mini|Der Altdorfer Gemeindeteil Hagenhausen
Hagenhausen ist ein Gemeindeteil der Stadt Altdorf bei Nürnberg im Landkreis Nürnberger Land (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Hagenhausen hat eine Fläche von 5,177 km². Sie ist in 1807 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 2832,03 m² haben.
Name Die Bedeutung des Namens ist nicht endgültig geklärt. Wahrscheinlich ist die Benennung nach einem Adelsgeschlecht Hego.Verhandlungen des historischen Vereines von Oberpfalz und Regensburg, vierzehnter Band; S. 79 ff; Regensburg 1850 Eine andere Quelle verweist auf den Namen Hago. Die Endsilben -hausen weisen auf einen Gründungszeitraum im 8. und 9. Jahrhundert hin. Im Mittelalter wurde der Ort Hegenhusen genannt. Im örtlichen Dialekt spricht man von Hånghausn.
Geografische Lage Durch das Kirchdorf fließt der Raschbach, ein rechter Zufluss der Schwarzach. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Altdorf zur Staatsstraße 2240 (2,5 km westlich) bzw. nach Schleifmühle ebenfalls zur St 2240 (1,1 km südlich). Weitere Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Gnadenberg zur St 2240 (1 km südlich), nach Stöckelsberg (2,5 km östlich) und nach Unterrieden (2 km nördlich).
Geschichte Die Ortschaft entstand wohl während der Fränkischen Landnahme im 8. oder 9. Jahrhundert. Eine erstmalige Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahr 1072, als Bischof Gundekar II. von Eichstätt eine Marienkirche in Hagenhausen weihte.Historischer Atlas von Bayern, Band Franken Reihe I Heft 14: Lauf-Hersbruck, München 1967 S. 6 Ein auf 1127 datierter Grabstein in der Kirche von Hagenhausen hat sich als Fälschung des 16. Jahrhunderts erwiesen, um der Nürnberger Bürgerfamilie Rech mehr Ansehen zu verschaffen.https://www.altdorf.de/seite/de/stadt/035:63:391/msr_tn_35/Hagenhausen.html Ein weiterer Beleg stammt aus dem Jahr 1225, als Jutta von Thann auf Burgthann ihre Höfe in Hagenhausen dem St. Egidienkloster in Nürnberg vermacht.
Seit wann Hagenhausen Pfarrdorf war, ist unklar. Sicher ist jedoch, dass zur Zeit nach dem Kirchenneubau im 13./14. Jahrhundert 1380 ein eigener Pfarrer, Heinrich Schweppermann, genannt wurde. Die Kirche und das Herrenhaus wurden bei Kriegen mit der Reichsstadt Nürnberg zerstört. 1426 erhielt das Birgittenkloster Gnadenberg drei Güter in Hagenhausen zu seiner Gründung und konnte diese 1443 durch den Kauf der Mühle ergänzen.S. Frauenknecht, Kloster Gnadenberg, Ansbach 2004, S. 128–130. 1439 starb die Familie Schweppermann aus, Erbe war Albrecht von Egloffstein auf Reicheneck.Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg, 14. Band, S. 84; Regensburg, 1850 Von ihm erwarb im gleichen Jahr Pfalzgraf Johann von Pfalz-Neumarkt die Pfarrei und Vogtei über Hagenhausen.Historischer Atlas von Bayern, Band Altbaiern Reihe 1, Heft 16 Neumarkt, München 1967; S. 154 Das im Mittelalter bestehende Herrenhaus war bereits um 1560 eine Ruine und wurde als Ödes Schloss bezeichnet, heute ist nur noch ein Burgstall übrig.Böhm, J.: Führer durch Altdorf und Umgebung. Nürnberg 1888, S. 84 1504 marschierten im Rahmen des Landshuter Erbfolgekriegs 4000 Nürnberger Söldner in die Oberpfalz und verwüsteten Hagenhausen. Im nachfolgenden Kölner Schiedsspruch am 30. Juli 1505 bekam die Reichsstadt Nürnberg die westliche Hälfte von Hagenhausen zugesprochen. Der Raschbach bildete die Grenze zur Oberpfalz, der größere westliche Teil kam zum Pflegamt Altdorf der Reichsstadt.
1529 gründete Hans Sieber in Hagenhausen am Raschbach eine der ersten Papiermühlen in der Nürnberger Gegend.Papiermühlen Sie war bis 1864 in Betrieb und wurde nach dem Ersten Weltkrieg abgerissen.Archiv für Geschichte des Buchwesens, herausgegeben von der Historischen Kommission des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e. V.; Band XVIII Frankfurt am Main, 1977; S. 1485 f.
Als nach der Reformation der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden verkündet wurde, wechselte nach dem Prinzip Cuius regio, eius religio Hagenhaus öfter die Religionszugehörigkeit. So wurde es 1556 zusammen mit Nürnberg lutherisch, ab 1572 calvinistisch und 1626 wieder katholisch. Während des Dreißigjährigen Krieges kam es 1635 beim Durchzug der schwedischen Armee zu Zerstörungen an der Kirche und im Dorf.
1806 beendete der Reichsdeputationshauptschluss die Nürnberger Herrschaft über Hagenhausen und das Dorf kam zum Königreich Bayern. Hagenhausen wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1808 eine Ruralgemeinde, die dem neu gebildeten Landgericht Pfaffenhofen (ab 1824 in Landgericht Kastl), und damit der Oberpfalz zugeordnet wurde. Am 1. Januar 1895 wird die Gemeinde dem Bezirksamt (entspricht einem heutigen Landkreis) Altdorf zugewiesen und ist somit in Mittelfranken.Historischer Atlas von Bayern, Band Altbaiern Reihe 1, Heft 16 Neumarkt, München 1967; S. 319 1862 wurde das Bezirksamt Altdorf aufgelöst und dem Bezirksamt Nürnberg zugeschlagen.
Mit der Auflösung des Landkreises Nürnberg am 1. Juli 1972 kam Hagenhausen zum neu gebildeten Landkreis Nürnberger Land. Am 1. Januar 1978 wurde diese im Rahmen der bayerischen Gebietsreform nach Altdorf eingemeindet.
1966 wurde das Segelfluggelände Altdorf-Hagenhausen eröffnet.
Einwohnerentwicklung Jahr 1910 1933 1939 1987 2013 2016 Einwohnerzahl 249 263 257 448 660 681
Baudenkmäler mini|hochkant|St. Maria Dolorosa In Hagenhausen befindet sich die 1072 geweihte katholische Kirche St. Maria Dolorosa. In: glaube-und-kirche.de (abgerufen am 16. September 2013).
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Reitanlage in Hagenhausen In Hagenhausen gibt es einen Gasthof, der jedoch nur zeitweise öffnet und einen großen Reiterhof.
Literatur 900 Jahre Marienkirche Hagenhausen. Festschrift 1975.
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Geographie (Altdorf bei Nürnberg) Kategorie:Ort im Landkreis Nürnberger Land Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Nürnberger Land) Kategorie:Gemeindegründung 1808 Kategorie:Gemeindeauflösung 1977 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Nürnberger Land