mini|V. l. n. r.: Jon Flemming Olsen, Olli Dittrich als Dittsche, Knut Hartmann und Franz Jarnach (2012)

Dittsche – Das wirklich wahre Leben (kurz Dittsche) ist eine mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnete Improvisationskomiksendung des WDR Fernsehens mit Olli Dittrich, Jon Flemming Olsen und, bis zu seinem Tod im Januar 2017, Franz Jarnach.

Olli Dittrich spielt den Arbeitslosen Dittsche, der am Tresen eines Hamburger Imbisses über das Leben und aktuelle Ereignisse sinniert. Weitere Hauptdarsteller sind Jon Flemming Olsen als Imbisswirt Ingo sowie bis zur 25. Staffel Franz Jarnach als Stammgast Schildkröte und ab der 26. Staffel Jens Lindschau als Krötensohn Jens. Daneben spielen in vielen Folgen Gaststars mit. Die Sendung kommt ohne Drehbuch aus und wird, abgesehen von bislang zwei Ausnahmen, aus einer Imbissbude, der Eppendorfer Grill-Station im Eppendorfer Weg 172 in Hamburg-Hoheluft-West, gesendet.Standort Eppendorfer Grillstation: Jens Meyer-Odewald: Groupies an der Grillstation, Hamburger Abendblatt vom 7. März 2009, aufgerufen am 8. Februar 2013 Das Kernkonzept der Sendung besteht darin, dass ausschließlich Hauptdarsteller Dittrich mit vorbereiteten Ideen auftritt, während die anderen Darsteller improvisatorisch darauf reagieren müssen.

Die Sendung lief von 2004 bis 2021. Die 29. Staffel wurde nach der am 15. März 2020 gesendeten dritten Folge wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt. Die 30. Staffel wurde vom 7. März 2021 bis 18. April 2021 ausgestrahlt. Seitdem erschienen keine Folgen, es wurden lediglich 2022 fünf kurze Clips im Rahmen einer Themenwoche der ARD veröffentlicht.

Entstehungsgeschichte Nach der Aufgabe seiner Tätigkeit bei der Plattenfirma Polydor im Jahr 1985 und einer anschließenden Zeit der Arbeitslosigkeit produzierte Olli Dittrich regelmäßig wechselnde, hörspielartige Aufnahmen, die er auf seinem Anrufbeantworter aufnahm und über diesen verbreitete. Unter den dafür entwickelten Figuren war eine, die „einfach erzählt hat, was so um sie herum passiert“ – der Ursprung der Figur Dittsche. Dittrich sagt, er habe damals Zeiten erlebt, in denen es ihm schlecht ging und er mit wenig Geld auskommen musste, er empfinde „eine große Nähe zu diesem Milieu der Gescheiterten“. Diese Erfahrungen und Personen, die er in dieser Zeit in Hamburg gesehen hat, inspirierten ihn zur Figur Dittsche und weiteren in der Sendung vorkommenden Figuren.Olli Dittrich – „Donald Duck für Erwachsene“ (Interview), Stern, Ausgabe 08/2005

Dittrich trat mit seiner Figur Dittsche erstmals in Thomas Hermanns’ Anfang der 1990er Jahre in Hamburg entstandener Bühnenshow Quatsch Comedy Club auf, damals jedoch noch nicht unter der Bezeichnung Dittsche, sondern als „der Mann im Bademantel“.Dittsche – „Sex And The City“ für Männer (Interview), www.wdr.de Später trat er bei Gottschalk Late Night als Dittsche auf.„Das perlt!“ (DVD-Erscheinung 1. Staffel), Ausschnitte der Auftritte als Bonusmaterial Die ZDF-Sendung Olli, Tiere, SensationenNils Minkmar: Comedy als angewandte Phänomenologie, Die Zeit, Ausgabe 10/2001, S. 32 enthielt in den Jahren 2000/2001 eine Miniserie mit dem Titel Das wirklich wahre Leben mit Dittsche als Gast und dem damals noch Rudi genannten Imbisswirt. Die für die Figur typische Plastiktüte mit Leergut verwendete Dittrich nach eigenen Angaben zunächst, um von ihrer Innenseite Stichworte für seinen Auftritt ablesen zu können.

Zwei Jahre lang fragte Olli Dittrich bei verschiedenen Sendern an, ob sie die Sendung produzieren wollten. Erst das WDR-Fernsehen war dazu bereit.Helge Hopp: „Einfach so reden!“, Welt Online, 7. März 2004

Figuren Hauptfiguren mini|Der Drehort, die Eppendorfer Grill-Station in Hamburg (Außenansicht) Dittsche ist ein mit blau-weiß gestreiftem Bademantel, Jogginghose und Badelatschen („Schumiletten“) bekleideter Arbeitsloser. Er hat häufig eine Aldi-Tüte mit Leergut in der Hand. Er spricht mit hamburgischem Dialekt und bezieht sein Wissen im Wesentlichen aus dem Fernsehen und der Bild-Zeitung. Sein schütteres Haar ist überkämmt. Dittsche ist Anhänger des Hamburger SV. Olli Dittrich beschreibt seine Figur als „klassische[n] Loser, der aber nicht unbedingt dumm sein muss. Ein Typ Mensch, wie er auch im wahren Leben vorkommt: Einerseits hat er völlig vergessen, zu pflegen, wer er ist, andererseits ist er durchaus intelligent. Sein soziales Umfeld findet Dittsche in einer Welt, in der sich die Gesprächspartner nicht wehren können.“Zwischen Tragik und Triumph (Interview), Zeit online, 22. November 2004 Dittsche hatte in seiner Jugend bei Petersen-Maschinenbau in Harburg eine Lehre begonnen, diese jedoch nicht abgeschlossen, da ihm gekündigt wurde. Sein Sohn, Volker-Juanito, Deutsch-Argentinier, arbeitet als Ingenieur bei Airbus in Hamburg. Volker-Juanito hat den Kontakt zu seinem Vater abgebrochen, zahlt jedoch immer noch dessen Miete. Dittsche bringt in seinen Erzählungen immer wieder Nachbarn und Bekannte ins Gespräch, mit denen er teilweise trotz guten Willens durch seine Tollpatschigkeit aneinandergerät. Sehr häufig erwähnt sind seine Nachbarn Herr Karger (beruflich als Friseur in Großhansdorf tätig) sowie dessen Frau, mit der Dittsche oft gegen den Willen ihres Mannes zusammen ist. Weitere Bezugspersonen sind Herr und Frau Westphal, der Gemüsehändler Giovanni mit seinem Kleingarten in Hamburg-Langenhorn sowie Herr und Frau Jensen. Des Weiteren tauchen verschiedene Personen namens Onuseit auf.

Ingo ist der Imbisswirt der Eppendorfer Grill-Station. Ihm erzählt Dittsche seine Geschichten, die Ingo meist verdutzt, verständnislos oder erheitert kommentiert. Ingo trägt fast immer die gleiche Kleidung und – so Dittsche – eine „Ananasfrisur“, auch „Nuck-Chorris-Frisur“ genannt (ein Spoonerismus des Namens des Schauspielers Chuck Norris). Laut den Folgen vom 6. November 2005 und 6. November 2011 kam Ingo am 6. November 1965 zur Welt. Im Vorspann der 29. Staffel (2020) wird sein Alter jedoch mit 53 Jahren angegeben. Somit wäre er 1966 geboren.

An einem Bistrotisch im Imbiss, mit dem Rücken zum Tresen gewandt, saß von Staffel 1 bis 25 Schildkröte. Er wurde von Dittsche so genannt, weil er stets dieselbe Jacke aus Krokodillederimitat trug. Andere häufige Bezeichnungen sind „Krötenmann“ oder kurz „Kröti“. Er beteiligte sich sehr selten an den Gesprächen, beendete aber seinen Beitrag in der Sendung fast immer mit dem Satz: „Halt die Klappe, ich hab’ Feierabend!“. Zumeist trank er ein Bier und in den früheren Folgen rauchte er auch. Beginnend mit den seit 2008 bundesweit geltenden Rauchverboten in der Gastronomie verließ er anfangs dafür manchmal kurzzeitig den Imbiss, in späteren Folgen allerdings nicht mehr. Schildkrötes Berufsbezeichnung, die im Vorspann eingeblendet wurde, lautete: „steht im Baumarkt an der Säge“. Seit der 26. Staffel ist Schildkröte nicht mehr dabei; der Darsteller Franz Jarnach starb am 16. Januar 2017 an den Folgen eines Herzinfarktes. Bei seinem letzten Auftritt 2016 (Folge 218) wurde sein Alter mit 63 Jahre angegeben (tatsächlich war er bereits 73 Jahre alt). Seitdem steht oder sitzt am Bistrotisch der Krötensohn, der mit Vornamen Jens heißt, in der Serie der Sohn von Schildkröte ist und in den vorherigen Staffeln bereits hin und wieder als Gast auftrat. Laut Vorspann ist er von Beruf Elektriker. Im Gegensatz zu Schildkröte, der dem Geschehen um Dittsche und Ingo stets den Rücken zuwandte, blickt der Krötensohn zumeist in Richtung des Tresens und ist reger an den Gesprächen im Imbiss beteiligt.

Gäste Neben den drei Hauptakteuren spielt in den meisten Episoden ein Gast mit. Meistens bestellt dieser bei Ingo Getränke und zumeist kalte Speisen, weil der Grill während der Sendungen nie eingeschaltet ist. Einige Gäste stammen aus dem Bekanntenkreis von Olli Dittrich, andere sind Anwohner. Es gibt Gäste, die in der Sendung wiederkehrend auftreten, z. B. die bereits verstorbenen Rainer Heinsohn († 2. August 2014; bis Staffel 20) und Oscar Umpierrez († September 2006; bis Staffel 5), sowie Knut Hartmann (siehe Franny and the Fireballs), Thomas Fürst, Jens Lindschau (in der Sendung der Sohn von Schildkröte, ab der 26. Staffel regulär dabei), Klaus Gerlach, Fahrrad-Michi, Peter Merz, Gerd Wetegrove, Ingrid Vetters (mit Hund Polli), Hans Herbert Böhrs und Clemens Sienknecht.

Ab und zu treten Prominente in der Sendung auf. Dabei spielen sie sich meistens selbst. Bisher dabei waren unter anderem: Marius Müller-Westernhagen, Rudi Carrell, Moritz Bleibtreu, Hans Herbert Böhrs, Anke Engelke, Wladimir Klitschko, Uwe Seeler, Thomas Gottschalk, Detlev Buck, Harald Schmidt, Aílton, Daniel Van Buyten, Bela B, Kalle Schwensen, Tim Mälzer, Matthias Egersdörfer, Rafael van der Vaart, Sylvie Meis, Anja Kohl, Bastian Pastewka, Günther Jauch, Hugo Egon Balder, Pascal Hens, die Scorpions (Klaus Meine, Rudolf Schenker und Matthias Jabs), Jan Delay, Olaf Scholz, Arnd Zeigler, Badesalz, Michael Herbig, Klaas Heufer-Umlauf, Bjarne Mädel, David Garrett, Til Schweiger, Fahri Yardım, Howard Carpendale, Pierre M. Krause, Jürgen Vogel, Sebastian Krumbiegel, Wolfgang Stumph, H. P. Baxxter, Beginner (Jan Delay und Dennis Lisk), Reinhard Mey, Enrique Ugarte, Max Mutzke, Fynn Kliemann, Jan Böhmermann, Olli Schulz, Wolfgang Niedecken, Hans Werner Olm (als Der Berndchen), Hazel Brugger, Pierre Littbarski, Matthias Brandt, Otto Waalkes, Mike Krüger und Stephan Heller.

Ein Wunschgast von Dittrich ist Oliver Kahn.Olli Dittrich lädt Olli Kahn ein, RP Online, 17. Mai 2006

An den Drehtagen wird der Imbiss zeitweilig oder ganztags geschlossen; dies variiert an den verschiedenen Ausstrahlungstagen.

Stil Die Kameraführung ist dadurch gekennzeichnet, dass in einem Intervall von vier bis sechs Sekunden eine von sechs Kameras nach der anderen angewählt wird. Die Kameras filmen in an Überwachungskameras erinnernden Blickwinkeln. Ihre Reihenfolge wird von einem Zufallsgenerator bestimmt.Wie macht man Witze über Vogelgrippe? (Interview), Die Zeit, Ausgabe 52/2005, S. 68 Eine weitere Verfremdung ist die sepia-artige Tönung aller Aufnahmen.

Handlung Typischer Ablauf mini|Der Drehort, die Eppendorfer Grill-Station in Hamburg (Innenansicht).

In der Regel beginnen die Sendungen damit, dass Ingo Dittsche zur Tür hereinkommen sieht, dabei „Ahh, Chefvisite!“ murmelt und Dittsche Ingo mit einem „Mahlzeit!“ begrüßt. Dittsche gibt Ingo mitgebrachte leere Bierflaschen in einer Aldi-Plastiktüte, um neues Bier wieder mitzunehmen. Dittsche lässt jedoch immer auf den Zettel schreiben und zahlt nie bar. Beginnend mit den Worten „Mach’ mir mal ’nen Hobel klar“ und „Das perlt aber heute wieder!“ prüft er die Qualität des Bieres mit dem Fingerplopp und verwickelt Ingo und dessen Gäste biertrinkend in Gespräche über Aktuelles aus Politik, Sport, Wissenschaft und Gesellschaft, die auf dem Prinzip des Halbwissens beruhen. Dittsche weiß immer nur so viel von einem Thema, um es zur Sprache zu bringen und ihm seine eigene verdrehte Logik aufzusetzen. Dabei entwickelt er oft abstruse Theorien, während Ingo – meist vergebens – versucht, ihn zur Vernunft zu bringen. Dittsche bringt regelmäßig Nachbarn und Bekannte zur Sprache, vor allem Herrn Karger, mit dem Dittsche es sich immer wieder verscherzt.

In den ersten Staffeln war es ein Running Gag, dass Dittsche zum Unmut Ingos unabsichtlich sein Bier überlaufen ließ, was Dittsche als „überpütschern“ oder „überperlen“ bezeichnete; den letztgenannten Begriff verwendete er zudem metaphorisch für „beeinflussen“, „auswirken (auf)“, „übertragen (auf)“ oder „abfärben (auf)“. Nachdem man dann eine Weile auf das Überpütschern verzichtetedittsche-forum.de, tauchte es in späteren Staffeln wieder vereinzelt auf, teilweise auch bei Ingo.