mini|Die katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Lutwinus in Mettlach mini|St. Lutwinus (Mettlach), Innenraum der im Jahr 1842 gebauten Kirche vor dem Abriss mini|Ansicht der neoromanischen Kirche von Südwesten mini|Blick ins Innere der neoromanischen Kirche mini|Innenansicht von St. Elisabeth in Bonn mit dem Kreuzweg nach Mettlacher Vorbild mini|Blick zur Orgelempore mini|Alter Turm, Eingangsseite mini|Rückseite der Lutwinuskirche

Die Kirche St. Lutwinus ist eine römisch-katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche in Mettlach, Landkreis Merzig-Wadern, Saarland. Die Kirche trägt das Patrozinium des heiligen Liutwin und ist seine Grabkirche. Der neoromanische Sakralbau ist in der Denkmalliste des Saarlandes als Einzeldenkmal aufgeführt.Denkmalliste des Saarlandes, Teildenkmalliste Landkreis Merzig-Wadern (PDF; 320 kB), abgerufen am 25. Dezember 2012. Das Gotteshaus ist Ziel der Lutwinuswallfahrt, die über Jahrhunderte stattfand und seit Anfang der 2000er Jahre wieder neu belebt wurde.

Geschichte Klostergründung Vermutlich um das Jahr 675 gründete der dem fränkischen Hochadel entstammende Lutwinus (auch Liutwin/Leodewinus) in Mettlach die Abtei Sankt Peter und Maria als Eigenkloster, in das er um das Jahr 696 nach dem Tod seiner Gemahlin eintrat. Die Legende berichtet, dass Lutwinus bei einem Jagdausflug in der Nähe der Saarschleife auf einem Felsen hoch über dem Fluss rastete und einschlief. Ein Adler flog herbei, blieb über dem Schlafenden in der Luft stehen und schützte ihn so vor der sengenden Sonne. Als Lutwinus von seinen Dienern, die das Wunder beobachtet hatten, die wundersame Begebenheit erfuhr, deutete er dies als einen göttlichen Fingerzeig. Das sogenannte „Adlerwunder“ brachte die spirituelle Wende in seinem Leben und veranlasste ihn, so die fromme Überlieferung, zur Klostergründung im späteren Mettlach. Die Lutwinuskapelle auf einem Felsen hoch über der Saar im Mettlacher Ortsteil Weiten erinnert an das legendarische Ereignis.

Im Jahr 706 schenkte Lutwinus sein Kloster dem Bistum Trier, wodurch für die Folgezeit die Bischöfe von Trier gleichzeitig auch Äbte des Mettlacher Klosters waren. Der Bruder von Lutwinus’ Mutter, der Trierer Bischof Basin, übertrug Lutwinus vermutlich um 695 einen Teil der Verwaltung des Bistums Trier und weihte ihn zum Chorbischof. Nach dem Tod von Basin im Jahr 705 wurde Lutwinus sein Nachfolger auf dem Trierer Bischofsstuhl. Der fränkische Hausmeier Karl Martell übertrug nach der Schlacht von Vincy (717), durch die dieser zum mächtigsten Mann im Frankenreich aufstieg, Lutwinus als Nachfolger des abgesetzten Bischofs Rigobert von Reims zusätzlich noch das Bistum Reims. Vermutlich starb Lutwinus unmittelbar darauf, denn in den Reimser Bischofslisten ist sein Sohn Milo von Trier verzeichnet. Nach legendarischen Überlieferungen soll Lutwinus ebenfalls Bischof von Laon gewesen sein.Clemens Jöckle: Katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Lutwinus Mettlach (Kunstführer Schnell und Steiner, Nr. 2558), Regensburg 2004, S. 2.

Der ursprüngliche Gedenktag des Heiligen ist der 29. September. Dieser Tag ist jedoch das Fest des Erzengels Michael. So wurde Liutwins Gedenktag im 18. Jahrhundert auf den 28. September vorverlegt. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) wurde schließlich der 23. September als kanonischer Gedenktag festgelegt, der zugleich für den Onkel von Lutwinus, Basinus von Trier, gilt.

Kloster und Wallfahrt mini|links|Die Lutwinuskirche im Wallfahrtsschmuck

Bis zum Jahr 941 waren die Bischöfe von Trier in Personalunion auch Äbte der Abtei Mettlach. Da diese Personalunion das Kloster oft in wirtschaftliche Schieflage gebracht hatte, berief schließlich Bischof Ruotbert von Trier (931–956) aus der Abtei Kornelimünster bei Aachen den Mönch Ruotwich zum Abt (941–975) für Mettlach und gewährte fortan die freie Abtswahl. Bis in seine Zeit sind nach einer bischöflichen Anordnung die Pflichtwallfahrten der Bewohner im näheren und weiteren Umkreis nach Mettlach am Kirchweihtag der Mettlacher Dionysiuskirche (9. Oktober) bezeugt. Später wurde der Weihetag der Abteikirche (12. Mai, „Halbmaitag“), letztendlich der Sonntag nach Christi Himmelfahrt („Hellemädach“, d. h. „heller“ bzw. „lauter“ Maitag wegen des dazugehörigen Wallfahrts- und Markttreibens) zum Wallfahrtstag. Nach einem ersten Niedergang der Wallfahrt verpflichtete Erzbischof Albero von Montreuil (1131–1152) 75 namentlich genannte Pfarreien, wie zu Zeiten seines Vorgängers Ruotbert nach Mettlach zu wallfahren.

Im Jahre 1468 schloss sich die Abtei der Bursfelder Reformbewegung an. Abt Thilmann von Prüm (1479–1504) förderte die Mettlacher Wallfahrt in besonderem Maße. In seine Amtszeit fällt die Stiftung der jüngst wiederaufgefundenen Wallfahrtsfigur, die seit dem Jahr 2003 in der jetzigen Pfarrkirche steht, sowie die Anfertigung der Arm-Reliquiare des heiligen Dionysius und des heiligen Lutwinus, die heute im Hochaltar aufbewahrt werden.

Mit dem Untergang des Mettlacher Klosters in der Französischen Revolution brach die Pflichtwallfahrt der saarländischen Dörfer zusammen. Der heilige Lutwinus zog aber weiter die Pilger nach Mettlach, obwohl im Jahre 1830 Bischof Joseph von Hommer wegen angeblicher Missbräuche die Wallfahrten verbot. Zur Zeit des Mettlacher Pfarrers Lenarz (1855–1863) wird von 4000 bis 5000 Pilgern am Wallfahrtstag berichtet. Im Jahre 1924 wandelte der Mettlacher Pfarrer, Prälat Roman Koll, der große Wiederbeleber der Mettlacher Lutwinus-Verehrung, die Sakramentsprozession am Kirmestag in eine Prozession mit dem Reliquienschrein des Kirchenpatrons um. Seit dem Jahr 2003 ist die Mettlacher Wallfahrt auf die Pfingstnovene zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten ausgedehnt mit der Lutwinus-Prozession am Sonntag nach Christi Himmelfahrt als Höhepunkt.Clemens Jöckle: Katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Lutwinus Mettlach (Kunstführer Schnell und Steiner, Nr. 2558), Regensburg 2004, S. 2–4.

Vorgängerbauten Dionysiuskirche Vor dem Bau des Klosters errichtete Lutwinus im 8. Jahrhundert die Dionysius-Kirche. Sie war dem heiligen Dionysius von Paris geweiht und stand vermutlich dort, wo sich heute das Portal der Alten Abtei erhebt. Die Kirche, die im Jahr 1664 zuletzt urkundlich erwähnt worden war, blieb bis zur ersten Jahrtausendwende Ziel der Lutwinus-Wallfahrt. Diese Kirche wurde 1664 einer Restaurierung des Dachstuhles unterzogen, wobei auch ein neuer Altar aufgestellt wurde.Clemens Jöckle: Katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Lutwinus Mettlach (Kunstführer Schnell und Steiner, Nr. 2558), Regensburg 2004, S. 4.Informationen zur Pfarrkirche St. Lutwinus Auf: www.kunstlexikonsaar.de, abgerufen am 25. Dezember 2012. Anlässlich des Neubaus der Mettlacher Abtei kam es im Jahr 1722 zum Abriss der Kirche.

Johanneskirche Im 12. Jahrhundert wurde eine Kirche mit dem Patrozinium des heiligen Johannes des Täufers außerhalb des Klosterbereiches im südlichen Berghang („G´hansoht“) als Pfarrkirche „St. Johannes bei Mettlach“ erbaut. Die Dionysius-Kirche in Mettlach wurde zur Kapelle umgewidmet. Aufgrund von Baufälligkeit wurde die Johanneskirche in den Jahren 1769/1770 abgerissen.Clemens Jöckle: Katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Lutwinus Mettlach (Kunstführer Schnell und Steiner, Nr. 2558), Regensburg 2004, S. 6.

Alter Turm (Lutwinuskirche I) Abt Lioffin (bis 993) errichtete das heute noch bestehende Oktogon rechts neben dem heutigen ehemaligen Abteigebäude als Marienkirche. Sie beherbergte die Grablege des heiligen Lutwinus und übernahm Ende des 11. Jahrhunderts auch sein Patrozinium. Der sogenannte „Alte Turm“ mit seinem gotischen Vorbau diente der Gemeinde Mettlach in den Jahren 1770 bis 1794 als Pfarrkirche.Clemens Jöckle: Katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Lutwinus Mettlach (Kunstführer Schnell und Steiner, Nr. 2558), Regensburg 2004, S. 6.

Abteikirche St. Peter Das ursprünglich nur dem heiligen Petrus geweihte dreischiffige, romanische Gotteshaus aus dem 10. Jahrhundert musste Anfang des Jahres 1790 auf Anweisung von Trier die Pfarrgemeinde der abgerissenen Johanneskirche aufnehmen. Ihr wurde der Dionysiusaltar des Alten Turmes zugewiesen. Nach dem Abriss der Abteikirche durch die Besitzer der neugegründeten Mettlacher Keramikfabrik im Jahre 1819 wurde das Refektorium der ehemaligen Abtei zum Gottesdienstraum der Pfarrgemeinde umgewidmet. Mit der Genehmigung zum Abbruch der Peterskirche war aber vertraglich der Bau einer neuen Pfarrkirche festgelegt worden.Clemens Jöckle: Katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Lutwinus Mettlach (Kunstführer Schnell und Steiner, Nr. 2558), Regensburg 2004, S. 6.

Lutwinuskirche II Johann Franz Boch-Buschmann (Jean-François Boch) erteilte dem im Jahr 1840 als Baumeister in seine Dienste getretenen Karl August von Cohausen (1812–1894) den Auftrag für die Errichtung der versprochenen Kirche. Nach dessen Plänen konnte am 24. September 1842 im Gewann „Hirtengarten“ am unteren Hang des Mettlacher Gorichkopfes/Gangolfberges der Grundstein zum Bau eines hohen Rechtecksaales in Formen des Rundbogenstils gelegt werden. Die Weihe der Kirche erfolgte am 13. Mai 1847, dem Himmelfahrtstag, durch den Trierer Bischof Wilhelm Arnoldi. Die Mettlacher Kirche war damals Filialgemeinde der Kirche von St. Gangolf. Erst am 19. September 1851 erhob Bischof Arnoldi Mettlach, nachdem der Ort 1803 der Pfarrei St. Gangolf zugeordnet worden war und zwischenzeitlich von 1818 bis 1821 zur Pfarrei Saarhölzbach gehört hatte, erneut zu einer selbständigen Pfarrei III. Klasse. Im Jahr 1855 erhielt Mettlach erstmals wieder einen Pfarrer. Im Folgejahr wurde mit dem Bau des Pfarrhauses im Gewann Hirtengarten begonnen. Es war am Heiligabend des Jahres 1858 bezugsfähig.Reinhold Junges: Die Pfarrei Mettlach. In: Gemeindeverwaltung Mettlach (Hrsg.): 1300 Jahre Mettlach. (= Zehntes Jahrbuch des Vereins für Heimatkunde im Kreis Merzig). Mettlach/Merzig 1975, S. 179–208, hier S. 187–188.

Das Langhaus der Cohausen-Kirche besaß vier Fensterachsen und einen kleinen Glockenträger über der Fassade. Ein romanisierender Rundbogenfries und der dreitorig angelegte Eingangsbereich greifen bereits neoromanische Formen des frühen Historismus auf.Clemens Jöckle: Katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Lutwinus Mettlach (Kunstführer Schnell und Steiner, Nr. 2558), Regensburg 2004, S. 6.

Lutwinuskirche III mini|Grundstein der neoromanischen Lutwinuskirche mit der Inschrift „Lapis Primarius MDCCCIC“ aus dem Jahr 1899