Otto-Günter Lonhard (* 7. März 1933 in Blaubeuren; † 4. Dezember 2020 in EssenThomas Held: Nachruf auf Dr. Otto-Günter Lonhard (1933–2020), in: Rundbrief des Vereins für Familienkunde in Baden-Württemberg, Nr. 40 (März 2021), S. 12 (enthält auch Angaben zur beruflichen Laufbahn).) war ein deutscher Jurist und schwäbischer Heimatforscher.
Leben und Wirken
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen, wo er Mitglied der Turnerschaft Hohenstaufia Tübingen wurde, nach erster (1955) und zweiter Staatsprüfung (1960), der Promotion zum Dr. jur. (1958), der Referendarausbildung und einer Tätigkeit als Anwaltsassessor trat er 1960 in die Innenverwaltung des Landes Baden-Württemberg ein. Stationen seiner Tätigkeit waren die Landratsämter Bruchsal, Buchen und Heilbronn, das Verwaltungsgericht Sigmaringen und die Landesanwaltschaft beim Verwaltungsgericht Karlsruhe. 1965 wurde er zum Innenministerium versetzt, wo er auf verschiedenen Dienstposten verwendet wurde, u. a. als Referatsleiter in der Kommunalabteilung und in der Abteilung für öffentliche Sicherheit und Ordnung. Am 1. April 1978 wurde er an den Rechnungshof Baden-Württemberg berufen, wo er als Rechnungshofdirektor für die Prüfung der Universitäten und Hochschulen zuständig war. Jeweils mit Zustimmung des Landtags ernannte ihn der Ministerpräsident am 1. Mai 1981 zum Vizepräsidenten und am 1. September 1991 als Nachfolger von Otto Rundel zum Präsidenten des Rechnungshofs Baden-Württemberg. 1998 trat er in den Ruhestand.
Schon im Vorfeld der deutschen Wiedervereinigung, aber insbesondere ab Sommer 1990 engagierte sich Lonhard beim Aufbau des sächsischen Rechnungshofs. Ab 1991 war er Vorsitzender des Landespersonalausschusses; er war Mitglied der baden-württembergischen Regierungskommissionen zur Durchführung der Verwaltungsreform und zur Haushaltsstruktur sowie (1993) Obmann der vom Landtag eingesetzten Diätenkommission. Ab 1993 gehört er dem Verwaltungskuratorium der württembergischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Stuttgart sowie dem Kuratorium der Fachhochschule Pforzheim an. Vier Jahre lang war er Kirchenältester der Lukaspfarrei und Mitglied des Gesamtkirchengemeinderats Pforzheim.
1989 begründete Lonhard die Schriftenreihe „Finanzkontrolle in Baden-Württemberg, Beiträge zur Geschichte, Aufgaben und Arbeit der Rechnungsprüfungsbehörden“, in der bisher (1998) vier Bände erschienen sind. In Band 2 legte er 1992 in dem richtungsweisenden Beitrag „Rechnungshof 2000“ die Grundzüge einer modernen Finanzkontrolle fest, der er sich als Präsident verpflichtet fühlte und die er umsetzte. Die Organisation des Rechnungshofs wurde den Bedürfnissen einer modernen Finanzkontrolle angepasst, wirtschaftswissenschaftlicher Sachverstand in den Rechnungshof hereingeholt, die 16 Vorprüfungsstellen aufgelöst und dafür vier, dem Rechnungshof unmittelbar nachgeordnete Rechnungsprüfungsämter geschaffen. Neben seiner beruflichen Tätigkeit widmete sich Dr. Lonhard seit seiner Jugend der landes-, heimat- und familiengeschichtlichen Forschung. Dies hat ihren Niederschlag in einer Vielzahl von Vorträgen, Aufsätzen und Publikationen gefunden.
Lonhard starb am 4. Dezember 2020 in Essen. Er wurde anonym beerdigt. Seinem Wunsch gemäß sollte es zu seinem Tod keinerlei Nachrufe bzw. Todesanzeigen geben.
Ehrungen 1984 Bundesverdienstkreuz am Bande 1988 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse 2012 2. Preis beim 31. Landespreis für Heimatforschung
Publikationen
Geschichtliche Veröffentlichungen
Das Kloster Blaubeuren im Mittelalter, Rechts- und Wirtschaftsgeschichte einer schwäbischen Benediktinerabtei Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B, Bd. 25, 1963 Stadtkirche und Pfarrei Blaubeuren bis zur Reformation Stadtkirche Blaubeuren 1966, S. 21 Aus Blaubeurens Vergangenheit Blaubeuren 700 Jahre Stadt, 1967, S. 9 Die Gründung der Stadt Blaubeuren Schwäbische Heimat, 1967, S. 226 Das Spital zum Heiligen Geist in Blaubeuren Ulm und Oberschwaben 39 (1970) S. 26 Genealogische Quellen des 16. Jahrhunderts Blätter für württembergische Kirchengeschichte 1978, S. 187 Seißen im Mittelalter, 900 Jahre Seißen. Beiträge zur Heimatkunde eines Altdorfs, 1985, W. A. Ruopp und O. Strübel (Hrsg.); S. 25 Seißen im Mittelalter; S. 36 Die alten Seißener Familien Die Bürgerschaft der Stadt Blaubeuren (1457–1650) in Blaubeuren, die Entwicklung einer Siedlung in Südwestdeutschland, 1986, S. 447 900 Jahre Kloster Blaubeuren Blätter des Schwäbischen Albvereins, 1985, 91 (1985), S. 111 900 Jahre Kloster Blaubeuren, Kritische Überlegungen zur Gründungsgeschichte (1080–1125) Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 46 (1987), S. 368 in Finanzkontrolle in Baden-Württemberg hg. Vom Rechnungshof Baden-Württemberg, Karlsruhe 1987: S. 5 Rechnungsprüfung in Württemberg (Lonhard/Knoerzer); S. 61 Die Rechnungsprüfungsbehörden in Baden und Württemberg (1945–1952); S. 111 Der Rechnungshof Baden-Württemberg in 900 Jahre Gerhausen, hg. von der Stadt Blaubeuren, 1992: S. 43 Gerhausen im Mittelalter; S. 247 Die Hausgrundstücke in Gerhausen und ihre Inhaber Die Bauerngüter in Asch und ihre Inhaber (1457–1661) SWDB Bd. 19 (1988), S. 157 Die Bauerngüter in Bühlenhausen und ihre Inhaber (1457–1686) SWDB Bd. 19 (1989), S. 289 Spuren eines Dorfes Sonderbuch 1294–1994, hg. Ortschaftsrat Sonderbuch, 1994, S. 84 Die Bauerngüter in Sonderbuch und ihre Inhaber Die Autenrieth in Berghülen in Festschrift für Werner Gebhardt, hg. Christoph Fromm u. Bernd Autenrieth, Stuttgart 1995, S. 55. Die Musterungslisten der Stadt Reutlingen Südwestdeutsche Quellen zur Familien- u. Wappenkunde, Stuttgart, 1997. Württembergische Familienstiftung 148. Heller-Stiftung, 2000, hg.v. Verein für Familien- u. Wappenkunde in Württemberg u. Baden Berghülen, 900 Jahre lebendige Geschichte einer Gemeinde hg. von der Gemeinde Berghülen, 2000: S. 53 Geschichte; S. 60 Die Güter in Berghülen u. ihre Inhaber (1457–1686); S. 93 Bühlenhausen im Mittelalter; S. 95 Die Güter in Bühlenhausen u. ihre Inhaber (1457–1686) Blaubeurer Regesten Regesten zur Geschichte der Stadt Blaubeuren und der Stadtteile Gerhausen u. Weiler, 1130–1650, 2000 Blaubeurer Regesten Band 2, Regesten zur Geschichte des Klosters Blaubeuren und seiner Besitzungen, 1085–1536, 2001 Familienbuch der Stadt Blaubeuren im Selbstverlag des Verfassers: Bd. 1 (Kernstadt) 2004; Bd. 2 (Gerhausen, Weiler) 2006; Bd. 3 (Seißen/Wennenden) 2007; Bd. 4 (Hochsträßorte) 2009; Bd. 5 (Asch/Sonderbuch) (Lonhard/Burkhard) 2011 Blaubeurer Häuserbuch 1459–1820 im Selbstverlag des Verfassers, 2005. Die Türkensteuerlisten der Stadt Reutlingen Bd. 4 der Quellen zur Familien- u. Wappenkunde, 2009. Die Oberratsprotokolle als familiengeschichtliche Quelle SWDB Band 28, S. 30 Familiengeschichtliche Veröffentlichungen in der Zeitschrift Genealogie, hg. vom Verlag Degener u. Co.: Die Blaubeurer Uttenrieth 1965, S. 561 Blaubeurer Bürgerrechtsentscheidungen 1610/1645 1966, S. 389 Die Familie Megenhart in Blaubeuren 1968, S. 331 Schreiber, Lorcher, Raminger 1971, S. 709; 1973, S. 439 Bock/Megenhart, Kritische Anmerkungen zur Ahnenliste der Fürstin von Monaco 1976, S. 224 Die ältere Familie Lang in Blaubeuren 1976, S. 2 Familiengeschichtliche Veröffentlichungen in den Südwestdeutsche Blättern für Familien- und Wappenkunde in Baden-Württemberg (SWDB): Ergänzungen zu den Ahnentafeln Wilhelm Hauff, Eduard Möricke, Max Planck Bd. 12 (1966) S. 80 Das Ende einer Legende oder die ältesten Autenrieth in Asch Bd. 12 (1968) S. 204 Die Autenrieth in der Klostergrundherrschaft Blaubeuren Bd. 13 (1969) S. 3 (Nachdruck in Festschrift 100 Jahre Familienverband Autenrieth, 2000, S. 125) Die Hochstetter in Seißen Bd. 13 (1971) S. 253 Die jüngere Familie Lang in Blaubeuren Bd. 13 (1972) S. 3 Mayer in Cannstatt, Backnang, Beilstein und Marbach Bd. 15 (1976) S. 154 Blaubeurer Vermögens-statistik 1545 Bd. 15 (1978) S. 468 Die Blaubeurer Mann Bd. 16 (1979) S. 7 Die Blaubeurer Hagmayer Bd. 16 (1979) S. 181; (1980) S. 208 Kammerrat Johann Peyrlin Bd. 16 (1979) S. 157 Die Baumeister in Blaubeuren Bd. 16 (1980) S. 389 Die Knoll aus Blaubeuren Bd. 16 (1980) S. 305 Die Blaubeurer Eschenmayer Bd. 16 (1981) S. 525 Das Gerichtsbuch von Berghülen 1573 Bd. 16 (1981) S. 439 Die Forstmeister Jakob Koch, Vater und Sohn Bd. 17 (1982) S. 173 Unfried in Bietigheim, Sigloch in Markgröningen Bd. 17 (1982) S. 52 Die Deschler aus Asch Bd. 17 (1983) S. 210 Die Kienlin in Magstadt Bd. 17 (1984) S. 461 Vom Adel zum Bürgertum, Die Familie Werenwag Bd. 18 (1985) S. 61 Die Einwohner von Treffensbuch im 15. und 16. Jahrhundert Bd. 18 (1986) S. 343 Ochsenbach und Klemm in Reutlingen Bd. 23 S. 326 Die Familie Volland und ihre Verbindungen zu Entzlin, Dreher u. Lyher Bd. 23 S. 368 Ergänzungen und Berichtigungen zur Familie Volland in Markgröningen Bd. 23 S. 408 Das Testament des Conrad Essich Bd. 23 S. 441 Die ersten Voith im Raum Heidenheim Bd. 24 S. 426 Agnes Bayer geb. Vautt und ihre Familie, Neues zur Genealogie Vaut I Bd. 24 S. 441 Die neue Pfründ in Zuffenhausen und ihre Stifterfamilie, Neues zur Genealogie Vautt II Bd. 24 S. 485 Die Vaut in Zuffenhausen im 15. Jahrhundert, Neues zur Genealogie Vautt III Bd. 24 S. 517 Johann Bidenbach, Familie und Vorfahren Bd. 30 (2013)
Literatur Badische Neueste Nachrichten vom 1. April 1998: Präsident Otto-Günter Lonhard übergibt sein Amt an Martin Frank
Weblinks Südwest Presse 27. November 2012 Die Präsidenten des Rechnungshofs Baden-Württemberg Geschichte Rechnungshof Baden-Württemberg Geschichte der Finanzkontrolle Baden-Württemberg Schriftenreihe „Finanzkontrolle in Baden-Württemberg, Beiträge zur Geschichte, Aufgaben und Arbeit der Rechnungsprüfungsbehörden“
Einzelnachweise
Kategorie:Leiter einer Finanzkontrollbehörde Kategorie:Jurist in der Finanzverwaltung Kategorie:Person (Verwaltungsgericht Karlsruhe) Kategorie:Person (Verwaltungsgericht Sigmaringen) Kategorie:Jurist in der Kommunalverwaltung Kategorie:Heimatforscher (Baden-Württemberg) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Turnerschafter Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Gestorben 2020 Kategorie:Mann