mini|Das Bopparder Krankenhaus im Jahr 2010 mini|Reklamemarke mit dem ehemaligen Logo des Hospitals zum Heiligen Geist
Das Bopparder Krankenhaus Heilig Geist (früher Gesundheitszentrum zum Heiligen Geist) wird von der Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein gGmbH betrieben, außerdem wird die Senioreneinrichtung Wohnstift zum Heiligen Geist, Belgrano, von deren Tochtergesellschaft Seniocura GmbH betrieben. Das Heilig Geist und der Wohnstift zum Heiligen Geist befinden sich in der Bopparder Innenstadt. Teile der vom Wohnstift genutzten Gebäudeflügel, sowie das Hospitaltor, stehen unter Denkmalschutz. Das Wohnstift zum Heiligen Geist hingegen befindet sich in einem Neubau im ehemaligen Park der Villa Belgrano. Am Standort Boppard arbeiten rund 270 Mitarbeitende und versorgen jährlich rund 3.600 stationäre (inkl. teilstationäre) und 6.300 ambulante Patienten (inkl. ambulante OP).
Lage Das Bopparder Krankenhaus Heilig Geist und das Wohnstift zum Heiligen Geist, Belgrano, befindet sich in der Bopparder Innenstadt in der Nähe des Rheins. Die Einrichtungen werden von drei Straßen umrahmt. Nördlich verläuft die Rheinallee, westlich die Bahnhofsstraße und südlich die Heerstraße (ehemals B 9). Westlich des Gebäudekomplexes befinden sich das ehemalige Karmelitenkloster und die ehemalige Klosterkirche. Die Gebäude am Rhein wurden bis zum Umzug in den Neubau als Seniorenheim genutzt, wohingegen der stadtseitige Gebäudekomplex dem Krankenhaus vorbehalten war. Heute werden die Gebäude der Rheinfront noch für Betreutes Wohnen und die Kurzzeitpflege genutzt, dienen im Wesentlichen aber auch dem Krankenhaus. Südöstlich des Krankenhauses befindet sich der Bopparder Hauptbahnhof und südwestlich das ehemalige, denkmalgeschützte Postgebäude.
Medizinische Abteilungen des Krankenhauses Das Hospital zum Heiligen Geist ist einer von fünf Krankenhausstandorten des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein. So wird versucht an den unterschiedlichen Standorten unterschiedliche Schwerpunkte in der Patientenversorgung zu setzen. Als einziger der fünf Standorte verfügt Boppard über eine Abteilung für Psychosomatik.Klinikübersicht.
In Boppard gibt es folgende Kliniken und Einrichtungen im Krankenhaus: Klinik für Innere Medizin Klinik für Akkutgeriatrie Klinik für Psychosomatik Klinik für Wundmedizin Klinik für Chirurgie Klinik für Plastische, Hand-, Ästhetische und Verbrennungschirurgie Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfallmedizin, Schmerztherapie Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (Belegstation) Zentren und Einheiten:
Angehörigenfreundliche Intensivstation Wundzentrum Mittelrhein Behandlungseinrichtung für das Diabetische Fußsyndrom Ästhetik-Zentrum Mittelrhein
In den Räumlichkeiten des Krankenhauses wird außerdem durch das konzernzugehörige Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Mittelrhein das ambulante Angebot mit den Praxen für Chirurgie sowie Psychoanalyse und Psychotherapie ergänzt.MVZ Mittelrhein, abgerufen am 12. Januar 2018.
Des Weiteren verfügt das Krankenhaus durch die Konzerngesellschaft Seniocura über den Pflegedienst „Stiftmobil“, mit dem hilfsbedürftige, kranke, alte und behinderte Menschen in ihrer vertrauten Umgebung gepflegt werden können.
Geschichte mini|Das Waisenhaus (links), das Hospitaltor (Mitte) und das ehemalige Hospital zum Heiligen Geist (rechts) in einer Zeichnung von N. Schlad aus dem Jahr 1865
Das Hospital zum Heiligen Geist ist die älteste soziale Einrichtung der Stadt Boppard. Sie hat zwei Wurzeln, welche bis ins Mittelalter hineinreichen. Zum einen geht das Hospital auf eine Schenkung aus der Mitte des 13. Jahrhunderts der Bopparder Ritter- und Bürgergeschlechter zurück. Dieses Hospital erhielt schon damals den Namen Hospital zum Heiligen Geist. In diesem Artikel wird es als ehemaliges Hospital zum Heiligen Geist bezeichnet, um es von dem neueren Krankenhaus, das zwischenzeitlich so hieß, unterscheiden zu können. Die zweite Wurzel des Krankenhauses ist die von Bopparder Schöffenfamilien 1349 gegründete Gotteshaus- oder Schöffenbruderschaft mit dem Kleinen Hospital. Infolge der Französischen Revolution wurden beide sozialen Einrichtungen in der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist zusammengefasst. In einem Erweiterungsbau des ehemaligen Hospitals zum Heiligen Geist im Jahr 1900 entstanden die ersten Räumlichkeiten des heutigen Krankenhauses. Dieses wurde in den vergangenen Jahrhunderten sukzessiv vergrößert.
Ehemaliges Hospital zum Heiligen Geist Da keine Stiftungsurkunde des Hospitals zum Heiligen Geistes überliefert ist, kann die Gründung nicht exakt datiert werden. Es ist davon auszugehen, dass ähnlich wie in Koblenz und Bingen das Hospital im 12. Jahrhundert bei der örtlichen Stiftskirche entstand. Wahrscheinlich um 1260, so ist aus Eintragungen in der liber donationum zu schließen, wurde das Hospital von der Stiftskirche gelöst und verbürgerlicht.
Im Jahr 1751 wurde das vermutlich durch einen Brand zerstörte ehemalige Hospital zum Heiligen Geist am Rhein wieder aufgebaut. Es diente sowohl als Armen- als auch als Krankenhaus. Urkundlich gesichert ist es für das Jahr 1489, jedoch kann das Hospital wesentlich älter sein, da dies keine Gründungsurkunde ist. Der Sage nach soll schon Bernhard von Clairvaux bei seinem Aufenthalt in Boppard in diesem Hospital gewohnt haben.
Ein Erweiterungsbau des Hospitals entstand im Jahr 1900 auf der anderen Seite der Niederstadtstraße, der durch eine Überbauung mit dem Hauptgebäude verbunden wurde. Im Jahr 1975 wurde das Hauptgebäude des ehemaligen Hospitals abgebrochen.
Ehemaliges Kleines Hospital „Gotteshaus“ mini|Gebäude des ehemaligen Kleinen Hospitals (2013) Koordinaten:
Die Entstehung des Kleinen Hospitals oder Gotteshauses steht in engem Zusammenhang mit der im Sommer 1349 am Rhein grassierenden Pest und den dadurch ausgelösten Geißlerzügen. Adlige und Bürgerliche der Stadt, die sich an den Geißlerzügen beteiligt hatten, gründeten wenige Wochen nach den Ereignissen eine Bruderschaft „zur Pflege des Passionsgedankens und zur Wohltätigkeit“. Im Jahr 1476 wurde die Satzung so verändert, dass nur noch Mitglieder aus den Schöffen- und Ratsfamilien aufgenommen werden sollten. Das Gebäude des Kleinen Hospitals, das „Haus Godes“ lag an der Oberen Heerstraße in der Nähe der Britzelpforte. Belegt ist, dass sich dieses Gebäude am Ende des 15. Jahrhunderts im Besitz der Bruderschaft befand. Nachdem das Kleine Hospital 1800 mit dem ehemaligen Hospital zum Heiligen Geist zusammengelegt wurde, wurde das Gebäude in der Oberen Heerstraße versteigert. Heute befindet es sich in Privatbesitz.
19. Jahrhundert Im Zuge der Französischen Revolution wurde 1800 das Hospital zum Heiligen Geist mit dem Kleinen Hospital zusammengelegt. In dieser Zeit verlor das Hospital den Einfluss auf seine umfangreichen Güter rechts des Rheins, da diese sich nun im Ausland befanden. Nach der Auflösung des Armenhauses im Jahr 1821 wurde das Hospital nur noch als Krankenhaus weitergeführt. Im Jahr 1855 holte Pastor Johann Baptist Berger die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Karl Borromäus unter der Leitung von Xaveria Rudler in die Einrichtung, die anschließend die Leitung übernahmen. Neben der Pflege der armen, kranken und alten Menschen gehörte auch die Erziehung Pflege von Waisen zu ihren Aufgaben. Den Borromäerinnen wurde außerdem 1856 eine Kleinkinderbewahrschule (ein erster Kindergarten) und 1858 eine Nähschule anvertraut. Nachdem Dechant Berger einige Jahre später das benachbarte Waisenhaus (siehe Abschnitt Ehemaliges Waisenhaus) errichten ließ, übernahmen sie 1865 auch dessen Leitung.
Ehemaliges Waisenhaus mini|Blick über den Karmeliterplatz auf das ehemalige Waisenhaus mit der Haushaltsschule St. Carolus um 1900
Der katholische Pfarrer Johann Baptist Berger regte 1856 den Bau eines katholischen Waisenhauses an und im Jahr 1863 konnte die Grundsteinlegung erfolgen. Der Neubau wurde östlich des damaligen Hospital-Gebäudes errichtet. Zwei Jahre später 1865 wurde das Gebäude mit einer Feier eingeweiht. Auch von dieser sozialen Einrichtung übernahmen die Borromäerinnen die Leitung. In diesem Hause gründeten sie das Haushaltungspensionat, das später St. Carolus genannt wurde. Nachdem bei einem Großbrand im Jahr 1867 auf dem östlich angrenzend Areal 16 Wohnhäuser zerstört wurden, konnte hier in der Folgezeit ein Nebengebäude am neu entstandenen Karmeliterplatz errichtet werden. In diesem Anbau wurde als Abteilung des Waisenhauses das Knabenhaus St. Josef untergebracht. In den Jahren 1886 bis 1887 wurde das Waisenhaus auch gegen Westen um eine zweiachsige Giebelfront erweitert. Eine Kapelle wurde 1901–1902 in das Hauptgebäude eingebaut, wofür das Obergeschoss erhöht wurde, danach wurde das Hauptgebäude um ein weiteres Stockwerk erhöht.
Um das Hospital zu erweitern, erwarb 1956 die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist das Waisenhaus. In diesem Zusammenhang wurde die Haushaltsschule St. Carolus in das Haus Sabelsberg verlegt, wohin auch einige der Ordensschwestern umzogen. Im Jahr 1988 wurde das Gebäude zu wesentlichen Teilen abgebrochen und neu aufgebaut.
20. Jahrhundert Im Jahr 1938 wurde die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist zugunsten der Stadt Boppard enteignet. Das Hospital selbst überstand den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden an der Bausubstanz und ohne seinen Betrieb einstellen zu müssen. Am 30. Mai 1945 beziehungsweise am 4. Juli 1945 wurden die Enteignungsbeschlüsse von 1938 vom Bürgermeister beziehungsweise vom Regierungspräsidenten aufgehoben und die Stiftung wiederhergestellt.
In den Jahren 1956–1957 erwarb die Stiftung in unmittelbarer Nähe des (ehemaligen) Hospitals einige am Rhein und in der Niederstadtstraße gelegene Gebäude, darunter befand sich auch das ehemalige Waisenhaus. In den Folgejahren bis 1962 wurde das Hospital umfassend saniert und erweitert. Die gynäkologische Station wurde im Neubau am Rhein untergebracht und neue Operationssäle wurden im Erdgeschoss des Altbaus eingerichtet. Außerdem erhielt das Krankenhaus Zwei- und Dreibettzimmer.
Im Jahr 1968 begannen die Planungen für den Bau des zweiten Bauabschnitts. Zunächst wurde im Jahr 1969 ein Altbau an der Hospitalsgasse abgerissen. Für die Errichtung des dreigeschossigen Neubaus wurden im Jahr 1969 drei Jahre Bauzeit und eine Summe von 5,2 Mio. DM veranschlagt. Durch das schwere Rheinhochwasser im Februar 1970 verzögerten sich die Baumaßnahmen jedoch um einige Monate. Das Richtfest konnte am 13. Mai 1971 begangen werden. Der dreigeschossige Neubau schließt sich in Nord-Süd-Richtung an den ersten Bauabschnitt von 1962 an und wurde auf allen Ebenen mit diesem verbunden. Mit Zustimmung des Stadtrates wurde die Hospitalsgasse für den Neubau in voller Länge eingezogen. Im Januar 1972 konnte die Bäderabteilung im Untergeschoss zur Benutzung freigegeben werden. Die offizielle Einweihungsfeier erfolgte am 17. November. Durch Umplanungen und Preissteigerungen beliefen sich die Kosten letztlich auf rund 9 Mio. DM. An diesen beteiligten sich das Land Rheinland-Pfalz, der Rhein-Hunsrück-Kreis und die Stadt Boppard. Nach dem Ankauf weiterer Grundstücke an der Bahnhofsstraße erhielt das Krankenhaus eine neue Zufahrt für PKWs, Zulieferer und Krankenwagen, während der eigentliche Zugang wie zuvor auch von der Heerstraße über den Rest der Hospitalsgasse zum Haupteingang erhalten blieb.
Im Jahr 1970 wurde die Verwaltungsstruktur des Krankenhauses verändert. Von dort an wurde das Krankenhaus nach unternehmerischen Gesichtspunkten von einem Verwaltungsdirektor geleitet. Die Borromäerinnen, die bis zu diesem Zeitpunkt das Krankenhaus geführt hatten, verließen es nicht, sondern arbeiten dort weiterhin in der Pflege und Seelsorge.
mini|Das 1991 errichtete Josefshaus, Gebäudeflügel des Seniorenheims zum Heiligen Geist