mini|Bismarck-Mausoleum in Friedrichsruh, Ansicht von Nordwesten mini|Südseite mit Portalvorhalle mini|Blick aus dem Langhaus in das Oktogon mit den Sarkophagen Otto von Bismarcks und seiner Frau Johanna geb. von Puttkamer Das Bismarck-Mausoleum ist die Grablege Otto von Bismarcks und seiner Frau Johanna auf dem Schneckenberg in Friedrichsruh. Der neoromanische Grabbau wurde nach Bismarcks Tod am 31. Juli 1898 nach Plänen von Ferdinand Schorbach errichtet und im Frühjahr 1899 fertiggestellt. Die Kapelle steht heute unter Denkmalschutz.Bismarckmausoleum mit Umfeld (Nr. 49621). In: Denkmalliste im Kreis Herzogtum Lauenburg, Aumühle, S. 1 (PDF).

Beschreibung Der Architekt folgte bei seinem Entwurf mit großer Treue der Formensprache der Romanik. Er spielte damit auf die Blütezeit des Heiligen Römischen Reichs mit seinen Kaiserdomen an, als dessen Wiederauferstehung sich das wilhelminisch-bismarcksche deutsche Kaiserreich verstand.Dehio Den Tuffbau stellte er auf einen Sockel aus unregelmäßig behauenen Granitsteinen.

Schorbach kombinierte für das Mausoleum die altchristlichen Bauformen Zentralbau und Langhaus. Der erstere, ein mehrgeschossiges Oktogon mit Pyramidendach, in dessen Mitte im Inneren die beiden Sarkophage stehen, ist der beherrschende Gebäudeteil. Das Mauerwerk ist mit Bogenfriesen und Lisenen gegliedert und im Obergeschoss von gekuppelten Zwillingsfenstern, darunter von Fächerfenstern durchbrochen. Im Untergeschoss wird das Oktogon durch Eckanbauten zum Quadrat. Insgesamt ist dieser Bauteil von romanischen Vierungstürmen inspiriert.als Beispiel Kloster Knechtsteden

Im Oktogon steht der Sarkophag Otto von Bismarcks („Fürst von Bismarck“) mit einem Epitaph, dessen Inschrift Bismarck selbst festgelegt hatte: „Ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelms I.“; daneben der Sarkophag seiner Frau Johanna von Bismarck („Fürstin von Bismarck“) mit der biblischen Inschrift . Über den Marmorsarkophagen spannt sich ein achtrippiges Gewölbe, das die Fenster des Mittelgeschosses frei lässt.

Nach Osten angefügt ist die eingeschossige, einschiffige Kapelle, ebenfalls mit Bögen und Lisenen geschmückt und mit einer Rundapsis geschlossen. Das Innere unter dem offenen Dachstuhl ist weitgehend schmucklos. Die Fenster sind ornamental verglast. Im Mittelfenster der Apsis trägt ein Engel ein Schriftband mit den Worten „Pax vobiscum“ („Friede sei mit euch“). Über dem Apsisbogen steht das Bibelwort .

Der Zugang zum Gebäude erfolgt über die Vorhalle an der Südseite, in deren Portaltympanon das Wappen Bismarcks angebracht ist. Im Inneren führen zwei Treppenaufgänge rechts und links zum Langhaus und zum Oktogon hinauf, die Mitteltreppe zur Familiengruft hinab.

In diesem unteren Teil, der nicht der Öffentlichkeit zugänglich ist, befindet sich die Grablege der Familie von Bismarck, dort ruhen die erstgeborenen Söhne und deren Ehefrauen der nachkommenden Generationen, u. a. Herbert von Bismarck und dessen Frau Marguerite. Auf dem Areal rund um die Kapelle liegt auch das Grab von Gottfried von Bismarck-Schönhausen. Die Kapelle und das Gelände sind nach wie vor im Familienbesitz der von Bismarcks, können aber besichtigt und für private Feiern angemietet werden.

Geschichte mini|Sarkophag Bismarcks Durch die Gasteiner Konvention gelangte das Herzogtum Sachsen-Lauenburg an Preußen. Bei der Reichsgründung 1871 erhielt Bismarck den Sachsenwald als Dotation von Kaiser Wilhelm I. Der Reichskanzler baute sich Friedrichsruh als Altersruhesitz aus. Den Ort seiner Grablege soll er selbst sich ausgesucht haben, damit die Bahnstrecke zwischen Schloss Friedrichsruh und dem Mausoleum einen von Kaiser Wilhelm II. geplanten pompösen Staatsakt verhindert. Anfänglich hatte der Kaiser erwogen, Bismarck zur Vereinnahmung in der Fürstengruft des Berliner Doms beizusetzen. Theodor Fontane griff in diese Diskussion zugunsten von Friedrichsruh ein, mit seinem am 31. Juli 1898 geschriebenen Gedicht: „Wo Bismarck liegen soll...“ Es erschien in der Vossischen Zeitung am 3. August 1898, vier Tage nach Bismarcks Tod. Im ganzen Kaiserreich war man durch das Ereignis ergriffen. Selbst vor den Propyläen in München fand am 12. August 1898 eine nächtliche, durch Fackeln illuminierte Trauerfeier statt. Danach gab sein Sohn Herbert von Bismarck die Grabkapelle beim Architekten Ferdinand Schorbach in Auftrag. Bei der Ausführung im neoromanischen Stil soll angeblich der Grundriss des Oktogons von dem Mausoleum des Theoderich in Ravenna übernommen worden sein.Bernhard von Bülow: Denkwürdigkeiten. Band 1: Vom Staatssekretariat zur Marokko-Krise. Ullstein, Berlin 1930, S. 231. (Online)Henning von Rumohr, Hubertus Neuschäffer: Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Weidlich, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-8035-1216-6, S. 390. Diese lange tradierte Behauptung ist jedoch falsch, da das Grabmal des Theoderich auf einem zehnseitigen (decagonalen) Grundriss beruht. Auch sonst folgt die Architektur des Bismarck-Mausoleums keineswegs dem von diesen älteren Autoren behaupteten Vorbild. Ein halbes Jahr nach seinem Tod wurden am 16. März 1899 die Särge von Otto von Bismarck und seiner Frau, die bislang in Varzin geruht hatte, in einer feierlichen gemeinsamen Beisetzung in zwei Sarkophagen aus Untersberger Marmor in der Kapelle eingelassen. Mit der Wahl dieses Datums wurde die Verbundenheit Bismarcks zu Kaiser Wilhelm I. unterstrichen, der auf den Tag genau elf Jahre zuvor seine Beisetzung im Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg erfahren hatte. Anlässlich der Beisetzung erschien auch der deutsche Kaiser Wilhelm II. mit seiner Frau und großem Gefolge.

Die Grabkapelle wurde später oft als zentraler Anlaufpunkt für Gedenkveranstaltungen, z. B. des Bismarckbund e. V., genutzt. Auch trafen sich hier jährlich am 27. Mai die Überlebenden des 1941 versenkten deutschen Schlachtschiffs Bismarck zu einer Gedenkveranstaltung.

Siehe auch Georg Ritter von Schönerer, österreichischer Unterstützer der großdeutschen Lösung und Bismarck-Bewunderer, dessen Grab ebenfalls in Aumühle liegt.

Literatur Rolf Hennig: Der Sachsenwald. (= Schriftenreihe der Stiftung Herzogtum Lauenburg. Band 6). Wachholtz, Neumünster 1983, ISBN 3-529-06180-8, S. 88–94, 122–123. Ralf Lange: Architektur in Hamburg. Der große Architekturführer Junius, Hamburg 2008, ISBN 978-3-88506-586-9, S. 311 (Digitalisat bei Google Books). Renate Marklein-Hebbel (Hrsg.): Bismarck-Museum und Mausoleum Friedrichsruh. Isensee, Oldenburg 2008, ISBN 978-3-89995-541-5. Peter Pinnau: Wo Bismarck liegen soll. Eine Fürstengruft im Sachsenwald. Jonitzer Verlag Dessau, München 2015, ISBN 978-3-945927-02-1. Henning von Rumohr, Hubertus Neuschäffer: Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Weidlich, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-8035-1216-6, S. 390.

Weblinks

Bismarck-Museum und Mausoleum. In: Bismarck-Stiftung.de Friedrichsruh. In: Bismarck-Familie.de

Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk in Aumühle Kategorie:Otto von Bismarck als Namensgeber Aumuhle, Mausoleum Kategorie:Neuromanisches Bauwerk in Schleswig-Holstein Friedrichsruh Kategorie:Erbaut in den 1890er Jahren Kategorie:Sakralbau im Kreis Herzogtum Lauenburg Kategorie:Grabbau in Europa