mini|Schaufelradbagger 1521 SRs1300 in Ferropolis mini|Schaufelradbagger beim Abbau im Tagebau Garzweiler (1:40 Min., ca. 9 MB) mini|Größenvergleich zwischen Schaufelradbagger (1556 SRs704) und Kettenbagger im Tagebau Cottbus-Nord

Schaufelradbagger sind Maschinen zum Abbau von Rohstoffen und für den Einsatz auf Großbaustellen. Sie sind mit einem kontinuierlich drehenden Rad mit mehreren Baggerschaufeln zum Lösen und Transportieren des Materials ausgestattet und weisen eine hohe Förderleistung auf. Besonders große Schaufelradbagger – mit Ausmaßen von mehreren hundert Metern – werden im Braunkohlebergbau eingesetzt.

Entwicklung und Größe Schaufelradbagger zählen zu den größten und spektakulärsten Baggern der Welt und werden seit den 1930er Jahren hergestellt. Seit 1978 gibt es Bagger, die täglich bis zu 240.000 Tonnen Kohle oder Kubikmeter Abraum bewegen können. Diese 240000er sind bis heute die größten Bagger der Welt. Mit ihrer Inbetriebsetzung und bei einem Gewicht von mehr als 12.000 Tonnen wurden sie – noch vor den Transportplattformen für die Mondraketen der USA – die größten Landfahrzeuge der Erde. Der 1978 vom VVB TAKRAF Lauchhammer gebaute Bagger 1510 SRs 6300 im Lausitzer Revier und der im selben Jahr von Krupp Industrietechnik gebaute Schaufelradbagger „288“ im Rheinischen Revier waren die ersten Bagger dieser Leistungsklasse. Der Bagger 288 arbeitet momentan im Tagebau Garzweiler (RWE Power). Ein fast baugleiches Exemplar aus derselben Zeit ist der „Bagger 289“, gebaut von O&K (Orenstein & Koppel) und LMG (Lübecker Maschinenbau Gesellschaft), der im Tagebau Hambach arbeitet.

Aufbau mini|Schaufelrad eines Schaufelradbaggers Ein Schaufelradbagger besteht aus einem Fahrwerk, einem drehbaren Oberbau und der Verladeeinrichtung. Das Fahrwerk kann als Raupenfahrwerk oder Schreitwerk ausgeführt sein. Am Oberbau ist der Radausleger angebracht, an dessen Spitze sich das Schaufelrad befindet. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Ausführung des Radauslegers mit oder ohne Vorschub, was technische Parameter (beispielsweise Aufbau und Eigengewicht) wie auch die Gewinnungstechnologie beeinflusst.

Das Schaufelrad kann zur Radauslegerachse verschwenkt, verkippt oder beides sein. Die Verschwenkung des Schaufelrades (um die Vertikalachse) ist meist nötig, um den Freischnittwinkel für den seitlich angebrachten Schaufelradantrieb zu gewährleisten. Das Schaufelrad wird (um die Radauslegerachse) verkippt, um die Entleerung des Fördergutes zu verbessern.

Funktionsweise Der Fahrer schwenkt den Oberwagen in der Regel in einem Winkel von 90° in Abbaurichtung und geräteabhängig bis 35 Grad in Tagebaurichtung. Dabei nimmt dieser den Abraum bzw. die Kohle auf. Das Fördergut wird dann – je nach Stellung des Radauslegers und Höhe der Abbauscheibe – 30 bis 180 Grad aufwärts transportiert, bis es durch die Schwerkraft auf die Schleißschienen (eine 45° schräge Rampe / Rutsche in der sogenannten Schaufelradaustragsschurre) und nachfolgend auf das Förderband des Radauslegers („Radband“) gelangt und zum Unterwagen transportiert wird. Dort fällt es einige Meter tiefer auf ein zweites Transportband, das zum Beladegerät führt. Letzteres verbindet den Bagger mit der Strossenbandanlage des Tagebaus, die entweder zu Absetzer, Förderbrücken, Kohlezwischenlager (Kohlebunker) oder dem Kraftwerk führt. Die Einheit „Beladegerät“ ist fest mit dem Bagger verbunden und gehört somit dazu. Es handelt sich entweder um ein separat gesteuertes Gerät (sog. Trichterwagen) oder – vor allem bei kleineren Schaufelradbaggern in der Kohlegewinnung – um einen schwenkbaren Ausleger mit Abwurftrichter.

Technische Daten Bagger der RWE Power (vormals Rheinbraun)

Bagger 255 Bagger 258 Bagger 259 Bagger 260 Bagger 261 Bagger 262 Bagger 271 Bagger 275 Bagger 281 Bagger 282 Bagger 284 Bagger 285 Bagger 286 Bagger 287 Bagger 288 Bagger 290 Bagger 291 Bagger 293 Baujahr: 1954 1957 1960 1962 1961 1966 1958 1959195819631973 19751974 1976 1978 1978 1983 1995 Besatzung: 3 4 5 4 4 4 4 4 4 5 Dienstmasse: 5900 t 3850 t 7800 t 7800 t 7600 t 7386 t 3216 t 3454 t7800 t7778 t 13.500 t 14.000 t 12.840 t 13.500 t 13.500 t 14.200 t Nennförderleistung: 110.000 m³/d 110.000 m³/d 110.000 m³/d 110.000 m³/d 100.000 m³/d 110.000 m³/d 60.000 m³/d 200.000 m³/d 200.000 m³/d 240.000 m³/d 240.000 m³/d 240.000 m³/d 240.000 m³/d Länge: 210 m 171 m 210 m 195 m 220 m 195 m 125 m 150 m220 m 210 m 225 m 220 m 225 m Höhe: 66 m 50 m 70 m 67 m 70 m 67 m 37 m 41,57 m73 m 92 m 95 m 96 m 96 m 96 m Breite des Fahrwerks: 31 m 31 m 31 m 31 m 26,922 m 45 m 45 m 45 m 45 m Anzahl der Raupen (Haupt- + Nebengerät): 12 + 4 12 + 4 12 12 12 + 6 12 12 12 12 12 12 12 12 Antriebsleistung: 5555 kW 9478 kW 9478 kW 9500 kW 3262 kW 16.560 kW 16.560 kW 21.870 kW Fahrgeschwindigkeit: 2,8–9,6 m/min 2–8 m/min 2–10 m/min 2–10 m/min 2–10 m/min 2–6 m/min 2–8 m/min 2–10 m/min 2–10 m/min 2–10 m/min 2–10 m/min 2–10 m/min 2–10 m/min minimaler Kurvenradius: 50 m 50 m 50 m 100 m 50 m 50 m 50 m mittlerer Bodendruck: 12,5 N/cm² 12,3 N/cm² 12,3 N/cm² 12,0 N/cm² 18,0 N/cm² 17,1 N/cm² Schaufelraddurchmesser: 17,0 m 15,0 m 17,3 m 17,3 m 17,0 m 17,3 m 12,25 m 21,6 m 21,6 m 21,6 m 21,6 m 21,6 m 21,6 m Anzahl der Schaufeln: 10 10 10 10 10 10 10 18 18 18 18 18 18 Schaufel Nenninhalt: 5,3 m³ 1,5 m³ 2,6 m³ 2,6 m³ 2,6 m³ 2,9 m³ 6,6 m³ 6,6 m³ 6,6 m³ 6,6 m³ 6,6 m³ Nennleistung des Schaufelradmotors: 1× 1250 kW 2× 750 kW 3× 630 kW 3× 570 kW 2× 360 kW 4× 630 kW 4× 840 kW 4× 840 kW 4× 840 kW 3× 1680 kW Momentaner Einsatzort: Tagebau Inden Tagebau Garzweiler Tagebau Hambach (im Oktober 2020 mit 44,5 kg Sprengstoff gesprengt und verschrottet) Tagebau Hambach Tagebau Garzweiler Tagebau Garzweiler Tagebau Garzweiler(im Juli 2021 mit 41 kg Sprengstoff gesprengt und verschrottet) Tagebau Inden (am 5. November 2021 mit 56 kg Sprengstoff gesprengt und verschrottet) Tagebau Inden Tagebau Inden Tagebau Garzweiler Tagebau Garzweiler Tagebau Inden Tagebau Hambach Tagebau Garzweiler Tagebau Hambach Tagebau Hambach Tagebau Hambach

Bagger des Mitteldeutschen und des Lausitzer Reviers mini|Schaufelrad des 1510 SRs 6300+VR im Vorschnitt, 2009 Die Schaufelradbagger im Mitteldeutschen Braunkohlerevier (Mibrag) und Lausitzer Braunkohlerevier (LEAG, vormals LAUBAG) wurden ausschließlich vom Kombinat TAKRAF hergestellt. Die Gesamtzahl der in der DDR hergestellten und in den Tagebauen der DDR zum Einsatz gekommenen Schaufelradbagger beläuft sich dabei auf etwa 155 Stück. Hinzu kommen noch Exporte in andere Länder des RGW sowie einige alte Bagger aus der Zeit vor 1945.

Die wichtigsten Typen von TAKRAF sind: SRs 315 SRs 500/630 SRs 630 SRs 630/800 SRs 702, SRs 703 und SRs 704 – ca. 2500 m³/h, SRs 1200 SRs 1300 und SRs 1301 – ca. 3500 m³/h, SRs 2000 – ca. 6000 m³/h, SRs 2400 SRs 6300 – ca. 14.000 m³/h

Die Bezeichnung SRs steht für „Schaufelradbagger auf Raupenfahrwerken, schwenkbar“. Die Zahl gibt dabei den Rauminhalt einer einzelnen Schaufel in Litern an. Da im Laufe der Entwicklung die Leistungsfähigkeit der Bagger trotz gleichbleibender Schaufelgröße gesteigert werden konnte (beispielsweise durch schneller drehende Schaufelräder, mehr Schaufeln und schnellere Bänder), ist man später dazu übergegangen, die Zahl von der Schaufelgröße zu lösen und diese auf ein theoretisches Schaufelvolumen zu beziehen, welches zur Anwendung gekommen wäre, würde der Bagger in konventioneller Weise gebaut sein. So entspricht die Leistung eines SRs 1300 ungefähr der Leistung eines klassischen Baggers mit 1300 l Schaufelinhalt, obwohl der SRs 1300 nur einen Schaufelinhalt von 700 l bietet. So weist beispielsweise der größte in der DDR gebaute Schaufelradbagger vom Typ SRs 6300 einen Schaufelinhalt von 3300 l auf – und erreicht dennoch die Leistung eines Pendants mit 6300 l Schaufelinhalt. Zwei dieser Geräte werden im Tagebau Nochten (Sachsen; Baujahr 1978) und im Tagebau Welzow-Süd (Süd-Brandenburg; Baujahr 1981) eingesetzt. Ein weiteres Gerät (DDR-Nr. 1550) dieser Größe ist 1988 im Tagebau Breitenfeld (Leipziger Revier) in Betrieb gegangen, wurde allerdings 1996 verschrottet. Obwohl ihre Ausmaße mit 243 m Länge, 57 m Breite und 63 m Höhe unter denen des Baggers 288 (RWE Power) liegen, so erreichen sie doch mit bis zu 336 000 m³/Tag eine deutlich höhere theoretische Förderleistung. Diese theoretische Förderleistung wird allerdings selten erreicht, da hierfür ideale Verhältnisse (loser Kies, hoher Stoß, große Scheibenhöhe) vorhanden sein müssen. Förderleistungen von rund 275.000 m³/Tag sind allerdings schon praktisch erreicht worden.

Ein an die Typenbezeichnung angehängtes „a“ oder „n“ bezeichnet Typen, von denen es eine alte Variante (oftmals Typen aus der Zeit vor 1960) und eine neuere Variante gibt.

Die vollständige Gerätebezeichnung umfasste neben dem (theoretischen) Schaufelinhalt noch die maximale Abbaumächtigkeit im Hoch- und Tiefschnitt, sowie die Länge des Vorschubs und die Antriebsleistung des Schaufelradantriebs. Sofern ein Verladegerät vorhanden gewesen ist, kam noch die Angabe des damit überbrückbaren Höhenunterschieds hinzu. Beispielsweise lautete die exakte Typ-Angabe für einen Bagger vom Typ SRs 1200a: SRs 1200.24/4.12 (400 kW)

Daraus lässt sich ablesen, dass der Bagger Schaufeln mit einem Inhalt von jeweils 1200 l hat, im Hochschnitt 24 m und im Tiefschnitt 4 m Mächtigkeit bewältigen kann, einen 12 m langen Vorschub bietet und eine Schaufelradantriebsleistung von 400 kW hat.Autorenkollektiv: Grundlagen für die Berechnungen von Tagebauen. 3. überarb. u. erw. Auflage. VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1982.Autorenkollektiv: Tagebautechnik. Band I, 1. Auflage. VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1979. Von Baggern desselben Grundtyps (z. B. SRs 702) gab es auch verschiedenen Ausführungen, die sich durch andere Abbaumächtigkeiten unterschieden.

Gegen Ende der DDR waren zum Einsatz im Vorschnitt der Tagebaue Nochten und Jänschwalde noch größere Bagger vom Typ SRs 8000 (Baggernummern 1580 und 1587) geplant. Stattdessen wurde von TAKRAF unter dieser Typenbezeichnung der Bagger 293 für den Tagebau Hambach realisiert. Dieser ist damit das schwerste Landfahrzeug der Welt sowie, zusammen mit dem Bagger 288, auch das höchste.

Die größeren Geräte (ab SRs 2000) werden meist zur Abraumförderung eingesetzt, die Bagger mit den geringeren Schaufelvolumen meist zur Gewinnung von Braunkohle. Anfänglich wurden auch kleinere Bagger (zum Beispiel SRs1200) zum Bewegen von Abraummassen verwendet.

Bagger im Lausitzer Revier mini|Schaufelradbagger 1530 SRs 1301 in der Kohle des Tagebaus Welzow-Süd mini|Schaufelradbagger 1571 SRs 2000+VR im Vorschnitt des Tagebaus Nochten mini|Schaufelradbagger 1510 SRs 6300+VR im Vorschnitt des Tagebaus Nochten mini|Steuerung des Abraumbaggers 1510 SRs 6300 im Tagebau Greifenhain (1984)

Heute sind noch im Lausitzer Revier im Einsatz:

Tagebau Jänschwalde 1504 SRs 1300 (Kohle) 1506 SRs 1300 (Kohle) 1523 SRs 1300 (Kohle) 1557 SRs 2000+VR (Vorschnitt)

Tagebau Nochten 1531 SRs 1301 (Kohle) 1535 SRs 1301 (Kohle) 1510 SRs 6300+VR (Vorschnitt)

Tagebau Reichwalde 1575 SRs 704 (Kohle) 1534 SRs 1301 (Kohle) 1571 SRs 2000+VR (Vorschnitt)

Tagebau Welzow-Süd 1496 SRs 630n (Tondeponie) 1530 SRs 1301 (Kohle) 1532 SRs 1301 (Kohle) 1519 SRs 6300+VR (Vorschnitt)

In Museen erhalten sind weiterhin: 1452 SRs 1200a (Bagger 1452 am früheren Tagebau Berzdorf) 1539 SRs 240 (Energiefabrik Knappenrode)

Bagger im Mitteldeutschen Revier

Tagebau Amsdorf 1447 SRs 1200a

Tagebau Profen 1541 SRs 1300 1553 SRs 1300 1511 SRs 2000+VR 1580 SRs 2000+VR

Tagebau Vereinigtes Schleenhain 1548 SRs 320 (Kohle) 1554 SRs 703 (Kohle) 1566 SRs 703 (Kohle) 1512 SRs 1300 (z. Zt. in Remontage) 1517 SRs 1300 (Kohle) 1528 SRs 2000 (Vorschnitt) 1552 SRs 2000 (Vorschnitt)

In Museen erhalten sind: 1521 SRs 1300 (Ferropolis) 1547 SRs 1000n (Bergbau-Technik-Park am ehemaligen Tagebau Espenhain)

Verlegung in andere Tagebaue