mini|Beth Chatto Beth Chatto OBE VMH (* 27. Juni 1923 in Good Easter, Essex als Beth Little; † 13. Mai 2018) war eine britische Gärtnereibesitzerin.
Leben Chatto wurde 1923 als Tochter eines Dorfpolizisten geboren, sie hatte zwei BrüderCatherine Horwood, Right Plant, right Place. The English Garden, July 2018, 62. Sie verbrachte ihre Kindheit in Great Chesterfield in Essex, bevor die Familie nach Elmstead Market umzog. Bereits als Kind betreute sie ein Stückchen Land im Garten ihrer Eltern. Sie besuchte die Colchester County High School for Girls und wurde dann als Lehrerin ausgebildet. Chatto war Mitglied im Colchester Flower Club, wo sie lernte, Schnittblumen zusammenzustellen. Chatto interessierte sich auch für die Pflanzen der heimischen SalzwiesenCatherine Horwood, Right Plant, right Place. The English Garden, July 2018, 62. So lernte sie Andrew Chatto (* 1909), einen Obstgärtner aus Radlett in Hertfordshire, der eine Zeitlang in den USA (Laguna Beach, Kalifornien) gelebt hatte, kennen. Er stammte aus einer Londoner Verlegerfamilie (sein Vater Andrew Chatto (1841–1913) hatte 1873 den Verlag Chatto and Windus, der aus 1855 begründeten Druckerei von John Camden Hotten erwuchs) gegründet. Sie heirateten 1943. Andrew Chatto war sehr an Pflanzenökologie interessiert und obwohl er nie zum Thema publiziert hatte, sammelte er zahlreiche Daten zu ausgewählten Ökozonen, wozu er auch russische Literatur einsah. Er war stark durch die deutsche Pflanzensoziologie beeinflusst. Sein Archiv ist heute, mit Hilfe des Gartenautors Noel Kingsbury, der Hardy Plant Society und zahlreicher Freiwilliger im Internet einsehbar.Noel Kingsbury 2010, zuletzt eingesehen 23/12/2012
Das Ehepaar lebte zunächst in Colchester im Hause von Andrews Eltern. 1960 erbaute die Familie den modernen Bungalow White Barn House auf einer Brache in Andrew Chattos Obstgärtnerei und zog von Colchester nach Elmstead Market. Die Farm liegt an der Straße nach Clacton. Chatto half in der Gärtnerei ihres Gatten mit. Mit Hilfe von Andrew Chatto begann sie, einen Garten um das Haus anzulegen. Nur die alten Eichen blieben erhalten, alles andere wurde umgestaltet. So beseitigte Chatto alte FeldwälleBeth Chatto, The dry Garden, London, Orion 1978, 30 mit einem Bulldozer, um Platz für Zierpflanzen zu erhalten, und planierte einen Dachsbau, um 1960 ihren „Mittelmeergarten“ anzulegen.Beth Chatto, The dry Garden, London, Orion 1978, 94 Da die Obstplantage ihres Gatten wenig Gewinn abwarf, musste sich Beth Chatto nach einer anderen Einkommensquelle umsehen und gründete daher 1967 eine Zierpflanzenhandlung namens „Unusual Plants“, die auf Stauden spezialisiert warChristian Lloyd, The Beth Chatto Gardens. In: Other people's gardens, Viking 1995, 30. Dabei konnte sie ihre Beziehungen zu Helene von Stein-Zeppelin in Laufen in Baden nutzen, die sie mit in England nicht erhältlichen Pflanzen versorgte. Der Maler Cedric Morris machte sie mit vielen ungewöhnlichen Pflanzenarten bekannt und gab ihr Ableger von Pflanzen, die er auf seinen zahlreichen Mittelmeereisen gesammelt oder gezüchtet hatteCatherine Horwood, Right Plant, right Place. The English Garden, July 2018, 64. 1987 gewann sie ihre letzte Goldmedaille auf der Chelsea Flower ShowCatherine Horwood, Right Plant, right Place. The English Garden, July 2018, 64.
Die Obstgärtnerei, die nie gute Erträge abgeworfen hatte, wurde 1970 geschlossen,Noel Kingsbury 2010, zuletzt eingesehen 23/12/2012 und das Land verkauft, danach lebte die Familie von der ZierpflanzengärtnereiBeth Chatto, Nursery woman. In: Diana Ross, Gardeners: Encounters with exceptional People. London, Frances Lincoln 2008, 124.
Beth Chatto verfasste zahlreiche Bücher über die Anlage von Ziergärten in „Problemlage“ (trocken, feucht, schattig) und unternahm ab 1983 internationale Vortragsreisen, teilweise zusammen mit Christopher Lloyd, nach Australien, Kanada und den USA. Sie reiste außerdem nach Marokko und Südafrika. Beth Chatto war auch an Musik interessiert, mit Christopher Lloyd besuchte sie Opern im exklusiven GlyndebourneBeth Chatto, Christopher Lloyd 1998, Dear Friend and Gardener, Letters on Life and Gardening. London, Frances Lincoln, 16, 80. Chatto stellte ihre Pflanzenarrangements auf Ausstellungen der Royal Horticultural Society aus, ihr erster Stand wurde jedoch fast abgelehnt, da er zu viele Unkräuter darbotCatherine Horwood, Right Plant, right Place. The English Garden, July 2018, 62.
Ihr Gatte verstarb 1999 nach langer Krankheit, er litt an einem Lungenemphysem. Das Ehepaar hatte zwei Töchter, Diana und MaryBeth Chatto, Christopher Lloyd 1998, Dear Friend and Gardener, Letters on Life and Gardening. London, Frances Lincoln, 5.
Garten mini|Beth Chatto-Garden in Elmstead Market, Essex Der Garten Chattos befindet sich in Elmstead Market bei Colchester in Essex, einer für englische Verhältnisse sehr trockenen Gegend mit durchschnittlich 510 mm Niederschlag im Jahr und starken Ostwinden.Beth Chatto, The dry Garden, 5 Er liegt auf einer Endmoräne, der Boden besteht aus Schotter, Sand und Geschiebelehm mit eingelagerter Kreide.
Auf dem Gelände befand sich auch ein Stück Marschland mit Quellen. Chatto gestaltete den Entwässerungsgraben zu vier viereckigen Teichen, die mit Sumpfpflanzen umgeben sind. Hier liegt heute der Sumpfgarten. Hier wachsen unter anderem Gunnera, rosa Zier-Knöteriche (Persicaria bistorta), Hechtkräuter, Bambus, Farne und Sumpfzypressen sowie zahlreiche grellbunte Primel-Hybriden. Die in England sehr populären japanischen Funkien in ihren unterschiedlichen, oft panaschierten Varietäten werden üppig eingesetzt.
Nach dem großen Sturm von 1987 legte Chatto im Schatten von Eichen 1989 einen Waldgarten an. Hier wachsen Schneeglöckchen, Osterglocken und zahlreiche hybride Christrosen in zahlreichen Pastelltönen. Im Frühjahr bringen rote und gelbe Kaiserkronen etwas Farbe in die flache Landschaft.
Ein Artikel von Graham Rose in der Sunday Times machte Chattos Trockengarten in ganz Großbritannien bekannt und führte 1978 zur Publikation ihres Buches The dry Garden.Beth Chatto, The dry Garden, London, Orion 1978, xi Der berühmte Kiesgarten sollte den englischen Gartenenthusiasten nach dem „Dürrejahr“ 1976 demonstrieren, dass ein Garten auch ohne Bewässerung auskommen konnte. Chatto bepflanzte im Winter 1991 die ehemalige Zufahrt zu ihrem Haus und den unbefestigten Parkplatz mit Pflanzen aus mediterranen und Steppengegenden, nachdem sie ein neues Landstück für einen anderen Parkplatz erworben hatteChristian Lloyd, The Beth Chatto Gardens. In: Other People's gardens, Viking 1995, 39. Eine Hecke aus Leyland-Zypressen bot Schutz gegen den Wind. Der Untergrund bestand aus Kies, war jedoch mit Humus verbessert worden, als Chatto hier in den 1960er Jahren ihre 90 m langen „Langen Rabatten“ nach dem Vorbild von Gertrude Jekyll angelegt hatteBeth Chatto, The dry Garden, London, Orion 1978, 35-53. Die Umrisse der Beete folgten dem damals populären Prinzip der „Inselbeete“ und waren mit Hilfe eines Gartenschlauchs in schwingenden Linien angelegt, die ein ausgetrocknetes Flussbett nachahmen sollten. Chatto mischte trockenheitsresistente Pflanzen aus allen Kontinenten, der Kiesgarten enthält so mexikanische Palmlilien, Schmucklilien aus der Capensis, amerikanische Agaven und australische Eukalyptusbäume. Verschiedene Arten von Zistrosen, Heiligenkraut, Strauchveronika, Zierlauch, Gipskraut, Mannstreu und Wolfsmilch werden besonders häufig eingesetzt. Koniferen wie Zypressen setzen vertikale Akzente, der nordamerikanische Essigbaum sorgt im Herbst für grelle Farben. Seit der Anlage wurde der Garten nicht mehr gewässert, aber gedeiht ausgezeichnet. Der Einsatz von Kies folgte der Verwendung von Rindenmulch und Stroh, um den Garten pflegeleicht zu halten. Bei der Auswahl von Pflanzen konnte Chatto auf die umfänglichen Studien ihres Gatten zurückgreifen. Wie sie zugibt, folgte sie seinen Ratschlägen jedoch oft nichtBeth Chatto, The dry Garden, xi.
Seit der Anlage des Kiesgartens registrierte Chatto penibel die täglichen Niederschläge, und ihre Briefe an Christopher LloydBeth Chatto, Christopher Lloyd 1998, Dear Friend and Gardener, Letters on Life and Gardening. London, Frances Lincoln beschreiben im Detail jeden einzelnen Regenguss. In Deutschland fühlte sie sich jedoch durch das Geräusch eines heftigen Landregens gestörtBeth Chatto, Christopher Lloyd 1998, Dear Friend and Gardener, Letters on Life and Gardening. London, Frances Lincoln, 57.
Chattos Interesse an Ökologie bedeutete nicht, dass sie auf den Einsatz von Giften oder Torf verzichtete. Für die Rabatten empfiehlt sie die „gründliche“ Anwendung des Entlaubungsmittels 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure,Beth Chatto, The dry Garden, London, Orion 1978, 18 diese konnten allerdings verhindern, dass die Pflanzen sich selbst durch Samen vermehrten.Beth Chatto, The dry Garden, London, Orion 1978, 34-35 Sie empfiehlt Paraquat (in der EU nicht zugelassen) um Rasenflächen zu vernichten,Beth Chatto, The dry Garden, London, Orion 1978, 41 Basamid (in Deutschland nicht zugelassen), um Erde zu „sterilisieren“Beth Chatto, The dry Garden, London, Orion 1978, 88 und Azulox gegen FarneBeth Chatto, The dry Garden, London, Orion 1978, 95. Auch nachdem sie zu „ökologischem“ Gartenbau gewechselt war, wurden die Wege noch regelmäßig mit Gift behandeltBeth Chatto, Christopher Lloyd 1998, Dear Friend and Gardener, Letters on Life and Gardening. London, Frances Lincoln, 53.
Der Garten ist für zahlende Besucher geöffnet. 2006 eröffnete Chatto ein Café (Tea-Room) auf dem Gelände, wo die Besucher Nippes und Andenken erstehen können. Der wohlgeordnete Gemüsegarten, der nicht öffentlich zugänglich ist, wurde zu einem Zufluchtsort für ChattoBeth Chatto, Christopher Lloyd 1998, Dear Friend and Gardener, Letters on Life and Gardening. London, Frances Lincoln, 53.
Zu ihren zahlreichen Angestellten gehört der Obergärtner David Ward, der für die Vermehrung der Pflanzen zuständig ist. Fergus Garrett arbeitete als Gärtner für Chatto, bevor er nach Great Dixter zu Christopher Lloyd überwechselte, der ihm mehr gestalterischen Spielraum gewährte. Heute wird die Gärtnerei durch Chattos Enkelin Julia Boulton geleitetCatherine Horwood, Right Plant, right Place. The English Garden, July 2018, 65.
Stil
Chatto lehnte pflegeintensive Rasenflächen ab. Ihre Gärten kommen, bis auf die Teiche, weitgehend ohne feste Installationen aus, sie sind durch die Anordnung der Pflanzen geprägtBeth Chatto, Foreword. In: Fergus Garrett, A year in the life of Beth Chatto's Gardens (Photographs by Rachel Warne). London, Frances Lincoln 2012, 8. Akzentpflanzen wie Agave americana, Kerzen-Palmlilie oder Baumheide wurden an Stelle der herkömmlichen Statuen oder Gartenlauben verwendetBeth Chatto, Christopher Lloyd 1998, Dear Friend and Gardener, Letters on Life and Gardening. London, Frances Lincoln, 97. Als Wege und Stufen dienen Betonplatten, die der Gatte nach ihrer Anweisung in Heimarbeit fertigteBeth Chatto, The dry Garden, 21-22. Chatto legte besonderen Wert auf Unterschiede im Blattwerk und nutzte Pflanzen mit großen Blättern als Akzentpflanzen.Beth Chatto, Foreword. In: Fergus Garrett, A year in the life of Beth Chatto's Gardens (Photographs by Rachel Warne). London, Frances Lincoln 2012, 8 Der Wechsel im Blattwerk sei eine Erholung für Augen und Verstand.Beth Chatto, The dry Garden, 45 Der häufige Einsatz panaschierter Varietäten in den Gärten zerstört gezielt jeden Eindruck von Naturnähe, der Besucher ist sich jederzeit bewusst, in einem Schaugarten zu sein.
Als Gestaltungsprinzip verwendete Chatto gerne das Dreieck, wie sie es beim Blumenarrangieren nach den Regeln des japanischen Ikebana gelernt hatteBeth Chatto, The dry Garden, 45. Sie warnte, dass ein Mangel an Prinzipien im Garten, wie auch anderswo, Chaos hervorrufe.Beth Chatto, The dry Garden, 45