mini|Der Friedhof („neuer Begräbnisplatz“) auf einer Karte von 1897 mini|Der Blumenfriedhof um das Jahr 1926. Deutlich sichtbar ist rechts der Ehrenfriedhof. Der Friedhof BlumenstraßeOffizielle Bezeichnung der Technischen Betrieben Bochum (Online) auch Blumenfriedhof genannt,Beschriftung im offiziellen Stadtplan 2015 ist ein Friedhof an der Harpener Straße in Bochum-Mitte. Der Friedhof erhielt seinen Namen nach der zu ihm hin führenden Blumenstraße.Straßennamenbuch der Stadt Bochum, 2015 Seine Größe ist heute ca. 23 Hektar. Er ist einer von 24 kommunalen Friedhöfen (Stand März 2023) der Stadt Bochum.Bestattungsarten auf städtischen Friedhöfen, Informationen und Gebühren 2023. Broschüre der Stadt Bochum. März 2023

Geschichte des Friedhofs Nachdem der vorherige Friedhof der Stadt Bochum, der heutige Kortumpark in seinen Kapazitäten erschöpft war, wurde ein neuer städtischer Friedhof auf den Heidnocken (eine alte Flurbezeichnung) angelegt.

Eröffnung und erste Erweiterung Der Friedhof wurde am 1. April 1884 eröffnet. In dem ersten Rondell am Eingangsbereich wurde ein 6 m hohes Sandsteinkreuz mit dem Jahr der Eröffnung, geschaffen von dem Bochumer Bildhauer Wilhelm Gardny, errichtet. Der Bereich war über 9 ha groß.

In und an den beiden Rondells sind Ehrengräber von Bochumer Persönlichkeiten. Vier Denkmäler erinnern an die Grubenunglücke auf Zeche Constantin 1889 und Zeche Prinz von Preußen 1895. Die verunglückten Bergmänner wurden jeweils nach Konfession getrennt begraben.

Bereits 1902 waren die 24 Gräberfelder gefüllt. Die Stadt Bochum besaß südlich des 1897 entstandenen Gefängnisses noch Grundstücke. Dort wurden 1904 zwölf weitere Gräberfelder mit den Nummern 25 bis 36 erschlossen, und ab 1906 in Benutzung genommen. Auch hier wurde wie vorher zwischen katholischen und evangelischen Feldern unterschieden.

Der Friedhof wurde damals als „Neuer Friedhof in der Altstadt Bochum“ bezeichnet. Es fanden 1345 Beerdigungen von Bochumern statt, sowie 81 aus anderen Gemeinden,Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1904 - S. 89 wobei viele spätere Vororte, wie Altenbochum, damals noch selbstständige Gemeinden waren.

Der Ehrenfriedhof Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 wurde die Hälfte des Felds 36 im November 1914 vom Stadtbaurat Diefenbach vorsorglich für eventuelle Krieger-Gräber reserviert. Nach der Planung der Grabanlage durch den Stadtbaumeister Karl Elkart hätten dort 100 Gefallene und verstorbene Verwundete bestattet werden können. Die ersten Bestattungen von Soldaten fanden dort allerdings schon seit Anfang September 1914 statt. Da auf dem wieder fast gefüllten Friedhof nun noch verschwindend geringer Platz für Erbbegräbnisstätten war, wurden im Februar 1915 Mittel bewilligt, um mehr als 85 000 m² Land von der Ziegelei Schulte-Ladbeck aufzukaufen, um den Friedhof nach Südosten zu erweitern.

In einem Schreiben des Regierungspräsidenten von Arnsberg aus dem September 1914 wurde der Ehrenfriedhof in Barmen, in dem Gefallene unter anderen ohne Unterschied der Konfessionen bestattet wurden, zur Nachahmung empfohlen. Karl Elkart konnte schon bald einen Plan für einen großzügig gestalteten Ehrenfriedhof auf einer Fläche von 3 660 m² vorlegen. Die Mittel wurden im Februar 1916 bewilligt, der Baubeginn war im Frühling 1916. Die Stadt Bochum nahm im gleichen Zeitraum eine Spende des Fabrikbesitzers Alfred Eickhoff in Höhe von 15 000 Mark für den Bau einer Gedenkhalle an. Bereits im November des gleichen Jahres machte die Friedhofskommission Pläne, die schon bestatteten Soldaten von Feld 36 umzubetten. Auch für feindliche Krieger, also Kriegsgefangene, welche infolge von Krankheit oder Verwundung in Bochum starben, wurde eine Fläche eingeplant. Die Anlage war 1917 im Wesentlichen fertiggestellt. So sind in Obelisken, welche die Anlage zieren, die Jahreszahlen 1914, 1915, 1916 und 1917 herausgemeißelt, aber der Ehrenteil wurde nach 1917 noch mehrfach erweitert.

Auf dem Ehrenfriedhof wurden etwa 250 verstorbene Soldaten beigesetzt, unter ihnen auch zwei jüdische Soldaten.

Aus der Mitte des oberen Halbrunds führte ein schmaler Weg zu den „feindlichen Kriegern“. Die Kriegsgefangenen waren unter anderem zur Zwangsarbeit im Ruhrbergbau eingesetzt. Der Verwaltungsbericht der Stadt Bochum für die Zeit 1913–1925 gab an, dass im angrenzenden Teil etwa 100 „ehemals feindliche Soldaten“, Kriegsgefangene, bestattet wurden. Die Belgier, Franzosen und Engländer wurden in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in ihre Heimat umgebettet. 52 Gräber, 50 Russen und 2 Italiener, blieben in Bochum.Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1913 bis 1924 - S. 121 Paul Küppers führte an: „In der Verlängerung des Ehrenfriedhofs der deutschen Krieger liegt gut auffindbar und gleichfalls gut angelegt der Friedhof der feindlichen Krieger. Auch sie nehmen Teil, wenn auf der oberen Terrasse die erhebenden Gedenkfeiern und Dankesfeiern abgehalten werden ...“

Auch kamen in der Zeit der Weimarer Republik und in der Zeit des NS-Staates noch Gräber auf den Halbrund des Ehrenteils hinzu. So wurden hier 15 Opfer des Kapp-Putsches und Kämpfen des Ruhraufstand beerdigt, sowie zwei in der Weser ertrunkene Reichswehrsoldaten und der Stadtsekretär Blum, der bei den kommunistischen Unruhen im Mai 1923 durch einen Kopfschuss tödlich verletzt wurde. Im September 1933 verunglückten mehrere SA-Männer bei einem Verkehrsunfall tödlich. Sie wurden unter großem Pomp in einer Ehrengrabstätte auf der Ehrenhalbrunde bestattet.Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1933, S. 105 Bei der französischen Ruhrbesetzung wurde am 22. Februar 1923 bei einem Zwischenfall der Arbeiter Robert Rose erschossen. Er wurde in der NS-Zeit 1936 als „gefallener Ruhrkämpfer“ von Wiemelhausen auf den Ehrenfriedhof auf dem Blumenfriedhof umgebettet.

In der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Teil mit den ausländischen Soldaten 307 russische Zwangsarbeiter vergraben. Da in der NS-Zeit oder später der ehemalige Verbindungsweg beseitigt wurde und nun Sträucher und Bäume dort stehen, wurde dieses Gräberfeld, eine abgelegene Fläche auf dem Friedhof, verwilderte und war ungepflegt. Erst durch die Initiative der Frauen für den Frieden 1985 kam es wieder ins Bewusstsein zurück. Erst durch ein Projekt der Hildegardis- und Goetheschule konnte dort 2019 ein Denkmal aufgestellt werden.

Zeit bis zur Errichtung des neuen Hauptfriedhofs Im Jahr 1925 gab es auf dem Friedhof 920 Bestattungen. Da man absehen konnte, dass die Friedhöfe Blumenstraße und in Wiemelhausen bald keine freie Fläche mehr hatten, und man die Friedhöfe auch nicht erweitern konnte, wurde angefangen, auf dem Havkenscheider Feld einen neuen Friedhof anzulegen, den heutigen Hauptfriedhof Bochum.Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1925–1926, S. 70 f Da sich die Fertigstellung hinzog, mussten noch lange alte Grabstätten wieder belegt werden und weitere Gräberfelder eingerichtet werden. 1933 kam es zu 1002 Beerdigungen.Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1933, S. 105 Mit der Eröffnung des neuen zentralen Friedhofs ab dem 1. April 1935 wurden der Friedhof Blumenstraße geschlossen und nur noch Bestattungen in vorhandene Erbgrüfte und Wahlgräber zugelassen.Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1935, S. 157 f Somit fanden dann 1936 nur noch 154 Bestattungen statt, auf dem Hauptfriedhof aber 963 Bestattungen.Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1936, S. 161 f

Weitere Entwicklung Im Zweiten Weltkrieg fanden auch 102 OpferVerwaltungsbericht der Stadt Bochum, 1938–1948, S. 102 des Luftkrieges auf dem Blumenfriedhof ihre letzte Ruhe.

Nach dem Ende des Krieges fanden auf dem Friedhof auch wieder Bestattungen statt.

Im Eingangsbereich an der Blumenstraße war bis in die 1960er die Trauerhalle zu finden.Luftbild- und Stadtplanvergleich auf dem Geoportal der Stadt Bochum Der Haupteingang wurde, wahrscheinlich wegen der schwierigen Eingangssituation mit der Werksbahn der Stahlwerke Bochum und den fehlenden Parkplätzen, an die Harpener Straße verlegt. Das Relief aus Sandstein an der dortigen neuen Trauerhalle von 1957 stammt vom Bildhauer Walter Kruse,Beschreibung des Kunstwerkes bei artibeau.de welcher auch das beliebte Kuhhirtendenkmal schuf. Am Eingang zur Karl-Lange-Straße wurde das Tor als unauffällige Plastik 1965 von Erich Reusch, der auch mit anderen Raumgestaltungen im Bochumer Stadtgebiet vertreten ist, gestaltet.

Der Ehrenfriedhof wurde als Kriegergedächtnisstätte Blumenfriedhof, allerdings ohne den Teil der ausländischen Soldaten, im September 1993 unter Denkmalschutz gestellt (A 288).Baudenkmal A 288: Kriegergedächtnisstätte, Blumenfriedhof In: geoinfo.bochum.de Im gleichen Jahr wurden auch zwei der Obelisken für das Grubenunglück von 1895 als Denkmal eingetragen (A 289),Baudenkmal A 289: 2 Obelisken, Blumenfriedhof In: geoinfo.bochum.de die anderen zwei Obelisken für das Unglück von 1889 aber erst im Mai 2005 (A 607).Denkmalliste der Stadt Bochum Karteikarte: A 607. In: geoinfo.bochum.de

Bedeutende Persönlichkeiten Als Stadtoberhäupter sind hier die Oberbürgermeister Carl Bollmann, Karl Hahn und Fritz Graff bestattet. Auch der stellvertretende Bürgermeister Karl Lange, sowie der bedeutende Kommunalpolitiker und Wirtschaftsmanager Karl Gerstein, der Mediziner und erste Leiter des Bergmannsheils Karl Löbker, der Stadtverordnete und Ehrenbürger Carl Rawitzki sowie der erste Intendant des Schauspielhauses, Saladin Schmitt, ruhen hier in Ehrengräbern.

Weiterhin sind folgende Bochumer Persönlichkeiten auf dem Blumenfriedhof bestattet:

Mitglieder der Familie Astroh Walter Borbet, Direktor der Stahlfirma Bochumer Verein Otto Dierichs, Verleger des Bochumer Anzeigers Mitglieder der Familie Grimberg Carl Friedrich Koepe, Pionier der Fördertechnik im Steinkohlenbergbau Carl Korte, Mitbegründer der Bochumer Eisenhütten Heintzmann Lorenz Rebbert Familie Schürmann & Klagges, bedeutende lokale Druckerei⁣

Fritz Wortelmann, Gründer des Puppenspielinstitutes und der Fidena

Denkmalwürdige Grabstätten

Folgende Objekte auf dem Friedhof stehen unter Denkmalschutz:Denkmalliste der Stadt Bochum (Online)