miniatur|hochkant=1.5|Ansicht von Südwesten, 1897Rechts die Bernhardskapelle, links davon das 1528/29 erbaute spätgotische Wohnhaus des letzten Abtes, Hermann von Köln, das später als Posthaus von Hessen-Kassel diente(Fotografie von Carl Friedrich Fay) Der Hainer Hof war ein Stadthof (Grangie) der namensgebenden Zisterzienserabtei Haina im Kern der Altstadt von Frankfurt am Main. Teile der mittelalterlichen Anlage wurden in den 1930er Jahren beseitigt, die übrigen historischen Gebäude im Zweiten Weltkrieg vernichtet. Reste der im Nationalsozialismus errichteten historisierenden Neubebauung sind zusammen mit Architektur der Wiederaufbauzeit auf dem alten Grundriss bis heute erhalten.

Geografische Lage miniatur|Verlauf der Braubach und parzellengenaue Darstellung der Umgebung des Hainer Hofs(Chromolithografie von Friedrich August Ravenstein von 1862 mit Überlagerung nach Karl Nahrgang 1949) Die Anlage liegt zwischen der Blockrandbebauung der Fahrgasse im Osten und der Kannengießergasse im Süden, wo sich ein öffentlicher Zugang befindet. Nach Westen und Norden schloss einst eine dichte Altstadtbebauung zwischen der Borngasse (jetzt Domstraße) und Schnurgasse (jetzt Berliner Straße) an.

Geschichte Vorgeschichte Aufgrund seiner Lokalisierung gehört der Hof in die Reihe von Anlagen, die in ihrer Nordgrenze genau auf die Braubach stießen, einen im ersten christlichen Jahrtausend verlandeten Nebenarm des Mains,Karl Nahrgang: Die Frankfurter Altstadt. Eine historisch-geographische Studie. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1949, S. 10 (Fußnote); nach Pollenanalysen und archäologischen Funden der Altwasserläufe von Rhein und Neckar. der im Altstadtbereich ungefähr dem Verlauf der heutigen gleichnamigen Straße folgte.Karl Nahrgang: Die Frankfurter Altstadt. Eine historisch-geographische Studie. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1949, S. 13. Der vorgelagerten ersten Stadtmauer der Stadt, die nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung zur Zeit der ottonischen Herrscher um das Jahr 1000 entstand, diente dieser als vorgelagerter natürlicher Graben.Magnus Wintergerst: Franconofurd. Band I. Die Befunde der karolingisch-ottonischen Pfalz aus den Frankfurter Altstadtgrabungen 1953–1993. Archäologisches Museum Frankfurt, Frankfurt am Main 2007, ISBN 3-8827-0501-9 (Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt 22/1), S. 95–98.

Bernhard von Clairvaux, selbst Zisterzienser, soll bereits 1146/47 während des Frankfurter Hoftags von König Konrad III. an dieser Stelle gewohnt, gewirkt und zum zweiten Kreuzzug aufgerufen haben. Der Kern dieser Überlieferung wird abseits zahlreicher phantastischer Ausschmückungen im Allgemeinen nicht bezweifelt.Elsbet Orth: Frankfurt am Main im Früh- und Hochmittelalter. In: Frankfurter Historische Kommission (Hrsg.): Frankfurt am Main – Die Geschichte der Stadt in neun Beiträgen. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1991, ISBN 3-7995-4158-6 (Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission 17), S. 29 u. 30. Johann Georg Battonn, Kanoniker am Bartholomäus-Stift, berichtete Ende des 18. Jahrhunderts aus sehr viel jüngeren stiftsarchivalischen Quellen, dass bereits 1152 eine Kapelle mit dem Namen Bernhards zum Gedenken an diese Ereignisse geweiht worden sein soll.Johann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main – Band III. Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1864 (online), S. 154 u. 155.

miniatur|Romanisches Herrenhaus des Großen Riederhofs, hier um 1910, von 1216 bis 1230 Niederlassung der Hainaer Mönche(Fotografie von Carl Friedrich Fay) Diesem Bericht folgt die ältere Literatur teilweise unkritisch,Carl Friedrich Fay, Carl Friedrich Mylius, Franz Rittweger, Fritz Rupp: Bilder aus dem alten Frankfurt am Main. Nach der Natur. Verlag von Carl Friedrich Fay, Frankfurt am Main 1896–1911, Text zu Tafel 39 in Heft 4. teilweise werden im Lichte der Quellenkritik aber auch Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Überlieferung laut,Rudolf Jung, Carl Wolff: Die Baudenkmäler in Frankfurt am Main – Band 1, Kirchenbauten. Selbstverlag/Völcker, Frankfurt am Main 1896, S. 223. zumal Bernhard erst 1174 heiliggesprochen wurde. Die jüngere Literatur stellt die Überlieferung Battonns nicht in Frage, sondern geht davon aus, dass die Kapelle nicht dem Kloster Haina, sondern dem 1140 in Aulesburg bei Löhlbach begründeten Vorgängerkonvent zugehörig war.Bernd K. Lindenthal: Die Stadthöfe des Zisterzienserklosters Haina. In: Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, Arbeitsgemeinschaft der Historischen Kommissionen in Darmstadt, Frankfurt, Marburg und Wiesbaden (Hrsg.): Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte. 31. Band, Selbstverlag der Herausgeber, Marburg 1981, S. 73. Die Frage nach zwangsläufig angeschlossenen Klostergebäuden, zu denen die Überlieferung erst 100 Jahre später einsetzt, bliebe, folgt man dieser Annahme, allerdings unbeantwortet.

Die Zisterzienser ließen sich im Frankfurter Gebiet, wenn auch nicht in der eigentlichen Stadt, bereits etwas früher nieder. 1193 hatte der staufische Kaiser Heinrich VI. den wohl von ihm etwa zeitgleich mit dem Saalhof errichteten Riederhof, östlich von Frankfurt an der heutigen Hanauer Landstraße gelegen, dem Frankfurter Schultheißen Wolfram I. von Praunheim geschenkt.Johann Friedrich Böhmer, Friedrich Lau: Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. Erster Band 794–1314. J. Baer & Co, Frankfurt am Main 1901, S. 15 u. 16, Urkunde Nr. 31. Kaiser Friedrich II. erlaubte nach Wolframs Tod seiner Familie, den Hof dem Kloster, das den Sitz gerade von Aulesburg nach Haina verlegt hatte, zu überlassen.Johann Friedrich Böhmer, Friedrich Lau: Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. Erster Band 794–1314. J. Baer & Co, Frankfurt am Main 1901, S. 20 u. 21, Urkunde Nr. 43. Besitzstreitigkeiten mit benachbarten Adeligen und der Stadt führten dazu,Johann Friedrich Böhmer, Friedrich Lau: Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. Erster Band 794–1314. J. Baer & Co, Frankfurt am Main 1901, S. 23, Urkunde Nr. 46.Johann Friedrich Böhmer, Friedrich Lau: Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. Erster Band 794–1314. J. Baer & Co, Frankfurt am Main 1901, S. 26, Urkunde Nr. 50.Johann Friedrich Böhmer, Friedrich Lau: Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. Erster Band 794–1314. J. Baer & Co, Frankfurt am Main 1901, S. 40, Urkunde Nr. 75. dass die Mönche den Hof jedoch bereits 1230 an das Kloster Arnsburg weiterreichten.Johann Friedrich Böhmer, Friedrich Lau: Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. Erster Band 794–1314. J. Baer & Co, Frankfurt am Main 1901, S. 46 u. 47, Urkunde Nr. 90.

Stadthof der Abtei 1238 bestimmten der Frankfurter Bürger Ulrich Lange und seine Frau Gertrud, dass ihr „domum, quam habet in foro nostro, dicto cenobio“, ihr am Markt gelegenes Haus, genannt „Kloster“, nach ihrem Tode als Erbstück an das Kloster Haina übergehen soll.Johann Friedrich Böhmer, Friedrich Lau: Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. Erster Band 794–1314. J. Baer & Co, Frankfurt am Main 1901, S. 59, Urkunde Nr. 115. Da zumindest Gertrud nachweislich aber noch 1254 lebte,Elsbet Orth, Michael Gockel, Fred Schwind: Frankfurt. In: Max-Planck-Institut für Geschichte (Hrsg.), Lutz Fenske, Thomas Zotz: Die Deutschen Königspfalzen. Repertorium der Pfalzen, Königshöfe und übrigen Aufenthaltsorte der Könige im deutschen Reich des Mittelalters. Band 1. Hessen. Lieferung 2–4, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1985–96, ISBN 3-525-36503-9 / ISBN 3-525-36504-7 / ISBN 3-525-36509-8, S. 368. der Eigentümerwechsel also auf sich warten ließ, wurden die Zisterzienser aktiv, um endlich zu einer städtischen Niederlassung zu gelangen.

Bereits zwei Jahre später hatten diese Anstrengungen Erfolg: 1240 verkauften laut einer in Wetzlar ausgestellten Urkunde die nur als „domini“ bezeichneten Friedrich von Marburg, seine Gemahlin Mathildis sowie Conrad von Willandesdorf und seine Frau Irmgard die „curiam quandam in Franckenvort iuxta cimiterium sitam“.Johann Friedrich Böhmer, Friedrich Lau: Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. Erster Band 794–1314. J. Baer & Co, Frankfurt am Main 1901, S. 63, Urkunde Nr. 124. Das Objekt war also eine damals schon vorhandene Stiftskurie, die in Frankfurt nahe dem Friedhof (Kirchhof) des Bartholomäusstifts lag.

Auffällig ist, dass beide Verkäufer keine Frankfurter Bürger waren. Johann Karl von Fichard vermutete hinter ihnen entfernte Verwandte einer damals ausgestorbenen Ministerialen-Familie, der der Hof zuvor gehörte.Johann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main – Band III. Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1864 (online), S. 154. Beweise dafür fehlen, Indizien sind einzig die große Nähe des Hofs zur Stiftskirche und der direkt westlich davon gelegenen, damals aber wohl schon untergegangenen Königspfalz Frankfurt. Sicher ist somit im Kontext der folgenden urkundlichen Nennungen nur, dass die 1240 von Haina erworbene Anlage mit dem bis heute als Hainer Hof bekannten identisch war.

miniatur|Innenansicht der Bernhardskapelle, Rekonstruktion nach Carl Theodor Reiffenstein, 1860(Aquarell) Nach dem Kauf war die Abtei rasch um eine Erweiterung der Räumlichkeiten bemüht: 1243 verkauften die Richter, Schöffen und die Bürger der Stadt dem Kloster die das Grundstück umgebende Mauer und verpachteten ihm einen angrenzenden Garten.Johann Friedrich Böhmer, Friedrich Lau: Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. Erster Band 794–1314. J. Baer & Co, Frankfurt am Main 1901, S. 68, Urkunde Nr. 135. Bei der erwähnten Mauer kann es sich aufgrund des Auftretens städtischer Würdenträger als Verkäufer nur um die ottonische Stadtmauer gehandelt haben. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden ihre Reste im Hainer Hof in Höhe des Hauses Nr. 7 entdeckt.Christian Ludwig Thomas: Der nordwestliche Zug der ersten Stadtmauer von Frankfurt a.M. In: Städtisches Historisches Museum (Hrsg.): Einzelforschungen über Kunst- u. Altertumsgegenstände zu Frankfurt am Main. Band 1 (mehr nicht erschienen), Verlag von Joseph Baer, Frankfurt am Main 1908, S. 166. Ein Umschwenken ihres Verlaufs ab dieser Stelle nach Süden würde zufriedenstellend die auffällige Rundung in den Parzellen zwischen Hof und Fahrgasse erklären, die in allen genaueren Stadtplänen zu erkennen ist.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird mit Sicherheit eine Kapelle als ein für ein Kloster notwendiger geweihter Raum – zumal dort nur zwei Mönche Dienst verrichteten – mit dem Namen Bernhards errichtet worden sein. In den ersten Jahrzehnten diente der Stadthof allerdings eher dazu, verschiedenen Adeligen und Bürgern der Stadt im Austausch für Schenkungen an das Kloster eine Wohnung zu bieten. Der Schwerpunkt der Tätigkeit im Frankfurter Raum war zu jener Zeit also noch auf die Ausdehnung der agrarischen Nutzflächen gerichtet.

Im weiteren Verlaufe des Mittelalters zeigen die Urkunden für den Hainer Hof die für Stadthöfe überregional typische Verschiebung der Funktion als „Handelshof“ zu einer solchen als passivem „Renthof“ auf. Anfangs dienten sie vor allem als Hebe-, Lagerungs- und Vermarktungsstellen für die agrarischen Einkünfte aus der Umgebung, in Frankfurt am Main vor allem aus der Wetterau (1324 zum ersten Mal nachweisbar).Bernd K. Lindenthal: Die Stadthöfe des Zisterzienserklosters Haina. In: Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, Arbeitsgemeinschaft der Historischen Kommissionen in Darmstadt, Frankfurt, Marburg und Wiesbaden (Hrsg.): Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte. 31. Band, Selbstverlag der Herausgeber, Marburg 1981, S. 65–67 u. 87 u. 88.