Flachslanden (fränkisch: „Flaksland“ oder „Flaggers“E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 75.) ist ein Markt im Landkreis Ansbach in Mittelfranken.
Geografie Geografische Lage Flachslanden liegt nordwestlich der Stadt Ansbach, etwa in der Mitte zwischen Bad Windsheim und Ansbach im Naturpark Frankenhöhe. Tallandschaften von Fränkischer Rezat, Bibert, Mettlach und Zenn vermitteln dem Wanderer die typisch fränkischen Landschaftsbilder.
Nachbargemeinden
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat 19 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Einöde Schneidmühle zählt zum Gemeindeteil Kemmathen, die Kesselmühle zum Gemeindeteil Kellern.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Flachslanden, Kettenhöfstetten, Neustetten, Sondernohe und Virnsberg. Die Gemarkung Flachslanden hat eine Fläche von 11,866 km² und ist in 2047 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Hummelhof, Kellern, Rohrmühle, Rosenbach und Wippenau.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Der Ort wurde 1294 als „Vlaslanden“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich von dem gleichnamigen Flurnamen ab. Das Grundwort ist mhd. lant (kleineres, mit Hacke oder Spaten bestelltes Landstück), das Bestimmungswort vlahs, vlas (Flachs).W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 71.
Das Kloster Heilsbronn erwarb dort im Jahr 1165 Güter. Insgesamt wurden vier Anwesen heilsbronnisch.G. Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit, Bd. 2, S. 328.
Der Deutsche Orden hatte seit 1294 die Herrschaft in Virnsberg inne und dort eine Kommende, eine untere Verwaltungsbehörde, eingerichtet, die zur Deutschordensballei Franken gehörte. Ab 1500 war diese Ballei ein Teil des Fränkischen Reichskreises.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Flachslanden 72 Anwesen. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Hofkastenamt Ansbach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das brandenburg-ansbachische Vogtamt Flachslanden inne. Grundherren waren das Fürstentum Ansbach, 57 Anwesen: Vogtamt Flachslanden: 1 Höflein, 1 Halbhof, 12 Güter, 1 Badgut, 2 Güter mit Backrecht, 2 Halbgütlein, 2 halbe Gerbereigüter, 1 Schmiedgut, 1 Tafernwirtschaft, 1 Gut mit Brauhaus, 25 Leerhäuser Vogtamt Birkenfels: 2 Gütlein, 1 Tafernwirtschaft das brandenburg-bayreuthische Kastenamt Neuhof: 1 Tafernwirtschaft das Rittergut Rügland der Herren von Crailsheim, 14 Anwesen: 2 Höfe, 9 Güter, 1 Schmiedgut, 1 Tafernwirtschaft. Neben diesen Anwesen gab es kirchliche (Kirche, Pfarrgut), kommunale (Schafhaus, Hirtenhaus) und herrschaftliche Gebäude (Amtshaus).Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 854 f.
19. und 20. Jahrhundert Von 1792 bis 1806 war Flachslanden wie das gesamte Fürstentum Ansbach unter preußischer Verwaltung. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Ansbach.Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 988. Im Geographischen statistisch-topographischen Lexikon von Franken (1800) wird der Ort folgendermaßen beschrieben:
Im Jahre 1806 kam Flachslanden an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Flachslanden gebildet, zu dem Borsbach, Hummelhof, Kellern, Kettenhöfstetten, Rangenmühle, Rohrmühle, Rosenbach, Ruppersdorf gehörten. Die Ruralgemeinde Flachslanden entstand 1811 und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Ansbach 1808–17. Zitiert nach Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 961. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Ansbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ansbach (1919 in Finanzamt Ansbach umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 14 Anwesen in Flachslanden von 1820 bis 1848 dem Patrimonialgericht Rügland.Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 972 und 988.
Mit dem Zweiten Gemeindeedikt 1818 wurde Wippenau von Virnsberg nach Flachslanden umgemeindet. Am 24. August 1830 löste sich die neu gebildete Gemeinde Kettenhöfstetten mit Borsbach, Rangenmühle und Ruppersdorf von Flachslanden.Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 948. Ab 1862 gehörte Flachslanden zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1870 beim Landgericht Ansbach, von 1870 bis 1879 war das Stadt- und Landgericht Ansbach zuständig, seit 1880 ist es das Amtsgericht Ansbach.Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 988. Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 12,449 km².
Von 1993 bis 1995 fanden vor dem Landgericht Ansbach die Flachslanden-Prozesse gegen 19 Personen aus Flachslanden und Umgebung statt, die wegen massenhaften Kindesmissbrauchs angeklagt waren.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1972 wurden die Gemeinden Kettenhöfstetten und Neustetten eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kamen Sondernohe und Virnsberg hinzu.
Verwaltungsgemeinschaft Von 1978 bis 2001 bildete Flachslanden mit der Nachbargemeinde Oberdachstetten die Verwaltungsgemeinschaft Flachslanden, die zum 1. Januar 2002 aufgelöst wurde.Sechstes Gesetz zur Änderung der Gliederung von Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften vom 23. November 2001 (GVBl S. 738) Beide Gemeinden haben seither wieder eigene Verwaltungen.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 2215 auf 2351 um 136 Einwohner bzw. um 6,1 %.
Gemeinde Flachslanden Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 1995 2005 2017Einwohner 873 639 631 612 620 680 726 742 790 743 787 788 791 832 808 820 836 876 1278 1221 1081 1186 2236 2418 2521 2358HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und von 1871 bis 2017 als Wohngebäude. 162 104 123 142 138 145 156 177 220 636 807Quelle Für die Gemeinde Flachslanden zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Borsbach (S. 11), Kellern (S. 47), Kettenhöfstetten (S. 47), Rangenmühle (S. 73), Rohrmühle (S. 77), Rosenbach (S. 77), Ruppersdorf (S. 79) und Wippenau (S. 89). Im Historischen Gemeindeverzeichnis hat die Gemeinde 650 Einwohner.
Ort Flachslanden Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2017 2026Einwohner 438 492 478 534 641 592 625 923 856 936 960 1197 1390Häuser 80 85 117 116 125 139 177 297 Quelle
Konfessionsstatik Der Ort ist seit der Reformation protestantisch geprägt. Zum Jahresende 2021 gehörten 53,8 % der Einwohnern der evangelischen Konfession an, 27,2 % der Einwohner der katholischen Konfession und 19 % gehörten anderen Konfessionen oder Glaubensgemeinschaften an, waren ohne Angabe oder gemeinschaftslos.Markt Flachslanden Zahlen Fakten, abgerufen am 4. April 2022 Zum Jahresende 2025 gehörten 47,5 % der 2552 Einwohnern der evangelischen Konfession an, 24,2 % der Einwohner der katholischen Konfession und 28,3 % gehörten anderen oder keiner Glaubensgemeinschaften an.Markt Flachslanden Zahlen Fakten, abgerufen am 9. März 2026
Politik Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat von Flachslanden besteht aus 14 Mitgliedern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. SPD CSU – Bürgerblock Liste für Alle Freie Wählerschaft Virnsberg und Sondernohe Gesamt 2002 5 5 2 2 14 Sitze 2008 3 4 4 3 14 Sitze 2014 2 4 5 3 14 Sitze20202 4 5 3 14 Sitze
Bürgermeister Nach der Kommunalwahl 2008 löste Hans Henninger (Liste für Alle) die seit 1996 amtierende und nicht wieder angetretene Erste Bürgermeisterin Renate Hermann (SPD) ab; dieser wurde 2014, 2020 und 2026 erneut gewählt.
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist blau-weiß-rot.
Raumordnung Die Gemeinde Flachslanden ist Mitglied der 2004 gegründeten Kommunalen Allianz NorA. Die Allianz hat ein gemeinsames Integriertes ländliches Entwicklungskonzept. NorA bildet mit den benachbarten Allianzen Aurach-Zenn und Kernfranken die Lokale Aktionsgruppe Rangau. Diese wird durch das LEADER-Programm 2023–2027 gefördert.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler
Zu den Sehenswürdigkeiten der Gemeinde gehören die St.-Laurentius-Kirche aus dem 10. Jahrhundert und die Deutschordenskirche im Gemeindeteil Sondernohe im Übergangsstil vom Barock zum Frühklassizismus. Auch die Deutschordensburg im Gemeindeteil Virnsberg und das Heilige Grab sind sehenswert.
Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Die Staatsstraße 2253 führt zur Bundesstraße 13 bei Gräfenbuch (3,5 km südwestlich) bzw. zur Staatsstraße 2245 bei Wippenau (2,3 km nordwestlich). Die Kreisstraße AN 21 führt an Neustetten vorbei die St 2245 kreuzend nach Virnsberg (2,6 km nördlich) bzw. nach Borsbach (1,4 km südlich). Die Kreisstraße AN 17 führt nach Kettenhöfstetten (2,2 km südöstlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße verbindet mit Rosenbach (1,3 km südwestlich).
Bildung Grundschule Flachslanden
Persönlichkeiten Friedrich Wilhelm Güll (1812–1879), Schriftsteller und einer der ersten deutschen Kinderliederdichter, war in Flachslanden eine Zeit lang als Lehrer tätig Georg Pfründt (1603–1663), Barock-Medailleur, stammte aus Flachslanden
Literatur
Erich Meißner: 700 Jahre Flachslanden. Flachslanden 1994.
Wilhelm Christoph Schmid: Versuch einer statistisch-topographischen Beschreibung der königlich baierischen protestantischen immediat-Pfarrei Mt. Flachslanden im Rezatkreise. Ansbach 1819. Kaspar Fr. Seckel: Flachslanden. Ansbach 1979.
Weblinks
Markt Flachslanden
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Ersterwähnung 1294 Kategorie:Markt in Mittelfranken Kategorie:Gemeindegründung 1811
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach