Oddworld: Abe’s Oddysee ist ein Jump ’n’ Run des US-amerikanischen Videospielentwicklers Oddworld Inhabitants und der erste Titel der Oddworld-Reihe. Er wurde erstmals 1997 über den US-amerikanischen Publisher GT Interactive für PlayStation und DOS veröffentlicht. Darin versucht die Spielfigur Abe aus seiner Gefangenschaft in einer Fleischfabrik zu entfliehen und sein versklavtes Volk zu befreien. Das Spiel wurde unter dem Titel Oddworld: Adventures für Game Boy adaptiert. Es folgten zudem mehrere Wiederveröffentlichungen auf weiteren Plattformen. Der Titel bildete den Auftakt zu einer Reihe weiterer Spiele in der Oddworld-Spielwelt.
Handlung
Abe’s Oddysee spielt auf dem Kontinent Mudos der fiktiven Welt Oddworld (deutsch etwa: sonderbare Welt). Die Handlung wird als Rückblick durch die namensgebende Spielfigur Abe erzählt. Abe ist ein Wesen aus dem Volk der Mudokaner (englisch: Mudokons) und eigentlich ein Anti-Held. Wie viele seines Volkes ist er ein Sklave des Fleischproduzenten Molluck aus dem Volk der Glukkons. Als solcher ist er für das Bohnern der Gänge in dessen Lebensmittelfabrik RuptureFarms (von englisch: to rupture = aufreißen) zuständig. Während seines Dienstes belauscht Abe zufällig eine Vorstandssitzung. Er erfährt, dass die Firma als Reaktion auf die nahezu ausgelöschten Nutztier-Bestände ein neues Lebensmittelprodukt mit der Bezeichnung „New ’n’ Tasty“ (deutsch: Neu und lecker) auf den Markt zu bringen gedenkt. Grundlage dafür soll das Fleisch der Mudokaner sein. Ob dieser Erkenntnis gerät Abe in Panik und versucht zu fliehen. Dabei wird er entdeckt und verfolgt. Abes Ziel ist es, aus RuptureFarms zu fliehen und anschließend für ihre Schließung zu sorgen, um so zu verhindern, dass die Produktion von New ’n’ Tasty anlaufen kann. Er stößt dabei im Verlauf des Spiels auf die Spuren einer Prophezeiung, wonach er auserwählt ist, sein Volk aus der Sklaverei durch die Glukkons zu befreien. Ein weiteres Ziel während des gesamten Spiels ist die Rettung möglichst aller 99 im Spiel verteilt vorkommender Artgenossen. Vom Erfolg des Spielers hierbei ist der Ausgang des Spiels abhängig, wo zwischen einem guten Ende und einem schlechten Ausgang unterschieden wird. Daneben gibt es eine erweiterte Variante des guten Endes, sofern der Spieler alle 99 Mudokaner befreien kann. Das gute Ende gilt als kanonisch und ist Grundlage für den Nachfolgetitel Oddworld: Abe’s Exoddus.
Spielprinzip
Das Spielprinzip entspricht den grundlegenden Merkmalen des Jump-’n’-Run-Genres. Der Spieler steuert die Spielfigur Abe direkt mit Hilfe des Gamecontrollers bzw. der Tastatur. Das Spiel wird dabei aus einer Sidescrolling-Perspektive präsentiert, die Spielwelt setzt sich aus vorgerenderten, zweidimensionalen Bilderkulissen zusammen. Der Übergang zwischen den Kulissen ist dabei animiert oder mit Hilfe von CGI-Zwischensequenzen inszeniert, sodass der Eindruck einer zusammenhängenden Spielwelt und einer filmischen Präsentation entsteht. Auf dem Weg durch die Spielwelt muss die Spielfigur genreüblich mithilfe gewisser Bewegungsbefehle wie Rennen, Springen, Klettern oder Schleichen diverse Geschicklichkeitsübungen bestehen, die eine präzise Steuerung und sorgfältiges Timing durch den Spieler erfordern. Eine Besonderheit des Spiels ist die sogenannte A.L.I.V.E.-Spielengine (Aware Lifeforms In Virtual Entertainment), die das Verhalten der Spielweltbewohner bestimmt. Mit ihnen kann die Spielfigur Abe mit Hilfe eines als GameSpeak bezeichneten Dialogsystems kommunizieren. Auf diese Weise kann Abe beispielsweise einfache Befehle wie „Folge mir“ und „Warte“ erteilen. Dies kommt beispielsweise bei der Rettung von Abes Artgenossen zum Einsatz, die auf diese Weise durch mitunter gefährliches Terrain zu definierten Fluchtpunkten gelotst werden müssen. Weiterhin kann Abe mit Hilfe der GameSpeak-Funktionen die Kontrolle über bestimmte Spielfiguren übernehmen, Verbindungsportale zu anderweitig unzugänglichen Spielbereichen öffnen und melodiebasierte Aufgaben lösen. Dies erweitert das übliche Genreprinzip um zusätzliche Rätselfunktionen. Die Entscheidungen des Spielers werden mit Hilfe einer als QARMA bezeichneten Routine überwacht und beeinflussen den Ausgang des Spiels.
Entwicklung
Abe’s Oddysee war der erste Titel des im Oktober 1994 gegründeten Entwicklungsstudios Oddworld Inhabitants. Die Gründer Sherry McKenna und Lorne Lanning waren zuvor als Spezialisten für Visuelle Effekte für das Unternehmen Rhythm & Hues in der Filmbranche tätig. Lannings Motivation für den Branchenwechsel war die Etablierung einer eigenen Marke, über die er volle kreative Kontrolle behalten konnte, um seine eigenen Erzählvorstellungen umzusetzen. Nachdem er in der Filmindustrie keine Möglichkeit sah eine eigene, mit Hilfe von Computertechnik generierte Erzählung zu produzieren, entschied sich Lanning für die Gründung eines Entwicklungsstudios für Computerspiele, um in der aufstrebenden Spielebranche Fuß zu fassen. Die Entwicklung des Spiels begann im Januar 1995 unter dem vorläufigen Titel Soul Storm.GamePro 85 (August 1996): „One of the most dazzling games at E3, Soul Storm snuck out of nowhere with breathtaking graphics and a fresh approach to platform gaming. The graphics gleam with spectacular backgrounds and lifelike, humorous animations. Keep an eye out for this killer game.“ Am 17. September 1996 erwarb Publisher GT Interactive von Creative Programming and Technology Ventures, Inc. einen 50%igen Firmenanteil an Oddworld Inhabitants einschließlich der weltweit exklusiven Veröffentlichungsrechte. Das Unternehmen änderte den Titel des Spiels erst zu Epic und schließlich zu Oddworld: Abe’s Oddysee.GamePro 85 (August 1996)The Art of Oddworld, Seite 99.
Das Team bestand aus 35 Mitarbeitern, die Entwicklungskosten beliefen sich auf drei Millionen US-Dollar. Die Thematik ist beeinflusst durch die Zukunftsdystopie Soylent Green. Anmerkung: Der Titel des Films ist fälschlich mit „Soiled Green“ angegeben. Als spielerisches Vorbild nannte Lanning in einer Retrospektive den Titel Flashback. Im Gegensatz zu späteren Oddworld-Titeln wirkte Abe’s Oddysee noch recht albern. Serienschöpfer Lanning bezeichnete dies als eine dem Zeitgeist und den technischen Limitierungen geschuldete Ausrichtung. Demnach seien zu Arbeitsbeginn keine Spiele für Erwachsene wie Grand Theft Auto führend gewesen, sondern familientauglichere Titel wie Super Mario und Sonic. Durch die begrenzte Auflösung und beschränkte Rechenkapazitäten musste zudem auf eine comicartige Optik gesetzt werden.
Die PlayStation-Fassung des Spiels wurde am 19. September 1997 veröffentlicht. Die Veröffentlichung des Spiels erfolgte durch eine zehn Millionen US-Dollar teure, weltweite Werbekampagne aus Printanzeigen, TV-Spots und Online-Support. Weiterhin gab es Cross-Promotion mit Konsolenhersteller Sony und dem Musiksender MTV.
Synchronisation Abgesehen von der Gamespeakfunktion wurden auch die Zwischensequenzen vertont. Im Original sowie in der deutschen Version werden alle Rollen von einer Person gesprochen. Der Originalsprecher des Spieles ist Lorne Lanning, welcher auch leitender Programmierer ist. In der deutschen Version übernahm der, damals noch unbekanntere, Synchronsprecher Monty Arnold die Rolle. Die deutsche Synchronfirma war das Highlight Tonstudio, Hamburg.http://215072.homepagemodules.de/t512059f11776733-Oddworld-Abe-s-Oddysee.html
Rezeption + WertungsspiegelPlayStationPublikationWertung Fun Generation 10 von 10 Video Games 87 % EGM 8,5 von 10Electronic Gaming Monthly (Januar 2004), S. 188. GamePro (US) 4,5 von 5 GameSpot 8,1 von 10 Gaming Age 97 % IGN 7,5 von 10 Official Playstation Magazine 80 % PSX Nation 94 %MetawertungenGameRankings 87,94 %Metacritic 85 %WindowsPublikationWertung GameStar 75 % PC Action 80 %. Abgerufen am 24. Dezember 2012. PC Games 79 % PC Player 85 % Power Play 80 % Computer Gaming World 3,5 von 5 GameSpot 8.1 von 10 PC Gamer (UK) 72 % PC Zone 81 %Metawertungen GameRankings 79,13 %
Rezensionen Die PlayStation-Fassung von Abe’s Oddysee erhielt mehrheitlich positive Bewertungen (GameRankings: 87,94 %GameRankings: , basierend auf 18 Wertungen. Abgerufen am 24. Dezember 2012. / Metacritic: 85 %Metacritic: Durchschnittliche Wertung des Spiels, basierend auf 10 Artikeln. Abgerufen am 24. Dezember 2012.). Auch die PC-Fassung erhielt gute, im Durchschnitt jedoch niedrigere Wertungen (GameRankings: 79,13 %GameRankings: , basierend auf 8 Wertungen. Abgerufen am 24. Dezember 2012.).
Verkaufszahlen und Auszeichnungen Am 17. Februar 1998 gab GT Interactive im Rahmen seines Quartalsberichts den Verkauf von einer Million Kopien des Spiels bekannt und bewertete den Titel als großen Erfolg. Insgesamt wurde die Erstveröffentlichung von Abe’s Oddysee 3,5 Millionen Mal verkauft. Hinzu kommen Stand August 2011 weitere 1,5 Millionen verkaufte Kopien des Spiels per digitaler Distribution.
Auszeichnungen
Beste Regie – CD-ROM/Game Platform World Animation Festival, 1997 Wire Award for Games – Multimedia Wire, 1997 1997 Video Game Approval – Parent’s Choice Foundation, 1997 Silver Review Award – Electronic Gaming Monthly, 1997 1998 Best Voice Acting Award – Electronic Gaming Monthly, 1997 Konsolenspiel des Monats – Nov. Escape UK, 1997
2011 zählte Abe’s Oddysee zu den drei PlayStation-Spielen, die das Smithsonian American Art Museum für seine Ausstellung The Art of Video Games als Beispiele für die künstlerische Gestaltung von Actionspielen dieser Konsole vorschlug. Nach öffentlicher Abstimmung unterlag es jedoch gegen Metal Gear Solid.
Die Spielfigur Abe
Die Spielfigur Abe entwickelte sich zu einem inoffiziellen Maskottchen der Oddworld-Spielwelt und der PlayStation-Konsole, das über das Spiel hinaus wirkte.
Anlässlich der Oscar-Nominierungen 1999 veröffentlichte Oddworld Inhabitants einen knapp 15-minütigen Animationsfilm mit dem Titel Oddworld: Abe’s Exoddus: The Movie. Er setzt sich aus Zwischensequenzen des Nachfolgetitels Oddworld: Abe’s Exoddus und einigen speziell für den Film entworfenen Szenen zusammen. Der Film ist der erste Computerspiel-Film, der als möglicher Kandidat für die Oscar-Nominierungen eingereicht wurde. Um die dafür notwendigen Kriterien zu erfüllen, ließ Publisher GT Interactive den Film vom 27. bis zum 29. Oktober 1998 in den Laemmle Theaters in Los Angeles aufführen.
Am 16. November 1998 veröffentlichte das deutsche Elektropop- und Dancemusic-Projekt Music Instructor das Musikstück Music Instructor feat. Abe – Get freaky, in dem auch eine kurze Gesangseinlage der Spielfigur zu hören ist. Abe tritt zudem im dazugehörigen Videoclip auf, der in der Oddworld-Spielwelt angesiedelt ist. Die Single stieg am 5. Januar 1999 auf Platz 5 der deutschen Singlecharts ein und erhielt eine Platinauszeichnung des Bundesverbandes Musikindustrie.Bundesverband Musikindustrie: Gold-/Platin-Datenbank (Music Instructor), abgerufen am 17. Dezember 2012. Auch in Österreich und der Schweiz erreicht das Lied Chartplatzierungen.austriancharts.athitparade.ch
Im März 2002 wählte das Technologie-Magazin Wired Abe als Titelbild ihrer Ausgabe 10.03 zum Thema Fortschritte bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz.
Nachfolgeprojekte Oddworld: Adventures
Oddworld: Adventures ist eine vom US-amerikanischen Entwicklungsstudio Saffire speziell auf den Game Boy angepasste Version von Abe’s Oddysee. Sie wurde am 4. Dezember 1998 veröffentlicht und trägt der geringeren Leistung der Handheld-Spielekonsole Rechnung. Das Spiel war GT Interactives erste Veröffentlichung für die Handheld-Spielekonsole von Nintendo.
Oddworld: New ’n’ Tasty!