alternativtext=Porträtfoto von Joachim Pfeiffer|mini|Joachim Pfeiffer, 2013 Joachim Pfeiffer (* 25. April 1967 in Mutlangen) ist ein deutscher ehemaliger Politiker (CDU). Er war von 2002 bis 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages und war von 2014 bis zu seinem Rücktritt am 10. April 2021 wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Seit 1. Januar 2022 arbeitet er als Lobbyist für die PR-Agentur Kekst CNC.Vom Nord-Stream-2-Fan zum Top-Berater. In: Kontext: Wochenzeitung, 23. Februar 2022. Abgerufen am 10. Oktober 2022.
Leben und Beruf Joachim Pfeiffer wurde am 25. April 1967 in Mutlangen geboren. Im Anschluss an die Realschule wechselte er an das Wirtschaftsgymnasium in Schwäbisch Gmünd und schloss dieses 1986 mit dem Abitur ab. Von 1986 bis 1988 absolvierte er im Rahmen seines Wehrdienstes die Ausbildung zum Reserveoffizier bei der Bundeswehr. Sein Dienstgrad ist Hauptmann der Reserve.
Im Jahre 1988 begann Pfeiffer ein Studium der technisch orientierten Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunktfach Verkehrswesen an der Universität Stuttgart, das er 1992 als Diplomkaufmann abschloss. Während seines Studiums war er Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und wurde Mitglied der fakultativ schlagenden und farbentragenden Stuttgarter Burschenschaft Alemannia. 1997 wurde er berufsbegleitend zum Dr. rer. pol. an der Universität Stuttgart mit der Arbeit Die Rechtsformentscheidung der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger auf dem Gebiet der Abfallentsorgung in Baden-Württemberg promoviert.
Von 1992 bis 1997 arbeitete Pfeiffer bei der Energie-Versorgung Schwaben. Von 1997 bis 2002 leitete er die Wirtschafts- und Arbeitsförderung Stuttgart und übt seit 2003 eine freiberuflich beratende Tätigkeit mit seinem eigenen Consulting-Unternehmen aus.https://web.archive.org/web/20170830054939/https://www.joachim-pfeiffer.info/portraet Seit 2006 ist Pfeiffer nebenberuflich als Lehrbeauftragter für Energiepolitik am Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart tätig.
Mit Stand März 2021 zeigte er insgesamt 27 Nebentätigkeiten beim Bundestag an, die er in der Legislaturperiode 2017–2021 ausübte. Neben seiner Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter leitete er auch drei Unternehmen, die er alle nach seinem Einzug in den Bundestag gründete: die beiden Beratungsgesellschaften Dr. Joachim Pfeiffer Consulting und Maconso GmbH und die Klippenhaus SL, die auf Mallorca eine Ferienwohnanlage baut.Christian Fuchs, Petra Pinzler, Sabrina Winter: Herr Pfeiffer vermietet unter. In: Die Zeit, 24. März 2021. Abgerufen am 24. März 2021. Seit 1. Januar 2022 ist er Associate Partner der PR-Agentur Kekst CNC, wo er „mit seiner politischen Expertise und Erfahrung insbesondere internationale Unternehmen“ beraten soll. Den Vorwurf, dass Pfeiffer als Lobbyist für das Unternehmen tätig sei und sich dadurch mögliche Interessenkonflikte für Pfeiffer und das Unternehmen ergeben könnten, beispielsweise durch seine anderen Posten wie seinen Sitz im Beirat der Bundesnetzagentur oder seine Mitgliedschaft im Aufsichtsrat der Gigabit Region Stuttgart GmbH, weist Kekst CNC zurück.
Pfeiffer hat drei Söhne.
Politischer Werdegang Im Jahre 1982 trat Pfeiffer als Schüler in die Junge Union ein. Drei Jahre später wurde er Mitglied der CDU. Er war von 1990 bis 1994 Kreisvorsitzender der Jungen Union Rems-Murr.
In der Zeit von 1992 bis 1999 war Pfeiffer Mitglied des Gemeinderats seiner Heimatgemeinde Urbach und war von 1994 bis 2024 Mitglied der Regionalversammlung des Verbands Region Stuttgart. Seit 1996 ist er Vorsitzender der CDU-Fraktion im Verband Region Stuttgart. Von 1997 bis 1999 war er Vertreter des Landesverbandes Baden-Württemberg im Deutschlandrat der Jungen Union. Von 2000 bis Sommer 2022 war Pfeiffer Kreisvorsitzender der CDU Rems-Murr. Von 2003 bis 2009 war er Beisitzer im Landesvorstand der CDU Baden-Württemberg.
2002 wurde Pfeiffer Mitglied des Deutschen Bundestages, in den er stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Waiblingen einzog. Bei der Bundestagswahl 2013 erreichte er 51,5 % (2009: 43,0 %) der Erststimmen. Von 2005 bis 2009 war er Koordinator in Energiefragen und stellvertretender wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, seit November 2009 war er Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Technologie (seit Januar 2014 umbenannt in „Wirtschaft und Energie“). Von 2009 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag war er wirtschaftspolitischer Sprecher und seit 2013 wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Er gehörte als stellvertretendes Mitglied dem Haushaltsausschuss und dem 1. Untersuchungsausschuss des Verteidigungsausschusses an.
Ab 2019 war Pfeiffer Mitglied der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung.
Positionen
Energiepolitik und Klimaschutz Pfeiffer galt während seiner Zeit im Bundestag als einer der effektivsten Blockierer ökologischer Politik.Klimabremser abgewählt. In: TAZ, 27. September 2021. Abgerufen am 29. September 2021. Als wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sprach er sich 2010 für eine deutlich längere Restlaufzeit der deutschen Kernkraftwerke aus. Er lehnte nicht nur die von der rot-grünen Vorgängerregierung beschlossene Laufzeit von 32 Jahren, sondern auch die von seinem Fraktionskollegen Norbert Röttgen vorgeschlagenen 40 Jahre ab und bezeichnete eine Laufzeit von 60 Jahren als „international üblich“. Im April 2011 rückte er nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima von seiner bisherigen Position ab und sagte, es sei Tatsache „dass 80 Prozent der Wähler derzeit der Meinung sind, das wir schneller aussteigen müssen. Deshalb haben wir Politiker den Auftrag, den Weg dorthin zu finden.“ Ein schneller Verzicht auf Atomkraft aus politischen Gründen sei möglich, habe aber seinen Preis. Im Jahre 2019 stellte er den Atomausstieg erneut in Frage und äußerte, an ihm wie auch an der Unionsfraktion werde ein Betrieb von Kernkraftwerken auch in der Zukunft nicht scheitern. Regierungssprecher Steffen Seibert widersprach und erklärte, dass der Atomausstieg wie beschlossen umgesetzt werde.Bundesregierung lehnt längere Laufzeiten für Atomkraftwerke ab. In: Die Zeit, 18. Dezember 2019. Abgerufen am 18. Dezember 2019.
Pfeiffer trat 2019 als Kritiker von Klimaschutzmaßnahmen hervor. Die Debatte um Klimaschutz in Deutschland sei „alarmistisch“ und „nur noch schwer erträglich“, zudem sei „der vermeintliche Klimaschutz“ für viele Bürger „zu einer Art Ersatzreligion geworden.“Schlechte Verlierer – so reagiert die CDU auf das Wahldebakel. In: Watson, 27. Mai 2019. Abgerufen am 26. Juli 2019.Die Antworten von CDU und SPD müssen anders ausfallen als die der Grünen. In: Handelsblatt, 30. Mai 2019. Abgerufen am 26. Juli 2019.
Er äußerte sich wiederholt kritisch über die finanziellen Auswirkungen der Förderung erneuerbarer Energien. Im Oktober 2013 kritisierte er, die Kosten seien „aus dem Ruder gelaufen“, im Januar 2014 sagte er, es könne „kein Dauerzustand sein, dass die Stromverbraucher erneuerbare Energien bezuschussen.“ Das Ende der Subventionierung solle „eher schneller als später kommen“. Im November 2016 sagte er, die Energiewende werde durch die „ausufernde Förderung erneuerbarer Energien gefährdet“, diese Förderung müsse endlich sein.
Joachim Pfeiffer befürwortete die international umstrittene Gas-Pipeline Nordstream 2, welche Gas aus Russland durch die Ostsee unter Umgehung von Transitstaaten nach Deutschland transportieren sollte.
Im Juni 2017 wurde der Artikel Pfeiffers in der deutschsprachigen Wikipedia von einem Computer aus dem deutschen Bundestag heraus editiert. Unter anderem wurde ein Satz gelöscht, Pfeiffer gelte als Befürworter des Einsatzes von Kernkraftwerken. Stattdessen wurde eingefügt, Pfeiffer dränge „auf eine schnelle Markteinführung der Erneuerbaren Energien.“ Pfeiffer erklärte dazu, damit seien veraltete Funktionen und Positionen „upgedated“ worden.
Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres ordnen Pfeiffer als klimawandelskeptisch ein. Zudem führen sie an, Pfeiffer werde bundestagsintern zusammen mit Thomas Bareiß und Carsten Linnemann als „Bermudadreieck der Energiewende“ bezeichnet, als Dreigestirn, das jeden (klimapolitischen) Fortschritt schlucke.Susanne Götze, Annika Joeres: Die Klimaschmutzlobby. Wie Politiker und Wirtschaftslenker die Zukunft unseres Planeten verkaufen. München 2020, S. 183 und 190.
Lieferkettengesetz Das geplante Gesetz zur Einhaltung von Menschenrechten und Umweltvorgaben in weltweiten Lieferketten bezeichnete Pfeiffer im Februar 2021 als „Bestrafungsinstrument“.Unions-Wirtschaftsflügel wettert gegen Lieferkettengesetz, Handelsblatt 13. Februar 2021
Sozialpolitik Im Jahr 2019 kritisierte Pfeiffer die Sozialleistungen in Deutschland. Der deutsche Staat schütte „die Leute mit Geld zu“ und leiste sich „zu viel Sozialklimbim in einem Rundum-Versorgungsstaat“. Diese Äußerung und insbesondere die von vielen als abwertend wahrgenommene Formulierung „Sozialklimbim“ rief große Kritik und Empörung unter anderem bei der SPD, Oppositionsparteien und Sozialverbänden hervor. SPD-Parteichefin Andrea Nahles warf Pfeiffer unter anderem vor, ihm mangele es an „Respekt vor der Lebensleistung normaler Menschen“, während ihm eine Vertreterin des Deutschen Gewerkschaftsbundes vorwarf, er habe „den Bezug zur Lebensrealität vieler Menschen vollkommen verloren“.Mehrheit der Deutschen hält soziale Leistungen nicht für „Sozialklimbim“. In: Augsburger Allgemeine, 20. Mai 2019. Abgerufen am 20. Mai 2019.Nahles: „Sozialklimbim“-Äußerungen zeugen von fehlendem Respekt. In: Stuttgarter Zeitung, 20. Mai 2019. Abgerufen am 20. Mai 2019. Kritik an der Wortwahl kam auch aus der CDU.Unmut in Union über „Sozialklimbim“-Äußerung. In: Spiegel Online, 17. Mai 2019. Abgerufen am 20. Mai 2019.
Im Mai 2020 forderte die Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Energie der CDU/CSU-Bundestagsfraktion – eine 17-köpfige Parlamentariergruppe unter Leitung von Pfeiffer – aufgrund der COVID-19-Pandemie, den Mindestlohn (2020: 9,35 Euro brutto/pro Stunde) abzusenken oder zumindest eine für das folgende Jahr geplante Erhöhung auszusetzen. Zusätzlich möchte Pfeiffer das Arbeitszeitgesetz ändern. Demnach heißt es in dem Papier mit dem Namen „Wachstumsprogramm für Deutschland“: „Generell sollte an die Stelle einer täglichen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden treten, die in tarifgebundenen wie in tarifungebundenen Unternehmen gilt.“ Die Forderung führte zu scharfer Kritik innerhalb der CDU als auch von weiteren Parteien. SPD-Chefin Saskia Esken schrieb auf Twitter: „Wer wie die CDU am Sonntag den Kassiererinnen, Pflegekräften und Paketzustellerinnen und Paketzustellern vom Balkon aus applaudiert und ihnen dann in der Woche den Mindestlohn verweigern oder dringende Erhöhungen vorenthalten will, der verhält sich einfach nur schäbig“. Binnen Stunden distanzierten sich auch die CDU-Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sowie Generalsekretär Paul Ziemiak mit den Aussagen „Hände weg vom Mindestlohn“ und der Erklärung, dass „Absenkung des Mindestlohns überhaupt keine Position der CDU Deutschlands“ sei. Pfeiffer bekräftigte darauf seine Ablehnung und äußerte: „Wir wollen keinen politischen Mindestlohn“.Wirtschaftspolitiker der Union proben den Aufstand – ein bisschen. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland, 26. Mai 2020. Abgerufen am 27. Mai 2020.Christine Haas: „Das wäre ein Nackenschlag für Millionen Arbeitnehmer“. In: Die Welt, 26. Mai 2020. Abgerufen am 27. Mai 2020.CDU-Spitze räumt Vorstoß zur Mindestlohn-Senkung ab. In: Spiegel Online, 26. Mai 2020. Abgerufen am 27. Mai 2020.
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