Bad Steben ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Hof und besitzt das nördlichste Staatsbad in Bayern. Vor der Verleihung des Titels Königlich Bayerisches Staatsbad wurde der Ort Steben genannt und war das Zentrum des Bergbaus im Frankenwald. Bad Steben gehört zum Hofer Land.

Geografie Der Markt liegt im Naturpark Frankenwald, etwa 20 km westlich von Hof (Saale). Die Gemeinde hat ein föhnfreies Mittelgebirgsklima.

Gemeindegliederung Es gibt 21 Gemeindeteile (in Klammern sind der Siedlungstyp und Einwohnerzahlen Stand 31. Dezember 2013 angegeben):

Die Einöde Sachsenruhe zählt zum Gemeindeteil Bad Steben, die Einöden Gerlaser Forsthaus und Ziegelhütte zum Gemeindeteil Bobengrün und die Einöde Hölzle zum Gemeindeteil Thierbach.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Bad Steben, Bobengrün, Carlsgrün, Gerlaser Forst, Obersteben und Thierbach. Die Gemarkung Bad Steben hat eine Fläche von 5,165 km². Sie ist in 1855 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2785,51 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Mordlau und Oberzeitelwaidt.

Ortsname mini|Hauptstraße um 1900: hinten Humboldthaus mit Gartenhaus mini|Kurhaus Bad Steben von 1911 mini|Rathaus Der Ort wurde am 25. Dezember 1374 als „zu den Steben“ erstmals urkundlich erwähnt. Dem Ortsnamen liegt wahrscheinlich die Pluralform von oder vor. Zur Unterscheidung von Obersteben wurde der Ort in der Folgezeit „Untersteben“ genannt.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon der fränkischen Ortsnamen, S. 33. Ab 1898 lautete der amtliche Name des Ortes „Steben“ und ab 1925 „Bad Steben“.

Geschichte Untersteben gehörte lange zum hohenzollerischen Markgraftum Bayreuth, ab 1500 auch zum Fränkischen Reichskreis.

Zur Realgemeinde Untersteben gehörten Dörflas, Mordlau und Oberzeitelwaidt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Untersteben aus 72 Anwesen. Die Hochgerichtsbarkeit sowie die Dorf- und Gemeindeherrschaft stand dem bayreuthischen Vogteiamt Schauenstein zu. Grundherren waren die Gemeinde (Schule, Schulmeisterwohnung), die Kirchengemeinde (Kirche, Pfarrwohnung) und das Kastenamt Lichtenberg (1 Mühle, 1 Hof, 17 Halbhöfe, 4 Viertelhöfe, 14 Gütlein, 2 Häuser, 18 Tropfhäuser, 12 halbe Tropfhäuser) Die Wehrzollstätte war herrschaftlicher Besitz.M. Körner: Naila, S. 307f.

Von 1797 bis 1810 unterstand Untersteben dem preußischen Justiz- und Kammeramt Naila. Nachdem im Jahr 1810 das Königreich Bayern das Fürstentum Bayreuth käuflich erworben hatte, wurde der Ort bayerisch. Infolge des Ersten Gemeindeedikts wurde 1812 der Steuerdistrikt Untersteben gebildet. Zu diesem gehörten Carlsgrün, Fichten, Krötenmühle, Lochau, Mordlau, Obersteben, Oberzeitelwaidt, Schleeknock und Untere Zeitelwaidt. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt entstand die Ruralgemeinde Untersteben, zu der Mordlau und Oberzeitelwaidt gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Naila zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Lichtenberg (1919 in Finanzamt Lichtenberg umbenannt, seit 1955 Finanzamt Naila). Ab 1862 gehörte Untersteben zum Bezirksamt Naila (1939 in Landkreis Naila umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Naila (1879 in Amtsgericht Naila umgewandelt). Die Gemeinde Bad Steben hatte 1964 eine Fläche von 5,160 km².

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Gemeinde am 14. April 1945 durch amerikanische Truppen kampflos besetzt. Am 22. April 1952 wurde Bad Steben zum Markt erhoben.

1983 wurde das staatliche Kurhotel für einen Neubau abgebrochen, das Parkschlößchen wurde saniert. Im Jahr 2007 feierte Bad Steben das 175-jährige Jubiläum als Staatsbad mit diversen Veranstaltungen im Biedermeierstil.

Heilquellen und Bergbau 1444 gab es erste Berichte über die Quellen. 1553 badete Heinrich Reuß von Plauen anlässlich der Belagerung von Lichtenberg im Zweiten Markgräflerkrieg darin. 1690 erschien ein erster wissenschaftlicher Bericht vom Hof- und Stadtmedikus Gottfried von Stein. Bis zur Übernahme der Quellen durch das Königreich Bayern war Steben ein Bergbauort. Der Bergbau im Stebener Gebiet geht bis in das 8. Jahrhundert zurück.

Als das Königreich Preußen 1792 die hohenzollerischen Gebiete in Franken und damit auch das Markgraftum Bayreuth übernahm, forderte der in Bayreuth residierende Staatsminister Karl August von Hardenberg den frischgebackenen Bergassessor Alexander von Humboldt zur Bestandsaufnahme der Gruben und Hütten in den neuen Provinzen an.

Humboldt bezog im Juni 1792 in Steben das heutige Humboldt-Haus. In einem ca. zehn Wochen (Juni bis August 1792) dauernden Kraftakt erstellte der junge Mann einen 150 Seiten langen, umfassenden Bericht der Situation, der in Berlin helle Begeisterung auslöste. Die humboldtschen Ökonomisierungsvorschläge und die detaillierten Meldungen über die reichen Bodenschätze in der Region (u. a. Silber, Kupfer, Zinn, Blei, Eisen und Edelsteine), vor allem aber seine Berichte über die von ihm neuentdeckten Goldflöze kamen der Behörde sehr entgegen.

1793, nach der Verlegung des Bergamtes von Naila nach Steben, errichtete Humboldt in Steben in Eigeninitiative eine königlich-preußische freie Bergschule, um den Bergleuten elementare Berufskenntnisse beizubringen. Der Unterricht umfasste auch Rechnen, Schreiben und Lesen. Von Heinitz hatte ein offenes Ohr für diese Gründung, hatte er doch auch 1777 in Freiberg eine Zeichen- und Rechenschule eröffnet. Als Humboldt die Auslagen für seine Unternehmung zurückerstattet bekommen sollte, schlug er vor, mit dem Betrag eine Krankenkasse und eine Witwenversorgung einzurichten, ein für die damalige Zeit beispielloser Akt sozialer Gesinnung, aber auch Zeugnis der fürsorglichen Haltung des jungen Liberalen. Auch die Kostenfreiheit für den Besuch der Bergschule war dafür ein Hinweis. Mit Tatkraft und Einfallsreichtum brachte es der neue Chef im Revier dazu, dass sich in Jahresfrist die Erträge aus den Bergwerken vervielfachten. Man lobte das Genie des jungen Mannes, dem man die kühnste Karriere voraussagte. Humboldt schied jedoch auf eigenen Wunsch 1795 aus dem Staatsdienst aus, um sich ganz der Naturforschung und der Wissenschaft zu widmen.

Am 8. Juni 1832 wurde Steben der Titel Königlich Bayerisches Staatsbad verliehen. In der Zeit von 1837 bis 1911 wurden die wesentlichen, zum Teil heute noch vorhandenen Gebäude in den Kuranlagen errichtet. Den Abschluss bildete das alte Kurhaus im Jahre 1911. Insbesondere während der Regentschaft Prinzregent Luitpolds von 1886 bis 1912 hatte Steben einen großen Aufschwung. Im Juli 1913 weilte der spätere Schriftsteller und Dichter Bertolt Brecht mit seiner Mutter zur Kur in Bad Steben, wo der junge Brecht Bäder nahm und Stahlwasser trank, wovon man sich eine Besserung seines HerzleidensMartin Droschke: BertoldBrecht ist 15 Jahre jung […]. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 14. Juli. erhofft hatte.

Eingemeindungen Von 1971 bis 1978 kam es im Zuge der Gebietsreform in Bayern zur Eingemeindung der Gemeinden Obersteben (1. Januar 1971), Carlsgrün (1. April 1971), Thierbach (1. Januar 1972) und Bobengrün (1. Januar 1978). Zum 1. Januar 2025 wurde das gemeindefreie Gebiet Gerlaser Forst aufgelöst und in das Gemeindegebiet des Marktes eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 3615 auf 3405 um 210 bzw. um 5,8 %. Am 31. Dezember 1990 hatte Bad Steben 3804 Einwohner.

Gemeinde Bad Steben Jahr 1819 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2007 2010 2015 2022Einwohner 603 844 858 904 811 800 796 827 788 874 860 935 1014 1106 1219 1488 1484 1325 2674 2505 2148 2116 3667 3546 3471 3435 3369HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1799 werden diese als Häuser bezeichnet, von 1871 bis 2022 als Wohngebäude. 123 137 126 158 214 214 358 1046 1102 1125Quelle Für die Gemeinde Untersteben zuzüglich Mordlau (S. 78) und Zeidelwaid (S. 142).

Ort Bad Steben Jahr 1799 1819 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2013Einwohner 436 576 890 770 772 911 1478 2490 2136 2101 1975 1890Häuser 75 134 155 211 211 355 530 Quelle J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 5, Sp. 650.

Politik

Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat hat 16 Mitglieder. Weiteres Mitglied und Vorsitzender ist der Erste Bürgermeister. Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 haben von den 2920 Stimmberechtigten 2096 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, womit die Wahlbeteiligung bei 71,78 % lag.

Bürgermeister August Wölfel 1868–1875Johann Burger1876–1879Johann Heinrich Stöcker1879–1881Heinrich Karl-Friedrich Ernst1882–1887Georg Heinrich Herpich1888–1893Martin Rockelmann1894–1929Philipp Horn1930–1933Heinrich Hagen1934–1934Otto Gollwitzer1934–1939Karl Gölkel1939–1943Erhard Martin Weinrich1943–1945Kurt Steinitz1945Johann Findeiß1945Johannes Schueller1945Heinrich Völkel1945–1969Gebhardt Steuer1969–1969Erhardt Thumser1969–1972Hans Brandl1972–1991Hellmut Nietner1991–2001Bert Horn2001–2026Maximilian Stöckl2026–jetzt Bei der Kommunalwahl vom 8. März 2026 wurde Maximilian Stöckl (CSU) mit 72,6 % der Stimmen gewählt.

Sein Vertreter ist in der Legislaturperiode 2026–2032 der zweite Bürgermeister Christian Wages (CSU). Die Position des dritten Bürgermeisters wurde nicht mehr besetzt.

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist gelb-blau.

Gemeindepartnerschaften Berlin-Reinickendorf

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Humboldthaus (2020) mini|Lutherkirche (2026) Rathaus Bad Steben Alte Wehrkirche St. Walburga mit Seccomalereien aus der Zeit um 1500; der Ursprung der Kirche geht auf das Jahr 1009 zurück, sie war die Mutterkirche vieler Kirchen und Kapellen im Frankenwald Lutherkirche von 1910 (Jugendstil, Stahlbetonbau mit Sichtbeton) Katholische Kirche Maria Königin des Friedens, am Eingang des KurparksWebsite der kath. Kirche Alexander-von-Humboldt-Haus (Privatbesitz) Altes Bergamt (Neubau, Privatbesitz) Kurpark mit Säulenwandelhalle (Kolonnaden) und Kurhaus, in dem sich das Grafikmuseum Stiftung Schreiner befindet Klenzebau im Kurpark, 1837 als Badehaus nach Entwürfen von Leo von Klenze erbaut Therme Bad Steben im Kurpark, im Jahre 2004 eröffnet, im Jahr 2007 mit einer Saunaanlage erweitert. 2017 Erneute Erweiterung des Saunabereiches und Ergänzung mit einer Freibadanlage sowie einem Wohnmobilstellplatz. Spielbank Bad Steben Altes Rathaus der ehemaligen Gemeinde Bobengrün Aufgelassener Marmorbruch Horwagen im Gemeindeteil Bobengrün, heute eines der 100 schönsten Geotope Bayerns

Gedenkbäume Reichsgründungs-Eiche: Stieleiche vor der Lutherkirche in der Luitpoldstraße; gepflanzt 1871 aus Anlass der Gründung des Deutschen Reíchs Einheits-Eiche: Stieleiche vor der Lutherkirche in der Luitpoldstraße; gepflanzt am 3. Oktober 1990 aus Anlass der deutschen Wiedervereinigung

Heilwasserquellen In Bad Steben gibt es drei Heilwasserquellen für Trink- und Badekuren: Tempel-Quelle (radonhaltiges Wasser), siehe auch Wappen von Bad Steben Wiesen-Quelle (Calcium-Hydrogencarbonat Säuerling) Max-Marien-Quelle (Calcium-Magnesium-Hydrogencarbonat Säuerling) Quellort: Langenau, Gemeinde Geroldsgrün

Die Mineralquellen gehörten anfangs dem Herzog von Andechs-Meranien. Zwischen 1248 und 1407 wurden sie Eigentum der Grafen von Orlamünde und ab 1407 bis 1622 gingen sie in den Besitz der Edlen von Wallenfels über. 1622 kamen sie in den Besitz der Markgrafen von Bayreuth und wurden 1751 der Gemeinde übergeben. Diese verkauften die Mineralquellen für 600 Gulden dem Staat Bayern.Ortskarte für das kgl. bayr. Bad Steben, Druck M. Schumann Bayreuth, Entwurf von Martin Rockelmann, Baumeister und Bürgermeister in Steben

Sport und Freizeit Freibad an der Therme Bad Steben Fußballplatz des TSV Bad Steben Froschbachtal beim Gemeindeteil Bobengrün Höllental und Rennsteig in ca. drei Kilometer Entfernung