Microchilus ist eine Gattung aus der Familie der Orchideen (Orchidaceae). Sie besteht aus etwa 164 Arten krautiger Pflanzen, die im tropischen Amerika beheimatet sind.
Beschreibung Die Arten der Gattung Microchilus bilden ein kriechendes Rhizom, das an den Nodien bewurzelt ist. Die aufsteigenden Sprosse tragen die Laubblätter gleichmäßig verteilt oder in einer lockeren Rosette, etwa in der unteren Hälfte des aufrechten Sprosses. Die Blätter sind breit bis schmal oval geformt, oft etwas asymmetrisch, kurz gestielt. Der röhrenförmige Blattgrund umfasst den Spross. Die Farbe der Blätter ist grün bis bräunlich, manchmal mit hellgrüner oder silberner Zeichnung.
Über den Blättern setzt sich die Sprossachse als vielblütiger, traubiger Blütenstand fort. Die Blütenstandsachse ist behaart und wird von wenigen Hochblättern umfasst. Die Tragblätter sind etwa so lang wie Fruchtknoten und Blütenstiel zusammen. Der Fruchtknoten ist behaart und verdreht, die Blüten sind dadurch resupiniert. Die Blütenblätter sind frei. Die drei Sepalen sind etwa gleich geformt und gleich groß, auf der Außenseite bei einigen Arten behaart. Die seitlichen Sepalen sind abgespreizt, das obere Sepal bildet mit den ihm anhaftenden seitlichen Petalen eine Röhre. Die seitlichen Petalen sind schmal linealisch bis länglich-lanzettlich, oberhalb der Mitte am breitesten. Die Lippe bildet an der Basis einen langen, zylindrischen bis ovalen, nur selten am Ende zweilappigen Sporn. Im Innern des Sporns sind meist niedrige Lamellen vorhanden. Die Lippe ist zweigeteilt: Der basale Teil, das Hypochil, ist u-förmig im Querschnitt und besitzt nur selten Lamellen im Innern. Der vordere Teil, das Epichil, ist ganzrandig oder endet zweilappig. Die Säule ist spindelförmig, ihr unterer Teil ist mit den Rändern der Lippe verwachsen. Das Staubblatt enthält zwei keulenförmige Pollinien, die über jeweils ein Stielchen mit der Klebscheibe (Viscidium) verbunden sind. Die Narbe besteht aus einer ungeteilten Fläche, die unter dem Trenngewebe zwischen Narbe und Staubblatt (Rostellum) liegt. Das Rostellum ist lang dreieckig mit einer zweigeteilten Spitze.
Verbreitung Microchilus ist im tropischen Amerika verbreitet. Von Mexiko und den Bahamas im Norden reicht das Areal über Mittelamerika und die Karibik über ganz Südamerika bis etwa auf Höhe des Río de la Plata im Süden. Die Arten wachsen in immergrünen Wäldern, gelegentlich auch epiphytisch. Sie kommen in Höhenlagen bis 2000 Meter vor.
Systematik und botanische Geschichte Die Gattung Microchilus wurde 1827 von Karl Bořiwog Presl aufgestellt. Typusart ist Microchilus minor. Der Name Microchilus leitet sich vom griechischen μικρός mikros „klein“ und χεῖλος cheilos „Lippe“ ab, er bezieht sich auf das kleine, Lippe genannte Blütenblatt. Die Arten wurden lange zusammen mit sehr ähnlichen Pflanzen aus Südostasien in der Gattung Erythrodes geführt. Microchilus wird innerhalb der Tribus Cranichideae in die Subtribus Goodyerinae eingeordnet. Nach Dressler lässt sich diese weiter in zwei Gruppen unterteilen; noch unter dem Namen Erythrodes stellt Dressler sie zusammen mit der Mehrzahl der Gattungen, die nicht zwei deutlich getrennte Narbenflächen aufweisen.
mini|Illustration von Microchilus austrobrasiliensis, Fig. II, rechts mini|Illustration von Microchilus tridax Während in dem Werk „Genera Orchidacearum“ noch 40 Arten in der Gattung Microchilus gezählt wurden, hat sich die Anzahl nach Studien von Paul Ormerod zwischen 2000 und 2010 erheblich vergrößert und liegt nun bei etwa 164 Arten: Microchilus aguindae : Ecuador Microchilus alzatei : Kolumbien Microchilus anchorifer : Ecuador, Bolivien, Peru Microchilus anderssonii : Ecuador Microchilus andrei : Kolumbien Microchilus antioquiensis : Die 2017 erstbeschriebene Art kommt in Kolumbien vor. Microchilus arevaloi : Die 2017 erstbeschriebene Art kommt in Kolumbien vor. Microchilus arietinus : Tropisches Südamerika bis Argentinien Microchilus aspidogynoides : Kolumbien Microchilus astilleroensis : Peru Microchilus atalayae : Peru Microchilus atwoodii : Die 2016 erstbeschriebene Art kommt in Costa Rica vor. Microchilus austrobrasiliensis : Südliches und südöstliches Brasilien Microchilus bangii : Bolivien Microchilus bimentatus : Costa Rica Microchilus borjaquijosae : Ecuador Microchilus boyacanus : Kolumbien Microchilus brachyplectron : Brasilien Microchilus bravocollinus : Kolumbien Microchilus brunnescens : Ecuador Microchilus buchtienii : Bolivien Microchilus callejasii :Kolumbien Microchilus callophylloides : Ecuador Microchilus calophyllus : Costa Rica bis Kolumbien Microchilus campanensis : Peru Microchilus campanulatus : Nördliches Südamerika Microchilus canaliculatus : Kolumbien Microchilus canarensis : Ecuador Microchilus capitatus : Peru Microchilus caramantae : Kolumbien Microchilus carbonerae : Venezuela Microchilus carchiensis : Ecuador Microchilus carinatus : Kolumbien Microchilus carlos-parrae : Die 2014 erstbeschriebene Art kommt in Kolumbien vor. Microchilus caucanus : Kolumbien Microchilus ceratostele : Galapagos-Inseln Microchilus chicalensis : Ecuador Microchilus chingualensis : Ecuador Microchilus constrictus : Kolumbien, nördliches Brasilien, nördliches Peru Microchilus crassibasis : Ecuador Microchilus cundinamarcae : Kolumbien Microchilus curviflorus : Nordwestliches und nördliches Venezuela. Mit den zwei Varietäten: Microchilus curviflorus var. azulitae Microchilus curviflorus var. curviflorus Microchilus cuscoensis : Die 2015 erstbeschriebene Art kommt in Peru vor. Microchilus dolichostachys : Kolumbien Microchilus dressleri : Die 2015 erstbeschriebene Art kommt in Panama vor. Microchilus dryanderae : Kolumbien Microchilus ecuadorensis : Ecuador Microchilus ensicalcar : Peru Microchilus epiphyticus : Costa Rica und Panama Microchilus erythrodoides : Kolumbien bis nordwestliches Venezuela. Mit zwei Unterarten: Microchilus erythrodoides subsp. erythrodoides Microchilus erythrodoides subsp. venadosae Microchilus familiaris : Karibik Microchilus federalensis : Brasilien Microchilus fendleri : Venezuela Microchilus folsomii : Die 2015 erstbeschriebene Art kommt in Panama vor. Microchilus forceps : Ecuador Microchilus fosbergii : Kolumbien Microchilus fosteri : Peru Microchilus frontinoensis : Kolumbien Microchilus fuscatus : Panama Microchilus gentryi : Kolumbien Microchilus giraldo-gensinii : Kolumbien Microchilus glacensis : Haiti Microchilus globosicalcar : Die 2014 erstbeschriebene Art kommt in Kolumbien vor. Microchilus globosus : Kolumbien Microchilus guianensis : Guayana und Suriname Microchilus haughtii : Kolumbien Microchilus hetaerioides : Südwestliches Kolumbien Microchilus hirtellus : Karibik Microchilus huangobioensis : Kolumbien Microchilus hughjonesii : Kolumbien Microchilus ibaguensis : Kolumbien Microchilus integer : Ecuador Microchilus kuduyariensis : Kolumbien Microchilus laegaardii : Ecuador Microchilus lamprophyllus : Östliches Brasilien Microchilus laticalcar : Dominikanische Republik Microchilus lechleri : Peru Microchilus leucostictus : Die 2014 erstbeschriebene Art kommt in Peru vor. Microchilus libanoensis : Kolumbien Microchilus longiflorus : Ecuador Microchilus lunifer : Mexiko bis Costa Rica Microchilus luteynii : Die 2017 erstbeschriebene Art kommt in Kolumbien vor. Microchilus maasii : Costa Rica bis Panama Microchilus machalillae : Ecuador Microchilus madrinanii : Nordöstliches Kolumbien Microchilus major : Kolumbien, Ecuador, Peru Microchilus marulandae : Kolumbien Microchilus mazarunensis : Die 2017 erstbeschriebene Art kommt in Guayana vor. Microchilus meridanus : Venezuela Microchilus mexicanus : Mexiko Microchilus micayvallis : Kolumbien Microchilus microcalcar : Kolumbien Microchilus microcaprinus : Peru Microchilus minor : Peru Microchilus montanus : Die 2014 erstbeschriebene Art kommt in Kolumbien vor. Microchilus moritzii : Venezuela Microchilus mutisii : Die 2014 erstbeschriebene Art kommt in Kolumbien vor. Microchilus nigrescens : Honduras bis Ecuador Microchilus nugax : Kolumbien Microchilus ormerodianus : Die 2013 erstbeschriebene Art kommt in Kolumbien vor. Microchilus oroensis : Ecuador Microchilus ortgiesii : Kolumbien Microchilus ovalis : Panama Microchilus ovatus : Kolumbien, Peru bis westliches Bolivien Microchilus pacaizapae : Peru Microchilus paleaceus : Tropisches Südamerika Microchilus palmazuensis : Peru Microchilus panamanicus : Panama Microchilus paraisoensis : Kolumbien Microchilus parvilabrum : Ecuador Microchilus pauciflorus : Bolivien bis nördliches Brasilien Microchilus pedrojuanensis : Südöstliches Brasilien bis Paraguay Microchilus perijanus : Kolumbien Microchilus peruvianus : Die 2016 erstbeschriebene Art kommt in Peru vor. Microchilus pilosus : Die 2016 erstbeschriebene Art kommt in Costa Rica vor. Microchilus pimentelii : Dominikanische Republik Microchilus plantagineus : Karibik bis nördliches Südamerika Microchilus platanilloensis : Costa Rica Microchilus platysepalus : Kolumbien Microchilus plowmanii : Peru Microchilus preslii : Peru Microchilus procerus : Kolumbien bis nordwestliches Venezuela Microchilus pseudobrunnescens : Ecuador Microchilus pseudocaucanus : Kolumbien Microchilus pseudominor : Kolumbien Microchilus putumayoensis : Kolumbien Microchilus puyoensis : Ecuador. Mit drei Varietäten: Microchilus puyoensis var. brachyceras Microchilus puyoensis var. brevipedunculatus Microchilus puyoensis var. puyoensis Microchilus quadratus : Nordwestliches Venezuela, Ecuador, Kolumbien Microchilus queremalensis : Kolumbien Microchilus quetamensis : Kolumbien Microchilus rioesmeraldae : Kolumbien Microchilus rioitayanus : Peru Microchilus riopalenquensis : Kolumbien, Ecuador, Peru Microchilus ruizteranii : Venezuela Microchilus sanpabloensis : Ecuador Microchilus sarmientoi : Die 2014 erstbeschriebene Art kommt in Kolumbien vor. Microchilus schneideri : Kolumbien Microchilus schultesianus : Trinidad Microchilus scrotiformis : Kolumbien bis nordwestliches Venezuela Microchilus sparreorum : Westliches Kolumbien und Ecuador Microchilus sprucei : Ecuador Microchilus steyermarkii : Die 2016 erstbeschriebene Art kommt in Venezuela vor. Microchilus subquadratus : Panama bis nordwestliches Kolumbien Microchilus tequendamae : Kolumbien Microchilus tessellatus : Costa Rica und Panama Microchilus trianae : Kolumbien Microchilus tridax : Guatemala bis Panama Microchilus trifasciatus : Nördliches Peru Microchilus tunquianus : Peru Microchilus uribei : Die 2014 erstbeschriebene Art kommt in Venezuela vor. Microchilus valdivianus : Kolumbien Microchilus valverdei : Costa Rica Microchilus venezuelanus : Venezuela Microchilus ventosus : Kolumbien Microchilus vesicifer : Mexiko bis Panama, Peru Microchilus vilnerae : Kolumbien Microchilus viridissimus : Ecuador Microchilus weberianus : Ecuador, Galapagos-Inseln Microchilus whitefoordiae : Panama Microchilus xeranthum : Kolumbien Microchilus xystophyllus : Kolumbien, Venezuela bis Brasilien Microchilus zeuxinoides : Kolumbien Microchilus zingarae : Kolumbien
Siehe auch Liste der Orchideengattungen
Literatur
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Orchideen Kategorie:Orchidaceae