Die Garnison- und Stadtkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit der ostpreußischen Seestadt Pillau („Pillau I“), der heutigen Stadt Baltijsk, entstand im 18. Jahrhundert in Kreuzform auf dem Gelände der Festung Pillau. Sie diente sowohl als Garnisonkirche als auch als Gotteshaus für die Pillauer Zivilgemeinde.

Das Kirchengebäude besteht nicht mehr. Sein Standort auf dem Festungsgelände ist heute nur noch schwer auszumachen.

Kirchengebäude Für die bis 1945 bestehende Garnison- und StadtkircheWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 35, Abb. 49–52Gebäude in Pillau bei ostpreussen.net in Pillau gab es zwei Vorgängerkirchen:1626 errichteten die Schweden die erste kleine Holzkirche. Sie musste 1636 unter dem brandenburgischen Kurfürst Georg Wilhelm renoviert werden. Kurfürst Friedrich Wilhelm errichtete 1660 eine Kirche, die aber bald durch einen Neubau ersetzt wurde.

Zwischen 1717 und 1720 wurde in gotischem Stil die kreuzförmige und turmlose Anlage der Backsteinkirche „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ errichtet, die bis 1945 als Garnison- und Stadtkirche in Pillau diente. Die Emporen im Innern ließen das Gebäude wie einen Rundbau wirken. Die Decke bestand aus einem Kreuzgewölbe aus Holz und Gips. Ein Brand machte 1768 eine Erneuerung des Gebäudes notwendig. Aus dieser Zeit stammten die Ausstattungsgegenstände: die Kanzel von 1773 und auch die Orgel von 1794. Von der Decke herab hing ein Votivschiff. Auf einen Altar hatte man verzichtet, weil die Kirche auch zum reformierten Gottesdienst bestimmt war. An seiner Stelle stand ein einfacher Tisch von 1724. In einem Dachraum war eine Glocke untergebracht.

Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und nach 1960 abgerissen.

Bis 1945 gab es in der Stadt Pillau drei evangelische Kirchen: neben der Garnison- und Stadtkirche die Kirche Alt Pillau sowie – ab 1866 – die Reformierte Kirche. Die letztere hat sich erhalten und ist heute Gotteshaus der Russisch-orthodoxen Kirche.

Kirchengemeinde Im Jahr 1635 kam die Festung Pillau an Brandenburg. Ein Jahr später wurde die evangelische Kirchengemeinde Pillau (im Gegenüber zur eigenständigen Kirchengemeinde Alt Pillau) gegründetWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 454. Das Gotteshaus unterstand dem Gouvernement und gehörte zum Feldkonsistorium in Berlin. Bis 1945 war die zivile Gemeinde dem Kirchenkreis in Fischhausen (heute russisch: Primorsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union zugeordnet. Zur Garnison- und Stadtgemeinde gehörten bei der Volkszählung im Jahre 1925 2600 Gemeindeglieder.

Nach Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung war das kirchliche Leben in Pillau beendet.

Seit 1992 besteht in der Stadt eine russisch-orthodoxe Gemeinde, hier lebende evangelische Kirchenglieder gehören jetzt zu der neu entstandenen Gemeinde in Swetly (Zimmerbude), einer Filialgemeinde der evangelisch-lutherischen Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Kirchspielorte Zum Seelsorgebereich der Garnison- und Stadtkirche in Pillau (Pillau I) gehörten neben den Militärangehörigen und Einwohnern der Stadt die – meist auf der Frischen Nehrung liegenden und alle heute nicht mehr existierenden – Orte: Grenzhaus Groß Bruch Möwenhaken Neutief (russischer Name: Kossa) Strauchbucht Westfort.

Pfarrer An der Garnison- und Stadtkirche in Pillau versahen zwei Pfarrer ihren Dienst, wobei derjenige der ersten Pfarrstelle zugleich der Garnisonpfarrer warFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 110: Pfarrstelle I: Michael Weiß, 1636 Georg Neuschilling, 1636–18638 Christian Meyer, 1639–1667 Caspar Witzel, 1667–1696 Johann Caspar Witzel, 1696–1710 Johann Bartholomäus Engelhard, 1710–1722 Christoph Schultz, 1723–1732 Michael Dedelau, 1732–1753 Samuel Adolph Brokowski, 1753–1788 Johann Friedrich Woysch, 1789–1826 Johann Gottfried Wilhelm Woysch, 1826–1853 Georg Eduard Julius Ulmer, 1853–1863 Carl Otto Friedrich Woysch, 1864–1874 Eduard M. W. Teichgräber, 1875–1891 Franz Albert Max Kehler, 1891–1917 Heinrich Otto Johann Bach, 1917–1920 Julius Matz, 1920–1930 Kurt Toball, 1930–1939 Helmut Walsdorff, 1940–1945 Pfarrstelle II: Georg Stolzenberg, 1667–1691 Martin Zeuschner, 1691–1704 Johann Capsra Witzel, 1704–1710 Christoph Schultz, 1711–1723 Michael Dedelau, 1723–1732 Johann Jacob Weichel, 1732–1737 Christian Haas, 1737–1751 Samuel Adolph Brokowski, 1751–1753 Jacob Heinrich Albäck, 1753–1766 Johann Joachim Dickow, 1766–1776 Theodor Michael Arendt, 1776–1808 Friedrich Wilhelm Lange, 1813–1820 Otto Ludwig Haack, 1820–1827 Theodor Laudien, 1827–1835 Alexander Friedrich Heinrich Henke, 1836–1855 Franz Albert Fischer, 1860–1868 Carl August Wiebe, 1869–1872 Martin Trzaska, 1872–19876 Hermann Richard Arthur Weber, 1892–1895 Hans Alfons Gustav Tribukait, 1896–1907 Walter Burgschat, 1914/1915

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Garnison- und Stadtkirche in Pillau haben zahlreiche Dokumente den Krieg überstanden. Sie werden heute im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrtChrista Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, Seiten 91 bis 192: Amtshandlung Bereich Garnison Bereich Stadt Taufen 1641–1805 und1839–1937 1710–1945 Trauungen 1639–1824 und 1839–1937 1731–1944 Begräbnisse 1645–1755, 1771–1829 und 1839–1937 1645–1891 Konfirmationen 1820–1920 1820–1875 Kommunikanten 1750–1757 und 1839–1864 1838–1872

Einzelnachweise

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