Xanthomonas ( und , ‚Monade‘) ist eine Gattung von gramnegativen Bakterien, die der Familie Lysobacteraceae (früher als Xanthomonadaceae bezeichnet) zugerechnet werden. Der Befall von kommerziell angebauten Kulturpflanzen mit unterschiedlichen Arten und Pathovaren (pv.) von Xanthomonas führt zu unterschiedlich ausgeprägten Bakteriosen und zu teilweise bedeutenden Schädigungen der Pflanze. Für den Menschen ist Xanthomonas allerdings ungefährlich.

Beschreibung Bakterien der Gattung Xanthomonas sind gerade stäbchenförmige, 0,2–1 × 0,6–4 µm große Einzeller. Zur Fortbewegung sind sie polar begeißelt (meist monotrich). Sie wachsen aerob, sind oxidativ und bilden keine Sporen. Bezüglich der Gram-Färbung sind sie der gramnegativen Gruppe zugehörig. Xanthomonas-Bakterien bilden wasserunlösliche gelbe Xanthomonadin-Farbpigmente, die das Bakterium möglicherweise nach einer Pflanzeninfektion vor photobiologischer Schädigung schützen. Der GC-Gehalt beträgt bei der Xanthomonas campestris-Gruppe 63,5–69,2 mol%.

Systematik Liste von Xanthomons und der zugehörigen gültig beschriebenen Arten gemäß LPSN (Stand 3. September 2026):

Gattung Xanthomonas 1939 (Approved Lists 1980)

Xanthomonas albilineans 1943 (Approved Lists 1980) Xanthomonas arboricola et al. 1995 Xanthomonas axonopodis 1950 (Approved Lists 1980) „Xanthomonas badrii“ et al. 1950 Xanthomonas bonasiae et al. 2022 Xanthomonas boreopolis 2025 Xanthomonas bromi et al. 1995 Xanthomonas bundabergensis et al. 2025 Xanthomonas campestris 1939 (Approved Lists 1980) – Typusart Xanthomonas cannabis (ex 1978) et al. 2026 Xanthomonas cassavae (ex 1953) et al. 1995 Xanthomonas cerealis et al. 2024 Xanthomonas cissicola 2021 Xanthomonas citri (ex 1915) et al. 1989 Xanthomonas codiaei et al. 1995 Xanthomonas cucurbitae (ex 1926) et al. 1995 Xanthomonas dyei et al. 2010 Xanthomonas euroxanthea et al. 2020 Xanthomonas euvesicatoria et al. 2006 Xanthomonas floridensis et al. 2017 Xanthomonas fragariae 1962 (Approved Lists 1980) Xanthomonas graminis et al. 2024 Xanthomonas hawaiiensis et al. 2026 Xanthomonas hortorum et al. 1995 Xanthomonas hyacinthi (ex 1883) et al. 1995 Xanthomonas hydrangeae et al. 2021 Xanthomonas maliensis et al. 2015 Xanthomonas medicagonis et al. 2025 Xanthomonas melonis et al. 1995 Xanthomonas nasturtii et al. 2017 Xanthomonas oryzae (ex 1922) et al. 1990 Xanthomonas phaseoli (ex 1897) et al. 1989 Xanthomonas pisi (ex 1958) et al. 1995 Xanthomonas populi (ex 1958) 1990 Xanthomonas prunicola et al. 2018 Xanthomonas tesorieronis et al. 2025 Xanthomonas theicola et al. 1995 Xanthomonas translucens (ex et al. 1917) et al. 1995 Xanthomonas vasicola et al. 1995 Xanthomonas vesicatoria (ex 1920) et al. 1995 Xanthomonas youngii et al. 2022

Verschiebungen ​Pantoea stewartii ist ein pflanzenpathogener Erreger, der früher als Xanthomonas stewartii in die Gattung Xanthomonas gestellt wurde.

Auch Stenotrophomonas maltophilia wurde früher als Xanthomonas maltophilia hierzu klassifiziert.

Xanthomonas als Krankheitserreger mini|hochkant=1.66|Blattfleckenkrankheit bei Efeu, ausgelöst durch X. campestris pv. hederae. Durch Xanthomonas-Arten und Pathovare verursachte Schädigungen treten weltweit und an fast allen höheren Pflanzen auf. Dort sind sie Erreger von Pflanzenkrankheiten bei weltwirtschaftlich so bedeutenden landwirtschaftlichen Kulturen wie Reis, Kohl oder Weizen. Als typische Schadsymptome treten auf: Läsionen in Form von Nekrosen an Blätter, Stängel und Früchten, Welke vor allem an Blätter und Blatt- und Stängelfäule.

Xanthomonas campestris Die meisten Pflanzenkrankheiten werden durch Pathovare der Art Xanthomonas campestris hervorgerufen:

Xanthomonas campestris pv. campestris (auch Xanthomonas campestris pv. Campestris) ist verantwortlich für die so genannte Aderschwärze bei allen Kulturformen von Kohlarten wie beispielsweise Weißkohl oder Blumenkohl. Bei der Krankheit handelt es sich um eine Tracheobakteriose mit Welke und Fäule als Sekundärsymptom. Das Bakterium besiedelt und verstopft dabei die Leitungsbahnen (Tracheen) der Pflanze und kann bei feucht-warmer Witterung in epidemischer Form auftreten.

Xanthomonas campestris pv. begoniae verursacht die Blattfleckenkrankheit bei Kulturbegonien, insbesondere bei Begonien der Elatior- und Lorraine-Gruppe. Blätter weisen anfangs durchscheinende, ölfleckartige Blattflecken auf die später zu Nekrosen, häufig am Blattrand, werden. Die Blattfleckenkrankheit bei den genannten Kulturbegonien ist in entsprechend spezialisierten Zierpflanzenbaubetrieben von großer Bedeutung.

Xanthomonas campestris pv. pelargonii verursacht die bakterielle Stängel- und Blattwelke bei Pelargonien. Insbesondere bei der gartenbaulich weltweit relevanten Kultur von Pelargonium-Zonale-Hybriden und Pelargonium-Peltatum-Hybriden ist die Krankheit von großer Bedeutung. Symptome sind das vorzeitige Welken von Blättern im unteren Stängelbereich sowie der Fäulnisbefall des Stängels, der zum Absterben des Triebes führt. Kommerziell genutzte Mutterpflanzen für die Vermehrung entsprechenden Stecklingmaterials werden deshalb nur noch über Pflanzliche Gewebekultur unter Nutzung eines maximal 1 cm großen Abschnitts des oberen Sprossabschnitts unter Nutzung des bakterienfreien Apikalmeristems vermehrt.

Xanthomonas campestris pv. hyacinthii führt bei Hyazinthen zur Gelbfäule. Symptome der Krankheit sind ein insgesamt gehemmter Austrieb der Zwiebel und Wachstumsstockungen, glasige Blattstreifen, Blattabfall und Welke sowie der Austritt von gelbem Saft aus Faulstellen (Gelber Rotz).

Xanthomonas campestris pv. phaseoli ist der Erreger des Bohnenbrandes. Außer Phaseolus-Arten treten auch Sojabohne und Lupinen als Wirtspflanzen auf. Der Bohnenbrand führt zu Blattflecken und im späteren Stadium zu Nekrosen der Hülse. Dabei kommt es zum Austritt von Bakterienschleim.

Xanthomonas campestris pv. translucens verursacht bei der Getreideart Weizen die Schwarzspelzigkeit oder Streifenkrankheit. Als Wirtspflanze dienen verschiedene Triticum-Arten.

Xanthomonas campestris pv. juglandis ist der Erreger des Walnussbrandes bei der Walnuss. Symptome sind nekrotische Flecke im Bereich der Blattadern, an jungen Trieben und an Früchten, die frühzeitig abfallen. Es werden vor allem ältere Bäume befallen. Der Erreger kann in Blattknospen überdauern.

Xanthomonas campestris pv. citri verursacht bei Zitruspflanzen den so genannten Citruskrebs. Unter dieser Bakteriose leidet derzeit der Zitruslandbau Australiens, Brasiliens und der USA. Zur Bekämpfung erließen die USA ein Verbot der Einfuhr von Szechuanpfeffer, der die für Menschen völlig ungefährlichen Xanthomonas-Bakterien enthalten kann. Seit 2005 darf zuvor auf 70 °C erhitzter Szechuanpfeffer wieder eingeführt werden

Xanthomonas campestris pv. malvacearum schädigt ebenfalls eine landwirtschaftlich bedeutende Kultur, indem das Bakterium bei Befall von Baumwollpflanzen Blattfäule hervorruft. Zudem kommt es bei dieser Krankheit zu einer samenbürtigen Übertragung.

Xanthomonas campestris pv. oryzae führt bei Befall zur Weißblättrigkeit bei Reispflanzen.

Xanthomonas campestris pv. graminis (und weitere gattungsspezifische Pathovare) schädigt vor allem verschiedene Futtergräser aus der Familie der Poaceae (früher Graminae genannt) durch Blattfäule. Die weitere Unterteilung in gattungsspezifische Pathovare wie pv. poae, arrhenateri oder phlei weist auf eine weitere Spezialisierung des Bakteriums hin.

„Xanthomonas campestris pv. cannabis“ 1978 mit Referenzstamm ICMP 6570 alias LMG 9042 oder NCPPB 2877.LPSN: Pathovar "Xanthomonas campestris pv. cannabis" Severin 1978.

Zum Nutzen der Spezies siehe auch § Anwendungen.

Xanthomonas phaseoli Die hohe Immunität von Ginkgo biloba gegen Bakterienattacken wird durch den Säuregrad der Blätter erklärt. Sie macht den Baum resistent gegen verschiedene phytopathogene Bakterien, darunter Xanthomonas phaseoli, sowie Pseudomonas phaseolicola, Escherichia coli und Bacillus pumilus macht.

Xanthomonas populi Diese Spezies verursacht den Bakteriellen Pappelkrebs, eine in Mitteleuropa bedeutende Pappel-Krankheit (siehe Pappeln §Krankheiten und Fraßfeinde).

Xanthomonas translucens Hauptartikel: Xanthomonas translucens Xanthomonas translucens befällt Getreide und ruft dort die Schwarzspelzigkeit (auch bakterielle Streifenkrankheit genannt) hervor.

Anwendungen mini|Strukturformel von Xanthan Einige Stämme der Art Xanthomonas campestris scheiden das natürlich vorkommende Polysaccharid Xanthan aus. Es ist als Lebensmittel­zusatzstoff (Verdickungs- und Geliermittel) mit der E-Nummer E 415 auch für die Herstellung von Bio-Lebensmitteln zugelassen.zusatzstoffe-online.de: E 415 - Xanthan (Datenbank mit Informationen zu Lebensmittelzusatzstoffen). Industriell erzeugt wird Xanthan in wässrigen Lösungen zur Viskositätserhöhung zugesetzt, so beispielsweise bei Pudding, Diätsuppen, aber auch Druckerschwärze.

Der Stamm ATCC 11672 von „Xanthomonas badrii“ kodiert das Restriktionsenzym XbaI. XbaI ist eine Endonuklease (Typ II, Subtyp P), die DNA an einer palindromischen DNA-Erkennungsequenz schneidet. Näheres siehe unter XbaI.

Viren (Xanthomonas-Phagen) Es sind eine ganze Reihe von Xanthomonas-Viren (d. h. Bakteriophagen) bekannt.

Etliche Xanthomonas-Phagen gehören zur Siphoviren-Familie Mesyanzhinovviridae, darunter (mit Stand ICTV VMR v41.1, 29. Juli 2026) in derICTV Virus Metadata Re​source (VMR). Gattung Bosavirus: die Spezies Bosavirus bosa (mit Xanthomonas-Phage Bosa), die Spezies Bosavirus Doca6 (mit Xanthomonas-Phage vB_Xar_IVIA-DoCa6), die Spezies Bosavirus Doca10 (mit Xanthomonas-Phage vB_Xar_IVIA-DoCa10), die Spezies Bosavirus FMYAK (mit Xanthomonas-Phage FMYAK-P1) und die Spezies Bosavirus Xp12 (mit Xanthomonas-Phage Xp12). Gattung Docaquintavirus: die Spezies Docaquintavirus doca5 (mit Xanthomonas-Phage vB_Xar_IVIA-DoCa5) Gattung Elanorvirus: die Spezies Elanorvirus elanor (mit Xanthomonas-Phage Elanor) Gattung Mallosvirus: die Spezies Mallosvirus mallos (mit Xanthomonas-Phage Mallos) Gattung Xooduovirus: die Spezies Xooduovirus Xoosp2 (mit Xanthomonas-Phage Xoo-sp2)

Im Genom von Xanthomos oryzae Phage Xp12 () ist das gesamte Cytosin-Kontingent durch 5-Methylcytosin ersetzt.

Einzelnachweise LPSN: Genus Xanthomonas Dowson 1939 (Approved Lists 1980).Family Lysobacteraceae Christensen and Cook 1978 (Approved Lists 1980). Pieter-Jan Ceyssens: The Genome and Structural Proteome of YuA, a New Pseudomonas aeruginosa Phage Resembling M6. In: Journal of Bacteriology, Band 190, Nr. 4, März 2008, S. 1429–1435; doi:10.1128/JB.01441-07, ResearchGate:5781873 ().

Alan R. Poplawsky, S. C. Urban, Wesley Chun: Biological Ro​<1--maskiert gegen fehleranzeige durch WP rechtschreibprüfung-->le of Xanthomonadin Pigments in Xanthomonas campestris pv. Campestris. In: ASM Journals: Applied and Environmental Microbiology, Band 66, Nr. 12, 1. Dezember 2000, S. :5123-5127; , , PMID 11097878, ResearchGate:12229814 ().

Quellen Günter M. Hoffmann, Franz Nienhaus, Hans-Michael Poehling, Fritz Schönbeck, Heinrich C. Weltzien, Hubert Wilbert: Lehrbuch der Phytomedizin. 3. Auflage. Blackwell Wissenschaftsverlag, Berlin 1994. ISBN 3-8263-3008-0 Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 256. Auflage. De Gruyter, Berlin 1990. ISBN 3-11-010881-X Allgemeine Mikrobiologie; Georg Thieme Verlag Stuttgart, Hans G. Schlegel. 1992, ISBN 3-13-444607-3 FAO Plant Protection Bulletin 31,96.

Veröffentlichungen Gerhard Reuther, Martin Bahmann: Elimination of Xanthomonas campestris pv. pelargonii by Means of Micropropagation of Pelargonium Stock Plants; In: 3rd International Geranium Conference, 1992. Proceedings, Ball Publishing Batavia, IL. USA; (1992).

Kategorie:Gammaproteobacteria Kategorie:Gammaproteobakterien Kategorie:Pflanzenschutz