Der Landkreis Rotenburg (Wümme) – bis zum Zweiten Weltkrieg Kreis Rotenburg (Hann.), danach bis 1969 Landkreis Rotenburg in Hannover – war bis 1977 ein Landkreis in Niedersachsen und befand sich im Süden des namensgleichen heutigen Landkreises. Kreisstadt war die namensgebende Stadt Rotenburg (Wümme). Für die ortsansässige Bevölkerung spielt der Altkreis Rotenburg bis heute eine große alltagsrelevante Rolle, da viele Organisationen, Firmen, Schulen, Vereine, Zeitungen und ähnliche Einrichtungen sich in ihrem Einzugsbereich an den früheren Kreisgrenzen orientieren.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzte Anfang 1977 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Bremervörde, Harburg, Soltau, Fallingbostel und Verden.

Geschichte Lage des Kreises Rotenburg (Hann.) inder Provinz Hannover (1905) 300px Im Mittelalter gehörte die Region um Rotenburg zum geistlichen Territorium Verden, das nach dem für die Region verheerenden Dreißigjährigen Krieg zunächst Teil des schwedischen Gebietes Bremen-Verden innerhalb des Heiligen Römischen Reiches wurde. Nach einer kurzen dänischen Besetzung 1718/19 gelangte die Region an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (auch Kurhannover genannt). Während der napoleonischen Kriege annektierte das Französische Kaiserreich die Gebiete zwischen Weser und Elbe. Nach dem Wiener Kongress und der Errichtung des Königreiches Hannover als Nachfolger des früheren Kurhannover wurden zur Verwaltung der Region Landdrosteien und Ämter geschaffen. So bestanden im Süden der Landdrostei Stade die Ämter Rotenburg und Ottersberg, die sich über Teile des historischen Territoriums Verden erstreckten. Nach Auflösung des Amtes Ottersberg fielen dessen östliche Teile an das benachbarte Amt Rotenburg. 1866 wurde das Königreich Hannover nach dem verlorengegangenen Deutschen Krieg durch Preußen annektiert. Die Verwaltungsstrukturen wurden zunächst beibehalten.

Am 1. April 1885 wurde im Rahmen der Bildung von Kreisen in der Provinz Hannover von 1884 aus dem Amt Rotenburg und der Gemeinde Fintel aus dem Amt Soltau der Kreis Rotenburg gebildet und dem Regierungsbezirk Stade zugeteilt.Kreisordnung für die Provinz Hannover (1885) Die heute zur Samtgemeinde Fintel gehörende Gemeinde Lauenbrück wechselte 1932 aus dem Nachbarkreis Harburg in den Kreis Rotenburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hannover nach Auflösung Preußens zunächst wieder ein eigenständiges Land, bevor es sich mit kleineren Nachbarländern zum Land Niedersachsen vereinte, zu dem auch der Landkreis Rotenburg gehörte. In dieser Zeit übernahm der Landkreis die Patenschaft für den Landkreis Angerburg in Ostpreußen. Bis zum 18. Juni 1969 hieß der Landkreis Rotenburg in Hannover.

Eine umfangreiche Gemeindereform brachte das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Rotenburg am 1. März 1974, durch das die Zahl der Gemeinden des Landkreises von 64 auf 21 verringert wurde.Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Rotenburg vom 3. Juli 1973 Durch die Eingliederung der Gemeinde Kettenburg aus dem Landkreis Fallingbostel in die Stadt Visselhövede erfuhr der Landkreis dabei einen kleinen Gebietszuwachs.

Am 1. August 1977 wurde der Landkreis im Rahmen der niedersächsischen Kreisreform mit dem Landkreis Bremervörde, der bereits 1932 um den ehemaligen Kreis Zeven erweitert worden war, zum neuen, größeren Landkreis Rotenburg (Wümme) fusioniert.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1890 19.642 1900 21.128 1910 25.425 1925 29.171 1939 33.821 1950 59.909 1960 52.300 1970 56.300 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 S. 26 1977 60.600 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1978 S. 52

Landräte 1885–1887 Theodor Lueder 1887–1901 Franz Heidmann 1901–1916 Friedrich von Mettenheim (1864–1932) 1916–1920 Heinrich von Müller 1920–1940 Armin von Lossow 1940–1945 Ernst Drewes (1903–1991)

bis 7. Juni 1975 Helmut Tietje 13. August 1975 – 1. August 1977 Kurt Vajen

Gemeinden Die folgende Liste enthält alle Gemeinden, die dem Landkreis Rotenburg (Wümme) bis 1977 angehörten, sowie alle Eingemeindungen: Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen: Provinz Hannover Verlag des Preußischen Statistischen Landesamts, 1930Amtsblatt der Regierung Stade 1928, S. 135 und 154 GemeindeeingemeindetnachDatum derEingemeindungAnmerkung Abbendorf Scheeßel 1. März 1974 Ahausen Bartelsdorf Scheeßel 1. März 1974 Bellen Brockel 1. März 1974 Bleckwedel Visselhövede 1. März 1974 Borchel Rotenburg (Wümme) 1. März 1974 Bötersen Bothel Brockel Buchholz Visselhövede 1. März 1974 Clüversborstel Reeßum 1. März 1974 Dreeßel Visselhövede 1. März 1974 Drögenbostel Visselhövede 1. März 1974 Everinghausen Sottrum 1. März 1974 Eversen Ahausen 1. März 1974 Fintel Groß Sottrum Sottrum 31. Dezember 1928 Hassel Hemsbünde 1. März 1974 Hassendorf Hastedt Hemsbünde 1. März 1974 Hellwege Helvesiek Hemsbünde Hemslingen Hetzwege Scheeßel 1. März 1974 Hiddingen Visselhövede 1. März 1974 Höperhöfen Bötersen 1. März 1974 Horstedt Jeddingen Visselhövede 1. März 1974 Jeersdorf Scheeßel 1. März 1974 Kirchwalsede Klein Sottrum Sottrum 31. Dezember 1928 Lauenbrück bis 1932 im Landkreis Harburg Lüdingen Visselhövede 1. März 1974 Moordorf Rosebruch 31. Dezember 1928 Mulmshorn Rotenburg (Wümme) 1. März 1974 Nindorf Visselhövede 1. März 1974 Ostervesede Scheeßel 1. März 1974 Ottingen Visselhövede 1. März 1974 Reeßum Riekenbostel Kirchwalsede 1. März 1974 Rosebruch Visselhövede 1. März 1974 Rotenburg (Wümme), Stadt bis 1969 Rotenburg in Hannover Scheeßel Schleeßel Reeßum 1. März 1974 Schwitschen Visselhövede 1. März 1974 Söhlingen Hemslingen 1. März 1974 Sothel Scheeßel 1. März 1974 Sottrum am 31. Dezember 1928 neugebildet Stapel Horstedt 1. März 1974 Stemmen Stuckenborstel Sottrum 1. März 1974 Süderwalsede Westerwalsede 1. März 1974 Taaken Reeßum 1. März 1974 Unterstedt Rotenburg (Wümme) 1. März 1974 Vahlde Visselhövede, Stadt Waffensen Rotenburg (Wümme) 1. März 1974 Wehnsen Visselhövede 1. März 1974 Wensebrock Brockel 31. Dezember 1928 Westeresch Scheeßel 1. März 1974 Westerholz Scheeßel 1. März 1974 Westervesede Scheeßel 1. März 1974 Westerwalsede Winkeldorf Horstedt 1. März 1974 Wittkopsbostel Scheeßel 1. März 1974 Wittorf Visselhövede 1. März 1974 Wohlsdorf Scheeßel 1. März 1974 Worth Hastedt 31. Dezember 1928

Gutsbezirke Trochel, am 30. September 1928 nach Brockel eingemeindet Veerse, am 30. September 1928 nach Bartelsdorf eingemeindet

Kfz-Kennzeichen

Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen ROH zugewiesen. Am 15. Oktober 1970 wurde es vom neuen Unterscheidungszeichen ROW abgelöst. Dieses wird bis heute im Landkreis Rotenburg (Wümme) ausgegeben. Das letzte Kennzeichen mit der Kennung ROH wurde am 12. Mai 1995 eingezogen. Das Unterscheidungszeichen wurde seitdem nicht mehr in der Anlage 1 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) als auslaufend gelistet.

Weblinks Landkreis Rotenburg (Hann.) Verwaltungsgeschichte und die Landräte auf der Website territorial.de (Rolf Jehke), Stand 22. April 2014.

Einzelnachweise

Rotenburg Rotenburg Kategorie:Rotenburg (Wümme) Kategorie:Geschichte (Landkreis Rotenburg (Wümme)) Kategorie:Elbe-Weser-Dreieck Rotenburg Kategorie:Aufgelöst 1977