frederikshåb aus konnten sie auf dem dänischen Segelschiff Constance nach Europa zurückkehren und waren im September 1870 wieder in Deutschland.

Bade führte während der Expedition ein umfangreiches Tagebuch, das die Erlebnisse der Hansa-Mannschaft authentisch und anschaulich schildert. Es wird heute vom Archiv der Stadt Wismar verwahrt.

Von 1870 bis 1891 Das Wissen um die nächsten zwanzig Jahre in Bades Leben ist lückenhaft. Bekannt ist, dass er noch 1870 ein umfangreiches Vortragsprogramm startete. Zwei Vortragstexte, „Vortrag über Zwecke und Ziele von Nordpol-Expeditionen, deren Ausrüstung, und die Wege, die man am besten zu wählen hat“ und „Vortrag über Grönland“, finden sich bereits in seinem während der Expedition geführten Tagebuch. Sein Versuch, Aufnahme in die Kaiserliche Marine zu finden, war nicht von Erfolg gekrönt. Am 20. Mai 1872 heiratete Wilhelm Bade seine Cousine Luise (Lulu) Augusta Franziska Bade (1845–1912), die ihm in den nächsten Jahren fünf Kinder schenkte – Sara (* 1874), Axel (* 1876), Else (* 1878), Heinrich (* 1883) und Lulu (* 1889). Das Paar lebte zunächst in Swinemünde, und Bade fuhr als Kapitän eines Passagierdampfers für den Baltischen Lloyd in Stettin. 1875 wurde Bade korrespondierendes Mitglied des Bremer Vereins für die deutsche Nordpolfahrt, aus dem 1877 die Geographische Gesellschaft in Bremen hervorging, sowie des Vereins für Geographie und Statistik zu Frankfurt am Main, der sich durch die finanzielle Unterstützung der Österreichisch-Ungarischen Nordpolexpedition von 1872 bis 1874 um die Polarforschung verdient gemacht hatte. Als der Baltische Lloyd 1876 in Liquidation ging, erhöhte Bade die Zahl seiner Vortragsreisen wieder. Ab den 1880er Jahren lebte er mit seiner Familie in der Dankwartstraße 13 in Wismar, wo er vor dem Lübschen Tor die Fischhandlung „Ostseefischerei Wendorf“ besaß.

In seinen Vorträgen warb Bade für eine dritte deutsche Nordpolarfahrt. Er weckte in seinen Zuhörern aber auch das Interesse, die extreme Natur der Arktis selbst kennenzulernen, und propagierte eine stärkere Nutzung der wirtschaftlichen Ressourcen der Polargebiete.

Rückkehr in die Arktis Württembergische Spitzbergen-Expedition 1891 überzeugte Bade einige Stuttgarter Investoren davon, eine Expedition nach der Bäreninsel und Spitzbergen auszurüsten, die die Abbauwürdigkeit der dortigen Kohlelagerstätten und die Möglichkeiten des Wal- und der Fischfangs in den umliegenden Gewässern erkunden sollte. Durch Vermittlung Wilhelm Hauchecornes, des Leiters der Geologischen Landesanstalt in Berlin, konnte der Bochumer Bergingenieur Leo Cremer (1866–1901) für die Ausführung der geologischen Arbeiten gewonnen werden. Als Leiter der Württembergische Spitzbergen-Expedition charterte Bade den Fischdampfer Amely von der Firma Hochseefischerei-Gesellschaft Droste, Gehrels u. Co. Das Schiff verließ Bremerhaven am 26. Juli 1891 unter dem Kommando von Kapitän Mahlstede, der über reiche Polarerfahrung verfügte, da er bereits 1882 die deutschen Teilnehmer am Internationalen Polarjahr nach Baffinland gebracht und sie 1883 wieder abgeholt hatte. An Bord befanden sich weiterhin der Zoologe Max von Zeppelin, der Offizier und Forschungsreisende Karl von Urach (1865–1925), der Chemiker Richard Baur (1833–1910) und der Schiffsarzt Dr. Faber.

Nach dem Besuch der Walstation auf der Insel Skorøya wurde die Bäreninsel angelaufen, um die bereits bekannten Kohlenflöze näher zu untersuchen. Anschließend folgte die Amely der Westküste Spitzbergens. Am Magdalenenfjord wurde fast der 80. Breitengrad erreicht. An den Ufern der tief ins Land führenden Fjorde fand Cremer immer wieder abbauwürdige Kohlelagerstätten. Die anderen Passagiere verbrachten ihre Zeit häufig mit Jagdausflügen. Wie sehr die arktische Natur und Landschaft die Passagiere beeindruckte, kann man den Reiseberichten Cremers und Zeppelins entnehmen.

Nordische Hochseefischerei-Gesellschaft mini|hochkant|Wilhelm Bade 1902 mini|Werbung für Polar- und Mittelmeerfahrten mit der Thalia 1907 Bade nutzte die vage optimistischen Einschätzungen Cremers, um im Herbst und Winter 1891 mit Vorträgen in mehreren westdeutschen Städten für eine wirtschaftliche Nutzung Spitzbergens zu werben. Insbesondere skizzierte er das Bild einer deutschen Station auf der Bäreninsel, in der die in den umliegenden Gewässern gefangenen Wale und Fische mit Hilfe der örtlichen Steinkohle weiterverarbeitet werden könnten. Auch einen Export der Kohle nach Norwegen und Nordrussland erachtete er als aussichtsreich. Bades Vorstellungen wurden im Mai 1892 in der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift publiziert und bereits im Juni vom arktiserfahrenen Zoologen Willy Kükenthal einer scharfen kritischen Analyse unterworfen. Dieser urteilte über Bades Pläne,

Bade war es aber bereits gelungen, potente Investoren unter den rheinischen Großunternehmern für sein Projekt zu interessieren. Im Frühjahr 1892 war in Mülheim an der Ruhr die Nordische Hochseefischerei-Gesellschaft mit einem Stammkapital von 200.000 Mark gegründet worden. In den am 2. Juli von der konstituierenden Generalversammlung angenommenen Statuten wurden als Unternehmensziele neben Hochseefischerei, Walfang und Bergbau auch der Polartourismus genannt. Der Vorstand der Gesellschaft bestand aus Wilhelm Bade, Hugo Stinnes und dem Prokuristen Hermann Doebel. Bade selbst hielt zehn Prozent der Aktien. Weitere Investoren aus der rheinischen Montanindustrie waren Gustav Stinnes, Gerhard Küchen, August Haniel, Franz Haniel, Hugo von Gahlen, Emil Poensgen und Rudolf Waldthausen.

Die Gesellschaft bestellte bei Akers mekaniske verksted in Christiania einen modernen Walfänger, das Dampfschiff Glückauf, das schon 1893 zu seiner ersten Fahrt auslief und zwischen Anfang Juli und Anfang August 17 Wale erlegte. Gleichzeitig startete Bade mit dem von der Deutschen Ostafrikalinie gecharterten Dampfer Admiral eine Vergnügungsfahrt mit 70 Passagieren. Die Schiffe trafen sich im Hafen von Tromsø und fuhren zunächst zur Walstation auf Skorøya, die von den Teilnehmern der Kreuzfahrt besichtigt werden konnte und wohin die Glückauf später ihre erbeuteten Wale zum Flensen bringen wollte. Anschließend nahmen die Schiffe gemeinsam Kurs auf die Bäreninsel und Spitzbergen. Wenn Wale gesichtet wurden, konnten die Passagiere der Admiral auf die Glückauf übersetzen und das Harpunieren aus nächster Nähe beobachten. Die Schiffe passierten am 16. August westlich von Spitzbergen den 80. Breitengrad und wendeten bald darauf, nachdem die Grenze des Treibeises erreicht worden war. Über Hammerfest und erneut Tromsø kehrte die Admiral nach Deutschland zurück.

Die Kreuzfahrt war zweifellos ein Erfolg. Die Nordische Hochseefischerei-Gesellschaft löste sich jedoch bereits im Februar 1894 gegen Bades Widerstand auf. Die Aktionäre erhielten 1895 lediglich ein Viertel ihrer Investition zurück. Der Kohleabbau auf Spitzbergen und der Bäreninsel wurde von den Investoren als zu riskant eingeschätzt, die Erträge durch Wal- und Fischfang als zu gering.

Polarkreuzfahrten Anfang der 1890er Jahre entstand in Deutschland ein starkes „Nordland“-Interesse, da der deutsche Kaiser Wilhelm II. zwischen 1889 und 1914 eine Vielzahl von Sommerurlauben in Norwegen, teils auf seiner Yacht, teils an Land verbrachte. Wilhelm Bade erkannte die Marktlücke und veranstaltete ab 1894 in Eigenregie touristische Norwegen- und Polarkreuzfahrten für ein bürgerliches und adeliges Publikum. 800 bis 1800 Mark (das entspricht heutigen bis Euro) kostete eine dreiwöchige Fahrt an der norwegischen Küste entlang nach Spitzbergen im Jahr 1903. Dafür erhielten die Gäste eine Schiffsreise in komfortablen, wenn auch kleinen, Kabinen in eine atemberaubende Natur. Das Essen an Bord wird als reichhaltig und abwechslungsreich beschrieben. Es gab deutschen Wein und deutsches Bier. Bades Gäste genossen die familiäre Atmosphäre an Bord und den Umstand, dass seine relativ kleinen Schiffe tiefer in die Fjorde und Buchten hineinfahren konnten als die größeren Schiffe anderer Anbieter, denen aufgrund ihrer Länge und ihres Tiefgangs stärkere Beschränkungen auferlegt waren.

Bade, der auf keiner seiner Kreuzfahrten die Rolle des Kapitäns einnahm, sondern vielmehr als Reiseleiter agierte, bot seinen Gästen als besonderen Höhepunkt Treffen mit vor Ort befindlichen Polarforschern wie Salomon August Andrée, Gerard De Geer oder dem Herzog der Abruzzen. Seine Reisen zogen Künstler ebenso an wie Wissenschaftler, deren Wünschen er unter Berücksichtigung des vorgegebenen Zeitplans durchaus entgegenkam. Vom besonderen Verhältnis zu seinen Gästen zeugt die „Bade-Flagge“, die zufriedene Passagiere auf der Kreuzfahrt von 1898 nähten und die tatsächlich am Mast seines Schiffs wehte. Sie war in den Farben der Reichsflagge schwarz-weiß-rot gehalten, enthielt aber zusätzlich den Buchstaben B für „Bade“ und das Bild eines Walrosses.

Auch nach dem Ableben Bades veranstalteten seine Söhne, Axel und Heinrich Bade, unter dem Firmennamen Kapt. Bades Söhne, Wismar i. Meckl. noch bis 1908 Nordmeerfahrten.

Tod und letzte Ruhe 1903 verstarb Wilhelm Bade nach einer Ohrenoperation in einem Rostocker Krankenhaus und wurde in Proseken bei Wismar beigesetzt. Auf Spitzbergen erinnert eine Gruppe von Nunataks mit dem Namen Badetoppane an den Pionier der Polartouristik.

Touristenfahrten in die Arktis Übersicht Bade veranstaltete seine erste touristische Vergnügungsfahrt in die Arktis 1893 für die Nordische Hochseefischerei-Gesellschaft. Ab 1894 führte er jährlich eine Fahrt in Eigenregie durch, nach einer Pause im Jahr 1901 jährlich zwei, jeweils im Juli und im August. Nach Bades Tod im Juli 1903 führten seine Söhne das Unternehmen, bis es nach der letzten Fahrt 1908 aufgelöst wurde.