Ratne (; ) ist eine Siedlung städtischen Typs im nordwestlichsten Teil der Ukraine in der Oblast Wolyn. Sie war bis Juli 2020 Verwaltungssitz des gleichnamigen Rajons. mini|links|Hauptstraße von Ratne mini|hochkant|Holocaust-Gedenkstätte Ratne
Geographie Die Siedlung liegt am Ufer des Pripjat südlich der nahegelegenen Grenze zu Belarus. Die nächstgrößere Stadt ist Luzk, die etwa 130 Kilometer südlich liegt. Östlich von Ratne mündet die Wyschiwka in den Pripjat. In der Stadt trifft die Territorialstraße T–03–08 auf die Fernstraße M 19 / E 85.
Geschichte Der Ort wurde Ende des 12. – Anfang des 13. Jahrhunderts erstmals schriftlich erwähnt.Ortsgeschichte Ratne in der Geschichte der Städte und Dörfer der Ukrainischen SSR; abgerufen am 9. September 2019 (ukrainisch) Er gehörte damals zum Fürstentum Halitsch-Wolhynien. Aus dieser Zeit stammt auch eine Befestigungsanlage zur Verteidigung der Grenze des Fürstentums zu Litauen.
1340 eroberte Fürst Ljubartas Ratne für das Großfürstentum Litauen. 1349 ging es an Polen, 1366 wieder an Litauen. 1377 war Ratne Sitz einer kleinen eigenständigen Herrschaft mit den Städten Ljuboml und Koschersk unter Fiodoras, dem Sohn des litauischen Großfürsten Algirdas. Spätestens 1387 hatte sich die Herrschaft zum Fürstentum Kobrin entwickelt. Um 1432 ging Ratne vom Fürstentum unmittelbar an Litauen.
1440 erhielt Ratne das Stadtrecht nach Magdeburger Recht durch den polnischen König Władisław III. In dieser Zeit war es Sitz eines Starosten und Verwaltungsmittelpunkt des gleichnamigen Kreises (Powiat ratneński) in der Woiwodschaft Brześć Litewski,Rizzi Zannoni, Woiewództwa Lubelskie y Rawskie. Mazowsze y Podlasie Południowe. Część Pułnocna Woiewództw Bełzkiego, Ruskiego y Sendomirskiego, część zachodnia Województwo (!) Wolyńskiego y Brzeskiego — Litewskiego.; 1772 seit 1569 in der polnisch-litauischen Adelsrepublik.
Ab der Dritten Teilung Polens 1795 gehörte Ratne zum Gouvernement Wolhynien des russischen Kaiserreiches. Von 1921 bis 1939 gehörte Ratne in der Woiwodschaft Wolhynien zur Zweiten Polnischen Republik (Powiat Kowel, Gmina Górniki). Mit der sowjetischen Besetzung Ostpolens 1939 kam es zur Ukrainischen SSR, wo es 1940 Sitz des gleichnamigen Rajons wurde. Nach der deutschen Besetzung 1941–44 wurde es wieder sowjetisch, ehe es, nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991, zur unabhängigen Ukraine kam.
Jüdisches Leben 1870 waren 65 % der Bevölkerung Juden. In Ratne wurden der bedeutende jüdisch-kanadische Schriftsteller Abraham Moses Klein (1909–1972) und der jiddisch-polnische Schriftsteller Eliasz Rajzman (1909–1975) geboren.
Wirtschaft In Ratne sind verschiedene Betriebe, vor allem der holzverarbeitenden Industrie ansässig.
Verwaltungsgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Siedlung zum Zentrum der neugegründeten Siedlungsgemeinde Ratne (). Zu dieser zählen auch noch die 23 in der untenstehenden Tabelle aufgelistetenen Dörfer,Кабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 708-р " Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Волинської області" bis dahin bildete die Siedlung die gleichnamige Siedlungsratsgemeinde Ratne (Ратнівська селищна рада/Ratniwska selyschtschna rada) im Zentrum des Rajons Ratne.
Am 17. Juli 2020 wurde der Ort Teil des Rajons Kowel.Верховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX "Про утворення та ліквідацію районів"
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Ratne Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch polnisch Beresa Береза Берёза (Berjosa) Bereza Brody Броди Броды Brody Dolyna Долина Долина (Dolina) Dolina Domanowe Доманове Доманово (Domanowo) Domanowo Hirnyky Гірники Горники (Gorniki) Górniki Hodyn Годинь Годынь (Godyn) Hodyń Komarowe Комарове Комарово (Komarowo) Komarowo Konyschtsche Конище Конище (Konischtsche) Koniszcze Kortelissy Кортеліси Кортелесы (Kortelessy) Kortelisy Kossyzi Косиці Косицы (Kossizy) Kosice Kraska Краска Краска Kraska Mlynowe Млинове Млыново (Mlynowo) Młynowe Prochid Прохід Проход (Prochod) Prochód Sapokiwne Запоківне Запоковное (Sapokownoje) Zapokiwie Schmenky Шменьки Шменьки (Schmenki) Szmeńki Schyrytschi Жиричі Жиричи (Schiritschi) Żyrycze Sdomyschel Здомишель Здомышель Zdomyśl Silze Сільце Сельцо (Selzo) Sielce Silzja-Mlyniwski Сільця-Млинівські Сельца-Млыновские (Selza-Mlynowskije) Sielce Młynowskie Starostyne Старостине Старостино (Starostino) Starościn Wyschytschno Вижично Выжично (Wyschitschno) Wyżyczno Wyssotschne Височне Высочное (Wyssotschnoje) Wyżyczno Wyten Витень Витень (Witen) Witeń
Bevölkerungsentwicklung 1870 — 2099 EinwohnerSłownik geograficzny Królestwa Polskiego i innych krajów słowiańskich, Band 9, Warschau 1888, S. 542. 1897 — 3089 Einwohner 1921 — 2410 Einwohner 1970 — 5100 Einwohner 2001 — 8489 Einwohner 2006 — 9200 Einwohner 2025 — 8750 Einwohner
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oblast Wolyn Kategorie:Ersterwähnung im 13. Jahrhundert Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1440 Kategorie:Rajon Kowel Kategorie:Ort am Prypjat