Balenciaga ist eine 1917 vom Modeschöpfer Cristóbal Balenciaga in San Sebastián gegründete Marke für Damen- und Herrenmode sowie Lederwaren und Parfüm. Sie hat seit 1937 ihren Sitz in Paris und gehört seit 2001 zum Kering-Konzern.
Mode von Balenciaga galt besonders zwischen den 1940er und 1960er Jahren international als Inbegriff der hochpreisigen französischen Haute Couture und setzte wegweisende Trends. Nach Cristóbal Balenciagas Tod 1972 konzentrierte sich das Unternehmen bis Anfang der 1990er Jahre hauptsächlich auf die eigene Parfümsparte. Seit den 2000er Jahren stieg Balenciaga durch Prêt-à-porter-Modekollektionen für Damen und Herren sowie Accessoires im oberen Preissegment wieder in die Riege der führenden Pariser Modekonzerne auf.
Geschichte mini|hochkant|Zwei von Cristobál Balenciaga entworfene Kleider, Zeitpunkt unbekannt
Cristóbal Balenciaga Cristóbal Balenciaga eröffnete 1917 einen eigenen Schneidersalon für hochpreisige Damenmode zunächst in San Sebastián, bald auch in Madrid und Barcelona. Sein eigenes Unternehmen, Balenciaga y Compañia, gründete er 1918 zusammen mit den Unternehmerinnen Benita und Daniela Lizaso und benannte es nach der Trennung 1924 in Cristóbal Balenciaga um., cristobalbalenciagamuseoa.com, abgerufen am 21. Dezember 2012. 1927 eröffnete er ein Geschäft namens Eisa Costura (nach dem Geburtsnamen seiner Mutter, Eizaguirre) mit Konfektionsmode für Damen in San Sebastián. Nach dem Sturz der Monarchie in Spanien 1931 und der damit verbundenen Auswanderung vieler vermögender Spanier in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs musste Balenciaga Konkurs anmelden. 1932 startete er mit seinem Modesalon Eisa neu und eröffnete wieder Niederlassungen in Madrid und Barcelona.
Zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs 1936 emigrierte Balenciaga nach Paris, wo er 1937 erstmals Haute-Couture-Mode präsentierte. Mit seinem späteren Lebenspartner, dem französisch-polnischen Millionär Władzio Jawrorowski d’Attainville († 1948), und einem weiteren Unternehmer gründete er die Balenciaga SARL. Im August 1938 eröffnete er einen Haute-Couture-Salon an der Adresse 10, Avenue George V in Paris; an dieser Stelle befindet sich bis heute der Balenciaga-Flagship-Store. 1948 wurde im Erdgeschoss eine Balenciaga-Boutique eröffnet. Balenciaga avancierte durch ständige Mode-Innovationen in kurzer Zeit zum Kult-Modehaus. Seine hochpreisigen Kreationen wurden richtungsweisend für die gesamte Modeindustrie. Bereits 1938 führten britische und amerikanische Kaufhäuser wie Harrods, Bloomingdale’s und Saks Fifth Avenue Balenciaga-Mode. Zu den prominenten Balenciaga-Kundinnen dieser Zeit zählten unter anderem Carole Lombard, Greta Garbo, Ava Gardner, Marlene Dietrich und Ginger Rogers. Seine spanischen Geschäfte hatte er vorübergehend geschlossen, eröffnete sie aber ab 1938 unter dem Namen Eisa Costura wieder sukzessive., cristobalbalenciagamuseoa.com, abgerufen am 21. Dezember 2012.
1947 brachte Balenciaga sein erstes Damenparfüm Le Dix (benannt nach der Hausnummer 10) auf den Markt, dem weitere Parfüms folgten. Im September 2025 lancierte Balenciaga eine neue Version des Le Dix. Die Formel und das Flakon des Parfüms sollen sich am Original aus dem Jahr 1947 orientieren. 1955 wurde die SARL in eine Société Anonyme umgewandelt. Balenciaga bot ab dieser Zeit erstmals Schmuck an. Ab 1956 präsentierte das Unternehmen seine Kreationen geladenen Privatkunden und Einkäufern einen Monat vor den Defilees für die Presse, um Nachahmern die Arbeit zu erschweren. Durch eine persönliche Freundschaft zu dem Modeschöpfer Hubert de Givenchy kam es immer wieder zu Zusammenarbeiten zwischen den Häusern Balenciaga und Givenchy. Unter anderem zeigten die beiden Unternehmen ihre Kreationen in New York City. Das sogenannte „Hemd“- bzw. Sack-Kleid (frz. robe chemise) von 1956 geht auf die beiden Designer zurück. Andere bekannte Designer wie Emanuel Ungaro, André Courrèges und Oscar de la Renta arbeiteten über die Jahre als Assistenten bei Balenciaga.
Balenciaga verband in seinen bisweilen architektonisch detaillierten Entwürfen Pariser Chic mit spanischem Stolz und präsentierte unter anderem Modelle, die mit Flamenco-Rüschen oder Schleifen verziert waren, elegante Bolero-Jacken (1946) und die durch das Velázquez-Gemälde Die Infantin Margarita in Blau aus dem Jahr 1659 beeinflusste Infanta-Abendrobe im pompösen Stil (1939). Moderne Konzepte umfassten knielange Stiefel zu kurzen, gerade geschnittenen Kleidern (die sogenannte „I-Linie“), von Kimonos inspirierte Ärmel (1946), Pagenkappen (pillbox hat, 1951), das Tunika-Kleid (1955), überdimensional große Proportionen (1957), die Babydoll-Silhouette (1958), ballonartige Kleider und Mäntel (1960) sowie Ensembles mit unterschiedlicher Vorder- und Rückansicht.
Ende der 1950er Jahre wurden die Umsätze des Hauses auf 1,5 Millionen US-Dollar geschätzt. Die Marke Balenciaga war mit Kundinnen wie Grace Kelly und Königin Fabiola von Belgien spätestens in den 1950er Jahren so etabliert, schwaebische.de, 7. Juni 2011. und Cristóbal Balenciagas Position als Stardesigner gefestigt, dass Balenciaga nie dem einflussreichen Pariser Modeverband Chambre Syndicale de la Haute Couture Parisienne beitrat.When Haute Couture is not Haute Couture, powerhousemuseum.com, 11. Dezember 2009 Da allein der Verband über die Verwendung des in Frankreich geschützten Begriffes „Haute Couture“ bestimmt und nur seine Mitglieder berechtigt sind, ihre Kreationen als Haute Couture zu bezeichnen, war Balenciaga-Mode, zumindest offiziell, keine Haute Couture. Das heutige Haus Balenciaga ist Mitglied des Modeverbands, zeigt allerdings nur eine Haute Couture-Show pro Jahr. 1958 wurde die Parfums Balenciaga S.A. als Tochtergesellschaft der Balenciaga S.A. für die wachsende Parfümsparte des Hauses gegründet. 1961 kamen Strumpfwaren zum Balenciaga-Portfolio hinzu, die später mit besonderen Mustern bedruckt wurden. 1962 wurde mit Eau de Balenciaga das erste Herrenparfüm lanciert. 1968 wurde das fliegende Personal von Air France mit Balenciaga-Uniformen ausgestattet.
1968 beendete Cristóbal Balenciaga im Alter von 73 Jahren seine Tätigkeiten und schloss seine Boutiquen. Mit der damals verstärkt aufkommenden Prêt-à-porter-Mode und dem beginnenden Rückgang der Haute Couture tat er sich schwer. Lediglich das Balenciaga-Parfümgeschäft wurde fortgeführt.
Nachfolge mit Parfümgeschäft Nach Cristóbal Balenciagas Tod wurde die Parfums Balenciaga S.A. in die Balenciaga S.A. integriert. Cristóbal Balenciaga hatte sein Unternehmen seinen Nichten und Neffen vermacht, die es 1978 an das deutsche Pharmaunternehmen Hoechst verkauften. Hoechst baute in den Folgejahren das Parfümgeschäft von Balenciaga aus.
1986 übernahm das französische Mode- und Kosmetikunternehmen Jacques Bogart S.A. Balenciaga von Hoechst.Tillmann Prüfer: Zurück zur Couture, zeit.de, 19. September 2007. 1987 wurde unter der Leitung des Designers Michel Goma (* 1932) die Modesparte von Balenciaga mit Prêt-à-porter neu gestartet. In dieser Zeit gab es die Le-Dix-Luxus-Kollektion und die Diffusion-Zweitinie für Damen. Für Großkunden wie Fluggesellschaften, Banken, Hotels oder die französische Post, wurden weiterhin Uniformen entworfen. In den USA und Japan wurden Lizenzen für den Markennamen Balenciaga vergeben. In Tokio öffnete eine Balenciaga-Boutique. Ab 1992 entwarf der belgische Designer Josephus Thimister (1962–2019) die Balenciaga-Kollektionen. Thimister beendete seine Tätigkeit 1997 mit dem Vorwurf an die Jacques Bogart S.A., Balenciaga „nicht professionell zu vermarkten“.Katja Nele Bode: , focus.de, 19. Oktober 1998.
Neubeginn ab 1997 mini|hochkant|Sportschuhe von Balenciaga (2019)
Ab 1997 war Nicolas Ghesquière als Chefdesigner bei Balenciaga tätig, obwohl die Leitung von Jacques Bogart sich zunächst Helmut Lang als Kreativdirektor für Balenciaga gewünscht hatte., ftd.de, 12. März 2010 Ghesquière präsentierte in den folgenden Saisons bisweilen futuristische und immer ausdrucksstarke Balenciaga-Mode für selbstbewusste Frauen, wurde dafür von der Fachwelt hoch gelobt und von der Presse zum „Messias der Mode“ erkoren. Wie Cristóbal Balenciaga experimentierte auch Ghesquière mit teils ungewöhnlichen Stoff-Materialien und ließ sich dabei von den Entwürfen des Unternehmensgründers inspirieren. Unter Ghesquière wurden Balenciaga-Modenschauen, zu der nur eine begrenzte Anzahl an Zuschauern zugelassen waren, zu begehrten Veranstaltungen. Ghesquière führte 2000 die Balenciaga-Handtaschen First und City sowie 2001 das Modell Lariat ein, die sich allesamt zu It-Bags entwickelten, für die zum Teil aufgrund der hohen Nachfrage Wartelisten eingerichtet werden mussten. 2002 wurde unter Ghesquière erstmals Herrenmode von Balenciaga eingeführt. Seit Ghesquière „das angestaubte Modehaus zurück auf die Weltbühne“ geholt hatteWlada Kolosowa: Neuer Balenciaga-Modechef – Der smarte Mr. Wang, spiegel.de, 4. Dezember 2012. galt Balenciaga besonders auch bei der jüngeren Zielgruppe wieder als begehrte Modemarke in der hochpreisigen Damen- und Herrenmode. Mit Bestsellern wie Balenciaga-Cargohosen, goldfarbenen Leggings (2006) oder mehrfarbigen Sportiletto-Pumps (2008) festigte Ghesquière zudem seinen Status als würdiger Nachfolger Cristóbal Balenciagas.
2004 debütierte die Balenciaga-Edition-Kollektion mit neu geschaffenen Modellen aus den Balenciaga-Archiven von 1937 bis 1968. 2008 kaufte Balenciaga die japanische Lizenz zurück und vergab die Parfüm-Lizenz an Coty Inc. Mit der Neuvergabe der Parfümlizenz wurden alle bis dahin von Bogart vertriebenen Balenciaga-Parfüms eingestellt.Balenciaga enters the fragrance market, ft.com, 6. März 2010.Florentin Collomb: L’américain Coty commercialisera des parfums Balenciaga, figaro.fr, 13. Oktober 2008. 2010 wurde von Coty das erste Damenparfüm Balenciaga Paris lanciert, weitere folgten. Ghesquière verließ Balenciaga im Dezember 2012.Verena Stehle: Salut, Superboy – Nicolas Ghesquière verlässt das Label Balenciaga, sueddeutsche.de, 7. November 2012. Im darauffolgenden Jahr verklagte Kering Ghesquière für kritische Aussagen über Balenciaga, die dieser in einem Interview mit dem Magazin System getätigt hatte. Die Parteien einigten sich außergerichtlich. Ghesquières Nachfolger war bis August 2015 Alexander Wang.Alexander Wang wird Chefdesigner bei Balenciaga, zeit.de, 3. Dezember 2012
mini|Rechts zwei Entwürfe von Demna Gvasalia für Balenciaga, Herbst/Winter 2016/17
Im Oktober 2015 benannte Kering den Deutsch-Georgier Demna Gvasalia (* 1981), der seine eigene Modemarke Vetements besitzt, zum Kreativdirektor von Balenciaga.Hella Schneider: Demna Gvasalia wird Kreativdirektor von Balenciaga, vogue.de, 7. Oktober 2015.Claire Beermann: Demna Gvasalia: Der Neue, zeit.de, 18. Februar 2016. Bei der Paris Fashion Week für Herrenmode im Juni 2016 zeigte Balenciaga unter Gvasalia die Herrenkollektion erstmals in einer Modenschau statt wie bisher lediglich in einer Präsentation.Balenciaga zeigt erste Menswear-Show, vogue.de, 22. April 2016. Für Sommer 2020 kündigte Balenciaga die Rückkehr in die Haute Couture-Sparte an, die Cristóbal Balenciaga 1968 eingestellt hatte.Nora Veerman: Balenciaga kehrt zur Haute Couture zurück: Was dürfen wir erwarten? fashionunited.de, 29. Januar 2020. Aufgrund der COVID-19-Pandemie wurde der Start auf 2021 verschoben.
Am 13. März 2025 gab Kering bekannt, dass Demna das Modehaus Balenciaga verlassen wird, um im Juli 2025 die künstlerische Leitung des Modehauses Gucci zu übernehmen. Mit Wirkung zum 10. Juli 2025 wurde Pierpaolo Piccioli zum neuen Kreativdirektor ernannt. Zuvor war er beim Modehaus Valentino tätig. Seine erste Kollektion für das französische Modelabel feierte auf der Paris Fashion Week 2025 Premiere.
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