Alfred Heth (* 20. März 1948 in Stintenburger Hütte, Gemeinde Zarrentin am Schaalsee; † 7. Dezember 2013 in Wismar) war ein deutscher Maler, Bildhauer und Grafiker.
Leben Alfred Heth wurde 1948 als Kind besserabischer Flüchtlinge in Stintenburger Hütte, Landkreis Hagenow, geboren. Als er drei Jahre alt war, verstarb sein Vater. Seine Mutter zog mit den Kindern nach Wismar um, wo er sein Abitur abschloss und gleichzeitig die Facharbeiterprüfung als Betriebsschlosser meisterte. Bereits zu dieser Zeit besuchte er den Malzirkel der Wismarer Musikschule.
1967 begann er sein Studium der Kunsterziehung und Geschichte in der Universität Leipzig. Während dieser Zeit studierte er parallel an der Abendakademie der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
Nachdem er im Jahr 1971 erfolgreich sein Studium mit Diplom abgeschlossen hatte, ging er als Lehrer nach Güstrow. Von 1974 bis 1976 leistete er seinen Grundwehrdienst. Als er 1975 den Vorschlag der Kandidatur des Verbands Bildender Künstler der DDR entgegennahm, entschied er sich, ab 1976 freischaffend in Wismar zu arbeiten. 1979 wurde er festes Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Im selben Jahr heiratete er Jutta Heth; sie wurden Eltern zweier Kinder.
Alfred Heth starb am 7. Dezember 2013 in Wismar.
Werk und Rezeption Alfred Heths Werk macht seit den frühen 1980er Jahren von sich reden durch auffällige Andersartigkeit und inhaltliche Unbestimmbarkeit. Das erweckte in der DDR politischen Argwohn. Er passte sich politisch nicht an und schuf Werke, die zum Bild vom sozialistischen Realismus einfach nicht passen wollten.Cornelia Röter, Katalog der Ausstellung "Verwandlungen", Kunstverein Kapelle Weitendorf, 1995. Sein gesellschaftlicher Rückzug ließ ihm Zeit und Ruhe zu reifen. Nach der Wende und unter veränderten politischen Bedingungen konnte er ein Werk vorstellen, das unverwechselbar, eigenständig und fast frei von Kunstrichtungen, Stilströmungen und Einflüssen erscheint.Franz Norbert Kröger, Katalog von der Ausstellung "Übermalte Ritzungen auf Rohfilzpappe", Kunsthalle Kühlungsborn 1994.
Seine Arbeiten sind Gestalt gewordene Auseinandersetzung mit den vielfältigsten Formen des Lebens. Sein wissenschaftlicher-physikalischer Geist beherrscht mit traumwandlerischer Sicherheit die formalen Aspekte des Schaffensprozesses. Seine Bilder sind zwar immer Abdrücke individuellen Daseins, Zeichen menschlicher Existenz in ihrer Dinghaftigkeit, damit aber fast auf einer Ebene auch Zeichen ihrer Hinfälligkeit. Heths Gestaltungsästhetik macht sich alle Formen und Materialien unserer Welt zu eigen, um sie in neuem Kontext zu hinterfragen, ihrer Beschaffenheit auf den Grund zu gehen und fragmentarisch Einsichten eines faszinierenden ICH-Bewusstseins aufzudecken. Sein Lieblingsthema ist immer wieder der Mensch. In vergegenständlichter und abstrakter Form experimentiert er dabei mit den verschiedensten Werkstoffen.
Besondere Beachtung fand Ende der 1990er Jahre sein Wirken als Plastiker. Die Thematik seiner Herkunft, als Flüchtlingskind mit verlorener Heimat, findet sich in den Titeln seiner Zyklen: Stammbaum, Erinnerung an eine Sippe, Clan, Pompeji, Atlantis wieder. Er orientiert sich in seinen Arbeiten entschieden an der Figur.Renate Kruppa: Die Bilder enthüllen etwas vom Weltzusammenhang", In: Schweriner Volkszeitung, 20. Dezember 1999.
In systematischen Reihen untersucht er Strukturen von Leiblichkeit und erforscht Grenzsituationen zwischen Leben und Tod. In großformatigen Monotypien formte er Figuren, die an mittelalterliche Gewandplastiken denken lassen und über ihnen schwebten bizarre verwirrende leichte Figuren; "Verwandlungen". Zu diesem Motiv hat er sich wie folgt geäußert: "Meine plastischen Figuren sehe ich als Gegenentwurf zu einem modischen Weltbild. Wenn sie mehr Ähnlichkeit haben mit einem Vogel als mit einem gegenwärtigen Star, also wenn vom Weltzusammenhang etwas mit hinein schwingt, habe ich viel erreicht".
Auch seine Installationen wirken konsequent, fast bedrohlich. 1996 beteiligte er sich an der Ausstellung "Treibsand" im Staatlichen Museum Schwerin. Dort zeigte er neben seinen Monotypien auch die Installation (o.T., Knüppel) mit aufgehängten Relikten, die an Knüppel erinnern. Sie erscheinen knochenartig, berühren den Betrachter mit leichtem Schauer, mahnen an die Endlichkeit des Seins.
Die Kunstwissenschaftlerin Annie Bardon schrieb über Heths Arbeitsweise: "Wenn der Künstler mit Draht arbeitet, beruft er sich keinesfalls auf die alte Bildhauertradition. Das spröde Material gibt ihm eher einen Anlass zur Auseinandersetzung mit der plastischen Struktur und dem Prozess, als zur Darstellung eines Motivs. Für Heth ist das Material Anlass, Strukturen zu untersuchen und zu zeigen."Katalog der Ausstellung "Verborgene Gärten", 2002, S. 26.
Zitate "In guter Kunst sind auch Dinge der Zukunft enthalten. Künstler sind nicht nur Sklaven des unmittelbaren Abbildes der gegenwärtigen Zeit." "Im Grunde genommen will ich, daß das Material mitgestaltet. Im extremsten Fall kann ich Wasser gefrieren lassen und in das Eis dann mit einem Lötkolben reinzeichnen. Und wenn ich das dann eingipsen und ausschmelzen würde, hätte ich eine wunderbare Form gewonnen. Das ist grundsätzlich etwas anderes, als ein Modell in Stein zu übertragen. Ich verstehe dieses Herangehen auch als meine Antwort zur starken Materialisierung in der Kunst."
Ausstellungen Auswahl der Einzelausstellungen 1983 Galerie an der Deutschen Bücherstube, Berlin 1987 Galerie im Haus des Kulturbundes, Rostock 1990 Galerie am Boulevard, Rostock 1992 Gemeinnützige Gesellschaft, Wismar 1993 Kunsthalle Rostock, Café 1994 Übermalte Ritzungen auf Rohfilzpappe Kunsthalle, Kunstverein Kühlungsborn, Rechtsanwaltskanzlei Uwe Jahn, Schwerin 1995 Stammbaum, Erinnerung an eine Sippe, Galerie Meyer, Lüneburg 1995 Verwandlungen Kunstverein Kapelle Weitendorf e.V.(Mecklenburg) 1996 Kunstverein Lippstadt 1997 Galeria Ratusza Staromiejskiego, Gdańsk 1998 Der Abstand zwischen uns und den anderen Kunsthalle, Kunstverein Kühlungsborn Kirche St. Georgen, Wismar 1999 Haus Harig, Hannover 2002 Objekte und Malerei Kunstverein Unna e.V. 2002 Gesichter Kunstverein Rügen e.V., Galerie des Landkreises im Kronprinzenpalais, Putbus 2003 Himmel Galerie Nass, Kirchdorf Poel 2004 Galerie Hinter dem Rathaus, Wismar 2005 Galerie Hinter dem Rathaus, Wismar 2010 Steuerbüro Menninghaus, Lippstadt 2018 Und meine Kunst wird leben, Retrospektive, Galerie Kristine Hamann, Wismar 2019 Metamorphosen eines Schaffenden, Retrospektive, Landeshauptstadt Schwerin Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus
Auswahl bei Ausstellungsbeteiligungen 1978 „Junge Künstler in der DDR“. Galerie Junge Kunst Frankfurt/Oder, 1979 und 1984 Bezirkskunstausstellung Rostock 1981 Galeria Sztuki, Polen 1987 "Handzeichnungen", Staatliches Museum Schwerin 1988 "Junge Kunst" Kunsthalle Rostock 1991 "Raumzwang", Marstall Schwerin 1991 "Sieben Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern", Deutsche Bank, Rostock 1991 "Seevetaler Künstler mit Gästen aus Mecklenburg", Forum des Fachgymnasiums Hittfeld bei Hamburg 1992 "Forum Vebicus", Schaffhausen, Schweiz 1992 "Linolschnitt heute", Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen 1993 "Neun Künstler", Bildungsinstitut Steeger & Groß, Rostock-Warnemünde 1993 "Sechs Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern", HEVAG, Rostock 1993 "Metamorphose ", Filmfestival, Schloss Schwerin 1994 "Grafica Campioli Monterotondo", Rom 1994 "Kunst aus Mecklenburg-Vorpommern", Norddeutscher Rundfunk, Hamburg 1994 "Schwarz - Weiß", Mecklenburgisches Künstlerhaus Schloss Plüschow 1995 "Menschenbilder" Kunstverein Wiligrad 1995 "Linolschnitt heute", Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen 1996 "Treibsand", Staatliches Museum Schwerin 1996 "Jahresgabenausstellung", Kunstverein Arnsberg 1997 "Treibsand", Hochschule für Bildende Künste, Dresden 1998 "Grafik der Gegenwart", Rheinisches Landesmuseum, Bonn 1998 "Landesschau des Künstlerbundes Mecklenburg und Vorpommern", Kunsthalle Rostock 1998 "Arbeiten auf Papier und Keramik, Stein und Stahl",Der erste Rügensche Kunstverein 1999 "Kontrapunkte", Mecklenburgisches Künstlerhaus Schloss Plüschow / Stadt -Schloss Szczecin, Polen 2000 "Kunststreifzüge", Norddeutscher Rundfunk, Hamburg / Staatliches Museum Schwerin / Schloss Güstrow / Kunsthof Halberstadt 2001 "Kunst der Gegenwart aus Mecklenburg-Vorpommern", ZDF, Mainz 2002 "Verborgene Gärten" Hof der Heiligen-Geist-Kirche, internationales Kunstprojekt zur Landesgartenschau Wismar 2002 "Kunst der Gegenwart aus Mecklenburg-Vorpommern", Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern beim Bund Berlin 2003 "Kunst für private Gärten", Skulpturengarten Sürth, Köln 2005 Stilwerk, Hamburg 2006 "12 Jahre Sommerakademie Wismar", Gastprofessoren stellen aus, Baumhaus am alten Hafen, Wismar 2009 "Investition Kunst", Die Sammlung des Landes Mecklenburg-Vorpommern 1994–2008, Mecklenburgisches Künstlerhaus Schloß Plüschow
Kunst im öffentlichen Raum Stadtgeschichtliches Museum Wismar Staatliches Museum Schwerin (Sammlung des Landes Mecklenburg-Vorpommern 1994* 2008) Museum Utopie und Alltag, Beeskow Rathaus der Hansestadt Wismar Gewerbeschule Wismar Luxusliner MS "Europa" Kultusministerium Mecklenburg-Vorpommern Schwerin Universitätsklinik Rostock, Gehlsdorf Deutsche Bank Rostock Sparkasse Wismar Gebäude der Ostseezeitung Wismar Bibliothek Wismar Fachhochschule Wismar Hans-Schumacher-Haus Wismar Forensische Psychiatrie, Rostock Hotel am Rothenbaum, Hamburg Theater Wismar
Stipendien und Preise 1992 Stipendium des Deutschen Kulturfonds 1997 Stipendium des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern 1999 Carl-Malchin Preis der VR-Bank eGDoreen Dankert: Alfred Heth beklagt kulturelle Unbildung / Carl-Malchin-Preisträger kritisiert den Kunstbetrieb. In: Lübecker Nachrichten. 18. Dezember 1999.
Literatur/Kataloge 1981 "Rostock", BWA w Szczecinie, Kunsthalle Rostock 1981 "Verkaufsausstellung", Staatlicher Kunsthandel der DDR 1982 "Junge Künstler an der Küste", Almanach - Rat des Bezirkes Rostock, Abteilung Kultur 1982 "Künstler Matrikel", Kunsthalle Rostock 1988 "Junge Kunst VBK der DDR", Rat des Bezirkes Rostock, Abteilung Kultur 1991 "Kunst aus Mecklenburg-Vorpommern", Deutsche Bank Rostock 1991 "Seevetaler Künstler mit Gästen aus Mecklenburg", Stadt Rostock, Kreissparkasse Harburg, Gemeinde Seevetal 1992 "Linolschnitt heute", Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen 1993 "Neun Künstler", Bildungsinstitut Steeger& Gross 1994 "Alfred Heth", Kunstverein Kunsthalle Kühlungsborn 1994 "Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern", NDR 1995 "Grafikkalender 1995", Künstlerhaus Schloss Plüschow 1995 "Linolschnitt heute", Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen 1995 "Verwandlungen", Kunstverein Kapelle Weitendorf 1996 "Treibsand", Staatliches Museum Schwerin 1999 "9. Landesweite Kunstschau des Künstlerbundes Mecklenburg-Vorpommern", Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern 2001 "Kunst der Gegenwart", Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern 2001 "Gewerbeschule Wismar", Stadt+Haus Architekten und Ingenieure GmbH Wismar 2001 "Kunststreifzüge Mecklenburg-Vorpommern", Staatliches Museum Schwerin 2002 "Verborgene Gärten", Landesgartenschau Wismar 2007 "Kunst und Künstler in Nordwestmecklenburg", Kulturstiftung für den Landkreis Nordwestmecklenburg 2009 "Wismar Lübsche Straße 44 Warum...", "Das Boot" Wismar e.V.
Filme über Heth 1999 "Gefährdete Wesen", Kunststreifzüge NDR, Film des Norddeutschen Rundfunks von Michael Engler 2001 "Kunst der Gegenwart aus Mecklenburg-Vorpommern", Film des ZDF/3sat von Thomas Hocke
Einzelnachweise
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